pedrei56

Peter Petereit

18.12.2011 | 07:59

Vorratsdatenspeicherung? Warum? Darum!

Unser Innenminister Ende November 2011:

 Friedrich sagte, sowohl beim Aufspüren islamistischer Zellen als "eben auch hier bei der Zwickauer Zelle" zeige sich die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung. Die Telekommunikationsdaten der Gruppe könnten sehr aufschlussreich sein: "Mit wem haben beispielsweise die beiden Terrorverdächtigen (Uwe) Böhnhardt und (Uwe) Mundlos von ihrem Wohnmobil aus telefoniert? Die Antwort auf diese Frage ist doch hier von großer Bedeutung."

Zugegeben, ein etwas betagtes Zitat. Aber es sagt im Grunde genommen folgendes aus: Mit „Vorratsdatenspeicherung“, „Mindestdatenspeicherung“; „Mindestspeicherfristen“ oder wie auch immer das Kind heißen mag, hätten wir zwar nicht gewußt, worüber, aber mit wem …

 Das klingt in Bezug auf Aufklärung der Mordserie erstmal plausibel…

 Doch mein Ansatz zu diesem „Fahndungsinstrument“ soll ein andere sein.

 In meiner Stadt kursiert weit verbreitet die „GüstrowCard“. Für meinen Einkauf in beteiligten Geschäften bekomme ich Bonuspunkte gutgeschrieben, die ich irgendwann in ein „Leckerli“ umtauschen kann. Als Verbraucher freut mich das, denn offenbar kriege ich was geschenkt…

Dass der Betreiber der „Card“ ganz andere Ziele verfolgt, wozu daran einen Gedanken verschwenden. Der weiss zwar nicht, was ich gekauft habe, aber wann und wo. Und welche Geschäfte ich so nacheinander bei meiner Einkaufstour frequentiere… Und welche Werbung man mir zustellen könnte…

 Dies ist die harmlose Variante der Vorratsdatenspeicherung. Mein Kaufverhalten wird ausgespäht und analysiert, denn die „Cards“ sind personalisiert.

Was interessiert den Staat mein Kaufverhalten. Herzlich wenig. Hauptsache ich sorge für Umsatzsteuer.

 Personalisiert sind auch legal erworbene Handys (incl. Prepaid), Festnetzanschlüsse und Internetverbindungen.

 Und jetzt wird es für den Staat Bundesrepublik Deutschland respektive die EU interessant…

  Zuersteinmal wird gebetsmühlenartig wiederholt, man wolle doch keinen „gläsernen Bürger“, da man sich ja nicht für Gesprächsinhalte interessiere, nur für harmlose Verbindungsdaten, liebe Datenschützer, nun habt euch mal nicht so… Und dem Mundlos und den Böhnhard…

 Ich stelle mir mal wieder vor, ich sei eine Sicherheitbehörde:

Was würde ich mit den „Verbindungsdaten“, gespeichert über einen Zeitraum von 6 Monaten anfangen?

Meine Zielperson bin ich selbst. Ich verfüge über Internet und Handy neuerer Generation. Ich telefoniere und surfe. Und verlasse gelegentlich meine Wohnung. Hin und wieder telefoniere ich auch aßerhalb meiner Wohnung. Mit Hinz oder Kunz.

 1.      Ich kann von mir ein Bewegungsprofil erstellen. Dank GPS und demnächst „Galileo“ selbst innerhalb der Wohnung, vorausgesetzt, ich nehme das „I-Phone“ mit auf’s Klo…

Mit wem ich so telefoniere – kein Problem. Da hätten wir schon den Bekanntenkreis.

2.      Anhand der Internetverbindungsdaten, weiß ich um mein Surfverhalten. Ich weiß zum Beispiel, dass ich häufig den „Freitag“, das „ND“ und die „Junge Welt“ virtuell besuche. Und ich weiß sogar, wann und welchen Artikel ich dort gelesen und vielleicht sogar kommentiert habe. Und wem ich eine Mail geschickt habe. Wen ich über Skype kontaktiert habe. Und, hoppla, da erwische ich mich doch sogar beim Besuch einer Pornoseite im www.

