Peripatetik

Blog von Peripatetik

17.09.2009 | 19:33

Eine wichtige Nachricht

Ich habe heute einen Brief von Frank-Walter Steinmeier bekommen. Als Briefmarke hat er sein Porträt (ungezackt) eingesetzt. "Dazu taugt er gerade noch", sagte der Briefträger.

Als letzten deutschen Politiker, der zu Lebzeiten eine Briefmarke war, erinnere ich mich an Gustav Heinemann. Der war damals Staatsoberhaupt und nebenher von der Demokratie so sehr überzeugt wie sonst kaum ein Politiker der Bundesrepublik. Heinemann ist einmal von einem Bundesministerposten zurückgetreten, weil er die militärische Bewaffnung des Staates nicht mittragen wollte.

Daran dachte ich, als ich den Brief in die Hand bekam. Und ich dachte, so etwas wie Heinemann würde Steinmeier nicht tun.

Betitelt war das Ganze "Eine wichtige Nachricht". Innen drin war Steinmeier ein Briefkopf. Er schrieb:

"Liebe, lieber. Politischen, eigene, festen. Vergangenen, nicht einfach, nicht einfachen, richtigen, klare, bessere. Sozialen, wirtschaftliche, gut ausgebildete, verantwortungsbewusste, wirtschaftlichen. Soziale, starke, schwache, soziale, nicht selbstverständlich, sozial, gerecht. Wichtigstes, zukunftsfähige, gut ausgebildete, junge, erstklassige, unabhängig. Sichere, bezahlbar, soziale. Soziale, erfolgreiche."

Nach dem Lesen dachte ich wieder. Ich dachte, was soll das Geschwafel? Hat die Sparkasse das formuliert? (Steckt Horst Köhler dahinter?) Warum eiert der Kandidat sechsmal mit "sozial" rum, statt etwas aus dem echten Leben zu sagen, nämlich: "friedlich, frei, satt, warm"? Und "sicher, gleichberechtigt, gerecht, ehrlich"? Okay, "sicher" und "gerecht" hat er drin, aber was solls, "wirtschaftlich" dafür gleich zweimal.

Hier spricht einer, dachte ich, dem die Wirklichkeit am Arsch vorbeigeht, für den wir allenfalls Problemfälle sind, und auch das nur in Häufung. Einer, der weiß, dass er oben ist und dass er bis an sein hoffentlich baldiges Ende dort bleiben wird. Einer, mit dem mich nichts verbindet und den ich deshalb nicht wählen werde.

 
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Kommentare
Titta schrieb am 17.09.2009 um 19:56
Und ich dachte immer, in Deutschland kommt man erst auf eine Briefmarke, wenn man das Zeitliche bereits gesegnet hat. Was dann, wenn es stimmt, nicht ohne Amüsement in Bezug auf Steinbutler wäre.
mh schrieb am 17.09.2009 um 20:09
die lösung dürfte in angeboten wie diesem zu finden sein:

kmu.mittelstandswiki.de/2007/06/individuelle-briefmarken-selbst-erstellen/

mfg
mh
merdeister schrieb am 17.09.2009 um 20:15
Ach, das geht viel einfacher:

https://www.plusbrief-individuell.de/plusbrief/showstart.do
mh schrieb am 17.09.2009 um 20:25
war bei meiner google suche halt net der erste treffer. :P

glaube übrigens nicht, dass der steinmeier diese briefe überhaupt selbst gesichtet hat. das machen irgendwelche marketingstrategen die vom job her schon noch weiter weg vom volk sind als politiker.

mfg
mh
Titta schrieb am 17.09.2009 um 20:52
>In Deutschland werden in der Regel, mit Ausnahme des Staatsoberhauptes, keine lebenden Persönlichkeiten auf Briefmarken abgebildet. Dies ist traditionell begründet und nicht etwa durch ein Gesetz.<
nachzulesen unter:
de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Personen,_die_zu_Lebzeiten_auf_einer_deutschen_Briefmarke_geehrt_wurden
mh schrieb am 17.09.2009 um 21:06
wenn man es sich selbst gestalten kann und es kein gesetz dagegen gibt, dann können wir dem steinmeier nun wohl einen verstoss gegen den guten ton beim briefversand vorwerfen.

aufdeckungsstory der freitag-community. so yeahhh!

mfg
mh
merdeister schrieb am 17.09.2009 um 20:16
"Hier spricht einer, dachte ich, dem die Wirklichkeit am Arsch vorbeigeht"

Treffer, versenkt!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 17.09.2009 um 20:33
Die Wirklichkeit würden die doch nicht einmal mehr merken, wenn sie Ihr Konterfei auch an die Soldaten per Feldpost schicken würden.
merdeister schrieb am 17.09.2009 um 22:25
Und drunter steht dann:

PTSD dank SPD.
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