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"Die Banken, die Banken!", die sind schuld. Differenzierter: "Die Politiker sind schuld, denn sie müssten der Finanzjonglage Einhalt gebieten".
So schallen die Meinungen durch unsere Gegenden. Ich halte entgegen und sage: Ich bin ebenso schuld. Aus lauter Demut nehme ich die Gesamtschuld auf mich und teile sie mit dir, eventueller Leser. Einverstanden?
Schon an dieser Stelle im Text wird wohl mehr Widerspruch denn Zuspruch erreicht sein. Davon gehe ich jedenfalls aus. Denn schuldig am großen Ganzen will man selbst nicht sein, dazu zeigt man viel zu gerne mit dem Zeigefinger auf andere, die weit exponierter stehen.
Auf sich selbst hält man was, schliesslich urteilt man nicht ohne Grund, quasi 24 Stunden am Tag, am liebsten über andere. Folgendes Bild, bzw. das Zitat, wird auf facebook immer wieder sehr gerne geteilt und bekommt ebenso gerne viele 'gefällt mir's:
"Before you diagnose yourself with depression or low self esteem, first make sure that you are not, in fact, just surrounded by ASSHOLES"
image.spreadshirt.com/image-server/image/composition/18575252/view/1/producttypecolor/2/type/png/width/280/height/280/surrounded-by-assholes_design.png
Darauf kann man sich einigen, schliesslich ist man selbst ja auf keinen Fall ein Arschloch. Einverstanden?
Dass diese anderen aber, die vermutlich eben jene im Zitat angespochenen Arschlöcher sind, selbst an Depressionen und/oder einem verkümmerten Selbstbewusstsein zu tragen haben, weil sie vielleicht genau dich oder mich als Arschloch empfinden, geht dabei unter.
Die evangelische Kirche empört sich nun öffentlich gegen die "weltweite Gier":
www.spiegel.de/panorama/0,1518,796157,00.html
"Die sollen sich mal an die eigene Nase fassen", denke ich mir. Dann aber gefällt mir, dass diese doch eigentlich recht einflussreiche Institution Stellung zur Situation bezieht. Ich selbst bin Agnostiker und mag Religion per se nicht, aber ich weiss darum Bescheid, dass sehr viele Menschen unserer Gesellschaft gläubig sind. Ja, die Kirchen haben Dreck am Stecken und sollten sich selbst vielleicht besser im Dorf lassen. Aber wer von uns sollte sich nicht selbst an die eigene Nase fassen?
Am Ende des Blog-Eintrags eine Einleitung:
Guten Tag, auch ich bin dann und wann ein Arschloch.
Unterstütze mit meinem Geld zuweilen Dinge und dadurch Menschen, die mir Unfug verkaufen und somit das elendige Rad, das wir selbst mittlerweile zutiefst kritisieren, weiter am Laufen halten. Selbst wenn ich Teil der 99% der Occupy-Bewegung bin, bin ich dennoch auch Teil des Problems.
Ich konsumiere und bin Kapitalist. Einverstanden?
Liebe Grüße,
putte
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Im Grunde genommen alles Kleinigkeiten.
Aber einverstanden; denn an solchen Kleinigkeiten wie unserem eigenen Verhalten, daran geht die Welt letztlich zugrunde. |
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@GeroSteiner:
Aber einverstanden; denn an solchen Kleinigkeiten wie unserem eigenen Verhalten, daran geht die Welt letztlich zugrunde. Die Welt geht nicht zugrunde, denn sie ist - sie ist das, was verwirklicht wurde. Wenn die Zukunft unserer Gegenwart keine Wahlmöglichkeit dessen heranträgt, was verwirklicht werden kann, dann ist entweder das eigene Leben zu Ende oder das Leben insgesamt. Bis dahin haben wir zu erkennen, was verwirklichungswürdig ist und genau das zu tun. saludos, Q. |
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Das ist jetzt aber messerscharf, Don Quichote. Und es stimmt.
Ich meinte es auch gar nicht so absolut, wie es mir da oben um die Ohren gehauen wird. Die Welt ist nicht schlecht, wohl aber schlecht dran. Denn auch ich kaufe ab und an den Billigkrams bei Tchibo und weiß genau, dass jemand für diese Preise geknechtet wurde und irgendwann bei uns geknechtet wird, weil das natürlich einen Einfluss auf das Preisgefüge hat. Aber immerhin, ich kaufe es mit schlechtem Gewissen. Und wissen Sie was? Solange so viel gelacht wird, ist die Welt nicht so schlecht. |
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Einverstanden. Im Großen und Ganzen. Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Aber...
Ich halte entgegen und sage: Ich bin ebenso schuld. Aus lauter Demut nehme ich die Gesamtschuld auf mich und teile sie mit dir, eventueller Leser. Einverstanden? ...das hilft nicht, Du wirst kein Christus darob. Ich auch nicht. Und man sollte nur auf sich nehmen, was man auch bewältigen kann. Ich konsumiere und bin Kapitalist. Einverstanden? *shrug* - wenn Du Dich so siehst, auch damit. Ich konsumiere und bin kein Kapitalist. Nicht konsumieren geht nicht - oder nur um den Preis des frühzeitigen Ablebens. Aber ich häufe kein Kapital an, ich versuche nicht, Profite zu maximieren, ich strebe Profite nicht an. Natürlich bin ich qua Existenz Teil des Problems, denn ich muß mir das organisieren, das ich zum Selbstverbrauch verbrauchen muß, bis ich verbraucht bin. Die Erde wird gefressen. So ist das nun mal. Aber soviel Leid muß dabei nicht sein auf der Welt: vieles ist vermeidbar. saludos, Q. |
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>>"Die Banken, die Banken!", die sind schuld. Differenzierter: "Die Politiker sind schuld, denn sie müssten der Finanzjonglage Einhalt gebieten".<<
Beides stimmt! >>Aus lauter Demut nehme ich die Gesamtschuld auf mich und teile sie mit dir, eventueller Leser. Einverstanden?<< Damit bin nicht einverstanden, weil Sie und die Leser hier vermutlich nicht aufgrund der oben erwähnten Finanzjonglade, ermöglicht durch die Politik, über die Verhältnisse gelebt haben. Über ihre Verhältnisse haben im großen Stil die Bürger der EU-Pleitestaaten (PIIGSF) gelebt! Bei uns und in den "EU-Nordstaaten" sind die Einkommen in den letzten ca. 10 Jahren deutlich durch Reformen (z. B. Agenda 2010) gesunken, in den EU-Pleitestaaten (PIIGSF) wurden sie hingegen deutlich ohne Gegenleistung erhöht. Das wird hier immer wieder beklagt, vor allem weil viele Reiche leider bei uns noch reicher wurden, hat aber unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöht und wird uns vor dem bewahren, was den Bürgern der "EU-Südländern" ohne Reformen noch bevorstehen wird. Ich kann nur hoffen, dass unsere FDJ-Angie und die anderen miesen Politiker den "EU-Südländern" zur Milderung ihrer Mißwirtschaft jetzt nicht auch noch unsere Divisen- und Goldreserven opfert. Diese würden in sehr kurzer Zeit von den Bürgern der "EU-Südländer" erneut verschnökert werden und würde uns ebenfalls, vor allem dann durch Inflation, in den Ruin treiben, trotz höherer Leistung der Bürger bei uns! |
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Schönen guten Morgen.
Zuerst möchte ich mich dafür bedanken, dass dieser Blogartikel gelesen wurde. Nun zu dem, was Kritiker01 schrieb: >>"Aus lauter Demut nehme ich die Gesamtschuld auf mich und teile sie mit dir, eventueller Leser. Einverstanden?" Damit bin nicht einverstanden, weil Sie und die Leser hier vermutlich nicht aufgrund der oben erwähnten Finanzjonglade, ermöglicht durch die Politik, über die Verhältnisse gelebt haben.<< Das ist genau der springende Punkt, der mich zu diesem Blogeintrag bewogen hat. Wir erleben gerade eine Zeit, in der es recht einfach wurde Schuld zuzuweisen. Ja, auch ich sehe in erster Linie die Politik in der Verantwortung jene aus dem Ruder geratenen Finanzjonglagen nicht nur zu bändigen, sondern sie dauerhaft auf vernünftige Weise zu regulieren. Und ja, auch ich verurteile die Gier von Teilen der Finanzwelt. So viel zu den Entscheiderebenen. Aber, und darauf kam es mir beim Schreiben des Blogeintrags an: auch im kleinen Leben von uns normalen Bürgern wird sehr viel über die Verhältnisse gelebt. Polemisch formuliert: Hier müssen im Schrank 6 paar Schuhe stehen, dort tut zwar der Fernseher noch, dennoch wird er ersetzt durch einen neuen, flacheren. Hier kauft man lieber etwas mehr vom Hackfleisch, macht ja nichts wenn man den Rest in die Tonne wirft. Ein Auto reicht, aber wenn der Geldbeutel es zulässt darfs auch ein Zweitwagen sein. Und so weiter und so fort. Und bevor mir ein moralischer Zeigefinger zukommen soll: nein, auch ich lebe über meinen Verhältnissen und bin beileibe kein 'Heiliger'. Ich denke aber, dass es wichtig ist, die eigene Nase nicht aus den Augen zu verlieren. Denn unterm Strich sind Politiker, Spekulanten, Vorstände, etc. aus unserer gemeinsamen Gesellschaft hervorgegangen und somit, aus meiner Sicht, nicht isoliert vom Rest der Menschen zu betrachten. Diese Sichtweise ist es, um die es mir geht. Ein einfaches, schon fast naives und fiktives Beispiel bringt es auf den Punkt: Sollte ich einmal Kinder haben, die mich irgendwann in 25 Jahren fragen sollten, was sich die Menschen im Jahre 2011/2012 eigentlich dachten, als sie derartigen Fortschrott produzierten ... was soll ich dann sagen? Soll ich sagen, dass ich selbst ja ein guter war und zu viele andere aber nicht? Ich denke, dass ich es mir damit zu leicht machen würde. Die Verantwortung liegt bei uns allen. Zwar nicht gleichermaßen gewichtet, aber wir sollten dabei auch nicht vergessen, dass es die vielen sind die zulassen, was einige wenige tun. |
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schrieb am
07.11.2011 um 08:24
Thorsten Puttenat schrieb am 07.11.2011 um 08:11
>>Hier müssen im Schrank 6 paar Schuhe stehen, dort tut zwar der Fernseher noch, dennoch wird er ersetzt durch einen neuen, flacheren. Hier kauft man lieber etwas mehr vom Hackfleisch, macht ja nichts wenn man den Rest in die Tonne wirft. Ein Auto reicht, aber wenn der Geldbeutel es zulässt darfs auch ein Zweitwagen sein. Und so weiter und so fort.<< Das sehe ich genauso. Hinsichtlich der Schuldenkrise ist es aber schon ein Unterschied, ob man den oben genannten - oft überflüssigen Konsum - verdient hat oder wie die Bürger aus den EU-Pleitestaaten (PIIGSF) auf Pump erworben hat. Und jetzt obendrein auch noch verlangt, dass die Bürger der "EU-Nordstaaten" weiterhin den Südeuropäern auch derartigen überflüssigen Konsum ermöglichen soll. |
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Bei der Griechenland-Krise geht es nicht um 6 paar Schuhe im Schrank eines Privatbürgers. Oder doch? (über den großen Staatsaparat? - nicht sicher)
Im grunde gehts um den überschuldeten Staat. Und dies ist eine einfache Rechenaufgabe. Dabei hat man sich auch als das beobachtende europäische Ausland wohl regelmäßig verrechnet. Oder gar nicht gerechnet - weil es sich um einen souveränen Staat handelt(e). Aber Grundsächlich sind alle von solchen einfachen Rechenfehlern betroffen. Und dass macht es insgesamt (und global) zu einem strukturellen Problem - dass sich derzeit eben fast nur in Griechenland abspielt. Ich hatte es schon mehrfach so ausgesprochen: Sind die Staatsschulden hoch und können sie nicht Zeitnah beglichen werden, so bedarf es Maßnahmen, diese zu reduzieren. Das geht am leichtesten, wenn man die Staatseinnahmen erhöht. Oder die Ausgaben verringert - wo in jüngster vergangenheit am meisten dran gearbeitet wurde. Nicht ohne einen herben Beigeschmack zu hinterlassen. Steuererhöhungen sind derzeit nicht im Gespräch - was mich eher wundert, wo doch durchaus ein Bewusstsein für die Schuldsummen besteht. Erfreulich wenigstens die Meldung jüngst, dass sich die Einnahmen um 40 Milliarden erhöhen werden. Unverständlich trotzdem, wenn gleich wieder von Steuerververringerungen gefaselt wird. Dafür ist es Zeit, wenn die Schuld beglichen ist. |
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Putte spielt den Säulenheiligen.
