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Cassandra hat etwas nachgelassen, denn für August bis November gab's keinen solchen Beitrag. Ich weiß nicht, ob sie vorhatte, im Dezember zur Sammlung aufzurufen - sie wird es mir hoffentlich nachsehen, wenn ich, dreist wie ich bin, ihr zuvorkomme.
Nicht nur dreist, auch noch frech, übernehme ich aus Gedicht des Monats: Juli die Einleitung:
In der Tradition von Tittas Blog-Serie kann hier wieder eine Sammlung in den Kommentaren entstehen: mit gefundenen Gedichten.
Fundort: keine Vorgaben. Vom eigenen Kopf über einst Auswendiggelerntes bis Internetsuche ist alles er- und gewünscht.
Sie seien Lichter in der kalten Jahreszeit...
Titta kannte ich nicht, ich habe von ihr erst nach ihrem Tode erfahren.
Ihre Tradition der Gedichtsammlung sollte weitergeführt werden, das ist eine wunderschöne Idee.
Möge das Licht ihr leuchten im Ewigen Tag!
Die Fotos zeigen eine von Q. aus Eis gefertigte Lampe, die nachts durch ein Teelicht leuchtet.
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Erich Kästner: Weihnachtslied, chemisch gereinigt
(Nach der Melodie: "Morgen, Kinder, wird's was geben!") Morgen, Kinder, wird's nichts geben! Nur wer hat, kriegt noch geschenkt. Mutter schenkte Euch das Leben. Das genügt, wenn man's bedenkt. Einmal kommt auch eure Zeit. Morgen ist's noch nicht soweit. Doch ihr dürft nicht traurig werden. Reiche haben Armut gern. Gänsebraten macht Beschwerden. Puppen sind nicht mehr modern. Morgen kommt der Weihnachtsmann. Allerdings nur nebenan. Lauft ein bißchen durch die Straßen! Dort gibt's Weihnachtsfest genug. Christentum, vom Turm geblasen, macht die kleinsten Kinder klug. Kopf gut schütteln vor Gebrauch! Ohne Christbaum geht es auch. Tannengrün mit Osrambirnen – Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz! Reißt die Bretter von den Stirnen, denn im Ofen fehlt's an Holz! Stille Nacht und heil'ge Nacht – Weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht! Morgen, Kinder, wird's nichts geben! Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld! Morgen, Kinder, lernt fürs Leben! Gott ist nicht allein dran schuld. Gottes Güte reicht so weit ... Ach, du liebe Weihnachtszeit! |
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Totentag
Heut bleib ich fein Zuhaus Heut geh ich nicht hinaus Ich hole meine Toten mir Herein in Herz und Haus Sie freuen sich und grüßen mich Sie haben zu erzählen Von da und dort, ich höre mich Beiläufig auch erwähnen Dass heuer hier und anderswo Und auch im deutschen Filme Der Tod kommt vor wie sowieso Mit mehr als einer Silbe Wenn du einen Toten hast Sag, ich lass ihn grüßen Hier mein Ohr, erzähl mir was Hier ist Platz für süßen Schmerz und Tränenlachattacken Oh, Erinnerungen Leise weht aus Richtung Nacken Leben rein, gesungen. Heut bleib ich fein Zuhaus Heut geh ich nicht hinaus Ich hole meine Toten mir Herein in Herz und Haus. |
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Peter Rühmkorf, Zum Jahreswechsel (Auszug)
„Man blickt an sich selber runter wie auf Sanierungsgelände. Aber sieh-dann-auch-wieder, mit welchen Kräften der Greis um seinen letzten Zahnstummel ringt, e i n m a l i g w i e w i r a l l e !” |
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Erich Mühsam:
"Heilige Nacht" Geboren ward zu Bethlehem ein Kindlein aus dem Stamme Sem. Und ist es auch schon lange her, seit's in der Krippe lag, so freun sich doch die Menschen sehr bis auf den heutigen Tag. Minister und Agrarier, Bourgeois und Proletarier es feiert jeder Arier zu gleicher Zeit und überall die Christgeburt im Rindviehstall. (Das Volk allein, dem es geschah, das feiert lieber Chanukah.) |
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Es ist von Christian Morgenstern und heißt Winter oder aber Erster Schnee, eins von beiden
Der Fjord mit seinen Inseln liegt wie eine Kreidezeichnung da; die Wälder träumen schnee-umschmiegt, und alles scheint so traulich nah. So heimlich ward die ganze Welt... als dämpfte selbst das herbste Weh aus stillem, tiefem Wolkenzelt geliebter, weicher, leiser Schnee. |
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Der rauhe Reif, dem Schnee verwandt,
jedoch aus kalter Luft geboren, legt weisse Schleier über Land, als hätt` sie eine Fee verloren. Der Raue wird er wohl genannt, doch kann es zart`res geben? Kristallgefunkel, uns gesandt, um Träumerei`n sich hinzugeben. Ingo Baumgartner |
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Dichterwinter
Und ist das Wetter noch so kalt, verschneit und eisig Feld und Wald, spiel ich dem Winter einen Possen und dicht' mich warm, ganz unverdrossen! Sigrid Steinebach/Winter 2010 |
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Johann Gottfried von Herder(1744–1803)
An die Bäume im Winter Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten Arme Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab! Ach, ihr müßt noch harren, ihr armen Söhne der Erde, Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag! Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück? Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir! Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor. |
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So sieht ein Winterabend aus. Nun wünschen wir uns ein fröhliches Feuer, ein paar Blätter aus einem alten Dichter oder einer heiteren Philosophie, oder auch eine spannende Reisebeschreibung zum Lesen bis tief in die Nacht, und dazu knacken wir Nüsse, die wir im November gesammelt haben.
