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mit leichtem Befremden las ich, das Existenzrecht Israels sei unter Linken keine Frage. Kann ja sein, ich bin nicht links, aber der Nationalstaat und ob es nicht doch was Besseres gäbe, ist für mich durchaus eine.
Und weil ich ja nie Antworten gebe, hole ich mal an Antworts Statt eine 'Konserve' aus den unergründlichen Tiefen der Festplatte, nämlich diese:
Ausgehend von Micha Brumliks Kommentar vom 9.1.2009 in der taz unter dem Titel
„Zur Gewalt keine Alternative“
www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/zur-gewalt-keine-alternative/
und weiter angeregt durch den Artikel von Michael Thumann
www.zeit.de/2009/05/Zwei-Staaten-Loesung
scheint es an der Zeit, auch wieder über die Ein-Staaten-Lösung nach- und auch mit der Darstellung bei Schoeps
www.zionismus.info/zionismus/schoeps-5.htm
über die Zwei-Staaten-Lösung wieder hinauszudenken.
Da ich gerade von Elie Wiesel, „Die Nacht zu begraben, Elischa“ gelesen habe, ist mir mal wieder sehr deutlich geworden, dass auch die zionistische Bewegung in (nicht unerheblichen) Teilen nach heutigem Sprachgebrauch eine Terror-Organisation war. Und, das setzte ich gleich hinzu, weil ich alles andere, das ich bisher zu dieser Bewegung gelesen habe, nicht einfach vergessen kann: es gehört auch dazugesagt, dass sie eine Art Neu-Auflage (unter anderem) der East-India-Company war, kurz: ein quasi-kolonialistisches Unternehmen (Grundlegendes hierzu nachzulesen in Dan Diner, Israel in Palästina. Über Tausch und Gewalt im Vorderen Orient). Was darauf verweist, dass der Umgang mit diesem Konflikt und die Entwicklung von Lösungsmodellen für diesen Konflikt immer auch davon abhängig ist, in welchen historischen Kontext dieser gestellt wird – und, wieweit es gelingt, die Historie des Konflikts ihrer und seiner Be- und Gründungsmythen zu entkleiden.
Nun würde es zwar den Rahmen eines 'Impulsreferats' sprengen, wollte ich hier insgesamt die Genese des Konfliktes in und um Israel/Palästina darstellen, aber wer nach einer Lösung sucht, kommt nicht darum herum, sich die Entstehungszusammenhänge des Konflikts wenigstens kurz ins Gedächtnis zu rufen. Deshalb merke ich kurz an, dass dieser Konflikt nicht das Resultat der Shoa ist und auch nicht das Resultat des nur sehr partiell von allen Konfliktparteien akzeptierten UN-Teilungsplanes von 1947. Die Genese reicht weiter zurück und zwar bis ins 19. Jahrhundert, mindestens. Sie hat mit der fehlgeschlagenen und behinderten/verhinderten Modernisierung des Osmanischen Reiches zu tun und mit der (vermutlich) spätestens Ende des 18. Jahrhunderts einsetzenden Penetration der Region durch die nach Außen als Kolonialisierende auftretenden europäischen Mächte, die sich im Inneren zu den Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts umzubauen begannen. Im Zuge dieser Entwicklungen entstanden nationalstaatliche Bewegungen, die staatliche Unabhängigkeit auf einem je aus eigener Geschichte/Geschichtsauffassung heraus für geeignet erachteten Boden anstrebten. Gleichzeitig entstanden in den schneller und mehr oder weniger geglückt etablierten europäischen Nationalstaaten Bewegungen, die es unternahmen, die Beschaffenheit des erwünschten Staatsbürgers zu definieren und herzustellen. Zu diesen Bewegungen gehörte einerseits in Europa der politische Antisemitismus und andererseits neben etlichen anderen auch die zionistische Bewegung.
