Für den 27. Januar lädt der Wiener Korporationsring (WKR) zu seinen seinem alljährlichen Ball ein, der seit 1967 in der Wiener Hofburg stattfindet. Die dort vertretenen 20 österreichischen Studentenverbindungen positionieren sich politisch von konservativ bis Rechtsaußen. Tickets im Preis zwischen 18 Euro im Nebensaal und 1750 Euro im Logenplatz können auch per Internet geordert werden. Die Nachfrage könnte in diesem Jahr besonders hoch sein. Denn der Ball wird 2012 zum letzten Mal in der repräsentativen Wiener Hofburg stattfinden. Die Betreiber des Gebäudes haben den WKR ausgeladen. Der erzwungene Ortswechsel ist ein Erfolg von zivilgesellschaftlichen Bündnissen, die seit mehreren Jahren gegen den WKR-Ball protestierten. Darin sind neben zentralen studentischen Gruppen die österreichischen Grünen ebenso beteiligt wie die Jungsozialisten und antifaschistische Gruppen. In diesem Jahr bekommen die Wiener WKR-Gegner Unterstützung von linken Gruppen aus Deutschland. Aus mehreren Städten fahren Busse zu den Protesten nach Wien. Auf einer Rundreise durch verschiedene Städte in Deutschland begründeten studentische österreichische Aktivisten, warum sie eine Mobilisierung gegen "den laut Selbstbezeichnung größten Gesellschaftsereignis der deutschsprachigen farbentragenden Studenten" über die österreichischen Landesgrenzen hinaus für notwendig halten. Dabei verweist Kai, Aktivist einer Wiener Antifagruppe. auf die Vernetzungsfunktion der europäischen Rechten auf dem WKR. Auch der Publizist Jörg Kronauer, der sich seit Jahren mit dem Burschenschaftswesen beschäftigt, betont diesen Vernetzungsaspekt der Ultrarechten.
Symbol Hofburg
So hätten in den letzten Jahren zu den Teilnehmern am WKR hochrangige Funktionäre des rechten Vlams Belaang aus Belgien ebenso gehört wie vom französischen Front National. Aus Deutschland seien Mitglieder der unter sich zerstrittenen rechten Parteien NPD, der Republikaner und der Prodeutschlandbewegung vertreten gewesen. Es sei für diese rechten Kleingruppen die in Deutschland gesellschaftlich eine marginale Rolle spielen, sehr attraktiv, an einen solch repräsentativen Zeremonie in der Hofburg teilzunehmen, begründet Kronauer das Interesse der Rechten an diesen Ball.
In Österreich sei auch die auch extrem Rechte gesellschaftlich anerkannt gewesen und habe wichtige Funktionen in Gesellschaft und Politik inne gehabt. Dafür sei die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) ein wichtiges Beispiel. Obwohl sich die Partei unter ihren Vorsitzenden Jörg Haider zunehmend zum rechten Sammelbecken entwickelte und auch Kontakte ins Neonazimilieu nachgewiesen sind, habe sich die Partei zum politischen Stichwortgeber mit einer stabilen Wählerbasis von ca. 30 Prozent entwickelt. „Diese Dominanz der FPÖ hat dazu beigetragen, dass wir in Wien kaum mit Neonazigruppen aber mit einer rechten Alltagskultur konfrontiert sind, die sich in Hetze gegenüber Migranten und sozial Benachteiligten ausdrückt“, meint der Wiener Antifaaktivist. Dass den Burschenschaftlern ab nächstes Jahr die symbolträchtige Hofburg entzogen wird, hält er für einen Erfolg. Doch dem antifaschistischen Bündnis und seinen Unterstützern aus Deutschland gehe es bei den Protesten nicht nur um einem Prestigeverlust der Farbentragenden. „Vor allem richtet sie sich auch gegen die gesellschaftlichen Zustände, die Nazismus und rechtes Gedankengut immer wieder produzieren“, meinte der Wiener Antifaschist. Er rechnet mit einem Anwachsen der Proteste. Dass der WKR-Ball in diesem Jahr ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag stattfindet, hat bis weit ins liberale Spektrum Österreichs für Empörung gesorgt.
Peter Nowak
Hinweis zur Mobilisierungshomepage gegen den WKR:
umsganze.org/termin/wien-antifaschistische-demonstration-gegen-den-wkr-ball/
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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