Am vergangenen Wochenende gründete sich in Berlin die Solidarische Moderne. Nach dem grundlegenden Scheitern des real existierenden Neoliberalismus sei die Zeit reif für Alternativen und die wolle der Verein aufzeigen. Eine kurze Zusammenfassung der Ziele, Themen und Arbeitsweise gibt es hier.
Die bekanntesten Gründungsmitglieder sind sicherlich Katja Kipping (die Linke), Sven Giegold (Bündnis90/Die Grünen) sowie Andrea Ypsilanti (SPD) und gerade letztere generiert, nun offenbar zurückgekehrt aus der politischen Diaspora, jede Menge Aufmerksamkeit und minimiert auch ein wenig die Akzeptanz mancher Medien.
So behandelt Spiegel Online die Vereinsgründung praktisch nur aus Ypsilanti/SPD-Sicht und titelt die FAZ „Ypsilanti-Institut für angewandte Kuba-Wissenschaften“. Die Financial Times nennt das Ganze den Club der roten Dichter und schreibt auch, wie es den Grünen mit dem neuen Bündnis geht.
Obwohl sich von den Beteiligten niemand entsprechend geäußert hat, wird in den meisten Berichten, beispielsweise auch beim Westen, angemerkt, es solle so der Nährboden für eine Rot-Rot-Grüne Koalition geschaffen werden.
Katja Kipping äußerte gegenüber dem Freitag im Gespräch mit Tom Strohschneider aber, dass es nicht darum gehe, Koalitionsverträge vorzubereiten, klärt, was den Ausschlag gegeben hat, jetzt mit dem Projekt an die Öffentlichkeit zu gehen und wie es sich von früheren parteiübergreifenden Ansätzen unterscheidet. (Ein Interview mit ihr gibt es zudem in der Jungen Welt.)
Die Zeit vermutet, dass den Initiatoren wohl selbst nicht so ganz klar sei, wie das Verhältnis zu den jeweiligen Parteien sein soll, da die Unabhängigkeit betont, aber zugleich darauf hingewiesen würde, dass man schon in die Parteien „hineinwirken“ wolle.
Ganz optimistisch heißt es auf Themen der Zeit: „Wenn die Teilnehmer ihre Visionen und ihre Ideale in diese Initiative hineintragen und sie nicht aus den Augen verlieren, kann es gelingen, den neuen Weg zu befestigen, auf dem dann alle, die eines guten Willens sind, gemeinsam gehen können.“
Mich interessiert, ob die Leser des Freitag das ebenso sehen oder dem Projekt kritisch gegenüber stehen. So lautet die aktuelle Frage der Woche in der Politikarena:
„Trauen Sie der Solidarischen Moderne gesellschaftliche Veränderungen zu?“
Ich bin sehr gespannt auf Ihre Meinungen und Argumente, ob Pro oder Contra und freue mich auf eine kluge Debatte.
Herzliche Grüße
Maike Hank
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen