raspakaback

rest in pieces

09.02.2009 | 23:19

Porsche jetzt noch billiger

Wegen des großen Medienrummels um Guido Westerwelle fanden zwei Themen in der deutschen Presse keine Beachtung: Der Regierungswechsel in den USA und die Abwrackprämie. Der neue US-Präsident heißt Barak Obama und auch über die Abwrackprämie sollten alle bescheid wissen, es geht dabei um die Umwelt.  

Wer sein Auto verschrottet und ein neues kauft, dem schenkt Angela Merkel 2500 Euro. Ich wollte mal wissen, ob das auch stimmt, und habe das Gesetz getestet.  

Erstmal nahm ich eine Aspirin, denn der Gesetzgeber stellte mich vor eine schwere Entscheidung. Welches meiner acht Autos sollte ich zum Schrottplatz bringen? Ich entschied mich schließlich für einen Rolls Royce Phantom II Continental Sports Saloon, Baujahr 1934. Der Wagen gehörte früher dem König von England. Mein Modell war weltweit das letzte aus der Baureihe. Selbst wenn das Auto völlig aus der Mode war, hing mein Herz irgendwie daran. Menschen ohne Faible für Autos verstehen das nicht, ich weiß. Doch letztlich fiel mir die Wahl leicht. Denn obwohl der Rolls Royce auf den ersten Blick in einem perfekten Zustand war, entdeckte ich auf der Innenseite des Reserve-Rads einen 2 Millimeter langen Kratzer.  

Auf dem Hof des Autoverwertungs-Betriebs in Hohenschönhausen war ich der einzige, der in einem schrottreifen Rolls Royce vorfuhr. Man glaubt gar nicht, was die Leute da für Perlen abliefern, von Nissan Micra bis Ford Ka war alles mit dabei. Aber gut, muss jeder selber wissen, was er tut. Der KfZ-Meister war von der ganzen Abwrack-Hysterie schon ziemlich mitgenommen. Als mein silberner Rolls in der Schrottpresse quietschte, und die vergoldete Kühlerfigur ("Spirit of Ecstasy") knallend zersprang, fing der Mann an zu weinen. Dass die Jungs auch mal Urlaub brauchen, daran denkt mal wieder keiner.  

Jedenfalls hatte ich jetzt alle nötigen Papiere zusammen und fuhr mit der Straßenbahn zum Bugatti-Händler nach Mitte. Ich interessierte mich für den Bugatti Veyron mit 1001 PS. Ein schlechtes Gewissen hatte ich dabei nicht. Das italienische Fabrikat gehört zur VW-Familie - Bugatti kaufen heißt auch Arbeitsplätze hierzulande sichern.  

Der Verkäufer behandelte mich nicht wie einen Kunden, sondern wie einen Freund. Er sagte, mit dem Kauf des Veyron würde ich den Jahresumsatz seines Ladens auf 1,2 Millionen Euro hochschrauben – so viel kostet das Auto. 

Hatte ich das Modell bisher für überteuert gehalten, geriet ich nun dank der Abwrackprämie in Kauflaune. 1197500 Euro - so ein Schnäppchen kommt nie wieder, dachte ich mir. Der Sales Manager und ich waren uns schon handelseinig, da kam plötzlich der Schock. Ein letzter Blick in die Papiere offenbarte: Der Bugatti Veyron erfüllt nur die Abgasnorm E5. Zum Absahnen der Abwrackprämie braucht man aber die Abgasnorm E4.  

Als ich sagte, ohne Abwrackprämie könne ich mir den Veyron beim besten Willen nicht leisten, fing der Bugatti-Verkäufer an zu weinen. Leider hatte ich alle meine Taschentücher schon dem Schrottplatzmeister gegeben. Stattdessen kramte ich aus meiner Hosentasche ein paar isländische Bankaktien hervor, aber dem Verkäufer war nicht mehr zum Lachen zumute. Gute Laune verbreitet die Abwrackprämie schon mal nicht, notierte ich in mein Gesetzes-Test-Protokoll.  

Enttäuscht kaufte ich mir dann ein Öko-Mobil, den Porsche Cayenne, den inzwischen jeder fährt. "Die Ökospießer im Kanzleramt wissen schon, wie man mir den Tag versaut", regte ich mich im Porsche-Showroom noch fürchterlich auf.

Inzwischen weiß ich, es kommt alles noch dicker:

Auf dem Weg zum Lidl um die Ecke fahre ich immer mit Tempo 120 durch eine verkehrsberuhigte Zone. Ich kauf dann da zweimal täglich Napoli-Sauce und Cabinet-Zigaretten. Jedenfalls, als heute die Wochen -Abrechnung aus Flensburg kam, was mussten meine entsetzten Augen da feststellen? Die haben die Bußgelder erhöht!  

Mein Fazit zur Abwrackprämie fällt daher eher durchwachsen als saublöd aus: Eine Mogelpackung! Nett gemeint, aber über das Ziel hinaus geschossen! Ich hup Euch was! .
 
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raspakaback
Entscheider, der den ganz en Tag für den Lebenslauf lebt. Nicht dick aber auch nicht dünn. Weder groß noch klein. Meistens leise, noch öfter laut. Schwäche: Kann sich nicht entscheiden.
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