Die Entstehung solcher nationalstaatlicher Bewegungen beschränkte sich allerdings nicht auf Europa. Sie fand andernorts ebenfalls statt; zu andernorts gehörte auch das auseinanderbrechende und von Außen auch territorial immer stärker demontierte Osmanische Reich. Dort waren es die Griechen, die Serben, kurzum, der halbe Balkan, aber auch im nördlichen Afrika begannen sich die Unabhängigkeitsgedanken bemerkbar zu machen – und eben auch in der Levante bis hin nach Mesopotamien und auf der arabischen Halbinsel gleichfalls. Es war daher kein Wunder, dass die zionistische Bewegung in dem Moment, in dem sie die in Kolonisation umbenannte Ansiedlung jüdischer Menschen in Palästina übernahm (Näheres dazu ergibt sich u.a. aus den Protokollen der ersten Zionistischen Kongresse), diese in einer Region weiterführte, in der neben anderen auch eine palästinensische Nationalbewegung im Entstehen begriffen war (Näheres hierzu findet sich z.B. bei Yehoshua Porath, The Emergence of the Palestinian-Arab National Movement). Die Gründungsgeschichte der Bilu’im-Siedlung Gedera (ausführlich dargestellt in: Sefer ha’Aliya ha’Rischona) ist ein beredtes Beispiel für die konfligierenden Interessen, die zu diesem Zeitpunkt (nämlich dem ausgehenden 19. Jahrhundert) begannen, im vilayet Palästina aufeinanderzutreffen.
Es dürfte unmittelbar einleuchten, dass immer dann, wenn zwei nationalstaatliche Bewegungen Ansprüche auf ein- und denselben Boden erheben, um diesen in nationales Territorium bevölkert von jeweils erwünschten Staatsbürgern umzuwandeln, ein gewaltförmig ausgetragener Konflikt in der Luft liegt. So verhielt es sich auch in Palästina, weshalb bereits zu Zeiten des Yishuv der Konflikt Israel/Palästina entstanden war. Vielleicht hätte er vermieden werden können, hätten sich innerhalb des Yishuv die durchsetzen können, welche für einen bi- oder multi-nationalen Staat eintraten. Nun, sie setzten sich nicht durch, sondern der erst paramilitärisch hauptsächlich mit der Mandatarmacht und später zwischen den Staaten und mit diversen Gruppen in der Region militärisch ausgetragene Konflikt setzte sich durch. Und mit dem militärisch ausgetragenen Konflikt dessen Logik, in der sich die Konfliktparteien und wir mit ihnen immer noch befinden.
Es wird daher alles nichts helfen, die einzige Alternative zur Gewalt ist: keine Gewalt, zumindest keine militärische Gewalt. Alles andere führt nur dazu, dass Israel sich als Staat letzten Endes selbst vernichten wird. Dies wäre kein Phyrrussieg mit moralischem Kollateralschaden mehr, sondern es wäre die atomare Vernichtung der Region Naher und Mittlerer Osten als Region insgesamt.
Es wird daher weiter für den Moment nichts anderes helfen, als entweder „die Gebiete“ ohne „wenn und aber“ und das heißt vor allen: unter strikter Umsetzung von UN-Resolution 242 und folgende zu einem unabhängigen Nationalstaat zu erklären – oder aber, sie definitiv zu annektieren und im dann entstandenen Groß-Israel/Palästina den demokratischen Umbau zu beginnen. Was nichts anderes bedeutet, jedenfalls für den Moment, als das bereits totgesagte anti-zionistische Projekt der Fatah vom demokratischen laizistischen Gesamt-Palästina in Angriff zu nehmen. Zusammen mit Fatah – und Hamas.
Das hört sich vermutlich hoffnungslos naiv und größenwahnsinnig zugleich an. Und ich gestehe, dass es mir auch so vorkommt. Allerdings sehe ich in einer Zeit, in der wir rund um den Globus feststellen müssen, dass der Nationalstaat des 19. Jahrhunderts sowieso nicht mehr zukunftstauglich ist, keinen anderen Ausweg als den, praktisch nach gänzlich neuen Formen von Staatlichkeit zu suchen. Und – wenn nicht jetzt, wann dann?
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Im Nachklang zur obigen 'Konserve' entstand auch das Nachstehende zur Idee des gern mit "Die Juden ins Meer werfen" gleichgesetzten Boykotts:
In diesem Zusammenhang muss ich an Jeshajahu Leibowitz denken, der (nachzulesen unter der Adresse: juedische.rundschau.ch/showart.asp?ID=878 ) den Sechs-Tage-Krieg als eine historische Katastrophe bezeichnete und für den Fall, dass es nicht zu einer Zwei-Staaten-Lösung und einem Rückzug Israels auf eher mehr als weniger die ‚green line’ komme, lange vor Oslo und den darauf folgenden Friedensinitiativen folgendes prognostizierte: „Praktisch wird dieser Zustand zu einem Krieg auf Leben und Tod zwischen Israel und der arabischen Welt führen“.
Nun, diesen Zustand haben wir. Und in diesem Zustand finden sich immer noch und immer wieder Stimmen, wie schalom5767, aber auch wie das International Solidarity Movement, die auf unbewaffneten Widerstand vor Ort aber auch von anderen Orten aus und von unten setzen.
Solche Initiativen haben immer einen Schönheitsfehler, vielleicht auch zwei, drei. Sie haben selten eine großen Namen auf der Position des Anführers zu bieten, positionieren sich aber unweigerlich quer/queer zum mainstream, welcher in hie Antisemiten und dort das Existenzrecht des Staates Israel unterscheidet. Sie negieren nicht, dass es tatsächlich um Leben oder Tod geht, sondern machen deutlich, dass das Leben der einen nicht der Tod der anderen sein kann. Sie suchen nach gemeinsamen Wegen und nach einer Praxis der gemeinsamen Wege. Und sie schlagen andere, aber bereits beschrittene/teilweise erprobte, Wege vor … wie Naomi Klein in ihrem Boykottaufruf.
Diese Ansätze – und mir scheint, wir vergessen das zu schnell – hat es immer gegeben. Sei es in Form kritischer Kommentare wie die des Achad Ha’am, sei es in Form des Brith Schalom (zu dem beispielsweise unter imgespraech.buber-gesellschaft.de/hefte/11/wolf.pdf etwas mehr nachzulesen ist), sei es in Form von Neve Shalom, das sich ( unter nswas.org/spip.php?article866 nachzulesen), sehr eindeutig zum Krieg in Gaza geäußert hat – und zur Fortsetzung seiner eigentlichen Arbeit Geld benötigt.
Vielleicht würde es uns helfen, uns noch mehr in Erinnerung zu rufen. Beispielsweise Einzelheiten aus der Geschichte des Boykotts gegen Südafrika. Hier eine nachzulesen in einem Artikel aus dem Jahr 1963! aus dem Archiv der ZEIT:
www.zeit.de/1963/33/Boykott-gegen-Suedafrika .
Diese zeigt uns, dass es nicht darum ging, „kauft nicht beim Südafrikaner/Juden“ salonfähig zu machen, sondern Staaten als einzelne wie als Gemeinschaft dazu zu bewegen, ihre Politik zu verändern. Natürlich gab es damals auch Stimmen, die sagten: „Aber wenn wir nichts mehr aus Südafrika kaufen, dann verlieren doch die Schwarzen ihre Lebensgrundlage“ – und diese Stimmen hatten nicht ganz unrecht. Aber wie das Beispiel aus dem ZEIT-Archiv zeigt, ging es darum, über den Boykott-Aufruf auf anderen Ebenen Politik zu verändern. Nämlich da: keine Waffenlieferungen, kein Technologie-Transfer, keine Bankverbindungen, keine Kredite, keine Bürgschaften … verbunden mit der Suche danach, wie alternative Projekte unterstützt werden können. Naomi Klein hat dies in ihrem Aufruf, den es sich allemal in Gänze zu lesen lohnt, an einem Beispiel erklärt.
Und: Naomi Klein ist mit ihrem Rückgriff auf den Boykott gegen Südafrika nicht allein. In Israel selbst gibt es Stimmen wie diese: www.soal.ch/apartheidstaat-israel-was-kann-israel-von-suedafrika-lernen oder auch diese: zmag.de/artikel/Akademischer-Boykott-Unterstuetzung-fuer-Paris-VI , einen Aufruf aus Israel zum Boykott israelischer wissenschaftlicher Institutionen . Wir sollten versuchen, auf diese Stimmen genauer zu hören, um jenseits der Frontlinie Antisemitismus./. Existenzrecht von bewaffneter Gewalt freie Ideen zu erkennen, zu unterstützen oder selbst zu entwickeln.
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Wir sollten die Diskussion vielleicht hier fortsetzen, was bei fidelchen gesagt wird, kann auch hier gesagt werden, nayway: Man muss die Themen kontinuierlich betrachten. Politik ist konkret. In diesem Sinne neuester Uebelfred im Iran sind die Revolutionaeren Garden. Dabei sind die absolut brillant. Im Sinne von ueberlegt, zielsicher und effektiv. Zum Beispiel in dem umstrittenen Seegebiet, in dem die Englaender versuchten herumzuschippern, mit einem Kriegsschiff. Ich wuesste nicht, was denen vorzuwerfen waere. Es moegen Israels oder unsere Feinde sein, was immer der Standpunkt unserer Regierung ist, das macht sie aber nicht zu Feinden der Menschheit.
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Chapeau, Madame Rahab!
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Liebe Rahab,
herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für diesen Beitrag, der wohl endlich mal die Gelegenheit bieten könnte, das Thema Nahostkonflikt auf einer rationalen Basis zu diskutieren, und zwar nach Möglichkeit aufgrund von auf Sachkenntnis beruhenden Argumentationen und Fragen. Beiträger, die nichts im Sinn haben als ideologische Grabenkämpfe, könnte man dabei vielleicht ebenso ignorieren wie graue Eminenzen, die offensichtlich zwar nichts zur Sache beizutragen haben, aber gerne vorgeben möchten, wie lang die Beiträge zu sein haben, die sie lesen möchten, und zu welcher Tages- oder Nachtzeit sie zu schreiben sind, und die dafür ggf. noch von solchen, denen es an der entsprechenden Eigenschaft mangelt, als weise gelobt werden. Tanzende Püppchen und ellenlange kalauernde Dialoge werden sich vermutlich sowieso hier nicht breitmachen. Allerdings fürchte ich, dass gleichwohl der Blogbeitrag ineins mit den gelinkten Texten tatsächlich viel zu lang und zu komplex ist für eine zielgerichtete Diskussion. Falls du also für Alternativen noch offen bist, schlage ich vor, daraus mehrere, nacheinander zu diskutierende Teile zu machen, etwa in folgender Aufteilung: 1. Das zionistische Projekt: Hintergründe und Einbettung in die europäische und nahöstliche (einschl. Osm. Reich) Gesamtsituation Ende des 19. Jh. 2. Jüdische Besiedlung in Palästina: legitime Immigration oder ein europäisches kolonialistisches Projekt? 3. Konflikte zwischen Arabern und Juden in den 30er und 40er Jahren, unterschiedliche Konzepte zur Lösung. 3. Die Völkerrechtsproblematik zwischen Osmanischem Reich, Völkerbund, engl. Mandatsmacht, UN, Israel, arab. Staaten. 4. Staatsgründung, Vertreibung, Krieg. Die Entwicklung der Palästinenser: von UNRWA-Flüchtlingen über Abhängigen von Jordanien und Ägypten zur Nation. 5. Sechstagekrieg, Besatzung, Siedlungen, "Zaun"-Bau. 6. Verhandlungen, "unverzichtbare Positionen", Scheitern. 7. Zweistaatenlösung, aber wie? vs. alternative Konzepte. Das ist jetzt so aus der Tasche gezogen, die einzelnen Aspekte ließen sich ggf. präzisieren, zusammenfassen oder differenzieren. Das Ziel sollte aber sein, zu überschaubaren und nur so sinnvoll diskutierbaren Problemkomplexen zu gelangen, natürlich ohne dass der Gesamtzusammenhang aus den Augen verloren wird. Die leidige Diskussion um Antisemitismus, den sog. Antizionismus sowie die deutschfeindlichen Israelfreunde und die israelfeindlichen Araberfreunde wäre tunlichst gesondert zu führen. Allen, die meinen, die Geschichte sei von vorgestern und es gälte, sie auszuklammern und die Zukunft unabhängig davon zu gestalten, zwei Antworten: 1.Genau dies wurde in den Verhandlungen Camp David II zwischen Arafat, Barak und Clinton versucht: Hintanstellen der strittigsten Fragen, zumal der Flüchtlingsfrage für spätere Verhandlungen. Das aber war der Grund des Scheiterns. 2. "Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es ab und stellen uns fremd." (Christa Wolf, Kindheitsmuster) |
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@oranier
ja - eine aufteilung, vielleicht in der art von arbeitsgruppen, wäre wohl nicht verkehrt. ich habe auch schon überlegt, ob und in welcher form ich teile aus meiner kleinen arbeit zur 1.aliya (1882 bis 1904)einstelle, um dem ganzen etwas mehr an hintergrund zu verschaffen. zumal ich in dieser arbeit ja auch etwas weiter aushole. wenn ich ausgeknobelt habe, wie ich das mit den fußnoten hinkriege (ich habe mir das ja nicht alles ausgedacht - die literatur, deren ich mich bedient habe, habe ich bereits mal beim "ehrbaren Antisemitismus" eingestellt), dann ... kommt von meiner seite aus als erstes ein 'unter-blog' zu "Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land" und ein kleinerer 'unterblog' zur osmanischen einwanderungs- und siedlungspolitik in Palästina. |
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Liebe Rahab,
danke, da sind wir uns ja schon einmal im Grundsätzlichen begegnet. Man sollte m.E darauf achten und im Blick behalten, dass dies hier ein Diskussionsforum von politisch interessierten Zeitgenossen ist und kein wissenschaftliches Symposion. Dein Referat könntest du also getrost ohne Fußnoten einstellen, ggf. mit angehängter Literaturliste, aber irgendwo gesondert, da doch ein wenig speziell. Mir würde vorschweben, mit der im 19. Jh. sog. "Judenfrage" zu beginnen: insbesondere der Entsteheung eines jüdischen Nationalismus im Spannungsfeld von Assimilation und Antisemitismus und im Kontext der europäischen Nationalbewegungen. An den verschiedenen aufeinanderfogenden Alijas (Alijot) interessiert in unserem Zusammenhang m.E. zumal die Frage der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und ihrer Motive (Kibbuzniks als Nachfolger der russischen "Volksfreunde" mit ihrer Idee des bäuerlichen Sozialismus, polnisch-russische Arbeiterbewegung, Verfolgte des Naziregimes, Überlebende der Lager usw.) und im Zusammenhang damit die organisatorische und finanzielle Unterstützung der Siedler durch den Baron Rothschild, den Zionistischen Weltkongress, die Jewish Agency, den Jüdischen Weltkongress. Hieraus ergeben sich ja erstens schon unterschiedliche Konzepte und Perspektiven, auch im Hinblick auf das Zusammenleben mit den Arabern, und zweitens stellt sich daraus die Frage: handelte es sich wirklich um zwei widerstreitende, im Prinzip gleichberechtigte Nationalismen, wie z.B. zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen, oder um eine spezifische Form von Kolonialismus. Ich habe Dan Diner (noch) nicht gelesen, sehe aber doch fundamentale Unterschiede zu den kolonialistischen eroberungen und Ausbeutungen der Zeit. Was im einzelnen samt der weiteren Themenstellungen zu diskutieren wäre. Könntest du dazu etwas zusammenfassen? Natürlich gingen auch Beiträge von anderen. AGs halte ich für schwierig. Ich könnte mir ggf. einen Teilaspekt vornehmen, müsste mich dazu aber (erneut) einlesen. Ich gehöre ja nicht zu den Leuten, die aufgrund des Gewichtes ihrer Person durch kurze und knappe Meinungs-Statements der Welt Wesentliches mitzuteilen haben. (Bin hier notgedrungen auch im Ansatz schon etwas breit und inhaltlich geworden, bestimmt gibt es auch Vorschläge von anderen.) |
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Super Artikel, danke.
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Wenn es einen Weg jenseits von Krieg und Vernichtungslogik geben soll, dann ist dein Beitrag endlich mal einer, der in die richtige Richtung weist. Vielen Dank.
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Habs mit Freude gelesen, Rahab!
Anmerkung: im 19. und 20. Jh. ist das Errichten von "Nationalstaaten" sehr oft imperialistische Heuchelei, siehe diverse "Befreiungskaempfe", etwa den griechischen, der ja jedem Romantiker ans Herz ging. Am Ende wurden Bayern als Könige eingesetzt.... Die jetzigen Landesgrenzen im Nahen Osten sind doch alle von den Kolonialmaechten gezogen? |
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@hibou
wieso machst du hier "Die jetzigen Landesgrenzen im Nahen Osten sind doch alle von den Kolonialmaechten gezogen" ein fragezeichen? erst mal ja. anders läßt sich das mit einem blick auf karten nach WK1 nicht sagen! |
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naja bin kein Historiker :-)
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ich auch nicht!
aber 1973 war der blick in einen historischen atlas für mich der eigentliche grund, mich näher auf nah-ost einzulassen. weil ich nach dem blick nämlich genauer wissen wollte, was da eigentlich los war und ist. |
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Hallo Rahab,
hab mir erst mal die Überschrift angesehen. Ich lese aber erst weiter, wenn Du mir versprichst, nicht wieder so grob mit mir zu sein. Also, kannst Du für meine Sicherheit sorgen? Dass mich keiner "batscht" oder irgenwelche Kommandos gegen mich losschickt. Bussi fidelche |
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ich kann dir versichern:
ich hab noch nie wen erschossen. allerhöchstens mal standesrechtlich. und 'batschen' ist die liebevoll gemeinte ankündigung, dass für das, wofür 'gebatscht gehört', eine etwas längere kritik zu erwarten ist. bedeutet auch: du darfst auch 'zurück-batschen'. |
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Hallo Rahab,
ich hab mir den Text nun durchgelesen und bin natürlich absolut nicht Deiner Meinung. Gehört zu dem Projekt Groß-Israel/Palästina auch Jordanien? Ein demokratisches laizistisches Gesamt-Palästina mit den Haschimiten, der Hamas und der Fatah und den Israelis ist vorsichtig ausgedrückt schwer vorstellbar. Kannst Du in diesem Staat für die Sicherheit der Juden garantieren? Wohin sollen Juden fliehen wenn in ihrem „Heimatland“ wieder Pogrome abgehen? Israel ist der Fluchtpunkt für Jüdinnen und Juden. Ein Boykottaufruf gegen israelische Waren ist „Antisemitismus pur. Dieses antisemitische Argumentationsmuster (sehr oft bei Linken zu beobachten) erinnert an den Nazi-Spruch „Kauft nicht bei Juden”. Ich bin in dem Zusammenhang mit Petra Pau einer Meinung: „Angesichts der deutschen Geschichte wecken diese Äußerungen unsägliche Assoziationen und bedienen finsterste Klischees”. Der Vergleich Israels mit Südafrika hinkt extrem. Wer beispielsweise die radikale Rassentrennung in Südafrika mit der Politik Israels gleichsetzt irrt sich, vorsichtig ausgedrückt. Warum nicht ein Boykott gegen die Hamas oder den Iran, wegen Frauendiskriminierung, Hinrichtungen wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr, Hinrichtungen von Schwulen usw.? |
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Warum soll denn dazu Jordanien gehoeren. Es gibt einen Staat mit einem besetzten Gebiet und fliessenden Uebergaengen. Es gibt eine Staatsgewalt, naemlich die Israelische, offiziellen Staatsangehoerigen und Gewaltunterworfenen ohne gleiche Rechte. Nur darum gehts.
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Ach fidelche,
dass du natürlich absolut nicht meiner meinung bist, wundert mich nicht. offengestanden – darauf kommt es (mir) auch überhaupt nicht an. Erst mal ging es mir darum, hinweise darauf zu geben, dass die idee des einen staates keine neue ist, sondern eine bereits etwas längere geschichte hat. Diese ging allerdings als politische idee immer wieder unter, bis der politische zionismus entstand. Praktiziert wurde sie dennoch, wie die anhaltende einwanderung von juden aus fast aller welt in das osmanische reich und da auch nach palästina beweist ( vielleicht nimmst du zur kenntnis, was ich in den beiden artikeln zu dem bekannten slogan „ein land ohne volk für ein volk ohne land“ dazu geschrieben habe, bruchstückhaft, denn artikel zum thema können die lektüre der entsprechenden fachliteratur nicht ersetzen, allerdings dazu anregen). Mit dem politischen zionismus wurde die idee des einen staates prononcierter vorgetragen; hinweise darauf habe ich dir in deinem antisemitismus-blog gegeben, vielleicht gehst du diesen mal nach. Weiters ging es mir darum, Micha Brumliks „es gibt keine alternative zur gewalt“ eine absage zu erteilen. Das nicht nur, weil ich einem alten weg-genossen gern mal widerspreche. Sondern weil ich diese position für grundfalsch halte – und zwar auch dann, wenn sie im moment manchen auch die einzig realistische zu sein scheint. Und schließlich ging es mir darum, auch die stimmen in die diskussion einzubeziehen, die nach anderen lösungen suchen. Stimmen, die dies bewußt vor dem gewaltförmigen hintergrund der zionistischen geschichte tun. Stimmen, dies dies bewußt vor dem hintergrund der shoa tun. Stimmen, die sich dem freund-feind-denken verweigern. Dies sind stimmen, die an jüdische aber auch andere geschichte anknüpfen. Stimmen, die das unmögliche versuchen, nämlich doch aus geschichte etwas zu lernen. Stimmen, die sich der wiederholung des immergleichen verweigern. Stimmen, die sich bemühen, über die unendliche vervielfältigung des nationalstaats nach europäischem muster (eine ethnie, eine sprache, eine geschichte) hinauszudenken. Ich denke, dass diese stimmen zukunft denken. Versuchsweise. Und ich halte es für lohnenswert, mit diesen stimmen mitzudenken. Du dagegen erlaubst dir die chuzpe, diese stimmen – jüdische stimmen, nebenbei – als strukturell antisemitisch/antizionistisch aus der diskussion auszuschließen. Du selektierst, nur ein klein wenig andersrum. Darin, fidelche, tritt zutage, dass philosemitismus nichts anderes ist denn antisemitismus. Weshalb ich dir anrate, bevor du andere (im rundumschlag) des antisemitismus bezichtigst, lieber deinen eigenen zu be- und verarbeiten. shabat shalom u'mevurach! |
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Ich zitiere Dich:
"Es wird daher weiter für den Moment nichts anderes helfen, als entweder „die Gebiete“ ohne „wenn und aber“ und das heißt vor allen: unter strikter Umsetzung von UN-Resolution 242 und folgende zu einem unabhängigen Nationalstaat zu erklären – oder aber, sie definitiv zu annektieren und im dann entstandenen Groß-Israel/Palästina den demokratischen Umbau zu beginnen. Was nichts anderes bedeutet, jedenfalls für den Moment, als das bereits totgesagte anti-zionistische Projekt der Fatah vom demokratischen laizistischen Gesamt-Palästina in Angriff zu nehmen." Du nennst indirekt selbst das Illusioniäre an diesem Gedankenspiel, behaupte ich, und um das zu stützen, formuliere ich es TomGardisch: 1) Micha Brumlik mogelt sich in seiner Hamas-Kritik darum herum, daß die palästinensischen Bevölkerung im israelischen Apartheitsstaat in eine auswegslos desperate Lage gebracht wurde, in der es zu dumpfem, international alimentiertem Dahinvegetieren mit Ausbrüchen selbstmörderischer Gewalttätigkeit keine Alternative gibt. Die Lage wurde von zionistischen Schlächtern absichtsvoll und systematisch herbei geführt, viele von ihnen haben sich dazu bekannt. Die Errichtung des KZ Gaza zementierte diese Lage noch einmal, weil sie die palästinensischen Bevölkerungsteile gegeneinander stellt, der "Feldzug" gegen die Insassen erübrigte nebenher alle oben zitierten Bekenntnisse. Momentan wird die Sache an der Oberfläche etwas verdeckt, weil es den Zionisten gelungen ist, mittels der Kombination aus homelandartiger Zersplitterung Palästinas und einer militärisch alternativlos gemachten Verwaltung durch korrupte Fatah-Kollaborateure die desperate Gewalttätigkeit in den Homelands nach innen zu wenden. Das ist die Ausgangslage, die Vorgeschichte, der Du, Rahab, soviel Raum gibst, ist fast buchstäblich getötet ... 2) Herbei führen konnten die Zionisten diese Lage zunächst deshalb, weil sie sich den imperialen Zwecken erst der USA (Zerschlagung des kolonialen Resteigentums und -einflusses der alten imperialistischen Mächte) dann der vereinigten antisowjetischen Metropolen des Weltmarktes nützlich machten. Als der Schaden dieses Arrangements den Nutzen zu überwiegen begann, verfügte die Clansherrschaft zionistischer Militärs bereits über ultimate Waffen, die auch der amerikanischen Militärmacht Schranken setzen. So. Deshalb stimme ich Brumlik zu, nur besteht der alternativlose Gewalteinsatz in der Entwaffnung der zionistischen Militärs und Zerschlagung der logistischen Verwurzelung ihrer Macht in der israelischen Ökonomie. Das liegt auch Deinem oben zitierten Ansatz zugrunde, Du bekennst das für meine Begriffe indirekt, indem Du stattdessen vage und aus der Luft gegriffen etwas internationalen Boykottstrategien redest. Die innere Lage Israels ist eine völlig andere, als ehemals die der südafrikanischen Bourgeoisie. Israelische Ökonomie ist heute ein einziger "militärisch industrieller Komplex", dessen Köpfe mit atomarer Bewaffnung seine internationale Verwendung einklagen, z.b. auch mit "Nadelstichen" gegen das Pentagon, indem sie eigene, französische und amerikanische Spitzentechnologie etwa an Kasachstan und Indien verscherbeln. Über den Boykott gegen Zitrusfrüchte von Plantagen, deren Stillegung bereits beschlossen ist (weil selbst die Vergiftung palästinensischer Kinder zugunsten der Bewässerung sich nicht mehr lohnt) lachen die Damen und Herren Zionisten lang und schmutzig. Allein die israelische Bevölkerung kann diesen abgespaltenen Hydrenleib enthaupten und gelingen kann es nur unter Führung eines substanziellen Teils ihrer jüdischen Eliten. Aktuell wäre die erste Voraussetzung dazu die Entdämonisierung der iranischen Militärdiktatur, ein Aufstand der amerikanischen und israelischen Bevölkerung gegen die Kriegspläne ihrer Regierungen in der Region. Dabei wäre die israelische auf entsprechende Solidarität aus den USA angewiesen. Nicht der allergeringste Schimmer davon ist am Horizont zu sehen. Die amerikanische Bevölkerung lernt derzeit aus der fortschreitenden Demonetarisierung des Dollar, daß der Weltkrieg, den Bush begann, ihre Existenzgrundlage geworden ist. Deshalb: Schaut nicht nach Israel! Schaut nicht in die USA! Der Krieg findet hier statt, in den Büros, Fabriken, Lagern, auf den Ämtern und in den Schulen. Es "geht" nur kaum "einer hin". Hic Rhodos, hic salta, Rahab - allein, Du weißt, schätze ich, daß Demokratieillusionen an und in diesem Krieg, vulgo Klassenkampf, endgültig zuschanden würden, oder irre ich mich? Gründet nicht vielleicht die Befassung Vieler mit Israel in einem irrationalen und paradoxen Versuch, bürgerlich-demokratischer Desillusionierung eine letzte Schranke entgegen zu setzen? Das jedenfalls ist für mich, Marx "Judenfrage" folgend, das echte, das eigentlich "antisemitische" Motiv, das mancher "linken" Israelkritik zugrunde liegen mag. Tom |
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ad 1) hmmm
ad 2) wenn ich von boykott spreche, meine ich damit nicht, auf jaffa-orangen rumzutrampeln ad 3) manche kommen nicht umhin, immer wieder "in den krieg zu ziehen" - die nach afghanistan entsandten soldaten meine ich damit ausdrücklich nicht und nun tut tochter, was gute tochter so tut... sie kümmert sich um der mamme umzug und des tatten nachlaß |
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ps
Marx' "Judenfrage" zu lesen, öffentlich, ist eine gute idee. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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