Das Pop-Blog

Blog von Das Pop-Blog

04.09.2011 | 16:44

#BF11: Beirut

 

Zach Condon hat wohl das hingelegt, was man eine einwandfreie Indiewunderkind-Biografie nennen darf. Aufgewachsen im äußersten Süden der USA, in Albuquerque, schmeißt er mit 16 die Schule, bereist daraufhin Osteuropa und den Balkan, bevor er inspiriert durch die dortige Kultur und Musik, sein Debütalbum Gulag Orkestar aufnimmt. Ein junger Amerikaner der osteuropäischen Polka mit monumentalen Orchesterarrangements verbindet und dabei dennoch die Kurve zum immer gern gesehenen Wohlfühl-Folk schlägt - das wurde von der Indiegemeinschaft wie eine Offenbarung empfangen.

Aufgenommen hat er das Album in seinem Teenagerzimmer, was ja mittlerweile als Garant für hitverdächtigen Lofi-Popfolk gilt.

Das Prinzip Kulturreise und Musikexport hat sich bei Gulag Orkestar also mehr als verdient gemacht. Bei The Flying Club Cup, Zachs zweitem Album, wurde das allerdings schon schwieriger. Hier löste Jacques Brel nun den serbischen Musiker Goran Bregovic als Inspirationsquelle ab.

 

 

The Flying Club Cup sollte eine Hommage an das alte Frankreich werden, an ein - längst verloren gegangenes Lebensgefühl. Dass man dieses Lebensgefühl nicht mal eben wieder zum Leben erweckt, mussten leider auch Beirut erkennen.

 

 

Von der im Debütalbum so gefeierte Nähe und Authentizität war hier nichts mehr zu spüren und es drängte sich die Frage auf, ob mit Gulag Orkestar bereits alles gesagt, getanzt und gefühlt wurde.

 

Beirut - East Harlem

 

Um die Spannungskurve nicht noch weiter auszureizen: Nein, wurde es nicht! Mit The Rip Tide ist Beirut vielleicht erstmals bei sich selbst angekommen. Nach diversen Reisen und immer neuen Eindrücken und Zusammenarbeiten, hat sich um Zach Condon nun ein fester Kern von neun Musikern gefunden, die wie sich das für eine saubere Indiebiografie gehört, mittlerweile alle in Brookyln ansässig sind. The Rip Tide bietet zwar keine großen Überraschungen, aber dafür alles das, was Beirut eben am besten können: ein bisschen Selbstmitleid, viel Tuba, viel Trompete und gut versteckte, wunderschöne Texte.

 

Beirut spielt am Samstag auf dem Berlin Festival.

 

AM

 

 
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Das Freitag-Blog zur Musik. Hier schreiben Jan Jasper Kosok, Maike Hank, Daniel Windheuser, Sophia Hoffmann und Antonia Märzhäuser. In nächster Zeit vor allem für das Berlin Festival.
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