Internationale Georg Lukács Gesellschaft

Unruhe im Lukács-Archiv

18.01.2011 | 21:58

Unruhe im Lukács-Archiv – im Umfeld der aktuellen Ungarn-Debatten

Soll das Lukács-Archiv eliminiert werden?

Äußerungen des ungarischen Philosophen, Dissidenten und Òrban-Opfers G.M. Támas lassen Schlimmes befürchten und die Rede vom "Amoklauf" gegen das Archiv realistisch erscheinen.

In einem ND-Interview äußert Támas am 5.2.20211 auf die Frage:

 Wie steht es um das Lukács-Archiv in Budapest? Man hört Alarmierendes.
Támas: Es ist klar, die heutigen Machthaber wollen es gänzlich eliminieren, können sich im Augenblick jedoch keinen neuen Skandal leisten. Dessen ungeachtet fahren sie in der Verfolgung linker und auch liberaler Philosophen – manche sind alte Lukács-Schüler – fort. Das ist furchtbar, wirklich alarmierend.

Der Protestbrief  der Internationalen Georg Lukács-Gesellschaft findet inzwischen breite internationale Unterstützung von Wissenschaftlern, Autoren und auch Politikern. Hier die aktuelle Liste der Unterzeichner:

Unruhe im Lukács-Archiv – ein Politikum im Umfeld der aktuellen Ungarn-Debatten? Eine dringliche Anfrage

 

 

 

Unterzeichner:

 

Stand 3.2.2011

 

 

 

Christoph J. Bauer                      1
Stefan Bollinger

Peter Brandt

Britta Caspers

Sarah Dannemann

Ulrich Dannemann

Frank Engster

Tobias Feier

Iring Fetscher

Wolfgang Gernert                   10

Michael Th Greven

Erich Hahn

Timothy Hall                             

Frigga Haug                             
Wolfgang Fritz Haug              15       

Wladislaw Hedeler

Christoph Henning
Axel Honneth                            

Jochen Hoock

Frau Hoock                             20

Christoph Jünke                        

Werner Jung                             

Jörg Kammler

Konstantinos Kavoulakos

David Kettler                          25

Heinz Kimmerle                     

Richard Klein                       
Manfred Lauermann

André Leisewitz

Michael Löwy                       30

Judith T. Marcus                    

Denis Maier                            

John Matina

Jürgen Meier                         
Thomas Metscher                    35
Jean-Pierre Morbois               

Marcello Musto                      

Michael Nerlich

Matthias Oehme                      

Vesa Oittinen                            40

Guido Oldrini

 Antonia Opitz                                             

H.-C. Rauh                              

Michael Roth

Helmut Scholz                        45

Werner Seppmann                 

Robert Steigerwald                

Laurent Stern

Johano Strasser

Zoltan Tar                                  50

Nicolas Tertulian                  

Michael Thompson               
Miguel Vedda

Claudius Vellay                     

Bernd Wagner                          55

Holger Wendt                           

Herr Wiersing                       

Frieder Otto Wolf                      58



Michael Thompson wird den Aufruf in LOGOS (USA) publizieren.

 

Es wäre im Interesse der Sache und der Beteiligten, wenn Sie den Aufruf weiter verbreiten könnten.

Ihre/ eure Solidarität können Sie/ könnt ihr durch Ihre/ eure durch das Unterzeichnen der Anfrage bekunden.

 

Rüdiger Dannemann 

 



Unruhe im Lukács-Archiv – ein Politikum im Umfeld der aktuellen Ungarn-Debatten? Eine dringliche Anfrage

 

 

 

