philoron

Was aber der Mensch ist.....

24.10.2011 | 00:07

Der Schein bestimmt....

In der letzten Woche prangerte es fast auf jeder Nachrichtenseite im Internet, untermalt mit dem Foto irgendeines Bankenviertels und seinen protzenden Wolkenkratzern. Die Banken und ihre Fondgesellschaften sind Schuld an unserer Misere. An der Krise, der Not Griechenlands und damit des Euros!  Für einen Moment vergas ich, dass auch Menschen daran beteiligt sein könnten, an dem Zustand, den wir jetzt erreicht haben! Nach der Million haben wir uns schon längst an das hantieren mit Milliarden gewöhnt. Ich fürchte in Zukunft wird die nächste Stufe nicht mehr weit sein. Ganz zaghaft und vereinzelt werden wir schon mal an die Billion herangeführt. Warum nur hat ausgerechnet Henry Ford einmal gesagt: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh“? Mich beschleicht der leise Verdacht, es könnte sich bei der ganzen Angelegenheit doch um eine Art Schneeballsystem handeln. Den letzten beißen dann irgendwann die Hunde. Ein Rettungsschirm, und noch einer, der über die vorherigen gespannt wird. Dann einen für die Banken und noch dazu einen Hebel. Man weiß ja, so ein Hebel kann, vorausgesetzt er wird richtig angesetzt, gut etwas bewirken, zumindest in der Physik. Mir wird derweil bei den vielen Meldungen und immer neuen Verlautbarungen und Summen leicht schwindelig, als würde ich auf dem Fenstersims eines Wolkenkratzers im Bankenviertel stehen und die Tiefe unmittelbar vor Augen haben.   

Ich schlage vor man spricht in Zukunft nicht mehr so offen von solch hohen Summen. Man könnte sie auch  auf einer Skala logarithmisch darstellen. Wie in der Nachrichtentechnik, derer sich die Medien heute ausgiebig bedient, die Frequenzen. Dann entspräche die Zwölf auf der X- Achse gerade mal der Billion und der Abstand von Null- Tausend wäre nicht größer als der zwischen Million und Milliarde. Da hätten wir für die nächsten Jahrzehnte wieder Luft nach oben und mir könnte das Schwindelgefühl vergehen. Alle würden wieder ruhig schlafen, vielleicht. Ob man dann das Geld neu drucken müsste, das weiß ich allerdings auch nicht. Man kann ja schlecht hinter der Hundert auf dem Geldschein ein mal 10 hoch irgendwas nachzeichnen. Das fällt dann wohl auf.

Nein mal im Ernst, bringt nicht jeder Mensch sein Geld zu der Bank, die am meisten Zinsen zu bieten bereit ist? Und wenn der Banker nach Leistung bezahlt wird, läge es da so fern, wenn immer neue Spekulationswege erschlossen werden. Bis sich am Ende ein gigantisches weltumspannendes Spielkasino gebildet hat? Wo sind eigentlich die Menschen, die das Geld setzen? Ich kenne keinen. Ist die Welt nicht irgendwie krank, wenn Preise von Menschen in Schlips und Kragen vor laufenden Bildschirmen und Kursen gemacht werden. Wenn sie bestimmen, was eine Tonne Weizen vom Bauern auf dem Felde vor unserem Haus zu bringen hat? Obwohl diese Menschen vor den Bildschirmen wahrscheinlich noch nie ein einziges Korn in der Hand gehalten haben? Wo stinkt der Fisch denn nun zuerst, am Kopf oder an der Schwanzflosse? Wir sollten unseren Geruchsinn einmal überprüfen lassen. Oder wie es mancher Schriftsteller bereits gesagt hat. Das Übel dieser Welt liegt nicht in den Händen einiger böser Menschen, sondern in den vielen tatenlosen weiniger bösen.  

In einem fast hundert Jahre alten Buch eines nicht sehr bekannten Schriftstellers fand ich folgende Zielen: „Geld, Geld! Geld erhoffen, Geld erdenken, herbeizwingen, erraffen und in gewaltsamer Entspannung vergeuden, in der scheinbaren Luft, sich auf Augenblicke als Meister dessen zu fühlen, das sie doch bezwingt. Schon wächst aus solcher Luft der Stachel, der zu neuer keuchender Kraft antreibt, die wiederum röchelt: Geld, Geld….“. H. Ossenbach „Wanderer im Ungewussten“

Was sah er, was andere nicht sahen oder heute nicht sehen können? Lesen wir bei solchen Büchern zwischen den Zeilen und überdenken unser eigenes Tun, ja rücken wir uns selbst dann zuweilen nicht in ein sehr schlechtes Licht, machen dann aber weiter wie bisher? Wir sind es eben so gewohnt. Die äußeren Gegebenheiten sind noch dazu, nun mal wie sie sind. Ich schließe mich da nicht aus!  

Manchmal denke ich, unsere Gesellschaft braucht einen einzigen großen Reset, damit eine Gemeinschaft wieder da anfangen kann, wo sie einst hergekommen ist, nämlich aus der Gemeinschaft! Es soll ja Länder oder Kulturen geben, da gibt es den Menschen als einzelnes Individuum in dem Sinne nicht. Es gibt ihn nur als Teil eines Ganzen, das ohne ihn nichts ist und  ohne das er nichts ist. Das klingt für mich nach einer sinnvollen Symbiose. Was wir jetzt haben, vermag ich mit Worten nicht zu erklären. Jeder muss auf sich selbst schauen, so oder so. Solange sich im einzelnen Menschen nichts regt, wird es noch lange nicht heißen: „viene va plu“ und der gigantische  Roulette Tisch wird weiter hervorragend besucht und betucht sein! Denn so würde Marx heute vielleicht sagen, nicht das  Sein sondern der Schein bestimmt das Bewusstsein…..      

 

 
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