Ich traf heute zufällig eine alte Bekannte, eine Blondine der SPD, die im Wahlkampf steht hier und faucht und doziert, dass es eine Art hat.
Ich wusste gar nicht, dass Du derartig engagiert bist, sagte ich.
Jaja, schon lange.
Sie sei durch Tschernobyl in die SPD gekommen, aber von Hause aus politisch gewesen, Politik habe sie immer total fasziniert. Früher sei sie Stonesfan gewesen, wozu sie heute noch voll stehe, heute höre sie gern Queen, lese leidenschaftlich gerne Krimis von Mankell und habe mit ihrer Familie, ihr Mann koche übrigens fantastische Kässpätzle, den Film der Bader Meinhof Komplex angeschaut zum Beispiel. Noch mehr liebe sie „Jenseits von Afrika“ und „der mit dem Wolf tanzt,“ wenn sie ehrlich sei. Aber Bader Meinhof, da sei sie politisch geworden zum ersten Mal, drum sei sie für die Gerechtigkeit. Die SPD sei die einzige Partei, die die Gerechtigkeit verkörpere und wolle, kämpfe dafür zum Beispiel mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit. Das sage sie auch als Lehrerin, die sie früher gewesen sei vor ihrer politischen Karriere. Drum fühle sie sich auch heute, wenn sie in Schulen komme, sofort zu Hause, denn der Beruf habe ihr immer Spaß gemacht.
Frauenpolitik betreibe sie natürlich, man müsse viel mehr tun, dass Frauen in Führungspositionen überall in der Gesellschaft einrückten, denn Frauen
seien spitze als Führungspersönlichkeiten. Sie sei ja selber auch ein Beispiel dafür.. „Drum bin ich ja für die Bildungsperspektive, dass jedes Kind jeden Kindergarten frei und ohne zu bezahlen nutzen kann, dass jedes Talent, egal woher es auch komme, sämtliche Bildungsangebote frei wählen kann, um sich zu entfalten und eine Superausbildung hinzubekommen. „
Das ist doch ganz klar, drum ist sie ja gegen Studiengebühren, die dem Sohn und der Tochter des Hartz4 Arbeitslosen doch keine Chance ließen. Also SPD, was sonst, aber sie diskutiere sehr gerne mit Leuten, suche die Basisnähe, die Politik auszeichne heute. Ihre Initiation ins Politische erlebte sie durch Tschernobyl, wie gesagt. Hatte sie das tatsächlich schon gesagt, ich erinnere mich ja. Natürlich, sagt sie. Da habe sie sofort begriffen, jetzt muss ich in die Partei eintreten, mich engagieren.
Nein, sie überraschte mich nicht, sie sagte das, was man sagen muss, weil die Bürgerinnen und Bürger ja wissen wollen, ob sie alle gleich richtig denken. Weil nur das wahre Bewusstsein in der Demokratie etwas verändern kann. Das sagt sie auch noch. Und dass sie urlaubsmäßig jetzt immer mehr zu deutschen Gegenden neige, die sie erkunden wolle, wie die Oder, Mecklenburg, die Ostsee und so etwas alles.
Sie kämpft gerne politisch, das merkt man, ihre Supermoral in allen Fragen der Zeit aber trifft nicht mehr so ganz ins Brandrote. Das haben jetzt ihre ehemaligen Freunde, zu denen sie einst aufschaute, wie sie bekennt, gekidnappt. „Reichtum für alle“, mit einem solchen Knüller täte sich die Blondine auch leichter, als mit ihrer komplizierten Gerechtigkeit, die sogar Unterabteilungen hat, wie sie lehrerinnenhaft erklärt.
Man fragt sich, was mag wohl der USP der blonden Wahlkämpferin sein? Was sagen diejenigen, die sie wählen werden?
Toll, dass sie auch Queen hört wie ich,
super dass sie gegen Studiengebühren ist? Sie hat zwar alle Fragen erwartungsgemäß pariert, aber damit noch gar nichts Neues gesagt.
Ist das Neue verpönt inzwischen bei der SPD?
Kann das sein?
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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