Henry David Thoreau Aus den Tagebüchern 1837 – 1861 www.freitag.de/community/blogs/archinaut/aus-den-nuessen |
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Der Herbstwinde Wut
ging lautlos ein. blutleer, bleich geht dünner Wind durch kahle Wälder. Auch der Herbst kann nicht mehr, kann nicht mehr, selbst die Trauer stirbt unter eisigem Nebel in fahlem Licht. Doch sieh - die Eberesche trägt weißen Reif auf grauen Zweigen, auf grauen Zweigen schwarze Knospen, in schwarze Knospen gedrängtes Leben. Komm, Winter. Verheißung führt uns durch strenge Stille. Q. |
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@Don Quijote
Die Lampe ist wunderbar... wie hast Du sie denn gemacht? Ich stelle erst mal ein Stück Musik rein... Gedicht kommt noch. :) |
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@DandelionWine
Die Lampe ist wunderbar... wie hast Du sie denn gemacht? Rezept Zutaten: - 4 Luftballons - Wasser - 1 Baum - 1 Teelicht - 1 Winternacht mit klirrendem Frost Man fülle einen Luftballon mit ~1/2 l Wasser. Dann stecke man einen zweiten Luftballon in den mit Wasser gefüllten und blase diesen innerhalb des ersten so auf, daß der obere Teil sich dem Äußeren anschmiegt, der Untere das Wasser verdrängt und zur Schale wölbt. Der Doppel-Luftballon wird verknotet und an den bereitstehenden Baum in die kalte Winternacht gehängt. Mit dem zweiten Luftballon-Paar verfahre man genauso, jedoch bemesse man Wasser- und Luftmenge so, daß der Innenraum des inneren Luftballons groß genug ist, um das Teelicht aufzunehmen, verknote ihn und hänge ihn ebenfalls an den Baum zum garen. Ist alles gut durchgefroren, nimmt man den Doppel-Ballon ab und ritzt den Äußeren an der Unterseite vorsichtig ein. Das Gummi zieht sich alsdann zusammen und gibt die entstandene Eisschale frei. Nun läßt man vorsichtig die Luft aus dem inneren Luftballon, entfernt ihn und stellt die Eisschale beiseite. Mit dem kleineren Ballonpaar verfährt man genauso. Hat man einen genügend großen und stabilen Eiszapfen zur Hand, friert man diesen umgekehrt an den Boden und die große Schale auf dessen abgebrochene Spitze. Dann gibt man einen Teel. Wasser in die große Schale, setzt die kleine hinein und läßt die Schalen zusammenfrieren. Teelicht anzünden, einsetzen und das Licht bestaunen. saludos, Q. |
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Alternative zum Eiszapfen: ein Kerzenleuchter ohne Sporn in der Mitte.
![]() Da ist ein bissel Schnee drinne - manchmal schneit's halt im Winter. Q. |
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Das ist echt genial... ich hätte auf Luftballons gar nicht gekommen. Es war natürlich klar, dass Du irgendwelche Formen verwendest... aber Luftballons! Sieht total hübsch aus. :)
Hier ist noch ein bisschen Musik (das Gedicht kommt später auch!): |
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@DandelionWine
Das ist echt genial... ich hätte auf Luftballons gar nicht gekommen. Wasser dehnt sich ja aus beim fest werden. Also muß man eine Form nehmen, die sich ausdehnt. Und das erste sich ausdehnende Ding, das der alte Kindskopf fasziniert bewunderte, als er noch berechtigt einer war - ist der Luftballon. Liegt daher nahe. :-) saludos, Q. |
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Hier ist noch ein bisschen Musik... nicht so vornehm wie in obigen Links, dafür aber sehr freudig. Das ist ein kleiner Ausschnitt aus der Verfilmung des Romans von Brüder Strugatzki "Montag fängt am Samstag an".
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Ein etwas verspätetes Gedicht.
Aus dem Zyklus: Herbst in den Cascade-Bergen 1. Wildenten sind fort, und heuer früh wanderten Winde in den Baumwipfeln, lebende Blätter von toten scheidend. In der Biegung des sich windenden Pfades öffnete sich das Tal, der Wasserfall benetzte das Gesicht des Berges, und plötzlich konnte ich das Leben auswendig. Heuer entflogen die Wildenten früh, der Winter wird streng, und nie mehr wirst du so leicht und durchsichtig sein, wie jetzt, wenn ich dich anschaue. Vielleicht wirst du dich an die Wildenten erinnern, und an die Bucht, wo der Anschlag der Wellen singt, vielleicht erinnerst du dich daran wie an eine Sage, wenn du dunkelst, und das Tal zu deinen Füßen leise dämmert. 3. Lange schon nicht mehr so leicht, so kühl und sanft nicht mehr, so leise und doch so nah, so tief und schneidend, daß man nirgends entfliehen kann, nirgends entfliehen. 7. Immer gegen Abend kommst du, fegst die Welt von meiner Schwelle und bleibst wartend vor dem Fenster stehen. Ich weiß, uns trennt nur das dünne Glas, doch ich lebe weiter wie immer, niemandem zeigend, wie nah ich dem Leben bin, dem Abgrund und dir. 8. Einmal, vielleicht, geht dies alles zu Ende, doch zuvor werden noch auf Bergwiesen Schneelilien erblühen, die Sterne der Alpenveilchen und die bescheidenen Dotterblumen. Zuvor werden Tannen ihre Farbe wechseln und der Wacholder, gegen Abend werden Fichtenstämme auflodern und wie Späne verlöschen. Zuvor werde ich noch einmal die Augen schließen und den Herzschlägen aller Zeit und Ewigkeit lauschen. 10. Mit was für einer Kraft willst du meinen Fall über den Rand des Alltags aufhalten, mit was für einer Kraft willst du meine weitgespreizten Flügel falten, mit was für einer Kraft willst du mich aus bodenlosen, lichtlosen Tiefen zurückrufen, mit was für einer Kraft willst du mich in sonnenarmen Eisfeldern wärmen? 12. Was brennt, muß verbrennen, und was blüht, muß verblühen, aber warum mußte das Licht in deinen Augen zerbrechen, warum wandten diese sich weg vom Tal, wo es heuer früh zu schneien anfing, - noch bevor die Holzäpfelbäume Blätter und Früchte verloren, um sich - nackt und verkrüppelt - vor den Richterspruch des Winters zu stellen. 13. Das erste Wintermorgenrot über den Bergspitzen, schlanke Froststreifen im Gras, vor Kälte gestraffte Schultern und die leichte Vergessenheit. Näher und deutlicher die Bergkette gegenüber, und einsamer. Doch denke nicht, daß du dem Herbst entgehst, denke nicht, der sich rankenden Wehmut zu entfliehen, die sich täglich in dir vermehrt. 14. Es schneit im Tal. Du blickst in ein durchsichtiges Buch, wo Gestalten der Dämmerung und des Lichtes sich bewegen. Die Berge sind aus Dämmerung und Licht erschaffen, die Berge sind durchsichtig, und du betrittst die verklärten Tiefen der Berge. -- Astride Ivaska |
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Aus dem Roman von Boris Pasternak "Doktor Schiwago" (erst veröffentlicht 1958)
Schnee begräbt die Wege Und überlädt das Dach. Ich trete vor die Schwelle: Und lauf Dir in den Arm. Allein, in dünnem Mantel, Ohne Hut und Überschuh, Versuchst Du, Dich zu fassen Und hast noch Schnee im Mund. Die Bäume und die Zäune Versinken fern in Schwarz. Allein in Schneegestöber, Stehst Du wie erstarrt. Wasser rinnt vom Kopftuch Bis in den Ärmelrand, Und Glanz getauter Flocken Hat Dein Haar entflammt. Die blondgelockten Strähnen Umspinnen das Gesicht, Das Kopftuch und den Mantel Mit Ihrem warmen Licht. Schnee auf nassen Wimpern, Dein wehmütiger Blick. Und der Leib, die Glieder: Gedreht aus einem Stück. Als wärest Du mit Eisen - Getaucht in Antimon - Mir tief ins Herz geschnitten Als kleines Medaillon. Von nun erfüllt es ewig Die Demut dieses Gesichts. Und darum ist es nichtig, Wie hart das Weltherz ist. Drum haben wir die ganze Nacht in den Schnee graviert. Ich finde keine Grenze Zwischen Dir und mir. Wer wird nach diesen Zeiten Noch wissen, wie's uns ging, Wenn Schwätzer sich verbreiten, Doch wir schon nicht mehr sind? |
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Geh aus, mein Herz
Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser finstren Jahreszeit da alles will erkalten. Ich brauche keine Therapei, nur Couch mit dir und mir dabei, um Wärme zu entfalten. Q. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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