Peter Nowak

Blog von Peter Nowak

10.11.2011 | 16:17

Die Bilder vom Terror

 

 

Zwei sehr unterschiedliche Ausstellungen zu den Bildern des Terrors
 

 Die mediale Aufarbeitung des zehnten Jahrestages des 11.9.,  der
 Anschläge in Washington und News York    verlief  vorhersehbar.  Fast alle Zeitungen
 brachten die  Berichte, die ihr Klientel erwartete.  Diskussionen über
 den  Tag hinaus fehlten  selbst bei den wenigen Ausnahmen, die die  routinierte
 Langeweile durchbrachen. Die Sonderausgabe der Wochenzeitung Freitag, die
 10   Jahre nach Nine Eleven ausschließlich Stimmen aus dem arabischen Raum zu
 Wort kommen ließ, hätte eine gründliche Auseinandersetzung verdient.
 Auch zwei Ausstellungen, die in Berlin Mitte nur wenige Hundert Meter  voneinander entfernt, zehn Jahre nach den Anschlägen eröffnet wurden, sind   ein Kontrapunkt zum routinierten Medienrauschen zum  Jubiläumstag.
„Seeing is believing“ in dem Berliner Kunstwerken und  „Unheimlich  vertraut – Bilder vom Terror“ im alten Postfuhramt beschäftigen  sich  mit  den Bildern vom Terror. Dabei erlebt der Besucher immer wieder  Überraschungen und Verwirrungen.  So werden in der oberen Etage des Postfuhramtes die scheinbar  so bekannten Videosequenzen  gezeigt, die
nach  dem Einsturz des WTC h vor der Staubwolke   fliehende Menschen zeigten.
Auf anderen Sequenzen sieht man die vor Panik aus den Fenstern der Wolkenkratzer  springenden Menschen, die zum Sinnbild des 11.9. geworden sind. Doch der  erste Blick täuscht. Es handelt sich bei den Filmaufnahmen ausschließlich um  Material, das vor dem 11.9.2001 gedreht wurde und in verschiedenen Filmen verarbeitet ist. Die Zwillingstürme waren  häufig eine Kulisse für  Katastrophen- und Anschlagsszenen. In den Kunstwerken hat die Künstlerin  Anita Di Bianco  eine ganze Zeitschrift lediglich aus Korrekturen  zusammengestellt, die in ausgewählten Printmedien in den  letzten 10
Jahren  angefallen sind.        .  Die Berichte über die nie existierenden  mobilen  Biowaffenlabors des Saddam Hussein, die der US-Außenminister Colin  Powell  2003 in der Uno präsentierte, um den Krieg gegen den Irak  zu begründen,  haben den Künstler Inigo Manglano Ivalle zu seinen Phantom Trucks,  einer  raumgroßen Installation,  motiviert. Giano Motti zeigte einen ungeduldigen  aber auch gut gelaunten  US-Präsident Bush wenige Augenblicke vor der  Fernsehansprache, in der er den Beginn des Irakkrieges bekannt gab.

 Die beiden Ausstellungen machen auch den unterschiedlichen Zugang zum  Begriffs des Terrors deutlich. Im Postfuhramt wird der Begriff so  verstanden, wie er zur Zeit Commen Sense ist. Angefangen von den palästinensischen Angriff auf die israelischen Sportler   bei der Olympiade in München 1972, über Aktionen der IRA, der ETA und die FARC wird die UN- und EU-Terrorliste abgeharkt. Ein Hinterfragen  des Terrorsbegriff findet bei dieser Ausstellung ebenso selten statt, wie sich kaum eine künstlerische Position mit der Frage beschäftigt,  warum der Taliban, der Anschläge verübt, mit Drohnen gejagt wird, während der Todespilot von Kunduz befördert wird. Ob es Rücksicht auf die Geldgeber  oder einfach konformistisches Denken ist., dass die Ausstellungsmacher_innen nicht die Courage hatten, den Terrorbegriff selbst auf der Ausstellung zu hinterfragen, muss offen bleiben.

 

Der Terror aus dem Staatapparaten

     In der Ausstellung Seeing is believing, die  nur noch bis Sonntag in   den Kunstwerken zu sehen ist , wird auch der Terror aus den Regierungsetagen zum Staatsapparaten zum Gegenstand der Kunst gemacht.  So kann man Mottis Videoarbeit auch ganz einfach kurz so  erklärt werden, dass dort ein nervöser Terrorist  vor seinen öffentlichen Bekenntnis gezeigt wird.

 

Oft sind es auch die kleinen Dinge, die die Künstler_innen zum Gegenstand ihrer Arbeiten. So werden in einer Vitrine all die Gegenstände gezeigt, die am Kontrollbereich des J.F.Kennedy-Airports in New York von Flugpassagieren beschlagnahmt wurden. Da sind Nagelfeilen, Scheren, Rasierzeug, auf   weißen Hintergrund zu sehen. Das Arrangement erinnert an eine Ausstellung,      die vor einigen Jahren in der Galerie After the Butcher in Berlin-Lichtenberg zu sehen war. Dort war ein Teil der  Gegenstände ausgestellt worden, die dem RAF-Gefangenen Rolf Heißler in mehr als 2 Jahrzehnten von Bekannten in den Knast geschickt und beschlagnahmt worden war. Eine solche Kunst dient  der Aufwertung, auch weil sie sich der offiziellen Ideologieproduktion entzieht-  

 


 Peter Nowak

 Ausstellung, unheimlich vertraut . Bilder vom Terror,
 10. September bis 4. Dezember 2011  bis 4. Dezember 2011, täglich 11 –
20  Uhr
 Seeing is believing, Kunstwerke, noch bis 13.11,  Do: 12- 21 Uhr, Fr., Sa., So: 12-  19 Uhr

 
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