24.02.2009 | 12:03

Der uns fremde Schiller

Soeben
hat uns Pierre Temkine in seiner fabelhaften Studie zu Becketts Warten auf
Godot - bei Matthes &Seitz- gezeigt, wie unser Verständnis Becketts von
Jahrzehnt zu Jahrzehnt wuchs, reicher ward, sich wandelt und verändert. Wie
steht es mit  „unserem Schiller“, der
dieses Jahr 250.Geburtstag hat, der unser größter Bühnenautor ist und der auf
unseren Theatern oft misshandelt, zersägt und dem jeweiligen Zeitgeist zum
Fraße vorgeworfen wurde. Sind wir nun zum ersten mal in der Situation, dass
einer Generation zu Schiller nichts Neues mehr einfällt, dass wir die Rezeption
Schillers allein den Germanisten und deren kaltem akademischen Jargon  überlassen? Kann das Theater heute  keine neue Schicht mehr freilegen,  in dem klassischen Werk,  ohne zu pressen, zu vergewaltigen und ihm
allen möglichen Zeitschund zu oktroyieren? Ist das Werk Schillers tatsächlich
ausgeschöpft? Wer ist so kühn, das zu behaupten? Ich denke  nein, es ist zu hoch geartet, zu vornehm
geworden für unseren heutigen Regieplebs, der ihn kaum mehr zu lesen versteht.
Auch die Schauspielschulen möchten sich mit ihm nicht mehr gründlich
beschäftigen. Es hagelt Kalauer sobald mit Theaterleuten heute die Rede auf
Schiller kommt.


Es
findet eine geistige Verarmung statt ohne Schiller, ohne die Kultur der
Bühnensprache, die er verlangt.


Man
beobachte, was heuer im 250 Jahr seiner Geburt wieder für schludrige
Pflichtübungen stattfinden werden zu unserem großen Dichter, der anderes
verdient hätte. Aber wem sei es geklagt? Wer hörte die Klage? Die Engel, ganz
sicher, da hatte Rilkes schon recht.


Also
warten wir weiter auf Godot?    
 
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quenzel
naja, ich bin der ich noch immer werden will,der andere, was sonst?
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