So träumte ich mich durch die Buchhandlung im Herzen der City.
Dann ging ich auch hinein in diesen Tempel der Bücher, bis hin zu dem Regal mit den Büchern von den Männern , die als amerikanische Detectives andere Menschen "zur Strecke" bringen.
Ein Autor aus dem Amerikanischen hat ein neue Lobeshymne auf diese Typen geschrieben. Im Bildteil waren bullige Gesichter der amerikanischen Polizisten zu sehen, von Typen mit einer Polizeimarke, die wisssen was sie wollen.
Sie sehen sich selbst als Anwälte als der Toten, der Ermordeten, der Menschen die keine Stimme mehr haben.
War es dieser Entlastungseffekt, auf der Suche nach Menschen, denen es noch schlechter als einem selbst geht, den ich suchte?
Knappe 25 € sollte der Schinken kosten. 63 Seiten hatte ich schon in der Buchhandlung gelesen.
Das Buch heisst "Homicide" von David Simon und gilt als die "DNA" für eine berühmte Fernsehserie.
Als hart gesottener Fernsehzuschauer bin ich auch Einges gewohnt, und als Single der schon viel zu lange alleine ist, gucke ich mir nicht gerade immer nur Liebesfilme an.
Ich denke auch, dass es im Staat eine Polizei geben muss, aber auch die Polizei und die amerikanischen Dedectives machen Fehler un d es ist kein kein Klischee sondern eine Tatsache, dass diese Fehler immer wieder mit dem Leben bezahlen müssen, wenn sie die Todesstrafe- gegen die ich natürlich sehr vehement bin- erdulden müssen.
Ich kann mich immer in so Begeisterungen für irgend etwas hineinsteigern, aber wenn man dann mal ein paar Meter weiterdenkt, sieht die Sache schon wieder aus.
Diese ganzen Krimiserien sind doch Propaganda für die Gewalt des Staates , die dann auch nicht mehr groß hinterfragt wird.
Dann sind aufeinmal in so einem Land wie die USA ganz viele schwarze Menschen und völlig überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil in den Gefängnissen des Landes und sie sind oft ohne irgend welche Hoffnung bis an ihr Lebensende ein gesperrt, wenn sie im eher "glücklichen Fall" geschafft haben, der Todesstrafe durch einen Deal zu entrinnen.
Das bremste mich bei meinem Begehren dieses Buch von David Simon zu kaufen.
Als ständig Suchendender sah ich bei den weissen Buchwochen in der gleichen Buchhandlung , bei denen es mit der Kultkarte, die ich besitze, bis zu 60 % im Preis hinagehen kann, zwei Kinder, die in einem riesigen Bildband über altindische Liebestechniken blätterten.
Natürlich ging mich das nichts an, aber in einem öffentlichem Raum habe ich da schon hingeguckt.
Ein Junge und ein Mädchen so um die 7 oder 8 Jahre alt. Mir kamen sie vor wie die Unschuld.
Eine andere Kundin, die das auch sah, lachte und sagte zu mir: "Da haben die sich was Richtiges ausgesucht"
Die Mutter der Beiden wehrte sich gegen das Ansinnen des Jungen, den Band zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen.
Verständnisvoll sagte sie, dass sie weiss, dass ihr Sohn solche Kunstbände mag, das man so was aber nicht brauche.
Der Schwester wurde es auch zu viel und sie klappte den megagrossen Buchdeckel zu, was der Junge mit einem "Aua " quittierte.
Weiter ging ich die Sonderangebote entlang. Ein Bändchen über Heiteres im Bilbliotheksalltag kreuzte meine Aufmerksamkeit.
Ich mag solche Bändchen eigentlich.
In einem Pendant vom Buchhandel, habe ich zum Beispiel mal was über die Frage eines Kunden nach einem Globus von Deutschland gelesen .
Zugegeben einfach gestrickt, aber echt und ich kann so über was lachen.
In dem Bibliotheksbändchen las ich etwas über Anne Frank , was heiter gemeint war, was ich aber als widerlich und böse angesehen habe.
Wie kann man so was nur gedruckt veröffentlichen?
Man darf beim Schreiben wohl ganz sicher das Denken nicht vergessen.
Was sich lustig anfühlt , kann doch recht grausam sein, wenn man genauer hinschaut.
So gesehen kann das jedem Menschen passieren, der das Denken vergisst.
In anderen Bereichen könnte das sicher auch mir passieren, aber beim Thema Holcaust bin ich schon sensibilisiert, denke ich zumindestens.
Das möchte ich hier auch nicht widergeben, was in diesem Bändchen über Anne Frank drinstand. Ich habe mich darüber sehr geärgert.
Das wäre ein Fall für den Hohlspiegel im Spiegel mit negativen Beispielen des Gedruckten , wenn die Veröffentlichung aktuell gewesen wäre.
Das Ding war aber schon 5 Jahre alt.
Dann kam ich doch noch zu meinem Schnäppchen. Einem Comic. Einer graphic novel von 2009 aus Hamburg vom Carlsen-Verlag.
R. Crumbs "Genesis" aus der Bibel. Toll gezeichnet.
Robert Crumbs ist bekennender Atheist.
Trotzdem hat er sich so einen frommen Stoff vorgenommen.
Gott ist sehr streng drein schauend in dieser graphiv novel gezeichnet.
Wie der ultimative Hippie mit einem fast übertrieben langem Bart , wie ein cooler Zauberer der mal ganz locker in so einer Woche eine komplette Schöpfung auf den Tisch knallt. Schon beeindruckend, ob man nun an ihn in irgend einer Form glaubt oder nicht.
Robert Crumbs hat auch Plattencover für Janis Joplin gestaltet. Er zeichnet ganz wunderbar. Schwarzweiss liebe ich einfach mehr als Farbe und sein Strich ist so üppig verschwenderisch.
Eine Welt aus Schwarz und weiss, die es in sich hat.
Ich bin jetzt erst bei Kapitel 7 und freue mich auf den Rest von diesem Schnäppchen, dass mal fast 30 € gekostet hat, mir aber für 12 € und ein paar Zerqetschte in die Einkaufstasche gekommen ist.
Es ist ein gedruckter Traum.
Quellen:
1.) Genesis, Robert Crumbs, Carlsen, Hamburg November/2009
2.)Homicide, David Simon, Kunstmann, München 2011