Seit geraumer Zeit ist klar, dass beim diesjährigen Klimagipfel kein Abkommen geschlossen werden wird. Da liegt die Überlegung nahe, ob solch eine aufwändige Veranstaltung unter diesen Umständen überhaupt stattfinden soll. Deshalb haben wir vergangene Woche folgende Frage zur Debatte gestellt:
Braucht die Welt den Klimagipfel in Kopenhagen jetzt noch?
Dabei war es interessant zu beobachten, wie mal die Pro-, mal die Contra-Seite die Mehrheit hatte und heute (27. November 2009) letztere mit 56% nur recht knapp vorne liegt.
Für die Gegner ist der Klimagipfel eine Scheinkonferenz, er diene nur der Beschwichtigung und seine Absage sei der konsequente, ehrliche Weg. Sie sagen, die politische Klasse sei nicht in der Lage, das Klimaproblem lösen, und dahinter stecke eine ganze Reihe anderer Probleme, die ebenfalls nicht stemmbar sind.
Aus ihrer Sicht hindert nichts unsere Bundesregierung daran, die Energieverschwendung in Deutschland zu verringern und in den technischen Vorsprung Deutschlands bei der erneuerbaren Energie zu investieren. Dafür brauche es keinen Gipfel, sondern mehr Ingenieurkunst und eine Orientierung auf praktische Resultate zur Lösung von Problem. Das Community-Mitglied Solarfighter findet es – fast ein wenig poetisch - ganz passend, dass sich die internationale Klimapolitik gerade in Kophenhagen, der Stadt in der Hans Christian Andersen gestorben ist, wie ein Déjà-vu von "Des Kaisers neue Kleider“ nackt ins Scheinwerferlicht der globalen Öffentlichkeit stellen wird und fügt resigniert hinzu: „Von oben ist nichts zu erwarten. Notwendig sind die Kämpfe von Basisinitiaven gegen die Politik der Eliten, die sich in Dänemarks Hauptstadt amüsieren.“
Einer der Gegner findet es gar schlimmer, eine Welt zu hinterlassen, die auf Brutalkapitalismus basiert und in der reiche Leute noch mit dem letzten Stück Brot der Hungernden spekulieren dürfen, als eine Welt mit ein paar Atommüllendlagern oder ein-zwei Grad Celsius Erwärmung: „Die ganzen Klima-Schwätzer sind Heuchler, die den Armen Wasser predigen und selbst Wein saufen.“
Man kann die Freitagsfrage aber auch ganz spitzfindig auseinandernehmen und zu folgendem Ergebnis gelangen: "Die Welt braucht den Gipfel sicher nicht. Die Menschheit vielleicht."
Da tut es gut zu sehen, dass es auch genügend Community-Mitglieder gibt, die noch nicht aufgegeben haben und den Gipfel ganz klar befürworten:
Die Alternative sei eben nicht die Absage, sondern der Versuch, wenigstens zu gemeinsamen Absichtserklärungen und einem verbindlichen Zeitplan für substantielle Beschlüsse zu kommen. Politik sei nun mal das "Bohren dicker Bretter" und man müsse sich Sisyphos als einen unglücklichen Klimapolitiker vorstellen, der sich gleichwohl die Kapitulation nicht gestattet.
Man könne auch nicht von einer Scheinkonferenz sprechen, sonst müsse man ja alle bisherigen Klimagipfel ebenso bezeichnen, da noch auf keinem ein bindendes Abkommen geschlossen worden ist.
Schon um das Thema am Leben und im öffentlichen Bewusstsein zu halten, den Druck nicht zu nehmen und um Anreize zu schaffen, Dinge zu ändern sei der Gipfel wichtig. Eine Absage wäre eine Bestätigung all derer, die Klimapolitik ohnehin für überflüssig halten. Konstruktive Gespräche haben außerdem noch nie geschadet.
Und das Community-Mitglied miauxx hat sogar ein paar Vorschläge, wie der Gipfel dieses Jahr ablaufen könnte: „Ohne Catering und Empfangs-Pipapo. Einsperren die Herrschaften, Heizung aus und erst wieder rauslassen, wenn es etwas wirklich Konkretes gibt! Wenn etwas dabei rauskommen soll, dann müssten die Bedingungen auch endlich mal den Umständen, um die es eigentlich geht, angepasst werden!“
Man könnte den Verantwortlichen in Kopenhagen ja mal eine E-Mail schicken..
Herzlichen Dank für diese vielen Argumente,
Maike Hank

Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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