Die Banken, die Politiker, das Geld, die Gier. Welche Banken, welche Politiker, welches Geld, wessen Gier? Das lässt sich recht eindeutig benennen, und dazu sollte Putte als gut informierter Mitbürger eigentlich in der Lage sein. Statt dessen bietet er seine selbstgebastelte "Oma Liesel" - Moraltheologie feil... Diese postuliert dass Alle an Allem schuld sind - und zwar ständig. Das ist in hohem Grade schlicht und auch sehr einfach - und vor allem falsch. Es ist ja nicht so dass der Gemüsehändler von nebenan versucht hat seine Millionen mit maximaler Rendite anzulegen oder die Kollegin aus dem Büro einen mittelständischen Betrieb aufgekauft und ausgeplündert hätte. Nein so ist es nicht. Aufwachen Putte! |
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Efa, es ist auch eine Frage der zeitlichen Perspektive. Besprechen wir lediglich die derzeitige Zeitspanne der neuerlichen Finanzkrise (also Monate oder Jahre), oder reden wir über das Getue von uns Menschen im allgemeinen? Ich konzentriere mich lieber auf letzteres, und da ist mir Mikro wie Makro. Die Gier findet im kleinen, als auch im großen statt. 2 Paar Schuhe reichen nicht? Na gut, dann stehen eben 6 Paar im Schrank. Oder nimm die Kleinanleger: 8% Rendite? Nein, 12% sollens sein.
Ich bleibe dabei, dass die Grundschuld eine gesellschaftliche ist. Dadurch mache ich mich zuweilen unbeliebt, schliesslich denkt ja jeder, der einigermaßen reflektiert, dass er oder sie den Ursprung des Schadens erkannt hat. Sich sebst aber nimmt man sehr gerne davon aus. Und genau davon habe ich die Schnauze voll. All jene, die in den Augen der Occupy-Bewegung Schuld tragen (also 1%), sind Produkt unserer Gesellschaft. Viel schlimmer ist aber, dass die anderen 99% (um in diesem Duktus zu bleiben) genau dies zulassen. Das ist, was ich sagen will. |
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Die Industrie hat die letzten 2 Jahrzehnte durch die diversen Steuerbefreiungsgesetze Milliarden gescheffelt die sie in Thinktanks und "unabhängige" Institute investiert hat (das Argument war dass die Gelder in den Wirtschaftskreislauf reinvestiert werden würden, das hat aber höchstens im Ansatz stattgefunden. Die Unternehmen haben zB mit der Kohle eigene Banken gegründet mit denen sie lustig spekulieren ).
In den einschlägigen Talkshows sitzen zum Teil 4 bis 5 Persone die mit der INSM (Initiative neue Marktwirtschaft - finanziert von den Metall Arbeitgebern) verbandelt sind, die alle die gleiche marktliberale Soße verzapfen. Das ist eine nachhaltige Verdummungs- und Manipulationsoffensive der man nur sehr schwer ein reelles Gegengewicht entgegensetzen kann. Kleines Beispiel: Es wurde von der Bundesregierung ein Gremium eingesetzt zur Bankenregulierung. Feine Geschichte! Wer erhielt den Vorsitz dieses Gremiums: ein persönlicher Berater von Merkel, ein Investmentbanker... Dafür willst du die Bevölkerung verantwortlich machen? Wir werden systematisch auf hoch professionelle Art und Weise verscheissert - und sollen daran selber schuld sein? Sehr gewagt - ich würde sagen das ist naiv UND konservativ in einem negativen Sinn! |
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Efa, ich mache die Menschen zu ihrer Zeit für ihr Treiben verantwortlich. Im Moment sind das wir. Wenn es wirklich diese 1% gibt, und dementsprechend die anderen 99% - wie kann es dann sein, dass diese 99% zulassen, was gerade passiert?
Mir ist bewusst, dass das provozierende Aussagen sind, meiner Denke entsprechen sie dennoch. Ich selbst nehme mich da keinesfalls aus. Ohne jeden Vorwurf, aber die Frage, wer was wie ändern kann, muss sich diese Gesellschaft gefallen lassen. Das schliesst alle mit ein. (Mir ist durchaus bewusst, dass die "Schuld" an all dem sehr unterschiedlich gewichtet ist.) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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