poor on ruhr

Mehr Panda als Bär

06.04.2011 | 22:49

Ohrensausen

War der Jan nach Düsseldorf gegangen um gegen die Regierung Schröder und gegen Hartz IV zu demonstrieren.

Vor dem Fernseher hatt er gesssen und machtlos den Nachrichten zugesehen , die es in der Demokratie zu ertragen gilt.

 Alleine war er dabei gewesen und hatte sich wieder und immer wieder geärgert.

Heute war er nach Düsseldorf gefahren um mit vielen Anderen seinen Protest gegen Hartz IV  auszudrücken.

Eine Eisenbahnerpfeife aus Metall mit einer Holzkugel im Inneren ihres Klangkörpers hatte er sich besorgt .

Mit allen Kräften wollter damit  pfeifen und den Menschen zeigen, was er von der neuen sozialpolitischen Gesetzesinitiative der Regierung hielt und auch von den Medien , die den Boden dafür bereitet hatten.

Von Alternativlosigkeit aufgrund der engen Kassen war ständig und trommelfeuerartig im Fernsehen, im Radio und in in den meisten Zeitungen  die Rede.

Der Jan hatte heute keine Alternative mehr als seine Verachtung gegenüber  der geplanten Ausgrenzung von Millionen und der endgültigen Installierung eines Billiglohnsektors in Deutschland zu zeigen.      

 Das  erste Jahrzehnt des 21ten Jahrhunderts hatte seine Mitte erreicht und dem Jan war klar, dass bei der  politischen Lage der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag   Hartz IV kommen würde, doch heute würde er demonstrieren.

Irgendwann begann der Zug und der Jan zog seine Pfeife  raus und blies in sie hinein mit allem was seine Lunge hergab.

Immer und immer wieder.

Mit der Zeit begann es schon in den Ohren weh zu tun, doch der Jan musste pfeifen.

Immer und immer wieder.

Mit der Zeit begannen die, die vor ihm liefen die Geduld zu verlieren und fragten ihn recht nett, ob er es mit dem Pfeifen nicht etwas langsamer und weniger heftig  gehen lassen könnte.

Da war der Jan ein bißchen eingeschnappt.

Hatte er doch geglaubt, etwas Gutes zu tun und für eine gerechte Sache zu kämpfen.

 Heute mit dem Abstand der Jahre ist  dem Jan klar, dass im Kampf gegen Hartz IV niemanden damit gedient war, wenn alle Demonstranten ein Ohrensausen bekommen würden.

Einige standen dem Jan auch bei und meinten, dass es doch richtig ist, bei einer Demonstration seinen Unmut zu zeigen.

Dennoch wurde es rund um dem Jan im Demonstrationszug immer lichter und weite offen Stellen waren da, wo der Jan lief.

Der nahm das gar nicht wahr und pfiff wie ein Wahnsinniger weiter.

Besonders beim Einzug in die Düsseldorfer Nobelmeile Königsallee pfiff er mit allem was sein eher fülliger Körper hergab.

Es war unheimlich laut an der Schmerzgrenze für die Ohren und die weit vor ihm liefen lachten und hielten sich die Ohren zu.

Ein Gutbürgerlicher machte einen Scheibenwischer und beleidigte den Jan.

Das kränkte ihn nicht.

Er pfiff einfach weiter und fühlte sich aufgewertet, weil sein Protest  wenigstens bei einem angekommen war.

Vielleicht hatten dem Gutbürgerlichen aber auch nur einfach die Ohren weh getan. 

Ein Polizist in zirka 20 Meter Entfernung liess den Jan gewähren.    

 Im Laufe des Demonstrationszuges wurde der Jan immer müder und er konnte den  Krach mit der Pfeife nicht mehr die ganze Zeit unentwegt schlagen, worüber sich die Mitmaschierenden freuten.

In irgend einem Park gab es sie Abschlußkundgebung , wobei der Jan nicht mehr pfiff sondern zuhörte.

Dann fuhr er wieder nach Hause und saß wieder alleine vor dem Fernseher und ärgerte sich wieder und immer wieder über das neue sozialpolitische Vorhaben der Bundesregierung unter Gerhard Schröder.

  

 

 

 

 
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Kommentare
merdeister schrieb am 06.04.2011 um 23:03
Mit pfeifen gegen Pfeifen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.04.2011 um 09:10
Nichtsdestotrotz: Man muss mit Pfeifen gegen jene Pfeifen pfeifen, welche auf die pfeifen, die aus dem letzten Loch pfeifen.
(Das ist mein Pfeifbeitrag)
poor on ruhr schrieb am 07.04.2011 um 21:45
@merdeister

Danke. :)
poor on ruhr schrieb am 07.04.2011 um 21:45
@Leif Miles

Genau. :) Sehr schön. :) Danke.
archinaut schrieb am 06.04.2011 um 23:11
Lieber por,

auch kleine Pfeifen
machen großen Lärm

Man muss nur wollen!

Vielen Dank für die Geschichte

sagt
archie
poor on ruhr schrieb am 07.04.2011 um 21:46
Lieber archie,

danke für den netten Kommentar.

Herzliche Grüße

por
lausemädchen schrieb am 06.04.2011 um 23:28
lieber por,
wie wahrschön du schreibst!
(so) gern würd ich, irgendwann mal in einem buch deiner
gesammelten texte
blätterlesen ...
gutgrüsse aus münster
lausemädchen
poor on ruhr schrieb am 07.04.2011 um 21:48
@lausemädchen

Danke für den sehr netten Kommentar. Hat mich sehr gefreut . Vielen Dank. :)

Herzliche Grüße an Dich und Rainer. :)

por
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.04.2011 um 23:59
Oh poor,

Manchmal trennt der Glaube etwas Richtiges für eine "gute" Sache zu tun. Es sind die Fragen die uns dann verbinden. Einfach nach Hause gehen ist ein Fehler.
poor on ruhr schrieb am 07.04.2011 um 21:50
@sachichma

"Einfach nach Hause gehen ist ein Fehler."

Das stimmt. Vielelicht geht die Geschichte ja nochh weiter. ;)

Liebe Grüße

por
rolf netzmann schrieb am 07.04.2011 um 01:13
hallo poor, du hast eine interessante art zu schreiben, lesenswert und immer mal wieder ein schmunzeln auf mein gesicht zaubernd
eine schöne geschicte, nur sollte der jan weiter pfeifen und nicht wieder nur hinter dem fernseher sitzen und sich ärgern über die regierung merkel und ihre unsoziale politik
poor on ruhr schrieb am 07.04.2011 um 21:52
@rolf netzmann

Vielen Dank für den netten Kommentar. Es stimmt schon, dass das Engagement weiter gehen sollte. ;)
Gold Star For Robot Boy schrieb am 07.04.2011 um 22:24
poor on ruhr schrieb am 07.04.2011 um 22:54
@GSFR

Danke! ;) Interessante Message.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 07.04.2011 um 22:24
poor on ruhr
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