1
]
Was ist diese ‘Occupy’-Bewegung? Was stellt sie dar und was will sie?
Die Occupy-Bewegung ist keine Organisation, sie hat keine Führung oder gar „Parteiprogramm“. ‘Occupy’ wurde in New York erfunden – dort campieren in der Nähe der Wall Street Menschen unterschiedlichster Schichten gegen den Irrsinn der Banken und Finanzjongleure, für mehr monetäre und soziale Gerechtigkeit. Nun hat diese Bewegung die ganze Welt erreicht.
Warum sollte ich die ‘Occupy’-Bewegung unterstützen?
9 von 10 Menschen sind politikerverdrossen. Das ergab eine repräsentative Statistik, die vor einiger Zeit durch sämtliche öffentliche Medien ging. Die Politik, als verlängerter Arm der Bürger, hat aus der Finanzkrise 2008 nichts gelernt. Deshalb ist es jetzt wichtig sie verstärkt unter Druck zu setzen und an ihre Verantwortung zu erinnern.
Egal ob jung oder alt, ob Wähler oder Nicht-Wähler, ob arm oder gar reich – ein einigermaßen funktionierender Gerechtigkeitssinn sollte Voraussetzung genug sein, um diesen Unmut gemeinsam mit vielen anderen zu äussern. (Auch wohlhabenderen Menschen kann nicht gefallen, was gerade passiert, auch ihr Wohlstand steht auf dem Spiel.)
Derzeit gehen Menschen in aller Welt aus u.a. diesen Gründen zusammen auf die Strasse, um ein Zeichen zu setzen und um zu sagen: „Wir sind da und wir sind die meisten.“
Was soll das bringen?
Wir haben bemerkt, dass die Politik oft nur dann in Bewegung gerät, wenn viele zusammen es schaffen mediale Aufmerksamkeit zu erlangen. Es gibt unterschiedliche Wege, sich Ausdruck zu verleihen. Gerade das Internet mit seinen sozialen Netzwerken trägt einen wichtigen Teil dazu bei.
Aber, und das hat uns die Geschichte gelehrt: Die Strasse ist und bleibt das eindruckvollste Mittel für eine mögliche gesellschaftliche Veränderung, die in der breiten Bürgerschaft ihren Ursprung findet.
Dann stehe ich da unter Menschen, die Haltungen und politische Meinungen haben, die ich nicht gutheissen kann?
Ja, das wird passieren und ist letztlich nichts anderes als das positive Signal, dass man hiermit den vielleicht seltenen Fall erlebt, einen gemeinsamen Nenner mit sonst andersdenkenden gefunden zu haben. Vielleicht heisst das für den einen oder die andere, einen inneren Schweinehund zu überwinden, um über den eigenen Schatten zu springen. Das alte Links/Rechts-Denken für ein paar Stunden beiseite legen und schauen was passiert. Zu verlieren gibt es dabei nichts, zu gewinnen sehr viel mehr.
Ist das einfach nur „dagegen“ oder gehts hier auch um ein „Für“?
Es geht um soziale Gerechtigkeit, soviel ist klar. Natürlich mag all das etwas Diffuses und Abstraktes mit sich bringen, aber das ist der Komplexität des Themas geschuldet und dem Moment, den wir derzeit erleben. Bevor unsere Gesellschaften neu verhandelt werden können, braucht es Empörung. Auch wenn die Motive der Einzelnen voneinander abweichen können, haben wir alle doch verstanden, dass es um eine Gerechtigkeit geht, die abhanden gekommen ist: Banken sind völlig aus den Fugen geraten, Finanzjongleure sind von allen guten Geistern verlassen, der Irrglaube an die Unendlichkeit des Wachstums, der Umgang mit den Ressourcen dieser Erde, etc. All das auf Kosten der Menschen in ihren jeweiligen Ländern. Dass das so nicht weitergehen kann, scheint den allermeisten klar.
Erst wenn wir uns hörbar machen, haben wir die Chance auf Mitsprache. Eine Neuverhandlung, die nicht nur ausschliesslich von Politikern und Wirtschaftsleuten besprochen wird. Wir brauchen Psychologen, Soziologen, Künstler, Kommunikationswissenschaftler, Philosophen, etc. und selbstverständlich die Bürger selbst, die unsere Gesellschaft neu diskutieren. Es geht um mehr als „nur“ um Begriffe wie Euro, Rettungsschirm und Finanzkrise, sondern auch um eine Ethik, Nachhaltigkeit bezüglich unserer Umwelt – all das abseits von Ideologien.
Dieses Revolutionsgerede stösst mich ab.
Es geht hierbei nicht um eine Revolution, dieses Wort mag abschrecken und wiegt sehr schwer. Evolution trifft es vermutlich besser. Aber es geht um nichts Geringeres als um den Wunsch nach einer wirklichen Veränderung unserer Gesellschaft und die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Und wenn die Politik es parteiübergreifend nicht schafft, ihren Wählern Vertrauen abgewinnen zu können, ist irgendwas faul. An diesem Punkt befinden wir uns, Verschwörungstheorien braucht es dazu keine.
Aber uns hier gehts doch gut!
Nicht nur Europa hängt zusammen, die ganze Welt tut es aufgrund der Globalisierung. Die Wirtschaft spielt dabei eine große Rolle. Zu glauben, dass wir das mal eben schaukeln, während andere Länder um uns herum mehr und mehr ins Straucheln geraten, scheint nicht angebracht.
Es geht nicht darum, den Teufel an die Wand zu malen, aber es geht um Achtsamkeit. Und es geht schlussendlich auch darum, nicht immer nur an sich selbst und die Seinen zu denken. Da ist ein Tellerrand, über den es hinauszuschauen gilt. Ich bin hier schliesslich nicht alleine. Du?
(Bei Gefallen darf dieser Text gerne kopiert und verbreitet werden.)
|
|
super! Endlich mal klar formuliert worum es geht.
Mir gefällt der Text und ich werde ihn weiter verbreiten. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen