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Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Politik : Erinnerung an den Vernichtungskrieg im Osten

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Zum70ten Jahrestag des deutschen Überfalls werden zwei bemerkenswerteAusstellungen im Foyer derHumboldtuniversität und im Deutsch-russischen Museum in Karlshorst gezeigt.Sie sind auch ein Einspruch gegen die von Freitag-Blogger personifizierten entnazten Nazis.

„Ein solches Volk ist reif für die Vernichtung. Irgendwelches Mitleid kann man mit diesen Bestien nicht haben“. Diese Zeilenschrieb Heinz Guderian im April 1919 aus dem Baltikum an seine Frau. Zu dieser Zeit kämpfte er alsGeneralstabsoffizier der sogenannten Eisernen Division, einer Freikorpsabteilung, gegen sowjetische Truppen. Guderian war als Kommandeurder Panzergruppe 2 vor siebzig Jahreneiner der wichtigsten Militärs beim Angriff auf die Sowjetunion. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft veröffentlichte erapologetische Kriegsberichte, wie das damalsim Nachkriegsdeutschland vielgelesene Buch „Erinnerungen eines Soldaten“ und beriet das Amt Blank beim Aufbau einer neuen Armee in der BRD.

Das Porträt des frühen Vordenkers der Vernichtung findet sich in einer informativen Sonderausstellung imDeutsch-russischen Museum in Karlshort. 24 Personen werden mit Fotos, Kurzbiographien und vorhanden schriftlichen Selbstzeugnissen vorgestellt. Sie warenauf Seiten der Wehrmacht, als PartisanInnen, Angehörige der Roten Armee oder als BewohnerInnen der besetzten Gebiete vonden deutschen Angriff betroffen. Zu den vorgestellten Prominenten gehört der in der SUals Soldat abgeschossene Joseph Beuys und der spätere sowjetische Dissident Lew Kopelew, der im zweiten Weltkrieg Propagandaoffizier der Roten Armee war. Er setzte sich sehr für früh für eine Verständigung mit Deutschland ein. Es fällt auf, dass der Wunsch nach Aussöhnung und Verständigung vor allem von ehemaligen sowjetischen Kriegsteilnehmern geäußert wurde. So war es das Anliegen von Michail Plotnikow mit einem Angehörigen der deutschen Wehrmacht Kontakt aufzunehmen.Einige der vorgestellten deutschen Kriegsbeteiligtenengagieren sich in den 50er Jahren in der westdeutschen Friedensbewegung, waren aber mehran einen vereinigten Deutschland als für Verständigung mit derSowjetunion interessiert.In der Ausstellung werden auch einige der Millionen Menschen porträtiert, die als Juden erschossen und in Massengräbern verscharrt oder bei der deutschen Blockade von Leningrad verhungert sind. Wie schon 1919 von Guderian gefordert, kannten die Deutschen kein Mitleid.


Bis heute kam um eine Rente


Das galt auch fürdie sowjetischen Kriegesgefangenen und Zwangsarbeiter, die unter menschenunwürdigen Bedingungen in sogenannten Russenlagern in Deutschland vegetieren mussten. Viele starben an Hunger, Krankheiten, der schweren Arbeit und an Folter. Daran erinnert eine vom Verein Kontaktekuratierte Fotoausstellung im Foyerdes Hauptgebäudesder Humboldtuniversität. Die Portraits desFotografenLars Nickel werden von Zitaten aus Tonbandprotokollen und Briefen ergänzt. Für mache der Überlebenden ist es noch immer unmöglich, über diese Zeit zu sprechen.Wer sich äußert, berichtet von einen Schreckensregime in den Lagern:„Die Juden und Politischen wurden erschossen. Die Schwachen und schwer verwundeten auch“, so Nikolai Bandarew.

Auf einer Tafel werden den Zeugnissender sowjetischen ÜberlebendenBriefe und Fotos gegenübergestellt, die deutsche Soldaten als Feldpost an ihre Verwandten oder FreundInnen schickten. Dort ist von „bolschewistischen Flintenweibern“ und„ vom russischen Volk der Verbrecher“ die Rede. Noch immer kämpfen einige der sowjetischen Überlebenden um eine kleine Rente und an verschiedenen Orten der ehemaligen Lager gibt es noch immer keine Gedenk- und Erinnerungsorte für die Opfer, informiert die letzte Tafel.


Das falsche Schwein geschlachtet

Beide Ausstellungen haben auf sehr persönliche Art und Weise an den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Das ist umso verdienstvoller, weil doch gerade dieser mörderische Krieg im Zuge des kalten Kriegs schon bald bagatellisiert und entschuldigt worden ist. Altnazis, die nach 1945 schnell zu KämpferInnen für das christliche Abendland mutierten, bedauerten dann manches, was „der Hitler“ da angestellt hat, aber der Krieg im Osten blieb außerhalb der Kritik. Zu oft wurde noch bis in die 70er Jahre bedauert, dass die Anti-Hitler-Koalition nicht rechtzeitig auseinandergefallen ist und Deutschland gemeinsam mit den Westen gegen die Sowjetunion Krieg führte. Solche Positionen wurden durch Äußerungen von Kommunistenhassern wie Churchill bestärkt, der bald nach dem Ende des zweiten Weltkriegs lautstark bekundete mit Hitlerdeutschland das falsche Schwein geschlachtet zu haben. Was solche Töne bei den Überlebenden des deutschen Vernichtungskriegs . im Osten auslöste, hat kaum jemand interessiert. Wie sich Relikte eines solchen Denkens bis heute gehalten haben, hat Freitag-Blogger Rapanui in seinem Beitrag zu Schulze-Boysen, der mit der Roten Armee zusammenarbeite gut persifliert:.

„Schulze-Boysens Vermächtnis lässt sich heute mit der Bemerkung wegwischen, dass die politische Strategie des „20.Juli“ , mit den USA zusammenarbeiten und die Verhältnisse nicht zu revolutionieren, letztlich zur Demokratie in Deutschland geführt hat. Ein politisch stärkerer Einfluss der Sowjetunion aber hätte doch wohl zu einer Unterwerfung Deutschlands unter Stalin geführt“. Damit hat Rapanui tatsächlich den Ton der „entnazten Nazis“ . (Berthold Brecht) sehr gut betroffen. Diese Denkweise, die sich in Westdeutschland bald als hegemonial erwies, verurteile einen kommunistischen Widerstandskämpfer, der schon vor 1932 die Parole „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg“ an Wände sprühte, in den 50er Jahren wieder zu Gefängnisstrafen und Richters Hitler fällten die Urteile. Die Männer des 20.Juli, die angeblich die Demokratie gebracht haben, waren mehrheitlich solange Gefolgsleute der Nazis, solange er siegreich war. Nicht wenige waren an den Verbrechen im Osten beteiligt. Sei sorgten dafür, dass es zu keiner Revolutionierung kommt, also die . dass die Gesellschaftssicht, die die Nazis wesentlich gefördert hat, auch nach deren Ende nicht angetastet wird. Das war bekanntlich auch eine große Antriebskraft der Männer des 20ten Juli. Die Sorge vor eine stärkeren Einfluss derSowjetunion (Rapuni) war im Nachkriegsdeutschland die Furcht, dass sie für die immensen Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden, die gewöhnliche Deutsche dort verübt haben, um zu erreichen, dass die Sowjetunion von der Landkarte verschwindet. Die beiden Ausstellungen tragen mit dazu bei, dass die Dimension der Verbrechen in der Öffentlichkeit bekannt bleibt und die Urenkel den von Rapunai persiflisierten entnazten Nazis Parole geboten wird.



Juni 1941 – Der tiefe Schnitt

24 Biografien aus dem Krieg gegen die Sowjetunion, Deutsch-russisches Museum, Zwieseler Str. 4


Eröffnung: 16. Juni 2011, 19 Uhr

Laufzeit: 17. Juni bis 14. August 2011, Dienstag – Sonntag, 10:00 - 18:00 Uhr, noch bis 14. August


Russenlager und Zwangsarbeit, Unter den Linden 6, Foyer des Hauptgebäudes der Humboldtuniversität, bis 20 Juli


Peter Nowak

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.