Die hiesigen Medien berichten in den letzten Tagen von einem Aufruf namhafter Künstler zu den jüngsten Entwicklungen in Ungarn. Der Aufruf ist Ausdruck der Sorgen über das Anwachsen von „Rassismus, Homophobie und Antisemitismus“, von „Ausgrenzung, Aggression gegen Minderheiten und Intoleranz“. Zu Befürchtungen Anlass gebende Entwicklungen gibt es wohl auch im Bereich der Kunst und der Wissenschaften. Die Internationale Georg Lukács-Gesellschaft ist beunruhigt über Berichte, die uns über Vorgänge im Lukács-Archiv  erreichen. Es ist die Rede von einem „Amoklauf“ des neuen Leiters des Philosophischen Forschungsinstituts der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA). Es sind – so hören wir - Entlassungen einer Reihe von Forschern in Aussicht gestellt bzw. bereits vorgenommen worden. Betroffen sind wohl Sándor Ferencz, Pál Horváth, Miklós Mesterházi, Gáspár Miklós Tamás. Dagegen regt sich Widerstand unter den intellektuellen Freunden einer vielfältigen philosophischen Kultur in Ungarn. Eine ungarischsprachige Petition gegen diese Entwicklung ist in kurzer Zeit von mehr als 1900 Personen unterzeichnet worden. Uns erreichen besorgte Anfragen nicht nur aus Ungarn sondern auch aus Deutschland, Griechenland, den Vereinigten Staaten.

 

Seit vielen Jahren arbeitet die Internationale Georg Lukács-Gesellschaft mit dem Lukács-Archiv in Budapest durchaus erfolgreich zusammen. Das Archiv ist für die wissenschaftliche Pflege und Erschließung des Oeuvres von Georg Lukács von entscheidender, auch internationaler Bedeutung.

 

Deshalb verfolgen wir die Vorgänge in und um das Archiv mit wachsender Besorgnis. Befürchtet wird, dass es nicht um fachliche Modernisierung geht, sondern dass die Vorgänge einen politischen Hintergrund haben. Es ist zu hoffen, dass Befürchtungen unbegründet sind, es werde die Demontage des unbequemen Lukács-Erbes angestrebt, d.h. auf längere Sicht die Eliminierung des Lukács-Archivs,  und mit dem Schlag gegen die Überreste der Budapester Schule die Einschüchterung der linksliberalen Intelligenz.

 

Wir wenden uns an Herrn Boros, den neuen Archiv-Leiter,  und den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften mit der Bitte um Klarstellung. Wir wiederholen: Georg Lukács` Werk bedarf eines funktionsfähigen und gut ausgestatteten Archivs, damit jene Arbeit geleistet werden kann, die die Lebensleistung des bedeutenden philosophischen Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts verdient und die international erwartet wird. Und die ist nur möglich, wenn verdiente und ausgewiesene Forscher ihre Arbeit fortsetzen können.   

 

 

Dr. Rüdiger Dannemann               Prof. Frank Benseler

(Internationale Georg Lukács-Gesellschaft)

  

Essen/ Paderborn   16.1.2011

 

 

Unterzeichner:

 

Stand 18.1.2011

 

Axel Honneth

Michael Löwy

Wolfgang Fritz Haug
Frigga Haug
David Kettler
Guido Oldrini
Michael Thompson
Timothy Hall

Heinz Kimmerle
Thomas Metscher

Stefan Bollinger

Konstantinos Kavoulakos

Wladislaw Hedeler

Christoph Jünke

Richard Klein
Matthias Oehme

Christoph C. Bauer
Denis Maier
Christoph Henning
Werner Jung
Britta Caspers
Bernd Wagner

Holger Wendt
Jürgen Meier

Michael Thompson wird den Aufruf in LOGOS (USA) publizieren.

 

 

 

 

 

 

 

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 19.01.2011 um 15:47
Danke für diesen Auf- und Weckfruf!

"Befürchtet wird, dass es nicht um fachliche Modernisierung geht, sondern dass die Vorgänge einen politischen Hintergrund haben. Es ist zu hoffen, dass Befürchtungen unbegründet sind, es werde die Demontage des unbequemen Lukács-Erbes angestrebt, d.h. auf längere Sicht die Eliminierung des Lukács-Archivs, und mit dem Schlag gegen die Überreste der Budapester Schule die Einschüchterung der linksliberalen Intelligenz."

Worauf gründet sich die Hoffnung? Rudi Dutschke dreht sich gerade fassungslos im Grabe herum.

Ist es nicht eher so, die EU Bude brennt, aber die Berantwortlichen in Brüssel wie Budapest ziehen sich aufs Prüfen des Grad der Brenzligkeit der Ungarn EU- Ratspräsidentschaft zurück?
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