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Noch kann man nur Vermutungen anstellen, warum Literaturagent Wylie seine Attacke auf die Verleger einiger der von ihm vertretenen Autoren in vollem Galopp abbricht. Das Wall Street Journal berichtet heute, dass Amazon und Literaturagent Wylie ihren Vertrag für 13 der 20 der von Wylie über seine eigene Verlagsmarke Odyssey Editions direkt und exklusiv auf der Website von Amazon angebotenen Titel wieder rückgängig gemacht haben. Random House will jetzt diese 13 Titel über seine Plattform wieder allen Händlern als E-Book anbieten. Über die restlichen 7 Titel verhandelt Wylie noch, u.a. mit Penguin Books.
Die Bertelsmann-Tochter Random House hatte all die Autoren, die Wylie erlaubten, einige ihrer Titel, als E-Book, an Random House vorbei, direkt bei Amazon anzubieten, schlicht und einfach boykottiert. Random House machte deutlich, dass es keine Neuerscheinung bzw. keine Nachauflage der Titel, deren Rechte bei Random House liegen, geben wird. Zur Erinnerung noch einmal die Namen einiger dieser Autoren: Philip Roth, Salman Rushdie, Vladimir Nabokov, John Updike, Jorge Luis Borges,....
Da keine offiziellen Verlautbarungen zu finden sind, in denen Bertelsmanns Random House bekanntgibt, dass es Updike, Roth, Borges,... nicht mehr verlegen will - man stelle sich einmal vor, welchen Aufruhr eine solche Verlautbarung weltweit verursachen würde - kann man wohl davon ausgehen, dass die Random House Vertreter dies nur Wylie mitgeteilt haben. Wenn es Wylie mit seiner Attacke auf Random House bitterernst gewesen wäre, hätte er einen Skandal größten Ausmaßes vom Stapel lassen können: "Bertelsmann Books Burning". Dieser Boykott wäre von Bertelsmann weder ankündbar und schon gar nicht durchzuhalten gewesen und ist deshalb kaum ernst zu nehmen. Auch die schnelle Rücknahme des Deals durch Wylie - Philip Roth wird nicht innerhalb von 4 Wochen ein neues Buch geschrieben haben - sprechen dafür, dass hier beide Seiten eher symbolisch handelten.
Als kühl abwägender Geschäftsmann weiß Wylie, dass er die Verlage braucht, um die gedruckten Werke seiner Autoren gut zu verkaufen. Interessant an dieser neuen Entwicklung ist, dass es den klassischen Print-Verlagen überaus wichtig ist, sich auch die Rechte und damit die Kontrolle über die E-Books zu sichern. Wylie wird nicht einfach klein beigegeben haben, sondern sich die Rechte für die E-Books von Random House besser als vor seinem Amazon Deal von Ende Juli 2010 bezahlen lassen. Wenn es anders wäre, könnten die Verlage für die Zukunft einen Machtzuwachs gegenüber den Autoren verbuchen. Dieser Machtzuwachs wäre um so größer, je wichtiger die E-Books für den Leser werden. Die Investitionen, die durch die großen Verlagen in die Infrastruktur für das Verlegen und Verkaufen von E-Books getätigt werden, lassen einiges erwarten.
(Foto: firexbrat)
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Hier die Liste der Titel, die von Wylie bei Amazon zurückgezogen wurden und jetzt wieder von Random House vermarktet werden:
* "London Fields" von Martin Amis * "The Stories of John Cheever" von John Cheever * "Invisible Man" von Ralph Ellison * "Lolita" von Vladimir Nabokov * "The Enigma of Arrival" von V.S. Naipaul * "The White Castle" von Orhan Pamuk * "Portnoy's Complaint" von Philip Roth * "Midnight's Children" von Salman Rushdie * "Fear and Loathing in Las Vegas" von Hunter S. Thompson * "Rabbit Run" von John Updike * "Rabbit Redux" von John Updike * "Rabbit is Rich" von John Updike * "Rabbit at Rest" von John Updike Bei Amazon verblieben vorerst: * "The Adventures of Augie March" von Saul Bellow * "Ficciones" (Spanish Edition) von Jorge Luis Borges * "Junky" von William Burroughs * "Love Medicine" von Louise Erdrich * "The Naked and the Dead" von Norman Mailer * "The Man Who Mistook His Wife for a Hat" von Oliver Sacks * "Brideshead Revisited" von Evelyn Waugh Insofern ist meine Überschrift nicht präzis, weil Borges nicht bei Bertelsmanns Random House war. Die Alliteration lockte mich in die Falle. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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