11.06.2009 | 12:59

Der Konsensdeutsche

wie ihn musterhaft Johannes B.Kerner (ZDF) und Reinhold Beckmann (ARD) vertreten, der eine moralisch versierter, der andere flexibel bis zur Öligkeit, erlebt sein Waterlos, wenn einer auftritt, der intelligent, fix und eloquent auf nichts weniger aus ist als auf den Konsens mit einer fiktiven Mehrheit. Er reagiert gar nicht darauf, besteht auf seiner Sicht als radikal Einzelner, verwirft moralische Kriterien, die für andere als für sich selbst aufzustellen wären, reagiert auf alle Geschmacksfragen, die den mainstream befestigen sollen, kurz angebunden und krass verneinend. Er spricht schnell, wie aus dem Handgelenk, provoziert mit Dingen, die der Mehrheit ein Graus sind. Er reise mit 15 Koffern, die er allerdings nie selbst trage, freilich selber packe, denn er nehme ja alles mit: Bücher, Kleider, Dinge des täglichen Gebrauchs wie Vollkornbrot, Cola light, Hemdkragen, etc. Er ziehe sich am Tag dreimal um. Sonst fühle er sich schmutzig, am liebsten sei er allein das ganze Wochenende und zeichne, lese, fühle sich wohl, lasse sich gehen in seinen Räumen und bleibe vom Freitag bis Montag im schönen langen Nachthemd. Allerdings sehe das nicht aus wie bei Wilhelm Busch, sondern elegant im Stile des 18. Jahrhunderts. Er schätze gut geratene geniale Kinder, habe aber selbe nie welche haben wollen. Er lebe asketisch, rauche, trinke, fresse nicht, aber er könne das bei anderen sehr wohl akzeptieren, ja er bewundere sogar z. B. Selbstzerstörer, Leute, die aufgrund ihres enormen Talents sich selbst umbrächten, schnell oder allmählich. Einige davon kenne er und bewundere sie sehr. Aber sagt da der Konsensdeutsche, hier muss er unterbrechen im Dienste seines fanpublikums. Das ist doch nicht möglich, man darf doch Selbstzerstörer nicht bewundern, gut man soll sie verstehen ja, aber doch nicht bewundern. Hier stockt doch der Mainstream sonst. Darauf lässt der andere Talkgast sich gar nicht ein, warum denn nicht, das können wir beide doch gar nicht beurteilen, wir kennen das ja gar nicht, wir haben doch auch das Talent gar nicht, das an diese Zerstörung als conditio sine qua non gebunden ist. Da staunt der Konsensdeutsche, verzichtet still und leisetreterisch nach außen hin auf seine moralische Rechtschaffenheit. Denn er hat eben keine Chance in seinem Billiganzug von der Stange,gegen diesen Beau, diesen Individualisten und hochnoblen Freak im Stile des 18. Jahrhunderts, mit Namen Karl Lagerfeld.
 
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quenzel
naja, ich bin der ich noch immer werden will,der andere, was sonst?
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seriousguy47 hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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Ismene hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Meyko hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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