15.02.2009 | 12:31

MACHT am SONNTAG / zu einer Frage von J.A. am SAMSTAG

das thema MACHT ist so einfach und gleichzeitig so zentral, dass sich fast niemand - und schon gar kein medium - wirklich da herantraut. wir alle leben in einer physischen welt. in dieser herrschen mit aller MACHT kräfte, die wir in jahrhundertelanger forschung identifiziert haben: GRAVITATION, FLIEHKRAFT, u.v.m.. wir begreifen sie als naturgesetze, denen wir voll und ganz, mit haut und haar, unterworfen sind.

neben dieser welt der materie, der dinge, mit ihren naturgesetzen, leben wir menschen in einer welt der sinne, der gefühle und der des denkens. unser leben ist bestimmt von sinnen und fühlen, denken und handeln. in dieser welt unserer gesellschaft ist neben der MACHT der welt der dinge überall die MACHT der VERHÄLTNISSE präsent, die eine MACHT von Gefühlen über das denken und eine MACHT von denken über das handeln ist.

diese MACHT ist es, die die welt so zusammenhält, wie sie ist. diese MACHT ist überall, sie hält sich an keine kategorien wie POLITIK, KULTUR, ALLTAG (die rubriken des FREITAG). diese MACHT haben menschen qua geburt oder qua ausstattung oder qua gewalt, diese macht haben institutionen qua legitimation oder qua herrschaft oder qua gewalt.

wenn mancher von uns aus dem fenster auf die äussere welt schaut, verlässt sein blick bereits seinen direkten MACHTbereich, wo er oder sie herrscht, viellleicht über dinge, tiere, andere menschen, kinder, "partner". wenn so mancher anderer aus dem fenster schaut, geht sein blick über seinen oder ihren MACHTbereich mit seinen oder ihren mitarbeitern oder kollegen oder nutzern oder lesern oder wählern oder viele weitere möglichkeiten.

MACHT hält sich an keine regeln und MACHT ist überalll in und ausser uns. wenn wir ein bild sehen mit einem LOGO oder einem DESIGN oder einem VERSPRECHEN oder einer DROHUNG, dann ist dort schon die MACHT aktiv in und an uns. wir wollen dann vielleicht das neue AUTO oder den neuen XY oder die neue YZ oder wir mögen ihn vielleicht nicht, den nachbarn mit dem seltsamen bart oder den bäcker mit dem seltsamen akzent, weil er oder sie bei uns so belegt wurde, von der MACHT in uns, dass bei uns negative gefühle angesprungen sind.

die MACHT ist überall und sie treibt jeden von uns und viele von uns (auch ich und vielleicht auch J.A.) sind bewegt in ihren zielen auch von der MACHT.

MACHT in unserer gesellschaft erhöht oder verschafft diie CHANCE, für eine eigene absicht akzeptanz oder gefolgschaft zu finden. wer z.b. eine "linke" FAZ machen will, spürt, dass sie nah an der MACHT ist. eine FAZ kann (als nicht "linke) die welt so beschreiben, wie sie sich gibt, wie sie uns und allen ERSCHEINT. das kann sie mit TOP-schreibern tun, sie kann brillieren und verzaubern, allein: sie wird nichts bewegen zur veränderung, sondern nur zementieren oder bewegen zum verfestigen des status quo oder zum ausbau der MACHT.

eine LINKE wird dagegen eine KRITIK der MACHT versuchen müssen, ein blosslegen ein IDENTIFIZIEREN der MACHT und ihrer mechanismen. ich glaube, es war foucault, der von einer MICROPHYSIK der MACHT geschrieben hat und damit meinte, dass wir, solange wir die welt in den medien nur rezipieren, die welt so nehmen, wie sie scheint, wie marionetten auf den pfaden der MACHT unsere existenz abspulen lassen, die den MÄCHTEN und damit den MÄCHTIGEN immer mehr MACHT verschafft.

wir werden glauben, die welt verstanden zu haben, wir werden POLITIK treiben, KULTUR geniessen, ALLTAG leben. aber es wird immer nach den regeln der MMACHT geschehen, von der zeugung bis zum tod jedes und jeder einzelnen. solange wir uns der MICROPHYSIK nicht wiedersetzen, den SCHEIN und die AUSSENDARSTELLUNG der MACHT nicht grundsätzlich analysieren und in frage stellen und dagegen angehen.

es geht als um MACHT derjenigen, die der MACHT bisher nur unterworfen sind. für diese zwecke ein medium zur verfügung zu stellen wie den FREITAG, hiesse sehr mutig und sehr idealistisch zu sein. J.A. will, so hat er gesagt, jenseits des mainstream die welt aufnehmen und analysieren und kommentieren. deshalb sind wir hier und nehmen den faden auf.

wo die MACHT hinlangt, entsteht gegen jeden widerstand auf kurz oder lang entweder terror oder mainstream. mainstream (unserer demokratischen, medienvermittelten, europäischen welt) erscheint da auf den ersten und zweiten blick als die bessere und verträglichere alternative - solange es nur die zwischen dieser nivellierten konsumgesellschaft mit ihren zyklischen krisen und (hoffentliich nicht ebenso zyklischen) (oftmals kriegerischen oder mindestens gewaltorientierten) ausbrüchen und dem terror der armeen, gewalt- und geheimdienste, waffen-, drogen- und sexindustrien bis hin zu MENSCHENhandel, MENSCHENverachtung und MENSCHENvernichtung in lagern oder regionen im dienst der MACHT oder als auswuchs der MACHT gibt.

dagegen etwas zu unternehmen ist eine sache nur von gemeinschaft. das bedarf des tiefblicks, des austauschs und der aktionen. das zu koordinieren oder zu rekapitulieren oder auch nur zu kommentieren könnte sache (zusammen mit anderen) auch des FREITAG werden. dafür sollte - und das ahnt J.A. - der FREITAG ein becken für themen und sichten und analysen sein können, die quer liegen zu reinen SCHEINWEISE üblicher medien. da MACHT nun keiner rubrik sich unterordnet, sollte GEGENMACHT das auch nicht tun: GEGENMACHT oder gegenMACHT oder GEGENmacht sollte thema der POLITIK ebenso sein wie des ALLTAGS und der KULTUR.  POLITISCHE INSTITUTIONEN üben MACHT aus, im ALLTAG kommt MACHT überall in und um uns zum zuge, die KULTUR ist gewohnt, zunehmend industriell und damit ganz im sinn der MACHT zu spiegeln und zu verzerren, was MACHT eigentlich ist.

wie können WIR dagegen angehen, dass die MICROPHYSIK quasi naturgesetzlich uns durchdringt, verleitet, verhöhnt, unterjocht? ich weiss keine antwort. im FREITAG möchte ich sie mit anderen zusammen suchen können. heissen diese nun J:A., Juli, Kurz, Spiegelfechter oder auch S.E. wir haben nur 1 chance. diese aber bis zum ende dauerhaft.
 
cr. SONNTAGs 2009.02.15
 
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Nur mal so hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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