3.      Schlußfolgerung: Da ich nicht die „Junge Freiheit“ lese, bin ich offensichtlich kein „Rechter“. Aber auch kein potentieller Schwarzgelbwähler. Und menschliche Schwächen habe ich auch. Ich weiß, wie ich denke. Und ich denke nicht unbedingst im Sinne der „Extemismusklausel“

4.      Diese, meine Haltung passt nicht in mein Konzept vom idealen Staatsbürger, der „Bild“ liest, sich für „Brot und Spiele“ interessiert und mir nicht Zweitfrau, Zweitwagen e.t.c. neidet.

5.      Konsequenz: a) Trojaner unterjubeln, zur Not ein paar Kinderpornos platzieren b) anregen, ob man mich nicht auch einfach mal so wegsperren könnte, wie es im Mutterland der Menschenrechte möglich ist.

 

Dieses Beispiel hätte ich noch weiter „ausschmücken“ können. Viel Fantasie braucht das nicht.

 

Wenn ich mir jedoch vorstelle, dass, um Abermilliarden Euro oder Dollar dank modernster Rechentechnik mehrmals ums Erdenrund kreisen zu lassen, nur noch Sekundenbruchteile nötig sind, dann kann ich mir auch vorstellen, was mit den Verbindungsdaten aller Bundesbürger innerhalb eines halben Jahres (oder innerhalb von 4 Monaten, Kompromißvorschlag Friedrich) geschehen kann. Und, die Daten werden „fortgeschrieben“, ist für Datensatz 1 das halbe Jahr abgelaufen, fängt für Datensatz X das Halbe grade an…

 

Es geht um nichts weniger, als um die totale Kontrolle der Bevölkerung. Die Kontrolle ALLER im Interesse WENIGER.

Darum!!!

 
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Kommentare
anna T. schrieb am 18.12.2011 um 12:08
Danke Pedrei56 und einen schönen 4.ten Advent ; )
anna T. schrieb am 18.12.2011 um 12:22
noch zu deiner Antwort in J.J.s Blog eine Frage. Meinst du GAR will,kann ,oder darf das nicht verfolgen bzw. aufarbeiten?
pedrei56 schrieb am 18.12.2011 um 13:48
Liebe anna T., können - ja, wollen - vielleicht. Mit dem "dürfen" wird es so eine Sache werden. Bezogen auf die Veröffentlichung tatsächlich gewonnener Erkenntnisse.
KarinL. schrieb am 18.12.2011 um 17:41
Danke für diesen sehr treffenden Beitrag!! Ich sage nur Orwell lässt grüßen! Schauerlich was da auf uns zu kommt. Nur warum gehen wir dagegen nicht auf die Strasse??

Kann mir das einer mal erklären? Oder wurde das Internet geschaffen um rein virtuell zu revolutionieren?!

Das ändert leider nur nicht die Tatsachen!
Alien59 schrieb am 18.12.2011 um 17:45
Danke für die bildhafte Darstellung.
Die Frage ist: wie kommen wir aus der Nummer wieder raus? Die Antwort auf diese Frage wäre m.E. dann das, was energisch gefordert werden müsste.
Dirk Bellmann schrieb am 18.12.2011 um 19:03
Karin L. schrieb:

"Schauerlich was da auf uns zu kommt. Nur warum gehen wir dagegen nicht auf die Strasse??"

Ja, warum gehen wir nicht auf die Straße?! Weil wir Angst haben! Angst vor denen, die diese Bespitzelungen vor allem aus dem Grund initiieren, um die Teile der Bevölkerung, die ihnen selbst gefährlich werden könnten, auszuschalten.

Ich bezweifle inzwischen, ob es diese "braune Terrorzelle" überhaupt gegeben hat. Für mich stinkt die ganze Sache gewaltig zum Himmel und ich vermute eher, daß hier Marionetten von Seiten des Staats- und Verfassungsschutzes eingesetzt worden sind.

Tenor: "Seht die braune Gefahr - und allein durch Überwachung können wir Euch vor dieser Gefahr schützen".

