quarktasche

Kopf hoch, Blick nach Links

08.02.2010 | 18:20

Irgendwas mit Helden

Irgendas habe ich hier beim Freitag von Helden gelesen, nur die Überschrift, aber es gibt wohl mehrere Beiträge dazu. Ist das nicht eine sehr antiquirte Denkart? Das Heldentum ist eine Kategorie des Mittelalters, gar der Antike. Heute hat sich das Thema erledigt, es gibt zwar den Trend der Individualisierung der Gesellschaft, aber alleine kann man heute nichts heldenhaftes erreichen, wahrscheinlich auch früher schon nicht. Helden entstehen wenn sich eine charismatische Person aus der Masse, die gemeinsam etwas erreicht hat, heraus stellt oder heraus gestellt wird, als wäre es ganz allein ihr Erfolg. Im Leistungssport könnte man vielleicht von Helden sprechen, aber das bringt die Gesellschaft nicht vorran und die sind sowieso meist gedopt. In der Politik? Nein, da sind die meisten Idioten! Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass die meisten Politiker in die Politik gehen, weil sie von nichts eine Ahnung haben.

 
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Kommentare
müslikind schrieb am 08.02.2010 um 18:43
Hallo,
ich empfehle zum Thema Texte von Streifzug, Cassandra, Koslowski, katharina, chrisamar, merdeister und mir zur Lektüre (erhebe mit dieser Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit). Danach gerne Diskussion darüber, ob und was für Helden es heute oder früher mal gibt/gab und ob der Begriff heute passt/mal passte.
Gruß
müslikind
merdeister schrieb am 08.02.2010 um 19:15
Dein Titel erinnert ein wenig eine bekannte Antwort auf ein in einem gewissen Alter unvermeidliche Frage:

"Was willst Du später mal machen?"
"Irgendwas mit Helden."

Ansonsten kann man sich immer gut an den Rat vom Müslikind halten ;-)
Joachim Petrick schrieb am 08.02.2010 um 20:12
"Helden"
ist das ein inkontinenter Kontinent?
Manche können Ihr Wasser, andere ihren Ruhm als Held nicht halten, den sie so verheißungsvoll versprochen.
Wovon ich Anti- Helden ausdrücklich nicht ausnehme.

Bei "Irgendwas mit Helden"
fällt mir gleich
"Irgendwas Mit Medien (IMM)"
ein.
Sag mal merdeister,
ist das nicht eine Unart, auch wenn diese als Müslikind daherkommt:
"Stellt einer, wie quarktasche eine Helden- Frage, wird er gleich, wie ein Hund zum Apportieren des in die Luft geworfenen "Nachhilfe- Lehrgangs" beordert?

tschüss
JP
merdeister schrieb am 08.02.2010 um 21:59
Wenn der Chef uns erziehend apportieren lassen will, wollen wir nicht nachstehen. So muss es sein. DAnke fuer den Spiegel.
Ich fuehle mich schon ganz heldig...
Joachim Petrick schrieb am 08.02.2010 um 23:47
gut so heldig!

tschüss
JP
Columbus schrieb am 08.02.2010 um 19:38
Liebe Quarktasche,

"Helden entstehen wenn sich eine charismatische Person aus der Masse, die gemeinsam etwas erreicht hat, heraus stellt oder heraus gestellt wird, als wäre es ganz allein ihr Erfolg."

Sie studieren ja politische Wissenschaften und haben daher durchaus das Rüstzeug, wahrhaftige Helden und Heldinnen zu erkennen und die Falschspieler zu entlarven.

Das Rüstzeug ist aber andererseits auch gut geeignet, ohne viele tatsächliche Kenntnisse, mit dem Wissen um gegebene politische und mediale Stukturen, am Ende als Streich- und Schmierquark mit Kunstaroma, auf den lukrativen Mühlen der Politikberatung und der Politik selbst zu enden. Da nützt so manche Opportunität.

Das wäre doch eine Aufgabe, neben dem Heldischen in jedem Menschen, Hinweise dazu gibt es ja von meiner geschätzten Vorkommentatorin "Müslikind", auch einmal ein paar wahrhaftige Heldinnen und Helden zumindest aus der jüngeren Geschichte, als gute Beispiele, kennen zu lernen. Das ist durchaus eine ganz persönliche und eine soziale Angelegenheit und erklärt auch, warum es für eine "irgend wie Linke" sinnvoll ist, sich "kleine" Helden und Heldinnen zu suchen.

Bedenken Sie auch, dass kulturelle, wissenschaftliche und historische Kenntnisse dazu beitragen können, nicht wahllos irgend welchem modischen Charisma auf den Leim zu gehen.

Ganz persönlich habe ich meine kleinen Helden, es ist ein Faible, in kleiner Auswahl: Margarete Steffin, Christoph Kolumbus, der Mann, der immer richtig falsch abbog, Nelson Mandela, Ignaz Semmelweis, Max Hodann, Kurt Tucholsky, Georg Forster, Heinrich Heine, Harry Chapin,Erin Brockovich-Ellis, Harvey Milk,....

Das sind Helden, die gegen Widerstände etwas wagten, aber nicht um andere zu besiegen, oder Alleinvertretungsansprüche anzumelden. -

Was passiert aber, wenn sich ganze Gesellschaften gar nicht mehr viel Mühe mit der Erinnerung machen wollen?
Das Geschwätz ist der Tod des guten Hleden, die Schlechten kommen damit klar.

"Das Heldentum ist eine Kategorie des Mittelalters, gar der Antike."
Selbst wenn es so wäre, was wäre damit erkenntnismäßig ausgesagt?

Mit lieben Grüße

Christoph Leusch
quarktasche schrieb am 08.02.2010 um 19:49
""Das Heldentum ist eine Kategorie des Mittelalters, gar der Antike."
Selbst wenn es so wäre, was wäre damit erkenntnismäßig ausgesagt?"

Ich halte es schlicht für veraltet. Für mich gibt es keine Helden, es gibt wichtige Persönlichkeiten. Vielleicht reite ich auch zu sehr auf Begrifflichkeiten herum (ist das eine deutsche oder eine linke Krankheit?).
Ich halte es für gefährlich zu viel Hoffnung auf eine Person zu setzen. Um die Probleme unserer Zeit zu lösen brauchen wir alle Menschen.
Cassandra schrieb am 08.02.2010 um 20:09
Hallo Quarktasche, ich habe auch so meine Probleme mit dem Begriff, habe aber noch nicht ganz mit mir ausgemacht, warum ganz genau :)
Joachim Petrick schrieb am 08.02.2010 um 20:15
was ist mit den Helden, die sich als Märtyrer nicht nur mit säkularem Ruhm von weltlichen Helden bekleckern wollen, sondern den klerikalen Heiligenschein wuchernd zum Glühen bringen wollen?

tschüss
JP?
müslikind schrieb am 08.02.2010 um 22:57
Ich stimme dir zu, dass der Heldenbegriff diskussionswürdig ist und wollte mit meinem ersten Kommentar darauf hinweisen, dass die Diskussion schon in mehreren Facetten geführt wurde.

Wenn ich, trotz begrifflicher Bedenken, von Helden spreche, dann bestimmt nicht von solchen, in die viele Menschen viele Hoffnungen gesetzt haben, anstatt selber ihre Probleme zu lösen. Dazu fällt mir dieses Zitat ein: „Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen.“ (von Franca Magnani, wer auch immer das sein mag). Sondern ich meine solche, die trotz widriger Umstände ihren Weg gehen und Menschlichkeit verwirklichen - egal, ob es jemand mitbekommt.
Joachim Petrick schrieb am 09.02.2010 um 00:14
Hallo müslikind,
so wie es bedingungslose Liebe gibt,
gibt des das bedingungsloses Heldentum nur bei Zweijährigen,
die wild entschlossen darauf los reden,
gibt es Fünfjährige Helden/innen, die sich den Schneid ihrer ersten Trotzphase auch nicht von einer Prinzessin nebenan abkaufen lassen, die als jüngere Schwester voller Liebreiz mit vollen Windeln brülllt, weil ihr jeder Wünsch von ihrer obertonigen Stimmlage abgelesen wird.

Das alles gibt es an Leistungsträgern/innen von Heldentum, wie sonst nie wieder in der Lebenszeit eines Menschen.
Nur eines gibt es nicht:
"Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)"
Warum?,
weil das BGE unter der falschen Flagge seiner Bedingungslosigkeit segelt.(s. m. Blog)

siehe Dein interessanter Blog Beitrag im Freitag:

www.freitag.de/community/blogs/mueslikind/warum-heldinnen-nie-leistungstraeger-werden

tschüss
JP
Columbus schrieb am 09.02.2010 um 02:21
Das Zitat der Magnani, ist eine Abwandlung aus dem Galilei Brechts. Hier die dänische Fassung, 1938/1939,12.Szene, an der die Margarete Steffin kräftig mitarbeitete.

Der junge Andrea ist verärgert über Galileis Widerruf vor der Inquisition, er wird laut:

"Unglücklich das Land das keine Helden hat!"

Galilei antwortet:

"Nein.Unglücklich das Land, das Helden nötig hat."

Der Galilei mag als Schullektüre verstaubt unterrichtet werden, aber er ist immer noch eine Zitatefundgrube und ein Lehrstück über die List der Vernunft. Am Ende schmuggelt Andrea für Galilei die astronomische Wahrheit, getarnt als kanonischer Aristoteles-Text, außer Landes.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

PS: Franca Magnani, das war eine kleine Heldin, Journalistin, Italienkorrespondentin und gute Schriftstellerin.
In diesem Zusammenhang vor allem der Titel: "Wer sich erinnert, lebt zweimal"
Joachim Petrick schrieb am 09.02.2010 um 02:34
vielen dank für die Erinnerung!
tschüss
JP
müslikind schrieb am 09.02.2010 um 08:58
Danke für die Infos, Galilei hab ich sogar in der Schule gelesen!
müslikind schrieb am 09.02.2010 um 09:12
Dass es Liebe und Heldentum im späteren Leben eines Menschen nicht geben kann, würde ich stark bestreiten. Ein anderes Mal werde ich über andere Heldinnen schreiben, z.B. über die Mutter der Kinder.
Zum BGE weiter in deinem Blog.
Streifzug schrieb am 08.02.2010 um 20:51
quarktasche,

du bist mir ja vielleicht ein Held :)
Streifzug schrieb am 08.02.2010 um 21:17
Dann gibt es noch Sigfried Held , auch Sigi oder Siggi Held genannt, ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer.

Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.02.2010 um 22:12
Ja. Quarktasche ist einer.
Joachim Petrick schrieb am 09.02.2010 um 00:16
Siggi Held, der Held mit der Blutgrätsche im Strafraum?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 09.02.2010 um 00:17
was ist an quarktasche der Held?.
der quark?,
oder tasche ohne lasche?

tschüss
JP
quarktasche schrieb am 09.02.2010 um 10:04
ich finde auch nichts
Joachim Petrick schrieb am 09.02.2010 um 15:27
Hallo quarktasche,
weil Du an Dir uch nichts heldisch findest, bist Du womöglich der neue Typ von Held ohne Helden- Welt ?!

tschüss
JP
born2bmild schrieb am 08.02.2010 um 21:02
Eigentlich sind doch alle Helden und Heldinnen. Helden des Sports, der Arbeit, des Alltags, der Berge, der Landstraße, der Liebe, die stillen Helden usf. Auch Antihelden werden zu Helden. Es wandeln sich nur die Rangfolgen in den Listen. Die schlachtenlärmenden Kriegshelden rangieren zum Glück nicht mehr oben.
Mir gefallen am besten die Helden der Fernbedienung, die auch mal den Power Off Knopf drücken (soll's auch am Rechner geben).
Wäre es nicht fabelhaft, die Heldengedenkwoche zu beenden? Heros und Heroin ins Poesiealbum und Deckel zu!
PS. Für's Album noch:
Es schwimmt der Held im eignen Blut?
Ende schlimm - alles gut!
E. Kästner
quarktasche schrieb am 09.02.2010 um 10:05
Was machen die Drogen in deinem Poesiealbum?
born2bmild schrieb am 09.02.2010 um 14:14
Heroin, die; ­, -nen [lat. heroine < griech. heroíne]: 1. (bildungsspr.) Heldin.
Sagt da dedidoDuden.
quarktasche schrieb am 09.02.2010 um 14:23
Iro|nie, die; -, -n [lat. ironia
quarktasche schrieb am 09.02.2010 um 14:26
mist hat nicht funktioniert, wollte auch nur mitteilen, dass das Ironie war
Fro schrieb am 08.02.2010 um 22:24
Jakob Augstein schrieb am 08.02.2010 um 22:35
Wunsch, Indianer zu werden

Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glatt gemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.

Kafka, 1913
Joachim Petrick schrieb am 09.02.2010 um 00:22
Wohlwahr!:
"wahres Heldentum gibt es nur mit Zwei, gibt es mit Fünf, danach niemals mehr wiederholbar

JP 2010
ich schrieb am 09.02.2010 um 18:12
Der Held, was er verspricht?
born2bmild schrieb am 09.02.2010 um 21:37
Wenn er sich verspricht.
hibou schrieb am 10.02.2010 um 16:14
Cheops schuf die Pyramiden
Barbarossa schlug die Türken
Kolumbus entdeckte Amerika.....
quarktasche
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