In meinem Leben habe ich zwei Leute kennengelernt, die an der Folkwang Universität der Künste studiert haben. Heute habe ich zu diesen Leuten keinen Kontakt mehr. Der Eine war ein leidenschaftlicher wohl ziemlich guter Maler, die Andere hat auch tolle gemalt , ist aber wohl sehr vielseitig künstlerisch talentiert und sie hat in der Independent-Szene als Musikerin eine gewisse Berühmtheit erreicht.
Ich habe einen kleinen , gelegentlich immer wieder mal von mir gepflegten Kugelschreibertick, der wohl eher nicht gerade so spannend ist. Neulich habe ich mir einen weissen Kugelschreiber mit dem Aufdruck : "Folkwang Universität der Künste"von der Marke Caran d´ Ache (Modell 849) gekauft.
Da habe ich mich so richtig reingesteigert. Ich dachte: "Oh, wie schön, eine Universität der Künste."
Meine Fantasien dazu waren eher mit herkömmlichen Bildern über Kunst in meinem Kopf verbunden.
Es waren aber nicht nur die Harfe spielende Musikerin , die mir dabei so hoch kamen. Auch Erinnerungen an einen anderen Folkwang-Studenten aus Ägypten stiegen in mir auf , der hier in Essen Geige studierte und seiner Freundin zu ihrem Geburtstag im Studentenwohnheim ein Ständchen mit seiner Geige brachte, dass sie zu Tränen rührte. Beziehungen , die wahrscheinlich auch schon seit Jahrzehnten auseinander sind.
Dann sah ich von einer anderen Universität der Künste ein Kunstwerk im Fernsehen.
Eiun Schaf unter einer Gulliotine. Die Menschen können im Internet, darüber abstimmen, ob es es geköpft werden soll. Das Schaf heisst Norbert. Da musste ich schon schlucken.
Die Sache ist heftig umstritten. In der Fernsehsendung wurden Spekulationen darüber angestellt, ob das Ganze ernst gemeint oder ein Fake ist. Die Tierschützer haben sich vehement gegen die Aktion ausgesprochen und gegen die Studenten soll es da schon handfeste Drohungen gegeben haben.
Das mit dem Schaf Norbert, das geköpft werden soll , hat aber nichts mit der Folkwang Universität der Künste aus Essen zu tun.
Die Vorgänge stammen von der Berliner Universität der Künste.
Jetzt hat sich die Sache aber wohl geklärt. Es war ein "Bluff" und die Kunstaktion ist zu Ende.
Das Schaf Norbert lebt! (Quelle: Spiel Online)
Eine wirkliche Tötung von dem Schaf Norbert hätte nie zur Debatte gestanden.
2,5 Millionen hatten im Internet gegen die Tötung von Norbert gestimmt und 1,7 Millionen waren dafür.
Die Studenten hätten die gesellschaftlichen Reaktionen austesten wollen.
Die Geschichte ging hin bis zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die wegen des offensichtlichen Fakes bereits wieder fallen gelassen wurden.
Die Story kann unter dem folgenden Link nachgelesen werden:
Quelle:
www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/kunstaktion-die-guillotine-zu-ende-das-schaf-lebt-a-833856.html
Meine Kugelschreiber habe ich natürlich immer noch, aber mein Bild über die Künste hat sich nun wieder relativiert.
Kunst ist natürlich mehr als diese herkömmlichen Dinge, wie ich sie mir unter meinem persönlichem Kunstbegriff vorgestellt habe.
Es ist so als ob das Schaf Norbert in meinen Kugelschreiber gebissen hätte und den schönen Aufdruck von der "Universität der Künste" etwas der Lebenswirklichkeit des Kunstbetriebes, der natütlich auch provoziert, angepasst hat.
Natürlich bin ich froh, dass Norbert lebt!
Die Millionen Schweine in den Schlachthöfen werden von meiner Erleichterung nicht so viel haben.
Die Meisterschüler aus Berlin hatten wohl sich selbst als Feindbild konstruieren wollen.
Ist so eine Kunstaktion geschmacklos? Darf Kunst so etwas?
Ich denke, dass sie es darf, auch wenn ich mit solchen Aktionen nicht so richtig anfreunden kann.