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Hibous: „ne ganz neue sicht der frauenrechte“ in www.freitag.de/community/blogs/alien59/amman---freitagsgedanken
brachte mich auf den gedanken, dieses etwas ältere text-teil, eine seminar-notiz, auszubuddeln.
Es geht um „leichter machen“ und drum, wie unterschiedlich der blick auf dieses „leichter machen“ sein konnte/kann.
Voilà:
Ganz deutlich findet sich die Tendenz, jegliche Äußerung einer Frau als eine ihrer Natur über ihre Natur zu verstehen, in ySheq 5,1-48d,25-30 (Traktat Sheqalim aus dem Talmud Yerushalmi, den es im Talmud Babli nicht gibt) im Widerstreit zu dem Wissen, der Erinnerung darum, daß Frauen nicht nur über ihre Natur sprechen, denken, beten.
Es heißt dort, nach der Übersetzung von Andreas Lehnardt (vorgelegt im Seminar am 18.12.06):
„(einmal) brachten drei Frauen ihre Vogelopfer (nach der Menstruation). Eine sagte: (Es ist) für mein „ena“, die (zweite) sagte: (Es ist) für mein „yamma“ und die (dritte) sagte: (Es ist) für mein „ziva“. Bei derjenigen, welche gesagt hatte „für mein ena“ war man der Meinung, daß sie eine Blutung hatte, so stark wie eine Quelle („ayin“). (Petahya, der Aufseher über die Vogelopfer) aber sagte zu ihnen: Sie war an ihrem Auge gefährdet. Bei derjenigen, welche gesagt hatte „für meine yamma“, war man der Meinung, daß sie eine Blutung hatte sp stark wie das meer („yam“). (Petahya= aber sagte zu ihnen: Sie ist auf dem Meer in Not geraten. Und bei derjenigen, welche gesagt hatte „für meine ziva“, war man er Meinung, daß es sich um einen normalen Blutfluß gehandelt habe. (Petahya) aber sagte zu ihnen: Ein Wolf (ze’ev) ist gekommen, um ihren Sohn zu rauben“
1) Wie das „man“ im Text ist auch Lehnardt beim Übersetzen der Meinung, daß Frauen für ein Vogelopfer im Tempel keinen anderen Grund hätten als den des Pflichtopfers nach der Menstruation. Nur so ist sein Einschub in Klammern zu erklären. Das Opfer nach der Menstruation ist zwar halachisch richtig (Lev 15), aber eben, wie der Text zeigt, nicht alles, was Frauen dazu treibt, ein Vogelopfer zu bringen.
2) Frauen sind aus irgendeinem Grunde, sei es aus Blödheit oder Sittsamkeit; nicht in der Lage, sich in vollständigen Sätzen auszudrücken – oder aber
3) Männer sind aus irgendeinem Grunde nicht in der Lage, ihnen, sei es aus Blödheit oder Sittsamkeit, von Anfang bis Ende des Satzes zuzuhören. Auf jeden Fall bleibt von ihrer Rede nur ein sprachlich-verstümmelter Rest übrig, der aber
4) Interpretationsfähig ist, wobei die jeweils menstruationsunabhängige Interpretation für jede Frau einen je eigenen halachisch gültigen Grund für ein Vogelopfer zu Tage fördert. Das lehrt uns
5) Daß Frauen die Halacha vermutlich besser kennen als Männer das glauben, wobei erst einmal schnurz ist, ob sie die oder aber ihre Halacha kennen. Außerdem machen Frauen offensichtlich nicht immer und ausschließlich von dem Gebrauch, was
6) Als die zusätzliche Tendenz ausgegeben und verstanden wurde und wird, nämlich: es den Frauen (wegen ihrer Natur=Menstruation) leichter zu machen.
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Ich war jetzt etwas verblüfft, weil ich aus der Literatur von und über das Judentum der Diaspora sowie aus schmalen persönlichen Quellen (der jüdische Zweig meiner Familie wurde umgebracht oder emigrierte) den Eindruck gewann und zum Vorurteil verdichtete, eine Eigenart dieser Tradition bestehe darin, daß sie wesentlich über die Frauen weitergegeben werde, die Ausbildung der Töchter daher nicht geringer wiege, als die der Söhne, obwohl die Sachwalter der Schriften, Riten und Rechtsprechung Männer sind /waren. Ist das bloß ein Vorurteil? Oder ist das ein spezifischer Zug des Diaspora-Judentums (was sehr logisch zu erklären wäre)?
Tom |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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