26.03.2009 | 09:14

"schwerer freitag" am donnerstag

als freitag-leser der ersten stunden und internet-macher der ersten jahre
möchte ich angesichts des hier vielfältig diskutierten strauchelns des
"neuen" freitag eine hypothese wagen, ohne sie lang herzuleiten:

das "alte" medium zeitung lebt von der qualität seiner texte, schreiber
und rechercheure. dieses "alte" medium wird gelesen, weil die texte
gut sind und die leser das geniessen und würdigen.

das "neue" medium "user-generated internet" lebt von dem versuch seiner
macher, sich selbst im medium zu präsentieren. diese macher lesen die
beiträge anderer nicht primär, weil sie sie gut finden, sondern,
weil sie sich anhaltspunkte für eigene beiträge erhoffen.

die hypothese: wenn die "macher" der neuen medien (wie hier)
auf die texte der macher der "alten" medien stossen, wollen sie
das nicht würdigen, sondern für eigene beiträge nutzen.
dadurch entsteht ein negativer verdrängungswettbewerb
von egozentrik gegen relevanz in form von "ranking".

dieser widerspruch scheint mir grundlegend und immanent.

daraus würde folgen, dass ein herausgeber, der beides versucht:
"altes" und "neues" medium zu verbinden, in einer ausweglosen
lage einen prozess befeuert, der fremden zwecken dient.
diese zwecke könnten sein: die relevanz der inhalte zu relativieren,
die relevanz der formen (hier der technik hinter dem "neuen" internet)
zu überhöhen, letztlich die rezipienten an den versuch zu binden,
mit neuen formen geld zu verdienen, statt mit neuen inhalten bewegung
oder veränderung zu generieren.

donnerstag. cr
 
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Kommentare
cemb schrieb am 26.03.2009 um 09:26
An der ersten These hat sich nichts geändert seit dem wir alle um das Feuer herumsitzen: "das "alte" medium zeitung lebt von der qualität seiner texte, schreiber
und rechercheure. dieses "alte" medium wird gelesen, weil die texte gut sind und die leser das geniessen und würdigen."

An den folgenden zwei Thesen ist sicher ein Körnchen Wahrheit. Aber trifft das nicht auf viele Lebensbereiche zu und nicht nur auf den Journalismus?
m 1 schrieb am 27.03.2009 um 00:08
Vehementer Widerspruch. Die Gleichstellung von Bloggen = Egozentrisches Ausleben + Vorturnen des eigenen Egos ist gerade beim Publizieren im Internet nicht überlebensfähig. Jedenfalls nicht bei mir. Cliquenbildung meine ich damit übrigens nicht. Das Mantra ist Qualität.

Auch der Riecher der Community für 'von oben' herab ausgesäte 'Wahrheiten' ist im Internet stark ausgeprägt und kann dank Rückkanal, so vorhanden (!), ungefiltert geäußert werden.

Wo wir bei der 'Hypothese' zusammen kommen können ist die, vorsichtig gesprochen, ausgesprochen profilierte Schreibe mancher der neuen (Klein-) Publizisten. Wenn man allerdings den auf den ersten Blick übertrieben erscheinenden 'neuen' Schreibern folgt, dann relativiert sich die an den herkömmlichen abgeschliffenen Meinungsbrei gewöhnte Sicht schnell, ja ich bin geradezu dankbar für 'deutliche' Diskussionsanregungen.

Ich sehe eher zwei Apparate aufeinanderprallen. Den großen langsamen klassischen Verlagsapparat mit den vielen Köpfen und den vielen Vorteilen (Chefredakteur, Chef vom Dienst, Grafiker, Lektorat, Setzer, ...). Und den kleinen schnellen bissigen Internetpublizisten mit den vielen Hüten (!) und vielfältigen transparenten Input-/Output-Kanälen.

Ich als vielhütiger Schreiber, Fotograf, Microblogger, Werber, Techniker, IT-ler, Buchhalter etc. pp. kann mit diesem bräsigen Formularwesen des klassischen Verlagsapparats nicht mehr viel anfangen. Ich muss in den heutigen Zeiten micropublizieren und microarbeiten um microgewinn zu aggregieren. Dieses zentralistisch gesteuerte Ding hier ist für mich zeitraubendes Hobby, und zwar wie häufig schon geschrieben ein masochistisches.

Ich finde Herr Augstein holt sich jetzt mal @cemb als diplomatischen Berater ran und der stellt eine praktische task force zusammen. Und nicht immer dieses um den heißen Brei herumreden.
rapp
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Logbuch
18:07
Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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doimlinque hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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antares56 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Nur mal so hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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