raspakaback

rest in pieces

04.02.2009 | 16:28

Sie arbeiten kommunikativ, organisiert und zuverlässig?

...dann bestimmt nicht in einer Personalabteilung.
 Jüngste Erfahrungen zeigen: Wer sich bewirbt, erzeugt oft Stille. Eingangsbestätigungen, Absagen oder gar die Zurücksendung von Bewerbunsunterlagen sind aus der Mode. Unternehmen stellen lieber irgendwen ein, und schweigen die restlichen Bewerber an. Warum sollten sie denen auch Bescheid geben? Die sitzen doch eh nur zu Hause rum und warten, dass jemand auf ihre Bewerbungen antwortet. Die sollten sich lieber mal einen Job suchen.

Ratgeber raten Bewerbern, sie sollten sich über den Arbeitgeber informieren, bevor sie sich bei dem bewerben. Sie sollten persönliches Interesse zeigen. Umgekehrt gilt das nicht. Arbeitgeber brauchen sich nicht für ihre Interessenten zu interessieren, es sei denn sie stellen einen von denen ein. Sollten Unternehmen eine Absage zustande bekommen, schreiben sie deshalb auch schon mal:  "Lieber Frau Klaus Müller, ..." Zum Texten solcher Sätze suchen Unternehmen ständig hochqualifiziertes Personal mit einem sicheren Gespür für die deutsche Sprache.

Unter großem Zeitdruck zuverlässig und schnell zu arbeiten, ist für Bewerber selbstverständlich. Sollten sie aber in einer Personalabteilung anfangen, können sie erst mal enstpannen. Hier kann man sich mit der Arbeit schon mal ein Jahr Zeit lassen, wenn es sich zum Beispiel um eine Absage an einen Bewerber handelt. Sollte eine Bewerbung in einer Flut untergehen, ist es halb so schlimm. Die nächste Welle kommt bestimmt.

Auch vor Einstellungen brauchen sich Personaler nicht zu fürchten. Die Anfänger sind garantiert flexibel genug, sich innerhalb von zwei Wochen ein Auto zu kaufen, in eine neue Stadt ziehen, eine neue Wohnung zu mieten, und ihre Selbstständigkeit vorzutäuschen.

Es soll allerdings inzwischen Bewerber geben, die sich die Unternehmen merken, die sie mies behandelt haben. Diese Bewerber schreiben sich dann eine geheime schwarze Liste, und planen Rache zu nehmen, wenn sie eines Tages berühmt und mächtig sind, und über Millionen-Etats entscheiden. Ihr Vorbild ist der Graf von Monte Christo und ihre Hoffnung ist die Revolution der Generation 2.0. Allerdings sind solche Bewerber nur Spinner, die unter Pseudonym in irgendwelche Blogs schreiben.

Am Ende noch ein kleiner Rat an große Unternehmen. Schreiben Sie eine Stelle, die Sie bereits intern vergeben haben oder die einem Sohn, einer Schwester oder einem Neffen von irgendwem versprochen ist, nicht allzu öffentlich aus.  Es reicht, wenn sie die Anzeige einfach im fünften Stockwerk ihres Hochhauses an eine Pinnwand pinnen, so macht es zum Beispiel ein großer Berliner Verlag. Der Vorteil: Niemand kommt ernsthaft auf die irre Idee, sich zu bewerben.




 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
hneu schrieb am 07.02.2009 um 16:37
Anruf letztens bei uns:

(Telefon klingelt)

K: Ja, hallo?
Sekretärin: Guten Tag, hier ist die Kardiologien des (Piep)-Krankenhauses. Sie haben sich bei uns um eine Stelle beworben.
K: Ja, aber …
Sekretärin: Ja, ich weiß. Is` wohl schon was her.

K: Äh, ja … (überlegt) … etwa eineinhalb Jahre.
Sekretärin: Oh, jetzt sehe ich das auch. Eineinhalb Jahre … (Pause) … äh … das ist wirklich schon etwas länger her.

K: Ja.
Sekretärin: (Schon etwa peinlich berührt) Haben Sie denn noch Interesse an der Stelle?

K: Nein, eigentlich nicht.
Sekretärin: Wollen Sie die Unterlagen dann wieder?

K: Ich arbeite seit gut einem Jahr in einem anderen Haus als Assistenzärztin.
Sekretärin: Die waren wohl schneller als wir.

K: Ja.
Sekretärin: Ja, ich schicke Ihnen die Mappe dann zurück.

K: Das wäre nett

(…)

Die besten Antworten fallen einem natürlich zu spät ein. So wie: „Die Seiten sind aber noch nicht vergilbt?“. Oder: „Soll ich mich denn schon auf die Chefarztstelle in zehn Jahren bewerben?“
raspakaback
Entscheider, der den ganz en Tag für den Lebenslauf lebt. Nicht dick aber auch nicht dünn. Weder groß noch klein. Meistens leise, noch öfter laut. Schwäche: Kann sich nicht entscheiden.
Mitglied seit:
3 Jahre 16 Wochen
Zuletzt aktiv:
24.02.2009
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 6
Kommentare: 7
Mein Projekt:
Logbuch
18:22
ed2murrow hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:20
tlacuache hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:18
KarinL. hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:18
poor on ruhr hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:07
Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG