18.07.2010 | 22:02

Henryk M. Broder - “Der Pornoschriftsteller”

Erstaunlich, wie es dem hasserfüllten Broder immer wieder gelingt, seinen Strauß ressentimentgeladener Pseudoinformationen in einem Artikel zu bündeln und dann auch noch in seriösen Zeitungen unterzubringen, z.B. am 12.7.10 “Betreten auf eigene Gefahr”. Ein unglaubliches Sammelsurium hässlicher Vorurteile. Das erlaubt sich nur ein Broder, der Mann, der seit einem Berliner LG-Urteil vom 25.11.2008 wegen seiner Vergangenheit sogar “Pornoschriftsteller”genannt werden darf. In diesem Urteil findet man wichtige Hinweise auf Qualität und Methode eines Henryk M. Broder:

„Wer das Recht der freien Meinungsäußerung in der Weise benutzt wie der Kläger (Henryk M. Broder), muss sich auch selbst deutliche Kritik an seiner Person gefallen lassen“…

Und weiterhin attestiert das Berliner Landgericht dem Kläger Broder

„eine besondere Vorliebe für eine Ausdrucksweise mit sexuell drastischen und dem Genitalbereich entstammenden Begriffen (…), die er auch benutzt, wenn es gar nicht um sexuelle oder verwandte Themen geht, so dass auch politische und andere Diskussionen immer wieder mit sexuellen Konnotationen aufgeladen werden.”

Dass ein solcher Schreiberling anlässlich eines sehr bedauerlichen und verurteilenswerten Gewaltexzesses in einem Neuköllner Schwimmbad wieder in seine altbekannte Diskriminierungskiste greift, um einen wirren Artikel zu schreiben, ist klar.

Die inhaltliche Wirrnis seiner Artikel ist HMB jetzt wohl selbst schon aufgefallen. Er erfindet “10 Regeln für eine ausgewogene und faire Berichterstattung“.

Kommentatoren sind Broder bereits zu Hilfe geeilt und haben diese “Regeln” sinnvoll ergänzt. Hier noch zwei weitere Ergänzungsregeln:

Die 16. Regel:

Und wenn du einen Menschen trriffst, der behauptet, Broder sei ein “Pornoschreiber” dann vergiss nicht, dass das lt. einem Berliner LG-Urteil vom 25.11.08 rechtens ist.

Die 17. Regel:

Bis spät in die 80er Jahre hieß es: Wenn dieses Gesicht (gemeint war Gerhard Löwenthal, das westliche Pendant zu Eduard Schnitzler) auf Ihrem Bildschirm auftaucht, dann bitte sofort abschalten!
In Analogie dazu gilt heute die 17. Regel: Wenn der Name Henryk M. Broder als Autor auftaucht, dann bitte sofort umblättern! Du versäumst nichts, wenn du Broders Tiraden ungelesen lässt.

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.07.2010 um 22:19
Den Text "Betreten auf eigene Gefahr. In Berlin mussten 7000 Gäste wegen einer Schlägerei am Beckenrad ein Freibad verlassen" finde ich schon mal sehr witzig, mit den richtigen Fragen gespickt und so im Faß umrührend, daß man beim Brunner-Blog von Netzmann gleich weiterlesen kann. Lieder mit etwas weniger Witz.
Das weiters Verlinkte ist wohl einfaches Nachkarten auf 68er-Schreiberling-Niveau.
j-ap schrieb am 18.07.2010 um 22:33
Lieber Walter,

wer hätte sich jemals träumen lassen, daß ausgerechnet »68er« mal ein Urteil des anständigen deutschen Landgerichts Berlin als Lorbeerkranz um die eigene verhinderte Humorambition winden, um zu wissen, daß man das ja wohl »rechtens« so sagen dürfe?

Ist das nun einfach nur ridikül oder schon kurios?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.07.2010 um 22:43
Jedenfalls, darauf hebe ich mein Glas und meine Zeitung!
peno schrieb am 19.07.2010 um 16:23
@walter ter linde
bin sehr froh und beruhigt, dass es zu "Betreten auf eigene Gefahr ..." und "10 Regeln ...", vor allem auch zu Broders Schreibereien auch deutlich andere Meinungen gibt. Dass Broder auch seine unantastbare Fan-Gemeinde hat, zeigt sich in jedem Forum.
peno schrieb am 19.07.2010 um 16:39
@walter ter linde
sind die - kaum spaßigen - Angriffe gegen die "68er" nicht allmälich kalter Kaffee?
"einfach nur ridikül oder schon kurios?", wie j-ap (s.u.) schreibt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.07.2010 um 16:52
Vor 68 gabs z.B. noch gar kein Porno. So.
Jetzt erst ist der Kaffee heiß!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.07.2010 um 17:15
Mit (s.u.) meint der "Alt-68er" (s.o.)?
So genau wurde wahrscheinlich "damals" zitiert?
Peter Bayer schrieb am 18.07.2010 um 23:17
Die beiden Artikel ordne ich ein unter der Rubrik "ironisch mit einem Hauch Zynismus". Nichts was mich als - leider - ehemaligen Pardon-Leser irgendwie schockieren könnte. Ich halte diese Methode für außerordentlich wirksam um öffentliche Diskussionen zu entfachen.
Einen Kunstfehler muss man Broder allerdings ankreiden: Seine nicht belegten Pseudo?-Zitate im Freibad-Artikel: "konkurrierende Familienclans mit Migrationshintergrund" und "Massenschlägerei am Beckenrand". Korrektes Zitieren wäre hier wichtig, weil ohne das erste Zitat der ganze Artikel nicht richtig funktioniert.

Grüße
ed2murrow schrieb am 19.07.2010 um 12:29
Sehr geehrter Herr Noll,

wie Sie es qualifizieren, nämlich "hasserfüllten Broder immer wieder gelingt, seinen Strauß ressentimentgeladener Pseudoinformationen" wurde von Gerichten noch nicht entschieden, es hängt da noch ein wenig Justiziablität drin. Obwohl ich nicht glaube, dass etwas, was von Zeit-online bereites wegen Verstosses gegen die AGB editiert wurde

community.zeit.de/user/peno/beitrag/2010/07/18/henryk-m-broder-%E2%80%9Cder-pornoschriftsteller%E2%80%9D

Broder wirklich interessieren würde. Aber immerhin, danke für den Link auf das Urteil, es zeigt den Zusammenhang.

Übrigens: Waren Sie schon mal in einem Freibad in Rom? Nicht? Unbedingt für Seelchen empfehlenswert, junge Römer sind noch wesentlich schlagfertiger als Broder.
dame.von.welt schrieb am 19.07.2010 um 12:39
Nun ja, lieber ed2murrow - wie haßerfüllt Herr Broder ist, kann man folgender Auseinandersetzung gut entnehmen: content.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2144747_0_9223_-dokumentiert-broder-an-palmer-an-broder.html

Diese Löschung bei der Zeit empfinde ich, wie so oft, als willkürlich. Die AGB nach Relaunch sagt nach meinem Verständnis in erster Linie aus, daß nicht mehr Zeitonline, sondern die Nutzer selbst für ihre Äußerungen juristisch verantwortlich sind. Weswegen sich ja die Redaktion nun auch bei Volksverhetzung, übler Nachrede etc.pp. sehr viel Zeit mit der Löschung lassen kann und das auch tut.
peno schrieb am 19.07.2010 um 16:48
@dame.von.welt
vielen dank, liebe dame.von.welt, für ihren Dokumentations-Link. Einiges davon kannte ich bereits. Ich fürchte aber, dass die Broder-Freunde auch durch solche Infos in ihrer Broder-Euphorie nicht gebremst werden können.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.07.2010 um 16:57
Die Zuschreibung "haßerfüllt" bekommt für mich so langsam eine positive Füllung. Zahnärztliche Hilfe im Nachtstudio, damit man wieder kraftvoll zubeißen kann.
ed2murrow schrieb am 19.07.2010 um 18:05
@ dame von welt

Bin mir nicht sicher, wie 95% der hier Bloggenden reagieren würden, bekämen sie in der Antwortmail gleich mal ein "Gegenfrage: Glauben Sie, ich hätte noch nie einen Artikel von Ihnen gelesen und würde nicht erkennen, was Sie wirklich beabsichtigen?" vor den Latz geknallt.

Aber ich merke schon, was alleine der Name Broder hier im Blog zu bewegen vermag und wen, vor allem wie: "Broder-Freunde", "Broder-Euphorie", wie es Blogger peno auszudrücken beliebt, ist mit derart gallertartigem Vorurteil aufgedunsen, dass einem übel wird. Mich wundert, dame, dass Sie sich dazu hergeben.
ed2murrow schrieb am 19.07.2010 um 18:09
Ein Nachtrag: Meine Frage, ob jemals ein Freibad in Rom besucht wurde, ist natürlich von Blogger peno nicht beantwortet worden.
peno schrieb am 19.07.2010 um 18:42
@ed2murrow
sorry, aber mir schien die Bedeutung Ihrer Freibad-Frage im hier gegebenen Sachzusammenhang ziemlich mysteriös.
Wenn es aber doch der Sachaufklärung dienen sollte: NEIN!
dame.von.welt schrieb am 19.07.2010 um 19:14
@ed2murrow
95% der Blogger hier haben auch nicht eine derartig spitzgefeilte Zunge wie Herr Broder, finden Sie nicht? 95% der Blogger werfen auch mit Antisemitismusvorwürfen nicht ganz so inflationär um sich oder haben nicht als Lieblingshobby Auseinandersetzungen vor Gericht. Ich fand Boris Palmes Antwort auf Broders Fragenkatalog schon völlig in Ordnung. Ist Ihnen denn die Geschichte drumherum überhaupt bekannt?

Was meine persönliche Haltung zu Henryk Modest Broder angeht, so gibt es Artikel, wo mir seine Polemik und Zuspitzung gefallen. Ich meide aber alles von ihm zu Israel und Islam - da ist er mir viel zu sehr in reflexhafter Freund-/Feind-Denke verhaftet.

Wozu ich mich nun 'hergegeben' hätte, indem ich den Emailwechsel zwischen Broder und Palme verlinkt habe - keine blasse Ahnung, was Sie damit meinen. Das Vergnügen (ich hoffe, es ist eins) ein römisches Freibad zu besuchen, hatte ich noch nicht, nein. Ich schwimme lieber in Seen oder im Meer.
ed2murrow schrieb am 19.07.2010 um 21:17
@ peno
Zu dem Mysteriösen: Ich deutete es an, junge Römer sind schlagfertig - das kann man immer wieder in besagten Bädern beobachten. Da ist das Normalität. Ich empfand Broders Tonlage, diese Ironie auf die Flucht aller nicht Involvierten, daher besonders treffend. Der Mann kennt mediterrane Usancen und sieht belustigt zu, wenn diese mit guten teutschen Tugenden wie Sittsamkeit und Ordnung kollidieren.
Wenn das haßerfüllt sein soll ...
ed2murrow schrieb am 19.07.2010 um 21:26
@ dame.von.welt

95% der Blogger hier sind auch keine Juden, nehme ich jetzt einfach mal an.

Die Sensibilität zu bestimmten Themen nimmt aber mit dem Grad persönlicher Betroffenheit erstaunlich zu, finden Sie nicht? Ist das eine Entschuldigung (die im übrigen bei dem angegriffenen Artikel gar nicht notwendig ist)? Keineswegs, aber ein Schlüssel zum Verständnis. Ein Verständnis, das dem Verfasser dieses Blogs völlig abgeht, von der textlichen Erfassung des "inkriminierten" Artikels von Broder einmal ganz abgesehen.

Ich nehme das mit dem Beispringen zurück.
Achtermann schrieb am 20.07.2010 um 08:22
Es ist fragwürdig, ob man Broder gerecht wird, wenn man ihn so vorstellt, wie in diesem Blog geschehen: „Schreiberling“, „hasserfüllt“ oder ihn als Verbreiter „ressentimentgeladener Pseudoinformationen“ einordnet.

Broder hat sich mit vielen zerstritten. Auch mit der Linken, deren Antisemitismus er nachspürte. Und das scheint nachzuwirken. Auch hier im Freitag kam es zu heftigsten Auseinandersetzungen bis hin zum Ausschluss des Mitgliedes „fidelche“, als der linke Antisemitismus zum Thema gemacht wurde. Das scheint die Stelle im Selbstverständnis derer zu sein, die sich politisch links einordnen, die sie reflexartig und überschäumend reagieren lässt.
dame.von.welt schrieb am 20.07.2010 um 10:35
@ed2murrow
Herr Broder ist mit seinen Antisemitismusvorwürfen ja nun bekanntlich auch Juden gegenüber nicht gerade kleinlich. Einer der Punkte, wo es mir mit der Sensibilität bei ihm nicht sehr weit her zu sein scheint.

@Achtermann
Ihr Eindruck war, das fidelche wegen seinem Nachspüren nach linkem Antisemitismus gesperrt wurde? Meiner war eher, daß das wegen Regelbruch geschah. Schrieb das nicht auch Jan-Jasper Kosok mehrfach?

Erstaunlich finde ich allerdings auch, daß es offenbar nicht möglich ist, in Gelassenheit und Respekt und ohne Freund-/Feind-Denke zu diskutieren. Weswegen ich mich von fidelches Diskussionen nach einer Erfahrung damit auch ferngehalten habe.

Den Vorwurf des Antisemitismus halte ich für einen wirklich schwerwiegenden. Nach meinem Eindruck wird er zunehmend inflationär benutzt, darin und auch in seiner Wirkung gleicht er der Nazikeule aufs Haar. Mein Eindruck ist auch, daß es in erster Linie um eine Diskreditierung geht und weit weniger um Inhalte. Um sich mit denen auseinander setzen zu können, bedürfte es ja ein klein bißchen Gelassenheit und Respekt.
Achtermann schrieb am 21.07.2010 um 08:18
@ dame.von.welt

Du schreibst: „Ihr Eindruck war, das fidelche wegen seinem Nachspüren nach linkem Antisemitismus gesperrt wurde? Meiner war eher, daß das wegen Regelbruch geschah.“

Nein, das meinte ich nicht. Ich habe geschrieben: „Broder hat sich mit vielen zerstritten. Auch mit der Linken, deren Antisemitismus er nachspürte.“ Broder ist nicht fidelche. Letzterer hat den linken Antisemitismus zum Thema hier im Freitag gemacht, und darüber wurde heftig gestritten, bis hin zum Ausschluss von fidelche. Das Thema ist es, das im linken Spektrum tabuisiert wird, ist mein Eindruck.

Wenn man mal gelesen hat, welche Zuschriften Broder von Rechten und Rechtsradikalen täglich bekommt, die sich in ihrem Sprachduktus von dem der Nazis nicht unterscheiden, ist es ziemlich fragwürdig, Broder mit abkanzelnden Begriffen, wie ‚Schreiberling‘ zu belegen.
Achtermann schrieb am 21.07.2010 um 08:41
P.S.:

Hier ist ein Originaltext an Broder gerichtet, seiner Website entnommen:

Gut das endlich dieser Juden-Dreck und ein weiteres Hetz-Festival der Zio-Nazis vor dem Aus stehen.

Tja, frueher hat der deutsche Staat sogar die Nutten fuer den Juden Friedman bezahlt.

Anti-semitisch? Wohl kaum! Die in Deutschland anwesenden Juden sind eh keine Semiten genau wie die meisten “juedischen” Landbesetzer in Palestina.

Euch Moerdern und Kriegstreibern wird bald das Handwerk gelegt.

Beklagt euch dann wieder ueber steigenden “anit-semitimus”.

Die halb-juedische Kanzlerin Merkel wird bald auch abgewaehlt.
dame.von.welt schrieb am 21.07.2010 um 12:31
@Achtermann
Mein Eindruck ist definitiv nicht, daß Linke Antisemitismus tabuisieren würden, auch nicht den aus den eigenen Reihen*.

Mein Eindruck von fidelches Diskussionsweise war aber ganz generell, daß er schnell mit seinen persönlichen Vorurteilen und mit Unterstellungen zur Hand war, die dann von seinen Gesprächspartnern zu widerlegen waren, was ich für einen unguten Stil halte. Nachdem er mir z.B. erklärt hatte, daß ich mich als Frau von Religionen gefälligst unterdrückt zu fühlen habe und mir, als ich in Teilen widersprach, in der Folge unterstellte, ich würde Religionen für ausnehmend frauenfreundlich halten, nahm ich an seiner Antisemitismus-Diskussion erst gar nicht teil. Die war mir auch beim stillen Mitlesen bei weitem zu undifferenziert. fidelche thematisierte auch weniger Antisemitismus, als er, wie gewohnt und thematisch austauschbar, seine Urteile verkündete.

Was nun den üblen Text von Broders Website angeht, so ist eine einzige Aussage daraus sogar mutmaßlich inhaltlich richtig: 'Die in Deutschland anwesenden Juden sind eh keine Semiten genau wie die meisten “juedischen” Landbesetzer in Palestina.' Bitte vergleichen Sie mit z.B. Shlomo Sand 'Die Erfindung des jüdischen Volks' www.tachles.ch/nachricht-alt.411.0.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4656&no_cache=1 Was den Text an Broder nicht mal ein bißchen weniger übel, haßerfüllt, deplatziert und verurteilenswert macht.

Bei Diskussionen über Israel, Palästina, Antisemitismus, Antizionismus, Islam fehlt mir vor allem Differenzierung und Sensibilität. Auch bei Broder. Das Erarbeiten einer Position ist bei all diesen Themen sehr viel komplexer, als Broder in seinen Polemiken glauben machen möchte.

Wundert es Sie nicht, daß eine ultrarechte Plattform mit 'Pro Israel Pro USA' wirbt? Daß Ralph Giordano sich mit seinen Positionen zum Kölner Moscheenstreit vor dem Beifall der Rechtsextremen kaum retten konnte? Ähnliches gilt für Broder auch. Es gilt nicht die einfache Formel, daß, wer pauschal und in allem für Israel, für Juden und gegen den Islam ist, automatisch auf der richtigen, der nicht rassistischen, der nicht nationalistischen Seite ist.

Es gibt einen ganz erheblichen Antisemitismus und Rechtsextremismus unter wiederum pauschalen Befürwortern der Handlungsweisen der arabischen Welt. *Mir scheint der Antisemitismus von links in erster Linie einem Reflex geschuldet, nämlich sich immer auf die Seite der Schwächeren zu stellen. Sehr gefährlich wird es dann, wenn die Verbrechen der Palästinenser in dem seit 60 Jahren andauernden Konflikt nicht gesehen oder herabgespielt werden und Israel einseitig dafür verurteilt wird.

Es gibt aber die Möglichkeit, mit den Menschenrechten als Leitfaden den Gründungsmythos Israels zu kritisieren, ohne dabei Israel sein Existenzrecht abzusprechen. Es gibt die Möglichkeit, auch! die Seite der Schwächeren zu sehen (und das sind, bei aller Verurteilung ihres Terrorismus, die Palästinenser) und sich an Diskussionen lösungsorientiert und möglichst ohne jede blindmachende Parteinahme zu beteiligen.

Dazu gehört für eine differenzierte Diskussion auch, die nationalistischen und rassistischen Tendenzen in Israel kritisieren zu können, ohne sofort des Antisemitismus bezichtigt zu werden. Es gibt ausdrücklich jüdischen Rechtsextremismus und Nationalismus in Israel und das derzeit nicht zu knapp.

Broder nimmt mit seinen Polemiken vielen seiner Freunde vermeintlich die Notwendigkeit zum Selber-Denken ab. Broder hat darin jede Qualität eines Demagogen, der er womöglich gar nicht sein möchte, sondern dazu auch gemacht wird. Ich halte ihn aber bei weitem für zu klug, als daß er sich dieser Tatsache nicht bewußt wäre. Nach meinem Eindruck genießt er seine Rolle als Provokateur ein bißchen sehr und rutscht dabei auf seiner Eitelkeit und Selbstverliebtheit aus - ihm fehlt jeder Zweifel an seiner Methodik.

Weswegen ich ja den Briefwechsel zwischen Boris Palme und Broder verlinkt habe, wo Broder bereits in seiner ersten Anfrage versuchte, Felicitas Langer de.wikipedia.org/wiki/Felicia_Langer in eine Reihe mit Naziverbrechern zu stellen. Zitat daraus: '...5. sind ihnen die fälle "Hans Ernst Schneider alias Hans Schwerte” und "Heinrich Wilhelm August Bütefisch” bekannt? ich möchte gerne versuchen, dann fall lange zu entskandalisieren und als das darzustellen, was er vermutlich ist: eine vermeidbare panne in der kommunikation unter behörden.' Über Hans Ernst Schneider alias Hans Schwerte tinyurl.com/2v8roou über Heinrich Wilhelm August Bütefisch de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_B%C3%BCtefisch

Der letzte Absatz geht auch an Sie, @ed2murrow, auch wenn Sie Ihren Vorwurf des 'Beispringens' nun zurück nahmen. Mir scheint nämlich, Sie haben den Briefwechsel gar nicht wirklich gelesen, bzw. sich über den Gehalt von Broders Frage nicht weiter orientiert, indem Sie Palmes Antwort darauf als 'vor den Latz geknallt' deuteten. Ich fand sie nämlich in Kenntnis des Kontext eigentlich noch sehr moderat.
Achtermann schrieb am 22.07.2010 um 07:55
@ dame.von.welt

Es ist richtig, Broder neigt zur Überheblichkeit, zur Selbstgefälligkeit. Er ist Polemiker und Zyniker und wirkt (ist) oft ungerecht, weil er ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten seiner Kontrahenten auch ins Persönliche geht. Und doch gibt es ihn, den linken Antisemitismus, den insbesondere Broder immer wieder thematisiert.

Ein international bekannt gewordenes Beispiel lieferte Christian Ströbele, der 1991 zu den irakischen Raketenangriffen auf Israel sagte: „Die irakischen Raketenangriffe sind die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels.“ Diese Aussage löste in Israel Proteste aus und führte zur vorzeitigen Abreise einer Delegation der Grünen. Ströbele ist sicher jemand, der den Holocaust verurteilt, der auch Gedenkfeiern zur Befreiung von Auschwitz beiwohnt, doch letztendlich schob er dem Staat Israel die Verantwortung für gewaltsame Auseinandersetzungen zu. Es sind Interpretationsfragen, ob sich Israel ausschließlich zur Wehr setzt oder als Ursache der Gewaltkonflikte gesehen wird. Wer die letztere Position einnimmt, wird sich selbst nicht als Antisemiten sehen, jedoch den Juden die Ursache am Antisemitismus zuschieben. Aber ist das nicht antisemitisch?

Deshalb ist dieser Blog problematisch, weil hier oberflächlich nicht nur Vorurteile sondern auch (ungewollt?) Ressentiments geschürt werden. Es wäre dringend geboten, dass peno, der den Blog eingestellt hat, sich dazu äußert.
dame.von.welt schrieb am 22.07.2010 um 14:52
@Achtermann
Sie zitieren ein Beispiel von linkem Antisemitismus von 1991. Erwähnen nicht, daß die Delegation der Grünen nicht nur vorzeitig aus Israel abreiste, sondern, zurück in Deutschland Christian Ströbele heftig - auch von links - kritisiert wurde und er von seinem Amt als Vorstandssprecher zurücktrat. www.spiegel.de/spiegel/print/d-13489795.html
Ich habe mir viel Mühe gegeben, Henryk M. Broders Interview inkl. Ströbeles antisemitischem Klogriff in der Jerusalem Post und der SZ ausfindig zu machen, leider erfolglos.

Möchten Sie nun linken Antisemitismus von vor knapp 20 Jahren mit mir diskutieren?

Während hier in der jüngsten Vergangenheit mit Antisemitismusvorwürfen auch dann nicht eben sparsam umgegangen wurde, wenn sich Nutzer keineswegs der entweder/oder-Interpretation befleißigten, (wobei letztere zweifellos und auch bereits dann voll daneben ist, wenn man Israel so sehen möchte, wie es das rechte Lager dort tut, nämlich als Judenstaat, was ich ausdrücklich nicht tue) sondern BEIDE Seiten zu beleuchten versuchten - Israels Sicherheitsinteressen wie die Interessen der Palästinenser.

Da scheint mir, wie gesagt, die Antisemitismuskeule der Nazikeule sehr zu gleichen - das Ziel ist allein Diskreditierung und Mundtotmachung. Ich plädiere für Abrüstung! Und für weniger Legendenbildung rund um die Keulenschwinger!

Dieser Blog hier ist aus meiner Sicht nur insofern problematisch, als der verlinkte Artikel nicht die Aufregung wert ist, bloß die übliche Brodermischung aller möglicher Vorurteile und Halbwahrheiten.

Die Broder-Palme-Langer-Geschichte ist aber meiner Ansicht nach schon Aufregung wert. Ich verbleibe gespannt, ob's von Ihnen und von ed2murrow noch Erklärungsversuche geben wird, wie Broder Ihrer beider Ansicht nach wohl auf die Idee kam, Felicitas Langer in eine Reihe mit zwei Nazis zu stellen. Von einem Befürworter des Bundesverdienstkreuz für Felicitas Langer, nämlich Boris Palme, dazu auch noch Mithilfe einforderte. Um mehr als pissig und unflätig zu reagieren, als sie ihm - logisch - nicht gewährt wurde. Diese in jeder Hinsicht üble Geschichte scheint mir weit mehr Schlaglicht auf Broders Lust an Diskreditierungen und Vorurteilsschürungen zu werfen als der von peno verlinkte Artikel.

Gibt ein schönes jiddisches Wort für sowas: Chuzpe. Erklärbar an der Anekdote über jemanden, der wegen Mord an seinen Eltern vor Gericht steht und um mildernde Umstände bittet, da er ja Vollwaise ist.
ed2murrow schrieb am 22.07.2010 um 15:42
Sehr geehrte Dame von Welt,

ich habe mit Ihrem Diskussionsstil hier insoweit ein Problem, als der Blog keinerlei Bezug zu einer Causa Broder / Langer aufweist.

Damit auch jeder versteht, was ich meine: Im Kommentar vom 19.07.2010 um 12:39 Uhr haben Sie einen Link gesetzt, der eine Auseinandersetzung Broder / Palmer dokumentiert. Darauf bin ich noch eingegangen, weil Sie meinten, es sei Beleg, „wie haßerfüllt Herr Broder ist“. Dem habe ich, wie auch der entsprechenden Einordnung im Blog, widersprochen, und damit war für mich die Sache erledigt. Würden Sie mich nicht noch einmal ausdrücklich hierher aufgefordert haben (mit einem nonchalanten Schlenker, dieser Blogger hier sei oberflächlich, weil er „gar nicht wirklich“ lese), zu einer Kontroverse Broder / Langer Stellung zu nehmen, die sich selbst aus dem von Ihnen gesetzten Link nicht (also nicht einmal mehr mittelbar aus dem Blog) ergibt. Abgesehen davon, dass die Einordnung Langers durch Broder in einem Brief an Palmer (sie sehen, wohin Sie uns führen; wollen Sie das so?) schon auch eine ganz andere Vorgeschichte hat und/oder ganz andere Kontexte betrifft, ist Ihr jetziges Hereinrufen meiner Wenigkeit unter Verweis auf eine gewisse Leseschwäche ein klarer und deutlicher Versuch, mir eine Diskussion aufzuzwingen. Gefällt mir das? Klar, weil es durchsichtig ist, das Kleid steht Ihnen. Beteilige ich mich? Aber natürlich nicht.

Denn sonst wäre ich doch auch gezwungen, zu schreiben, dass Sie den im Blog verlinkten Text von Broder nicht verstanden haben. Ich halte ihn für eine etwas schärfer formulierte Glosse, sie dagegen: „Dieser Blog hier ist aus meiner Sicht nur insofern problematisch, als der verlinkte Artikel nicht die Aufregung wert ist, bloß die übliche Brodermischung aller möglicher Vorurteile und Halbwahrheiten“.

So hat halt jeder seine Wahrnehmung und sein Freiheitsbedürfnis: Sie nach luftiger Kleidung, ich nach dem, was mir schmeckt. Und damit gebe ich Ihnen sogar noch eine hervorragende Vorlage mit auf den Weg.

Ihr e2m
ed2murrow schrieb am 22.07.2010 um 15:48
corrige: "die sich selbst ... nicht ... ergibt" ist sinnentstellend und ist zu ersetzen durch "deren reale Tragweite und Ursprung sich selbst ... nicht ... ergeben"
dame.von.welt schrieb am 22.07.2010 um 17:08
Nun ja, lieber ed2murrow,
mir muß wohl auch nicht sonderlich gefallen, wie Sie mich fix auszuziehen meinen, 'Mich wundert, dame, dass Sie sich dazu hergeben.', um mich danach notdürftig wieder mit einem Kleid zu versehen glauben 'Ich nehme das mit dem Beispringen zurück.', um mir nun ein weiteres Mal 'Klar, weil es durchsichtig ist, das Kleid steht Ihnen.' einen mit auf den Weg zu geben suchen. Das sind, mit Verlaub, sehr ungelenke Versuche, sich als meine Zofe zu qualifizieren...;-)...

Sind Sie mit der Aufnahme Ihrer 'hervorragenden Vorlage' so zufrieden gestellt? Ach nein, bitte vergessen Sie meine Frage, Sie könnten sich ja zu Diskussion genötigt fühlen. Das, mein Lieber, liegt mir übrigens fern. Ich hatte nur anfangs den Eindruck, das Thema Broder-Palme-Langer könnte Sie in Ihrem großen Verständnis für Broder tatsächlich interessieren.

So kann man sich irren - inhaltliches Eingehen von Ihrer Seite auf Broders Versuch, Felicitas Langer auf eine Stufe mit Nazis zu stellen: zero. Bitte, ganz, wie es Ihnen beliebt.

Ich meinte meine Vermutung - 'Mir scheint nämlich, Sie haben den Briefwechsel gar nicht wirklich gelesen, bzw. sich über den Gehalt von Broders Frage nicht weiter orientiert' inklusive der Verlinkung einiger Information dazu - übrigens durchaus freundlich und zu Ihren Gunsten. Über etwaige Oberflächlichkeit bei Ihnen habe ich mich allerdings nirgendwo geäußert. Sollte ich?

Kennen Sie eigentlich das Freibad am Columbiadamm, das Broder in der von peno verlinkten 'Glosse' beschreibt? Nein? Aber ich. Deswegen erlaubte ich ja mir ein Urteil über Broders übliche Vorurteile und Halbwahrheiten, wie gesagt - keine größere Aufregung wert.

Ihnen nun aber guten Appetit und alle Freiheit gewünscht - was immer Ihnen so schmecken mag!

Ihre dame
Achtermann schrieb am 23.07.2010 um 10:18
dame.von.welt,

Du schreibst: „Deswegen erlaubte ich ja mir ein Urteil über Broders übliche Vorurteile und Halbwahrheiten, wie gesagt - keine größere Aufregung wert.“

Broder ist nicht pc. Immerhin hat er den Mut dazu. Die meisten, die ihn wahrnehmen, regen sich über ihn auf, auch wenn Du von Dir Gegenteiliges behauptest. Würde er sich polemikfrei im Pressewesen bewegen, nähme ihn kaum jemand zur Kenntnis. Du bist nicht so niederträchtig wie viele seiner Kritiker. Du schreibst „nur“ von üblichen Vorurteilen und Halbwahrheiten, die er verbreite. Trotzdem ist es nicht schlecht, dass Broder beim Schreiben den Hammer zur Hand hat und diesen auch einsetzt: gegen rechts, gegen links, für Israel.
dame.von.welt schrieb am 23.07.2010 um 13:35
@Achtermann
Wie Sie vorhergehenden Kommentaren entnehmen könnten, rege ich mich zwar über den von peno verlinkten Artikel nicht besonders auf, wohl aber über die Niedertracht, die Broder - beispielhaft gezeigt in der verlinkten Broder-Palme-Korrespondenz - anwendet.

Sie schreiben: 'Trotzdem ist es nicht schlecht, dass Broder beim Schreiben den Hammer zur Hand hat und diesen auch einsetzt: gegen rechts, gegen links, für Israel.'
Genau an dem 'für Israel' habe ich eben einige Zweifel. Mit einem Hammer hinterläßt man in der Regel einen Haufen Scherben. Ich konnte bislang nicht den Eindruck gewinnen, daß es daran im Nahen Osten, in Israel, in so mancher journalistischen Bespiegelung hier, auch ohne Broders tätige Mithilfe irgendeinen Mangel gäbe. Da braucht's dringend noch so einen Spalter mit einem großen Hammer, ist klar!

Aber ich sehe schon, daß auch von Ihrer Seite ausschließlich mit großem Verständnis für Broder und nicht mit einem Erklärungsversuch für seine Unverfrorenheit gegenüber Felicitas Langer und Boris Palme zu rechnen ist. Vielleicht lesen Sie in ed2murrows Profil den klugen Satz von Marco Travaglio nach, dann haben Sie eine Idee, für was ich Ihrer beider 'Verständnis' für Broder halte.
B.V. schrieb am 19.07.2010 um 14:25
Broder ist manchmal genial und sehr oft einfach nur blöde. :-)
Rahab schrieb am 19.07.2010 um 17:28
ich find nur immer wieder erstaunsam, wer so alles Broder goutiert.
B.V. schrieb am 20.07.2010 um 14:24
Du auch? :-))))
Rahab schrieb am 22.07.2010 um 15:54
noch erstaunsamer finde ich, wer alles Broders glossen als scharfsinnige analyse und dergleichen verteidigt, wenn mal wer anders wagt, Broders glossen zu glossieren
weinsztein schrieb am 23.07.2010 um 15:07
Liebe Dame von Welt,

herzlichen Dank für Ihren link
content.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2144747_0_9223_-dokumentiert-broder-an-palmer-an-broder.html
peno
noch immer geblieben: Alt-68er, d.h. hier kurz: politisch, historisch kritisch und interessiert.
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