Klarname

Blog von Klarname

Kommentare

portrait
14.09.2010 | 08:00 Klarname
er (Schönberg) ist der wahre konservative. er schuf sich sogar seine eigene revolution, um reaktionär sein zu können schrieb hans eisler über seinen lehrer. vielen ging Schönbergs umgang mit der reihe nicht weit genug, allerdings wollte er nicht einfach die tonalität (ein zweifelhafter begriff) abschaffen. Schönberg wollte die tonsprache (noch zweifelhafter) weiter entwickeln. er sah sich ja fest verhaftet in der europäischen tradition. zur reihe kam er nach freitonalen versuchen. das hat ihm nicht ausgereicht und er entwickelte die methode aus den 12 tönen eine reihe zu bauen und damit zu komponieren. so hatte er ein gefühl der legitimation, alles andere wäre ihm wohl zu wenig handwerk gewesen. ich mag Boulez. viele seine werke höre ich immer wieder mit großem genuß. allerdings denkt er, wenn er über andere komponisten spricht, ein wenig zu sehr in seiner eigenen welt. wenn er fehlende dichte bei Webern kritisiert, könnte man ihm unterstellen, daß er wohl nicht Weberns großartige fähigkeit zur reduzierung auf das absolut wesentliche verstanden hat. (Boulez hat es natürlich verstanden, das ist klar, wenn man die einspielung der gesamten werke Weberns unter leitung von Boulez hört). und wenn dann der verhinderte sprengmeister über Satie schreibt (zugegeben, ein sonderfall), da ahnt man dann schon wie er tickt. bei satie kritisiert er die fehlende entwicklung und ereignislosigkeit. Satie könnte hier wohl sagen: ziel erreicht! bei Messiaen (seinem lehrer) wird er sogar beleidigend (bordellmusik) und über Cage hört er einfach auf nachzudenken. das ist interessant, wenn man bedenkt, wie gern Boulez sich bei den surrealisten rumtummelt. trotz allem: Boulez ist ein großartiger komponist und sein umgang mit der reihe immer noch meisterhaft und musikalisch. (denkt man nur über sein multiplikationsverfahren nach und zu was für erstaunlichen ergebnissen er damit gekommen ist. wenn man nun beginnen würde all seine wunderbaren technischen neuerungen aufzuführen, daß nähme wohl kein ende.) übrigens ist er ja im alter dann doch etwas milder im umgang mit seinen kollegen geworden. ein freund von mir beschrieb boulez, den er in chicago kennengelernt hatte, als äußerst nett und bescheiden. lieber herr jäger, wieder ein sehr schöner artikel und es tut gut zu sehen, mit welcher ernsthaftigkeit sie sich dem thema Neue Musik annehmen. eine frage die ich schon länger stellen wollte: versuchen sie sich auch in der komposition, das läge ja nahe, wenn man sich so mit den technischen aspekten des komponieren auseinandersetzt. gruß klarname
Kommentar zu

Berio und Eco

03.09.2010 | 18:33 Michael Jägers Musikblog
portrait
03.09.2010 | 19:47 Klarname
lieber Michael Jäger, von mir nur ein großes DANKESCHÖN! ihre Beiträge zur Neuen Musik lese ich immer wieder gerne. (ja, das mit minimal ist so eine sache, sag ich mal ungefragt. ist halt schwer da ...
portrait
05.09.2010 | 07:25 Klarname
Hallo j-ap, klar ist das mein ernst und wirklich neues kam auch lange nicht aus dieser ecke. danke für den link, kannte ich schon, war aber mal wieder nett zu hören. übrigens interessiert es Sie vielleicht, vielleicht wissen Sie es auch, daß der das konzert dirigierende Reinbert de Leeuw auch immer wieder mal in diese richtung gesucht hat. dabei stieß er bspw. auf Jacob Ter Veldhuis. Ter Velhuis versucht auch andere wege zu finden, begibt sich dabei zwar immer gefährlich in die nähe zu Steve Reich, entdeckt aber auch oft genug überraschendes. möglicherw. wäre der für Sie interessant. was meinen Sie eigentlich mit "weil Serielle gerne höchst allergisch auf Minimal reagieren." meinen Sie die hörer serieller musik, oder die tonschaffenden? ich gehöre zu den tonschaffenden und kann Ihnen bestätigen, daß weder ich, noch mit mir befreundete komponisten, sich als serielle bezeichnen. die antwort, warum das so ist, ist einfach: die zeit der reinen seriellen musik ist vorbei. und wenn sie jetzt beispiele von komponisten bringen, die serielle techniken anwenden: ja klar beeinflußt uns diese technische entdeckung bis heute (genau wie Bach), aber wir entwickeln sie stetig weiter, mischen sie mit anderen techniken, und schaffen sie auch zeitweise völlig ab. gruß klarname
Kommentar zu

