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„Kommenden Sonntag werden die beiden Kanzlerkandidaten Deutschlands sich zur ersten, letzten – und einzigen – Fernseh-Debatte vor der Bundestagswahl treffen. Diese Debatte bietet sowohl Frank-Walter Steinmeier als auch Angela Merkel die letzte Chance, die politische Landschaft in ihrem Sinne zu formen..“ so heißt es.
Seit Helmut Kohls unglücklicher Metapher von den „blühenden Landschaften“, müssen sich anscheinend alle Kanzlerkandidaten der Zukunft als Landschaftsgärtner andienen. Sie müssen den Wählern gefallen, sie als reizvolle Landschaft beschreiben, in der sie herumhocken und Lieblingsthemen wälzen. Merkel und Steinmeier müssen ihnen Vorschläge und Versprechungen machen. Merkel wird eine Idylle in diese wunderbare deutsche Politiklandschaft hineinmalen, aber sie wird sich kurz fassen müssen, denn die journalistischen Aufpasser sind trainiert, ihre Sprachregelungen wie eiserne Zäune in diesen Idyllenkram hineinzurammen.
Wie genau die Journalistenmannschaft aufgestellt sein wird, ist noch nicht ganz sicher. Entweder führt Deppendorf die Aufpassercrew an oder Anne Will, möglich auch der Hart aber fair- Experte Plasberg. Nicht nominiert wurden dagegen Maischberger, Kerner und Beckmann. Maischberger tendiere zu offensichtlich zur SPD, Kerner sei zu onkelhaft und Beckmann zu feuilletonistisch für die ganz grobe Quote.
Sicher ist, dass Steinmeier auf gepflegtes Redemuster setzen wird, auf staubfreies Schriftdeutsch, auf Bürgerinnen- Charme gegenüber der Dame Angela und nur einige Vorschläge gegen Frau Merkels Gesinnung vorbringen wird. Damit Merkels Idylle nicht zu fad ausfalle und die Zuschauer nicht weg zappten, sind einige Comedians hinter den Kulissen beauftragt, den Kampfrichtern von Zeit zu Zeit Kassiber ins Studio hineinzureichen, sodass Merkels politische
Idylle im Handumdrehen wie Omas Kaffeegeschirr aussehen könnte. Steinmeiers Gegen-These wird sein: eine ökologische Tischtennisplatte gehöre unbedingt in eine politische Landschaft im Zeichen der alternden Generationen. Die Gesellschaft werde doch immer älter. Dieses Geste hat er wochenlang eingeprobt. Hier wird Angela lächeln und sagen: keine Frage, dem stimme ich zu, nur ist entscheidend, welche Konsequenzen man aus dieser Tatsache im Blick auf die Zukunft ziehen will. Steinmeier wird jetzt ihr Lächeln kaum mehr aushalten und letzte Reserven seines eigenen verbliebenen Lächelns mobilisieren. .
Freilich, hier müssen beide aufpassen, dass sie lustig und amüsant bleiben, nicht zu sehr in die Sachthemenproblematik abschweifen, denn
die Konkurrenz schläft naturgemäß nicht.
„Während ein Großteil des TV-Publikums sich am Sonntagabend auf das TV-Duell bei ARD, ZDF, RTL und Sat.1 zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter einlassen wird, kommt der Privatsender ProSieben mit einer Spaß-Alternative daher: In dem Animationsfilm „Die Simpsons“ (20.15 Uhr), (...)müssen Homer und seine Familie auch eine Art Duell bestreiten, und zwar gegen Vater Staat, weil Homers neues Hausschwein die Umwelt verpestet.“
Genau an dieser Stelle, wenn die ersten Zuschauermengen zu den Simpsons überlaufen, werden die journalistischen Zielfahnder eisenhart darauf bestehen, dass endlich die Klimapolitik auf den Tisch müsse. Steinmeier fürchtet sich vor dieser Dominanz des Umweltpolitischen. Denn da hat ihm Angela mit ihren naturwissenschaftlichen Kenntnissen, fürchtet er, einiges voraus. Steinmeier möchte lieber auf das gesellschaftspolitische und soziale Moment der politischen Landschaft hinaus. Hier gibt das journalistische Zünglein den Ausschlag. Bestünde Deppendorf, wie die Fußballer gerne sagen „mit Sicherheit“ und von vornherein auf Energie und Klimapolitik als Thema Nummer 1., ließe sich Anne Will vermutlich aufs soziale Segment der Landschaft ablenken, wo Steinmeier brillieren will. Also mithin auf Themen wie die „Opelnummer“ oder die „Afghanistanfalle“.
Die Standardfrage wird ganz sicher lauten: „ Müssen wir nicht allmählich den Ausstieg aus dem Hindukuschexperiment organisieren?“
Keine Frage, auf diese Frage werden sie beide gemäßigt reagieren und wie im Schulaufsatz das einerseits gegen das andererseits abwägen, sodass der typische Quoten-Zuschauer schon einmal zu den Simpsons rüber zappt.
„Im übrigen“, eine Phrase, die Steinmeier noch von Schröder hat, aber im Ernst: Erwüchse die ganze Atmosphäre zu einer Plauderstunde, statt zum Dampf eines Duells, wette ich, wären noch vor der Halbzeit alle Zuschauer bei den Simpsons.
Insofern ist die Sache von vornherein eher ein Duell der Fernsehgiganten im Hintergrund als ein Kampf zwischen den Pappkameraden der Politik.
Drum hat ein weiser Fernsehmacher darauf bestanden, dass eine Comedyruppe im Hintergrund mitwirke und aufpasse, dass die trockenen Sprüche nicht alle Leute vertrieben und am Ende die Simpsons die ganze Quote einheimsen könnten.
Deshalb hätte ich ja von vornherein gesagt, der Lafontaine und der Gysi müssen mitmachen gegen die Simpsons. Dann sähe man mal, wer sie wirklich in die Enge trieben kann: Angela oder Steinmeier? Und nur derjenige von ihnen, der am Ende den Fuß auf einem besiegten Lafontaine oder einem erlegten Gysi platzieren könnte, wäre sicher, nicht nur die Wahlen, sondern auch die Konkurrenz der Simpsons niemals fürchten zu müssen. .
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Ja, so kann es kommen! Ich tendiere aber stark zu den Simpsons. Homers Hausschwein verpestet die Umwelt. Das hört sich doch irre interessant an! ;o)
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Es ist richtig, so könnte es aussehen. Wir befinden uns in einer Mediendemokratie und das Fernsehen ist ohne Zweifel das meist gesehene Massenmedien. Welche Wirkung wird das Fernsehduell auf den geneigten Wähler haben? Es entsteht der Eindruck, dass es nur zwei Alternativen für eine Entscheidung gibt. Die übrigen Parteien sind dadurch in ihrer Wirkung auf den Wähler benachteiligt. Tatsache ist, dass die beiden Duellanten persönlich gar nicht zur Wahl stehen. Es entsteht für den naiven Zuschauer ein falsches Bild
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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