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„Stereotype Vorstellungen von nahezu ständig hungernden, von einer Dürreperiode zur nächsten dahinsiechenden Menschen, unbekannten, das heile Europa bedrohenden Seuchen und einem permanenten Kriegszustand (womöglich in allen 53 Staaten) kontrastieren mit klischeehaften Zerrbildern von idyllischen Tierparks, atemberaubenden Sonnenuntergängen und einer verklärten Romantik a la „Jenseits von Afrika. … Und die Personifikation Afrikas, dieses „schwarzen Kontinents“ der am Rande des globalen Weltgeschehens „dahindümpelt“, ist das „afrikanische Kind“, das uns hungerbäuchig und mit ausgetreckten Armen hilfesuchend von karitativen Plakaten aus anfleht oder vom Bildschirm aus in unsere Wohnzimmer eindringt und in einem 40-Sekunden-Kurzbericht an unser diffuses schlechtes Gewissen appelliert, doch endlich zu helfen. Genährt von aggressivem Spendenmarketing humanitärer Hilfsorganisationen und sensationsheischender Berichterstattung, scheint sich dieses Bild von in den westlichen Köpfen als Synonym für Afrika selbst eingebettet zu haben.“
Diese Bilder scheinen die Grundlage unserer Vorurteile über die Kinder in Afrika darzustellen. Sie machen Afrika zu einem Ort der Gefahr, aus dem die Menschen gerettet werden müssen, zu einem Ort der Hilflosigkeit, an dem nur Raum für Mitleid und Fürsorge angebracht ist und nach „Lösungen“ und „Antworten“ auf die unterstellten Bedürfnisse der dort lebenden Menschen gesucht werden muss. Innerhalb dieser einseitig wahrgenommenen Lebenswelt sind die Kinder die größten Opfer: sie hungern, sie werden verlassen, sind passiv, macht- und hilflos. Es liegt mir fern, die teilweise grausamen und häufig brutalsten Lebensumstände, in denen die Kinder im subsaharischen Afrika aufwachsen müssen, auch nur annähernd zu verharmlosen oder gar auszuklammern. Beispielsweise wird immer deutlicher, welch immenses Ausmaß die AIDS-Epidemie dort annimmt und es ist nur zu erahnen, wie tiefgreifend und schrecklich sich dieses Massensterben auf das Leben und die Psyche der Kinder auswirkt. Selbst habe ich erlebt, was Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit im subsaharischen Afrika bedeuten kann, so hat Aufenthalt und Beschäftigung mit dem Thema auch bei mir Spuren und Bilder hinterlassen, die in ihrer emotionalen Intensität von keiner sensationsgierigen Berichterstattung konstruiert werden könnten.
Gerade dieser Umstand, nämlich das es (auch) oben beschriebene afrikanische Kindheit tatsächlich gibt, lässt mich mit fassungslosen und zermürbenden Fragen zurück:
Wie kann es sein, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch immer täglichmehr als 30.000 Kinder in der Dritten Welt an Hunger, mangelhafter Ernährung und Krankheiten sterben, die vermeidbar sind, wenn nur der politische Wille dazu da wäre?
Müsste die Pharmaindustrie nicht aus einem menschlich-ethischen Aspekt dazu „gezwungen“ werden können, ihre Märkte auch dort zu platzieren, wo kein Geld zu holen ist?
Wie sozial gerecht und modern kann sich eine Welt nennen, die in internationalen Expertengremien und Finanzinstituten über die Zukunft ganzer Nationen entscheidet und dabei über Massenarmut diskutiert, ohne den unfassbaren Reichtum Einzelner auch nur einmal kritisch zu hinterfragen?
In welch einer Welt leben wir, in der das Gesamtvermögen der drei reichsten Milliardäre das Gesamtbruttosozialprodukt aller am wenigsten entwickelten Länder und ihrer 600 Millionen Menschen übersteigt?
Es erscheint mir, bei der Betrachtung dieser Fragen, dass solche Fragen in der Auseinandersetzung mit den Lebensumständen afrikanischer Kinder in unserer Gesellschaft kaum gestellt werden können, ohne moralisch oder polemisch zu erscheinen. Hierin erkennen wir eine Art „moralisches Vakuum“ im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, das Menschen mit solchen Fragestellungen als „Gutmensch“ oder „unrealistischer Weltverbesserer“ stigmatisiert und solche Gedankengänge nicht zulässt. Hier sollte dringend eine Umorientierung in der Sichtweise stattfinden und auch unangenehme Fragen offen diskutiert werden. Trotz oben beschriebener Bilder einer unleugbar schwierigen Lebenssituation afrikanischer Kinder zeigen diese, und das ist vielleicht meine entscheidendste Erkenntnis, nur die halbe Wahrheit, vielleicht sogar noch weniger. Es werden lediglich die Symptome wahrgenommen, was sie nicht vermitteln, sind die Ursachen der Situation, in denen sich die Kinder befinden, welche kulturellen Unterschiede in ihrer Lebenswelt herrschen und wie der soziale Hintergrund, in dem sie leben, beschaffen ist.
Ohne dieses Wissen und durch schiere unreflektierte Übertragung westlicher Strukturmuster von „guter“ Kindheit auf die Lebensrealität afrikanischer Kinder, bleiben Helfer unfähig, können nur gelegentlich und begrenzt unterstützen und lediglich kurzfristige Linderung bieten. Auch habe ich neben den defizitären Lebensumständen, viel Kraft und Stärke angesichts scheinbar auswegloser Situationen gesehen und war erstaunt über das Ausmaß der Hilfsbereitschaft, der Stärke sozialer Bezüge und der „moralischen Schönheit“, die es vielen Kindern im subsaharaischen Afrika ermöglicht, aktiv, kreativ und würdevoll mit den eigenen Lebensumständen umzugehen. So bleibt mir letzendlich nur Kabou zuzustimmen, dass Afrika „weder arm noch ohnmächtig“ ist, damit auch afrikanische Kindheit weder arm, noch ohnmächtig und darüber hinaus viele afrikanische Kinder keine „zerstörte“, „geraubte“ oder „verlorene“ Kindheit besitzen. Auch sie sind Kinder und erleben eine andere Form von Kindheit.
Da diese häufig nicht in das westliche Kindheitsmodell passt, wird sie ausgeklammert, nicht wahrgenommen und sie werden vielmehr zu „unsichtbaren“, aber dennoch vorhandenen Kindern. Mir wurde deutlich: „Unsichtbaren“ Kindern kann nicht geholfen werden, um ihnen Hilfe zukommen zu lassen, die sie tatsächlich unterstützt, müssen sie für die Organisationen und Akteure, die sich mit ihnen beschäftigen, durch eine Rekonstruktion ihres westlichen Kindheitsparadigmas „sichtbar“ werden. Dann erst besteht die Chance, dass afrikanische Kinder tatsächlich ermächtigt werden und eine gerechte und reale Möglichkeit auf menschenwürdige Lebensbedingungen sowie Teilnahme und Teilhaben an gesellschaftlichen Prozessen erhalten.
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Hallo rapideyemove,
ein Tipp zur leichteren Lesbarkeit. Unterteil den Text einfach in wesentlich mehr Absätze. Am Bildschirm sind solche "Bleiwüsten" unangenehm für das Auge, weil es nur schwer Halt findet. Platz ist doch genug da :) Auch kann man die in Klammern gesetzten Bereiche "Kursiv" formatieren. Zum Inhalt schreibe ich auch noch was. Schön, dass die im letzten Artikel die Formulierung mit dem Pflaster gefallen hat. |
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Jaa, da könntest du recht haben! :-) Ist ein guter Tip und wird beim nächsten Text mit Sicherheit berücksichtigt.
Würde mich sehr freuen, wenn du auch noch was zum Inhalt sagen könntest, Kritik, Tips, Ideen, andere Sichtweisen immer erwünscht!!! |
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Ich hab ja gehofft, du würdest es schon bei diesem Artikel ändern :)
Geht über den "Bearbeiten" Button. |
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Oh, ja, wußte nicht, das das geht ... die Technik ist ja echt der WAHNSINN!
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Sodele, Auftrag ausgeführt ... so besser?
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Wunderbar, danke :)
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Liest du hier noch die Kommentare, oder soll ich besser auf deinen nächsten Artikel warten? Ansonsten schreibe ich noch was.
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Klaro lese ich die!
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Toller Beitrag. Vor allem der letzte Teil hat mir gut gefallen, weil du ein wenig aus dem Eurozentrismus ausgebrochen bist und nicht nur das Klischee von Afrika beschreibt.
Die Entwicklungshilfe ist in der Art in der sie stattfindet eigentlich ein Assimilationsvorgang. Aus unserer Perspektive erscheint es so als ob alle Menschen in der 3. Welt gerne Mercedes fahren und mit dem Bier in der Hand Sportschau gucken wollten. Wir sind es eigentlich, die sie arm machen. Auf einen Seite durch die kapitalistische Ausbeutung und auf der anderen Seite durch das verkennen ihrer Interessen und ihrer Kultur. Daher haben die afrikanischen Intellektuellen auch keine Lobby. Die Afrikaner wollen nicht ihre Heimat verlassen und nach Europa zu kommen, sondern sind meisstens durch den Klimawandel dazu gezwungen in hochseeuntauglichen Booten auf die Kanaren, Spanien (Festland) oder Malta zu fliehen. Wuerde die EU auch nicht Milliarden in den Grenzschutz stecken, dann haetten die meissten Klimafluechtlinge eine Chance lebend anzukommen. Nach Westwall kommt Suedwall. Vielleicht ein wenig uebers Ziel hinausgeschossen, aber ich konnt mir es nicht verkneifen. |
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Hey Dattel, dankeschön, freut mich total, dass dir der Text gefallen hat.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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