06.02.2009 | 10:04

mut zur veränderung

es ist Freitag, und (fast) niemand scheint da zu sein.
 es ist natürlich gut so, wenn alle, die es interessiert,
entweder gerade zeitung lesen oder an unserer zukunft arbeiten.
was mir aber doch auffällt: wenige derjenigen, die sich hier im freitag
registriert haben um beizutragen, zeigen gesicht (in form eines identifizierbaren
fotos). woran mag das liegen? was ich (bei mir) spüre, ist eine gewisse scheu,
in der (internet-) öffentlichkeit (linke) meinung und erkennbares gesicht
zusammenzubringen. wenn an diesem gefühl etwas richtig ist, dann
wäre es wichtig, es zu hinterfragen, zu diskutieren und
analysieren. scheuen sich manche von uns,
offen an die öffentlichkeit zu treten?
und wenn ja: was hat das mit
unserer gesellschaft zu
tuen?

cr 2009.02.06
 
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Kommentare
samstag schrieb am 06.02.2009 um 10:26
ja, so ähnlich ist es bei mir auch: ich habe jetzt gerade überlegt, ob ich nicht doch noch ein bild finde, auf dem man mich nicht gleich erkennt - denn will ich etwas sagen, dass mir politisch am herzen liegt, dann muss ich doch aufpassen, dass nicht jeder, mit dem ich geschäftlich zu tun habe, das gleich mitbekommt. ich denke mal drüber nach. gibt es andere meinungen zum thema bild?
suhelen schrieb am 06.02.2009 um 10:48
für mich war es sofort klar: ich bin links, ich stehe dazu, alle dürfen es wissen. diese lockere Einstellung mag daher rühren, dass ich bisher "nur" Studentin bin, allerdings bin ich nicht der Typ der sich versteckt.
Ich verstehe Berufstätige, die kein Bild von sich einstellen wollen, da sie in einer Firma arbeiten, die mit dem Wort "links" nicht unbedingt umschrieben werden kann. Würde ich bei der Bahn arbeiten und auf den Job angewiesen sein, würde ich mich wahrscheinlch auch hüten meine meinung mit einem bild von mir zu verbinden, Karriere adé!
rapp schrieb am 06.02.2009 um 12:00
Idee: macht eine (zunächst online, 4 mal im jahr auch print) rubrik: links aktiv. jeder, der sich dort einträgt, zeigt sein gesicht und macht einen vorschlag für eine konkrete aktivität, die links voran bringt. eine solche aktivität, wie diese hier. jeder freitag-leser könnte jeden der vorschläge aufwerten. es entstünde eine "freitagsliste" für demokratische, linke politische aktionen. es böte sich die möglichkeit, nicht nur leser zu binden, sondern auch leser zu aktivieren, gleichzeitig aus dem mainstream (siehe jakob augstein in berliner zeitung vom 5.2.2009) links auszuscheren. Na?
Aglane schrieb am 06.02.2009 um 15:53
Links hin, links her,
es ist für mich klar, dass ich für meine Meinung als Person einstehe. Dazu gehört, dass ich Nase zeige und die sitzt eben mitten im Gesicht.
Sollte ich Karriere machen wollen/können, dann muss ich mir überlegen, welche Prioritäten ich setze. Die Freiheit meine Meinung sagen zu können gehört für mich in die oberste Prioritätenkategorie. Dass ICH diese Meinung sage und nicht die Verantwortung dafür im Zweifelsfall auf mein alter Ego häufe ist mir wichtig.
Andere Meinungssager erlaube ich mir nur dann ernst zu nehmen, wenn sie mir eine Möglichkeit einräumen sie als Person zu identifizieren.
Damit spreche ich freilich niemandem das Recht ab, seine Identität für sich zu behalten, andererseits darf er dann selbstverständlich auch nicht erwarten, dass das was er von sich gibt allzu ernst genommen wird. Es sei jedem diese Form der Beliebigkeit gegönnt der sich eine persönliche Meinung nebst der dazugehörigen Konsequenz nicht leisten kann oder will.
samstag schrieb am 06.02.2009 um 17:02
das ist es doch gerade, aglane: solltest Du karriere machen wollen, dann würdest Du Dir überlegen, was die prio geniesst. sagst Du! da haben wir wohl ein problem identifiziert. gesicht zeigen in eiiner gesellschaft muss m.e. heissen, seine haltung und meinung und sein handeln in sachen, die wichtig sind, nicht von solchen prioritäten abhängig machen zu müssen. der das sagt, hat übrigens "karriere" bereits gemacht. deshalb, weil ich den konflikt auch in mir spüre, finde ich das thema so stellvertretend wichtig. was sagt dieses seltsame gespür für verbotenes oder gefährdendes über unsere politische verfassung?
nachdenklich. (und immer noch anonymisiert). s.
Aglane schrieb am 06.02.2009 um 15:55
entschuldige den Dooopplereffekt, ich übe noch in diesem Forum....
Anjuschka schrieb am 06.02.2009 um 18:01
Mich interessiert ganz ehrlich ein guter, mutiger und Haltung zeigender Inhalt eines Blogbeitrags. Da kann ich gut und gern auf ein Gesicht verzichten. Mit einem Foto von dem, der's geschrieben hat ... was soll ich damit anfangen. Wenn mich eine Meinung interessiert und anspricht, dann reagiere ich darauf mit einem Kommentar oder einer Email. Das ist doch wesentlich. Findest Du es mutiger, seine Nase hinzuhalten, als eine klare Stellungnahme zu beziehen?
samstag schrieb am 06.02.2009 um 18:43
ohne nase ist es keine stellungnahme, wenn man sich darauf verlassen können will. sonst ist es eben beliebige meinung. oder würdest Du Dich vor ein anonymes gericht stellen? das wäre wie bei kafka. ich denke (immer noch selbst anonymisiert - wer etwas dringend verändern will - und das ist heute immer noch links -, der sollte dazu stehen, mit der ganzen person. wenn er (wie ich) es noch nicht kann, dann fehlt auch noch was am wollen. so bin ich nur zeitvertreiber, kann ich auch fernsehen, oder? politik geht anders, nicht? c.
Aglane schrieb am 07.02.2009 um 12:00
Klare Position beziehen, Stellung nehmen zu etwas und dazu meine Nase hinhalten! So habe ich es gelernt, geübt und werde mich wohl auch als Alte Saeckin in diesen Dingen nicht mehr umstellen. Vielleicht ist das Verlangen nach weitgehender Anonymität eine besondere Erscheinung innerhalb der nachfolgenden Generationen. Mag sein, es sei jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil bin ja schon ganz froh, dass es Menschen gibt, die sich ÜBERHAUPT noch selbstdenkend mit politischen Fragen auseinandersetzen.
Gelänge es uns ein paar davon in politische Schlüsselpositinen zu befördern, könnten wir vielleicht ein paar der bestehenden Probleme besser resp. zukunftsorientierter anpacken. Wie auch immer Anjuschka, vielleicht haben ja die, die sich nicht allzu kenntlich machen wollen durchaus vernünftige und nachvollziehbare Gründe für diese Entscheidung, es sei ihnen unbenommen. Für mich gehört meine Person zum persönlichen Engagement, verstaubt vielleicht aber jedenfalls mein Weg.
rapp
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