Wenn das deutsche Volk einen unverzeihbaren Fehler machen kann, dann wäre es jener, den Ratten aus Politik, Justiz und Sicherheitsbehörden auch nur ein einziges Wort zu glauben...
KarinL. schrieb am 18.12.2011 um 21:34
Lieber Dirk,

genau so wie du denke ich auch über die "braune Terrorzelle". Der Staat schafft erst Probleme um sich dann als Retter hinzustellen bzw. um seine Interessen durch zu setzen. Was wirklich da ablief wird uns wohl keiner sagen.

Apropo Ratten...dagegen gibt es doch Mittel :-)
Ismene schrieb am 18.12.2011 um 21:39
Ach ja, die "Zwickauer Zelle" hätte man mit Vorratsdatenspeicherung aufgespürt. Ja, nee. Für wie blöd halten die uns eigentlich? Wenn der Verfassungsschutz wirklich V-Leute hätte, hätten einiger der Morde verhindert werden können, nicht durch Vorratsdatenspeicherung, sondern durch vernünftiges Ermitteln und richtiges Hinschauen. Als ob nicht bekannt wäre, wie Kontakte laufen!

Aber wenn wir über alle Bürger alles mögliche speichern, da bin ich einverstanden, dann können wir auch ganz anders Druck ausüben!

Danke! Das ist mal ein wichtiger Ansatz!
pedrei56 schrieb am 18.12.2011 um 21:41
Angst scheint mir ein anderer Teil der Strategie zu sein, die Bevölkerung zu kontrollieren. Neben Ablenkung. Und neben bereits existierenden Gesetzen, von denen wir meist nichts wissen.
Ich fang mal hinten an: In Deutschland sind Streiks zur Durchsetzung politischer Ziele verboten. Solche Streiks würden bereits in Ansätzen rigide unterbunden werden, denn sie könnten dazu führen, irgendwie die Systemfrage zu stellen. "Meckern" in Form von Demonstrationen gegen oder für irgendwas, wird geduldet. So als Ventil, zum Luftablassen... Wenns zu bunt wird, geht der "Staat" dazwischen (z.B. Heiligendamm, Gorleben) und es wird uns die Statistik der verletzten Beamten präsentiert (Mitleid bitte, die haben doch nur ihre Pflicht getan). Ich sage es mal unverblümt: Eine Lichterkette z.B., und mag sie symbolisch Städte verbinden, geht denen glatt "am Arsch vorbei.
Ablenkung? Längst haben Fußball, Titten, "lustige Videos", Promis, Katastrophen, Verkehrsunfälle u.s.w. wieder die Titelseiten des Mainstream besetzt. In "Dokusoaps" wird "die Wahrheit erfunden"... Der wahre Kampf gegen Rechts z.B. findet, wenn überhaupt, dann nur noch unter ferner liefen statt. Auch die Themen "Wulff" und "FDP" werden entsprechend genutzt.
Und Angst. In verschiedenster Form. Euro- oder Finanzkrise (muß ich um mein Erspartes fürchten - nein, Merkel kämpft für Dich), ominöse "Anschlagsserien", die meist links verortet werden. Und Grippewellen. Die nächste kommt bestimmt.
Und während sich der Deutsche bibbernd um seine Gesundheit sorgt, werden die schlimmsten Gesetze klammheimlich durch die Instanzen geschleust... Terrorzellen... gelenkte Information.
Ein Beispiel: Heute morgen um gegen 03.00 Uhr wollte meine Blase nicht so, wie ich wollte. Und auf D-Radio Kultur hörte ich die Meldung über Geldzuwedungen des VS an das Nazi-Trio.
Danach war Funkstille. Mein Radiosender brachte diese Nachricht 02.00 Uhr und 03.00 Uhr. Danach war "Funkstille", erst in den 11.00 Uhr Nachrichten tauchte die Meldung wieder auf. Nachdem auch ander Medien "aufgewacht" waren...
Angst ist für alles gut, da jeder Mesch ein kleiner Egoist ist...
Jetzt hör ich auf. Sonst wird's ein Blog im Blog.
Danke für Eure Kommentare.
pedrei56
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