20.03.2009 | 19:04

Perverse Geschichte

welche Perversionen die jüngste Geschichte nach sich zieht, beschrieb wohl keiner treffender als Imre Kertesz. So schildert er im Galeerentagebuch die Situation, die ihn betraf, als er, der ehemalige Häftling, das KZ Buchenwald - noch in der DDR damals im Jahre 1980-  besuchte. Einige der Besucher benahmen sich wie stets etwas frivol und ihn ging das plötzlich gar nichts an. Es war ihm gleichgültig, es störte ihn gar nicht. 
" Wenn  mir etwas Unbehagen bereitete, dann allein die Tatsache, daß 'meine Geschichte'  mich zu einer gewissen Haltung zwingt, mit der ich mich in diesem Augenblick nicht im geringsten identifizieren konnte. In diesem Augenblick konnte ich nur daran denken, daß noch nicht einmal das etwas bedeutet, daß Buchenwald nichts bedeutet.. Daß ich schon einen Roman über Buchenwald geschrieben habe und dann über diese seltsame und melancholische Tatsache, daß Buchenwald nichts bedeutet..." 
Das Bedeutungslose, das einmal Terror hieß, die plötzliche Empfindungslosigkeit überrascht ihn und führt ihn an einen Höllenkreis der Zukunft, wenn er bedauert, " daß ich- einer von Millionen- Teil einer Grundschuld bin, die man diesem sein Leben in seelischem Elend fristenden Volk unter die Nase reibt, während seine Unterdrückung, seine Bestrafung ganz andere Gründe hat als die, die zur Rechtfertigung angeführt werden. Und so werden sie, überspitzt gesagt, wieder mich dafür hassen." 
Kertesz spricht den Skandal offen aus, dass man ein DDR- Volk unterdrückt, versklavt hat und zur Rechtfertigung dafür die Leiden der KZ-Häflinge missbrauchte. Das wird den Kreislauf des Hasses erneut in Gang bringen. Diese Prophezeiung ist bereits wahr geworden. Der wieder erwachte rassistische Mob hat auf dem Gebiet der ehemaligen DDR schon einige Menschen zerstört und umgebracht.   
 
 
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Kommentare
I.D.A. Liszt schrieb am 20.03.2009 um 23:28
Na ja, das ist aber arg einseitig, denn der wieder erwachte rassistische Mob ist auch auf dem Gebiet der ehemaligen BRD nicht gerade untätig und hat auch dort nicht wenige Menschen zerstört und umgebracht. Im übrigen werden von den Medien die nazistischen Untaten im Osten sehr gern hochgespielt und ins Blickfeld gerückt, während die im Westen meist unter den Teppich gekehrt werden.
Vor Jahren gab es in der "konkret" mal eine monatliche Liste der rechtsradikalen/rassisrischen Gewalttaten. Der zufolge war die Zahl dieser Gewalttaten in den westlichen Bundesländern deutlich höher als in den östlichen (absolut, aber auch relativ). Möglicherweise veröffentlicht "konkret" diese Liste heute nicht mehr, weil der Raum im Blatt nicht ausreicht, denn die Liste wurde von Monat zu Monat in erschreckendem Maße länger. Es könnte ja sein, dass eine solche Liste heute schon so dick wäre wie das alte Testament. An dieser Statistik ließ sich jedenfalls sehr gut ablesen, wie grob verdreht das Verhältnis in der Darstellung der Medien war.
Das passt natürlich prima zum Bild der "zweiten deutschen Diktatur". Man kann die Menschen aus der ehemaligen DDR als unbelehrbare, obrigkeitshörige, ewige Untertanen (=Nazis) abstempeln und hat damit wieder einmal sein wunderbar weißgewaschenes und weichgespültes westliches Gewissen gebauchpinselt.
Mag sogar sein, dass die Zahl der rechtradikal/rassistisch motivierten Gewalttaten in Ostdeutschland gegenüber Westdeutschland zugenommen hat, doch ich bin mir nicht sicher, ob ein westliches Bundesland das Schlusslicht wäre! Soll heißen: zumindest im Mittelfeld einer solchen Statistik dürften die Rassisten der Westländer sich fleißig dem Zerstören und Umbringen von Menschen widmen.
Außerdem greift die Erklärung verdammt kurz. So kann man auch gleich wieder die beliebte These aus der Mottenkiste kramen, dass die Ostdeutschen, weil in der DDR sozialisiert und dort in den Kindergärten (von denen es dort ja auch so schrecklich viele gab - im Westen könnte so etwas niemals passieren!) gleichzeitig aufs Töpfchen gesetzt, zu Duckmäusern oder was sonst geworden sind. Ossis=Duckmäuser=diktaturanfällig=Nazis. Wie praktisch! Auch eine Methode, sich Gedanken darüber zu ersparen, bis wie weit in die Gesellschaft (Ost und West) sich das rassistische Gedankengut ausbreitet. Und man kann prima von den Demokratiedefiziten der gesamtdeutschen Gesellschaft ablenken!!
quenzel
naja, ich bin der ich noch immer werden will,der andere, was sonst?
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Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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seriousguy47 hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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Ismene hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Meyko hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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