Berio und Eco

03.09.2010 | 18:33 Michael Jägers Musikblog
portrait
03.09.2010 | 19:47 Klarname
lieber Michael Jäger, von mir nur ein großes DANKESCHÖN! ihre Beiträge zur Neuen Musik lese ich immer wieder gerne. (ja, das mit minimal ist so eine sache, sag ich mal ungefragt. ist halt schwer da was neues zu machen, aber es gibt da doch einige tolle sachen) klarname
Kommentar zu

Das Ende von Flimm

Kultur | 24.08.2010 | 06:00 Thomas Rothschild
portrait
24.08.2010 | 10:05 Klarname
zunächst einmal: dank für den artikel, wird doch die Neue Musik im allgemeinen eher wenig beachtet. trotzdem einige anmerkungen: „Die Interpreten, ohne die jede Komposition Papier bleibt...“ eine komp...
portrait
24.08.2010 | 16:57 Klarname
Lieber Herr Rothschild, bei klarname wirds wohl bleiben, da ich natürlich einiges zu verheimlichen habe. daß sie die freundlichkeit meiner replik bemerkt haben freut mich. nur soviel was ich übers komponieren schreibe entspringt meinem alltag (huch, doch was verraten ;-) ) die geschichte mit dem stockhausen-konzert war übel. diese frau war, wie viele andere „wichtige“ leute nur anwesend, weil noch „wichtigere“ leute da waren. aber eben nicht wegen der musik. (hat sie auch gar keinen hehl draus gemacht). ansonsten stimme ich mit Ihnen in punkt 3 natürlich überein. mein vorschlag, im freitag mehr über Neue Musik zu bringen, richtete sich natürlich nicht persönlich an sie, sondern eben an den freitag. aber als internet-neuling dachte ich mir nichts dabei, diese bitte hier vorzutragen. bin halt doch nur ein einfacher musicus. es grüßt klarname
Kommentar zu

Das Ende von Flimm

Kultur | 24.08.2010 | 06:00 Thomas Rothschild
portrait
24.08.2010 | 10:05 Klarname
zunächst einmal: dank für den artikel, wird doch die Neue Musik im allgemeinen eher wenig beachtet. trotzdem einige anmerkungen: „Die Interpreten, ohne die jede Komposition Papier bleibt...“ eine komposition ist eine komposition, mit oder ohne interpreten. der komponist hört seine musik in der regel, lange bevor sie aufgeführt wird, mit seinem inneren ohr (leider wesentlich genauer und detailreicher als es die interpreten dann zu gehör bringen können, was nichts mit den fähigkeiten der interpreten zu tun hat, sondern in der natur der sache liegt). „Da hieß es doch bis unlängst, zeitgenössische Musik sei ein Wagnis, damit könne man keine Säle füllen. Der Gegenbeweis ist erbracht. Freilich, dieser Erfolg kam nicht von selbst. Erneut zeigt sich, dass kontinuierliche pädagogische Arbeit Früchte trägt und dass es sich lohnt, das Publikum zu fordern (und damit zu fördern), statt sich an den Massengeschmack anzubiedern.“ Der Grund, warum solch ein Konzert gut besucht wird ist leider nicht das ergebnis pädagogischer arbeit, sondern das aufgebot großer namen: Ingo Metzmacher und Sylvain Cambreling, die Sängerin Mojca Erdmann, das Klangforum Wien, das Ensemble Modern, das Arditti Quartet. damit werden sie die säle immer füllen. ich erinnere mich an ein konzert von stockhausen. eine dame wurde gefragt, was sie denn von stockhausen hielte. leider wußte sie nicht wer stockhausen war. (es war übrigens noch wesentlich peinlicher als ich es hier beschreibe). „Wie steht es eigentlich um die geltenden Maßstäbe und um eine Presse, in der Kremer weniger Beachtung erfährt als eine Anna Netrebko oder gar eine Frau Sayn-Wittgenstein-Sayn?“ tja, das frag ich mich auch und daß sie sich das fragen finde ich besonders gut, vielleicht berichtet ja auch der freitag zukünftig mehr über dieses thema, denn da gibt es tatsächlich eine menge zu entdecken. gruß klarname
>> mehr
Klarname
information ist alles
Mitglied seit:
1 Jahr 39 Wochen
Zuletzt aktiv:
14.09.2010
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 0
Kommentare: 5
Logbuch
17:43
Ismene hat gerade einen Kommentar geschrieben.
17:39
Ismene hat gerade einen Kommentar geschrieben.
17:38
Ismene hat gerade einen Kommentar geschrieben.
17:33
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
17:30
seriousguy47 hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG