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Konnte ich gestern am Abend noch davon ausgehen, meinen türkischen Nachbarn heute auf die Knie zu zwingen, von wo aus er mich um Verzeihung anfleht für die tückischen und grausamen Anschläge in Oslo und im Ferienlager, schaut es heute schon wieder anders aus. Jetzt weiß ich gerade nicht, wenn ich verantwortlich machen kann. Ich könnte natürlich ein Geschäft aufmachen, in dem T-Shirts mit dem Code 227 oder 722 bedrucken oder beflocken. Da fänden sich genügend Abnehmer, die einen neuen Helden feiern wollen.
Zynisch? Ich habe genügend Kommentare all der Welterklärer von links bis rechts gelesen, die sind in ihrem schlaumeierischen Zynismus nicht zu übertreffen. Und Danke, mir ist schon schlecht genug.
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Ihren türkischen Nachbarn können Sie immer noch auf die Knie zwingen: verantwortlich ist die vom internationalen Finanzkapital* den Europäern aufgezwungene Einwanderung* und die durchmischte Gesellschaft*, schließlich hat die den rechtskonservativen* norwegischen Mitbürger zu seiner Tat veranlaßt. Außerdem, der ist ein bißchen verrückt*. Und ein Einzeltäter*. Das sieht beim politischen Islam* ganz anders aus.
*Alles entnommen bei Zeitonline. |
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Liebe Dame,
den jüdichen Nachbarn, den ich für das internationale Finanzkapital" verantwortlich machen könnte, der "uns" die Einwanderung und die durchmischte Gesellschaft* und damit die Menschenverachtung der ,rechtskonservativen* (...) Mitbürger zu verantworten hätte, habe ich nicht. "Mein Türke" ist diesmal wahrscheinlich nicht schuld. Im Moment kann ich ihm nicht einmal mit Gedankenkunststückchen für dieses Massaker belangen. Ausser ich wäre Beamter im Innenministerium, dann müsse ich natürlich sagen, die Bedrohungslage ist ernst, es gibt den Islam immer noch. Auf die Knie. Aber er hat Glück, ich bin nicht im Innenministerium.. Viele Grüße |
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Sehnse, lieber Hardob, da müssen Sie bloß endlich mal auf den Sarrazin Thilo hören - weg mit 'Ihrem Türken', dann klappt's auch mit dem intelligenten jüdischen Nachbarn.
'Ihr Türke' ist allein schon deswegen schuld, weil er sich nicht spätestens beim Erscheinen von 'Deutschland schafft sich ab' abgeschafft hat, sondern vermehrt als 'der Orientale' auftritt, der 'sein Beleidigtsein als Kampfmittel nutzt'. Tut er gar nicht? Das ist Takiye. Immer schön wachsam bleiben, es ist Krieg da draußen! |
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Lieber Hardob,
was Sie beschreiben, ist "der Rückzug ins Private". Sollen wir tatsächlich diesem Treibsatz tatsächlich alles Weitere überlassen, während wir uns vom Grauen abwenden? Hinschauen und -auf die eine oder andere Weise- Paroli bieten ist das Mindeste. Und sie haben es alleine mit Ihren Zeilen schon getan. Ihr e2m |
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Lieber e2m, da war der erste Schrecken über ein (gestern noch) völlig unübersichtliches Geschehen, dessen grausame Dimension erst nach und nach ans Licht kommen sollte, da schwirrten schon die (sogenannten?, selbsternannten?) Experten durchdie mediale Welt. Experten, die leistungslos ein (wahrscheinlich gutes) Einkommen erzielen, ohne irgend eine Konsequenz ihrer deliranten (Selbst-)Ein- und Überschätzung befürchten zu müssen und mit dem was sie anrichten nichts zu tun haben wollen. Sie fördern einen rechten Schwarm rechter und selbstgerechter, oft hassbetankter Internetparanoiden, deren Verachtung all der paar Werte, die mühsam einem Nazi-Deutschland abgerungen wurden, mir doch manchmal Furcht macht. Genauso nervt mich eine Gemeinde von linken Verschwörungstheoretikern, Spökenkiekern, Bescheidwissern und Rechtfertigkeitsschriftstellern, die allem Bösen dieser Welt einen genauen Ort zubeschreiben können, so dass es mir wirklich graust. Da fang ich in schwachen Stunden an, ganz schwarz zu sehen. Zu besseren Zeiten aber platzt mir der Kragen.
Viele Grüße |
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Gestern abend bin ich mit den Fragen des Deutschlandfunks eingeschlafen: War es Gaddafi? Al-Qaida? Die Russenmafia? Stand die Tat gar unter den Auspizien eines fremden Geheimdiensts? Was ist mit dem Jugendcamp? Sind das verbundene Taten oder zwei Paar Schuhe? Galt der Anschlag dem Ölministerium oder dem Ministerpräsidenten? Wie konnte jemand mitten in Oslo eine Autobombe im Halteverbot parken, ohne daß es jemandem auffiel? Gab es Helfer bei der Polizei? Sind die Norweger mal wieder viel zu schlaff und nachlässig bei der selbstveranlaßten Faschisierung der Heimatfront (»Sicherheit und Ordnung«)?
Heute früh dagegen vernahm ich auf demselben Sender ganz andere Erkenntnisse. Sie wurden etwas kurzatmig vorgetragen wie von jemandem, der sich etwas ganz anderes gewünscht hätte: Tja, es war wohl doch nur ein Nazi. |
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ein Bio-Bauer war es, ein christlich fundamentalistischer www.sueddeutsche.de/
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Puuh, immerhin: Es ist also »keiner von uns« braven, normaldenkenden Bürgern gewesen.
(Denn ganau das sollen alle einschlägigen Analysen stets nachweisen.) |
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Sie wurden etwas kurzatmig vorgetragen wie von jemandem, der sich etwas ganz anderes gewünscht hätte: Es gibt auch in der Enkelgeneration genug Nachwuchs, der in Reichsschriftumkammer, Reichsrundfunkkammer bzw. bei Göbbels ohne weiteres Karriere machen würde und machen wollte. Da mag sich der eine oder andere gedacht haben, zu früh ... zu früh ... noch schadet die Ausrottung des Multi-Kulti-Gutmenschentums der nationalen Bewegung mehr, als dass es ihr nützt.
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@J-ap
Es gibt Menschen, die sind so normal, dass es schon pathologisch ist. Ich denke in derartigen Zusammenhängen oft an den Begriff eines geradezu "pathologisch guten Gewissens" - diesen Begriff hat m.W. einst Erhard Eppler verwendet, gemünzt war er auf Hans Filbinger. |
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Ich stell das mal hier bei Ihnen herein, lieber hardob. Weil es hier im Unterschied zu überall sonst so angenehm un-schrill ist.
Wer mag und Zeit hat, kann (und sollte auch) mal reinlesen: The political thinking of Anders Behring Breivik |
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Der Attentäter hat wohl offensichtlich eine Art "Mein Kampf" geschrieben. Wenn ich die Leser-Kommentare in Onlineauftritten einschlägiger Blätter richtig verstehe, macht er gerade Karriere zum Helden derer, die mir in den letzten Jahren schon häufiger mit dem Satz "das wird man doch einmal sagen dürfen" aufgefallen sind. Er ist also (vielleicht doch)»einer von uns braven, normaldenkenden Bürgern«, mehr als wir das uns wünschen wollten
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@hardob
genau das war es, was ich in meinem Kommentar an j-ap ausdrücken wollte. |
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hardob / kvwupp:
Die Formulierung »pathologische Normalität« ist sehr präzise. Verfolgt man nämlich die einschlägige Berichterstattung zum Thema, dann läuft sie früher oder später nachgerade zwanghaft darauf hinaus, den Täter als »Psychopathen« o. ä. darzustellen; d. h., ihn von »uns«, den »Normalen«, rückwirkend abzugrenzen und die Konsequenzen als solche von ganz eigener Qualität hinzustellen, die »uns« völlig fremd ist. Um jeden Preis, auf Biegen und Brechen muß das Ergebnis solcher Abspaltung sein, daß zwischen ihm da und uns hier ganze Welten liegen müssen. Deshalb wird die Diagnose auch so gern geglaubt, ist geradezu das Gebot der Stunde: Sie befriedigt ein Bedürfnis derer, die sie hören. Sie können völlig beruhigt sein: Ah, ein Psychopath — na, das kann uns ja nicht passieren. Genau daher stammen dann auch in der Hauptsache die »Solidaritätserklärungen«, die nun an die Norweger ergehen. Die haben ihre Ursache nicht in der Trauer, sondern in dem Bedürfnis, sich an das Opfer anzuschließen: Wenn »wir« alle Opfer sind, wenn der Anschlag »uns allen« galt, dann wird damit der Spalt zwischen »uns« und »ihm« noch vertieft und »wir« können sicher sein, daß »wir« nicht wie »er« sind. Was bei dieser Rationalisierung des Geschehenen so gar nicht in den Kram paßt ist die Erkenntnis, daß es genau jene Normalform der bürgerlichen Rationalität es ist, die dieses Extrem aus sich heraus erst setzt, weshalb man sich allüberall auch tunlichst darüber ausschweigt, daß Anders Breivik bis zu dem Tag, an dem er zur Tat schritt, alles andere als ein Exot gewesen ist: Nach allem, was ich gelesen habe, konnte er im Gegenteil bis dahin sogar als vorbildlichste Verkörperung des »Normalen« schlechthin gelten. Das aber kann nicht sein, weil es nicht sein darf. Der bürgerliche Verstand versteht alles, nur nicht sich selbst. |
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Was bei dieser Rationalisierung des Geschehenen so gar nicht in den Kram paßt ist die Erkenntnis, daß es genau jene Normalform der bürgerlichen Rationalität es ist, die dieses Extrem aus sich heraus erst setzt, weshalb man sich allüberall auch tunlichst darüber ausschweigt, daß Anders Breivik bis zu dem Tag, an dem er zur Tat schritt, alles andere als ein Exot gewesen ist:
Es braucht für einen sozio-pathogenen Akt nur eines: Entsprechende Trimmung oder ein vorhandenes, sozio-pathogenes Register. Im Ergebnis müssen Heranwachsende für eine Abstraktion sterben. Willkürlich. Das hat in erster Linie nichts mit politischen Sichtweisen zu tun, sondern mit gefallenen Hemmschwellen. Ich kann nicht erkennen, dass die Umstände zur Veranlassung und Durchführung solcher Akte durch das Bürgertum selbst erst bedingt werden. Es gibt sie, diese Gesellschaften, in denen es Gang und Gebe ist, zu töten, um abstrakte, aber auch ganz greifbare Ziele zu verfolgen. In Summe bleibt der Akt eine Barbarei, die jenseits von uns allen stehen muss und soll. Wird sie als Mittel und Vorkommnis nicht sanktioniert, verfallen wir der eigentlichen Mittellosigkeit. Gerade im politischen Sinne: Eine πόλις ist so nicht zu machen. Sie ist aber auch nicht ohne Greuel zu machen, doch die Reihenfolge ist dabei entscheidend, wenn man sich halbwegs in Prosperität statt Tod und Zerstörung wähnen will. Insofern: Ja und nein, lieber Josef. Das Pathogene Element ist hier ganz nah, ganz greifbar, anders als bei anderen Amokläufen. Er meint, das Richtige getan zu haben und erklärt gleichermaßen die Grausamkeit der Tat. Dies kann aber nicht über die Repetition des Mordens hinweg täuschen, denn niederer Natur ist sein Motiv ganz zweifelsohne. Eitelkeit. Davor prangt dieses Skript und der ganze ideologische Vorbau, doch in der Tat zählt nur das Handeln und dies war nie erpresst, nie erzwungen. |
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Zitat SZ:....So soll der mutmaßliche Attentäter norwegischen Medienberichten zufolge vor den Anschlägen ein 1500 Seiten umfassendes "Manifest" verfasst und im Internet veröffentlicht haben. Titel "2083. A European Declaration of Indepence" unter dem Pseudonym Andrew Berwick veröffentlicht worden sein. Es handele unter anderem von "Rassenkrieg" und der Frage, wie Europa sich von Zuwanderern befreien könne...."
Eintausendfünfhundert Seiten starkes Manifest? Wieso kam das niemandem komisch vor? Es zeigt eine gewisse Bessenheit, die schon auffällig sein könnte. "Das Böse" hat sich wieder gezeigt mit einer seiner entsetzlichsten Fratzen. Vorschub leistete ein Klima, welches von Vielen geschaffen, dem Einzeltäter den Raum verschafft, ihm Rückendeckung gibt, unbemerkt zu seinen Opfern vor zu dringen. Viele, die ähnliches öffentlich äußern und die "Freiheit der Meinungsäußerung" dazu nutzen menschenverachtende Thesen hoffähig zu machen, ebnen den Boden für Gräueltaten im Namen eines "Glaubens" der Unmenschlichkeit als Weg zum Paradies ansieht. Es ist mir angesichts der vielen unschuldigen Opfer leider nicht möglich einige der Kraftausdrücke zu benutzen, welche mir auf der Zunge und im Herzen liegen. |
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Die Sau fräße lieber Perlen, so graust es ihr.
Da meint glatt ein "Olonx", die Norwegischen Politiker wären schuld an dem Morden. www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-07/norwegen-attentat-gestaendnis-2?commentstart=97#cid-1471582 |
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Die Kreuzzüge sind also noch nicht beendet. Aber die "anderen" scheinen jetzt moralisch im Vorteil.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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