poor on ruhr

Mehr Panda als Bär

29.01.2010 | 20:12

Einführung der Kopfpauschale

Ich habe heute im Bundestag einen Teil der Debatte zur Einführung der kleinen Kopfpauschale auf PHOENIX verfolgt. Es ging  um die 8€, die einige Kassen bald zusätzlich verlangen. 

Ich fand die Diskussion verwirrend, so als ob alles Seiten Nebelkerzen schmeißen, um ihre eigenen Anteile an der jetzigen Lage im Gesundheitssystem zu verschleiern und die Schuld jeweils der anderen Seite zuzuschieben.

Die CDU-Redner wiesen darauf hin, dass mit der Einführung der Praxisgebühr und der Erhöhung der Zuzahlungen für Medikamente unter Rot-Grün schon wesentliche Entscheidungen, die der Kopfpauschale ähneln, getroffen wurden.

Und überhaupt, man solle das nicht überdramartisieren, die sozial Schwachen, die die Kopfpauschale nicht leisten könnten, werden mit einem Sozialausgleich aufgefangen, meinte der abschließende CDU-Redner. 

Die SPD-Redner bezweifelten  dies und wiesen darauf hin, dass für so einen Sozialausgleich eigentlich kein Geld da wäre.

Die klarste Sprache kam aus meiner Sicht wieder von der Linken, die die Kopfpauschale als unsozial abqualifizierte, was ich vollkommen richtig finde!

Die NRW-Wahl spielte in der Debatte noch eine wichtige Rolle und die Redner und Rednerinnen aller Parteien bemühten sich um eine soziale Einbettung ihrer Aussagen, alleine es fehlt der rechte Glaube, wenn ich zum Beispiel nur an die angekündigten Kürzungen denke und der Weigerung von Schwarz-Gelb da mal konkret zu werden.

Millionen Hartz IV-Empfängern wird damit dieser Alpdruck mit der Frage zugemutet, ob das ohnehin schon unmenschlich harten Hartz-IV-Gesetz mit noch weiteren Kürzungen oder verschärten Sanktionen noch brutaler umgeformt wird.   

Ich kenne Phillip Rösler nicht genauer, aber mich macht sein überaus smartes Auftreten im Bundestrag mißtrauisch, wobei mir natürlich auch klar ist, dass nicht das Auftreten zählt , sondern das, was er tun wird.

Persönlich erwarte ich da nicht viel Gutes.  Leichte Erinnerungen an die Agenda 2010 kommen da bei mir hoch.

Es wird weiterhin unsozial regiert.

Man hüllt sich selbst in Nebel ein und  gibt die Schuld an der "sachlichen Notwendigkeit" zur Einführung der Kopfpauschale dem politischen Gegner.

In einer schon zu einem großen Teil entpolitisierten Gesellschaft ist das Gift für die Demokratie diese Dinge in solch einem Stil durchzuziehen.

Die ablehnenden Stellungnahmen der Wohlfahrtsverbände (z.B. VdK) liegen vor, aber es interessiert keinen.

Man will weiter eine unsoziale Politik machen und dabei möglichst wenig gestört werden! 

     

 
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Kommentare
lausemädchen schrieb am 29.01.2010 um 20:28
Du hast eine schöne sprache für deine sicht auf die dinge.
bedankt lausemädchen
poor on ruhr schrieb am 29.01.2010 um 20:31
Vielen Dank! ;O)
archinaut schrieb am 29.01.2010 um 21:30
Hallo por,

"In einer schon zu einem großen Teil entpolitisierten Gesellschaft ist das Gift für die Demokratie diese Dinge in solch einem Stil durchzuziehen," schreibst Du-

na, vielleicht politisieren die neuen Nebelkerzen ja..?

Mit Nebelhorn grüßt
archie
poor on ruhr schrieb am 29.01.2010 um 21:50
Politisierende Nebelkerzen kann sein, aber ich würde nicht darauf wetten.

Gruß

por
Deaktivierter Nutzer schrieb am 29.01.2010 um 21:41
Rösler ist quasi der Prototyp der jungen Mitte. Aber, Du weißt ja, ich liebe das Extrem, und zwar nur das eine ...
poor on ruhr schrieb am 29.01.2010 um 21:52
Prototyp der jungen Mitte ist er wirklich. Ich habe ja auch nichts dagegen, wenn junge Menschen jetzt Verantwortung tragen, aber dieser immer noch neoliberale Zeitgeist darum macht mir Angst.
jayne schrieb am 29.01.2010 um 21:41
zu den hintergründen dieser entwicklung erschien heute auch im redaktionellen teil des freitag ein guter mittagskommentar:
www.freitag.de/politik/1004-gesundheitsreform-beitraege-roesler
poor on ruhr schrieb am 29.01.2010 um 21:52
Liebe jayne, danke für en Hinweis.

Gruß

por
Alien59 schrieb am 30.01.2010 um 07:34
Ich dachte bei der Nachricht mit den 8 Euro, die auch ALG II-Empfänger zu zahlen haben, an meine Freundin, in deren Portemonnaie in diesem und im nächsten Monat wieder total Ebbe sein wird, weil sie Anfang des Jahres die Zuzahlungen für ihre Medikamente bis zu einem bestimmten Betrag wieder selbst zahlen muss. Nochmal 8 Euro, acht für ihren Mann - 16 Euro. Davon könnte sie für drei Tage Essen kaufen. Mindestens. Aber davon verstehen Kassenvorstände nichts, die für 16 Euro vermutlich nicht mal einmal Mittag essen gehen könnten.
poor on ruhr schrieb am 30.01.2010 um 09:11
Lieber Alien59,

so sehe ich das auch. Danke.

Tschüß

por
quarktasche schrieb am 30.01.2010 um 15:24
Ich habe eigentlich keinen Kommentar, da ich dir völlig zustimme. Die Kopfpauschale ist unsozial und löst auch keine Probleme.
hibou schrieb am 01.02.2010 um 11:11
und zu bedenken, dass der reichste der reichen UND die aermste der armen dieselbe summe zahlen wird!! unglauuuuublich, würde da meine freundin aus Hradec Kralove sagen
poor on ruhr schrieb am 01.02.2010 um 17:06
Vielen Dank. Das sehe ich auch so.

Tschüß

por
poor on ruhr schrieb am 01.02.2010 um 17:07
Das sag aber auch mal ganz im #ernst, weil ich das nämich auch finde.
poor on ruhr
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