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Ironie der Geschichte ist, wenn der Insolvenzantrag eines Unternehmens, das seinerzeit maßgeblich an der Entwicklung des jungen Kinos beteiligt war, mit der fünffachen Oscar-Prämierung eines nachempfundenen Stummfilms zeitlich fast zusammenfällt. Da prallen Nostalgie und knallharte Marktwirtschaft ganz schön aufeinander. So geschehen anno 2012 mit der Eastman Kodak Company und "The Artist" von Michel Hazanavicius.
Dabei dürfte es noch gar nicht die Generation sein, für die es ein Rätsel aus grauer Vorzeit darstellt, einen Film korrekt in einen Fotoapparat einzulegen, welche das schwarz-weiße Kinospektakel bejubelt. Wie ist das bloß zu verstehen? Habe bloß ich das mit dem Angebot und der Nachfrage nicht richtig kapiert? Oder ist der Stoff, den die Roaring Twenties einst selber produziert haben, mittlerweile schlecht geworden?
Scheinbar ist es an der Zeit, mal wieder wehmütig zu werden, angesichts der guten alten Zeiten, der großen Tage des Kinobetriebs und darin enthalten natürlich das verlorene Glück goldener Gründerjahre. Sehnsucht, das muss man wissen, ist nicht selten Selbstzweck. Ganz besonders dann, wenn die echte Geschichte nebenan sozusagen sang- und klanglos absäuft.
Jedenfalls ist es schon putzig mit anzusehen, wie Hollywood sich frenetisch selbst beklatscht und dabei flugs den Oscar-Tempel von Kodak Theatre in Hollywood & Highland Center umbenennt. So geht Denkmalpflege heute! Eingedenk der Tatsache, dass Kodak (vor langer Zeit, in einem weit, weit entfernten Hollywood) mit acht Academy Awards für seine herausragenden filmtechnischen Leistungen geehrt wurde trotzdem ein verwunderlicher Akt der Erinnerungskultur. Aber gut, da war man ja noch flüssig... Und Pleitegeier hat es gerade eh genug.
Eine Errungenschaft stellt "The Artist" seinerseits nicht wirklich dar. Schön anzuschauen ist er, nett, was für's Herz eben. Kitsch, aber gut gemacht. Also eher noch Camp.
"Denn Camp-Kunst ist häufig dekorative Kunst, die die Struktur, die von den Sinnen wahrgenommene Oberfläche, den Stil auf Kosten des Inhalts betont." (Susan Sontag: Anmerkungen zu "Camp", 1964)
Und wenn wir schon beim Inhalt sind, der Film handelt bekanntlich unter anderem davon, wie der Tonfilm den Stummfilm von der Leinwand verdrängte. Preisfrage deshalb: Wer brachte 1929 den ersten Tonfilm auf den Markt, der das Schicksal der stummen Zeitgenossen besiegelte?
Kleiner Tipp, jetzt wird es wieder ironisch...
(Foto auf der Startseite: Gabriel Bouys/ AFP/ Getty Images); Anm. der Redaktion
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Those were the days... Und kein Lukács weit und breit!
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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