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Gestern Mittwoch hat Bundespräsident Horst Köhler das umstrittene Gesetz zur Sperrung von Internet-Seiten unterschrieben. Bekämpfen will man damit vor allem die Kinderpornografie im Netz.
Ab sofort ist es also möglich, Internetseiten komplett sperren zu lassen. Angedacht wurde das Gesetz noch unter der schwarz-roten Vorgängerregierung, nun ist es auch verwirklicht worden.
Bereits unter Rot-Schwarz lief eine breite Opposition gegen den Gesetzesentwurf Sturm. Auf politischer Seite war es allen voran die Piraten-Partei, die sich gegen mögliche Internetsperren quer legte. Nun stimmen aber auch Linke, Grünen und die SPD mitein und fordern eine sofortige Außerkraftsetzung des Gesetzes.
Am Montag, 22.Februar 2010, wird es bereits einen Petitionsausschuss zum Thema „Internetsperren„ geben.
Zur Erinnerung: Die Familienministerin unter Schwarz-Rot, Ursula von der Leyen (CDU), trat im vergangenen Jahr mit aller Kraft für das Gesetz ein. Ihre Kritiker nannten sie nur noch „Zensursula“ und bemängelten, dass das Gesetz im Grunde genommen leicht zu umgehen sei.
Weiters wurde auf die Gefahr hingewiesen, das Gesetz könne zu einer Beschneidung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit führen. Behörden würden mit dem Mittel von Internetsperren womöglich auch andere Seiten und Inhalte aus dem Netz löschen – unter der Annahme, es würde sich um „gefährliche Seiten“ handeln. Und dies sei eine klare Einschränkung der Meinungs- und Informationsfreiheit, so Netzaktivisten.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erklärte nach der Unterzeichnung, dass die Bundesregierung sich einig sei, das Gesetz nicht anzuwenden. Sie wolle jetzt schnell eine neue Regelung auf den Weg bringen, der dem Grundsatz Löschen statt Sperren entspreche.
Durchgehend durch alle Fraktionen der Opposition wird darauf gedrängt, den Beschluss zu revidieren:
Die SPD geht zurzeit noch davon aus, dass das Gesetz nach der Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten „in vollem Umfang in Kraft treten werde“. Daher werde die SPD-Fraktion am Donnerstag (25.2.) ein Gesetz in den Bundestag einbringen, um das Gesetz aufzuheben und Internetsperren die rechtliche Grundlage zu entziehen.
Auch Grünen-Chefin Claudia Roth forderte, das Gesetz schnellstmöglich zurückzunehmen. Ansonsten bestehe ab sofort die verfassungsrechtlich äußerst bedenkliche Verpflichtung, Internetseiten zu sperren.
Ähnlich äußerten sich die Linken, eine offizielle Pressemitteilung gibt es bis dato aber noch nicht.
- Offizielle Erklärung der Grünen
- Offizielle Erklärung der SPD
Die Piratenpartei, bei der sich einige Netzaktivisten engagieren, zeigte sich besonders empört über die Unterschrift des Bundespräsidenten unter das Gesetz. Sprecher Simon Lange hielt zusätzlich fest, dass man für das Löschen von Seiten gar kein neues Gesetz ausfertigen müsse, sondern die bisherige Gesetzesgrundlage dies bereits erlaube. Die Piratenpartei sieht mit dem Gesetz einen ersten Schritt getan, der zu einer zunehmenden Zensurinfrastruktur führe.
Insgesamt Anlass genug, um sogleich zu einer spontanen Demonstration vor dem Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, aufzurufen.
- Bilder von der Demo
- Ein kurzes Video zur Demo
- Ironische Betitelung der Piratenpartei: „Etappensieg für Zensursula“
Weitere Informationen & Beiträge:
Die TAZ klärt über einige Fragen rund um die Diskussion auf
Auch der Spiegel weist auf die Tatsache hin, dass Union und FDP sich geeinigt hatten, das Gesetz nicht anzuwenden
Einige Beiträge finden sich auch auf netzpolitik.org
Der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) kündigt eine Verfassungsbeschwerde an
So etwas wie die richtigen Argumente gegen die Internet-Sperren findet man hier
Weitere Hintergrundinfos gibt's hier
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Die Regierung hatte das Gesetz ganz vergessen. Huch, und der Köhler unterschreibt es auch noch, obwohl es aus der vorigen Regierungsperiode stammt. Mein Gott, was soll die Regierung nun damit anfangen: Sie will es ignorieren! Es existiert einfach nicht mehr. Sie wird es nicht anwenden. Das ist die Lösung!
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Nein, in dieser Form wird es die Regierung sicher nicht anwenden. Davor drückt man sich und zieht den Kopf wieder ein.
Sie wird es aber in anderer Form (Löschen statt Sperren) anwenden. Das will erstens der "Staat als Zensurbehörde" und zweitens die Justizministerin selbst. Und wer sich aus erster Hand über den weiteren Verlauf der Debatte informieren will, dem sei noch einmal der Petitionsausschuss am Montag (der ja öffentlich sein wird) ans Herz gelegt. =>www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/28679177_kw08_petitionen/index.html |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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