1
]
Mit „Les Descendants“ geht das Projekt „Reconciliation“ am heutigen 21.Oktober in die Premiere. Das Hamazgayin Theater des staatlichen Theaterinstituts Armeniens liegt nur ein paar hundert Meter vom Platz der Republik im Zentrum Jerewans entfernt. Hier wird am Freitagabend die Uraufführung von „Les Descendants“ – „Die Nachkommen“ stattfinden. Die Inszenierung ist keine übliche Premiere. Sie ist das Ergebnis einer intensiven und umfangreichen internationalen Kooperation.
Über ein Jahr lang haben Künstler aus Armenien, Deutschland, der Türkei und Frankreich versucht, unterschiedliche Perspektiven auf ein sensibles Thema zu einem gemeinsamen Theaterprojekt werden zu lassen. Schon der Titel des Projektes weist auf die Schwierigkeiten hin. „Reconciliation“, so der französische Titel des Projektes, hat im deutschen mit „Aussöhnung“ eine nur annähernde Übersetzung gefunden.
Im Kern geht es darum, ob, und wie mit der Erfahrung des Genozids, mit den Verletzungen, den Tabuisierungen und der Schuld die Frage nach Zukunft miteinander formuliert werden kann. Selbstverständlich steht der Genozid an den Armeniern im Zentrum dieses Dialoges. Zum Entstehungsprozess des Stückes gehörten Workshops mit jungen Menschen sowie öffentliche Panels und Interviews in allen beteiligten Ländern. Ein internationales Leitungsteam hat versucht, die zwangsläufig extrem unterschiedlichen Beziehungen zu diesem Thema in unzähligen Dialogen herauszuspüren und diesen Prozess zur Grundlage ihrer Arbeit werden zu lassen. 
Dieser Prozess dauert bis in die Endproben. Seit 5 Wochen arbeiten die acht Darstellerinnen und Darsteller aus den beteiligten Ländern in Jerewan miteinander. Sie leben gemeinsam in einem Haus und entwickeln in sechs verschiedenen Sprachen mit dem Text und über ihn hinaus ihre Fragestellungen und Haltungen. Die Probebühne ist zugleich dramaturgische Zentrale. Bis zur zweiten Hauptprobe arbeitete hier die in Paris lebende, in der Türkei geborene Autorin Sedef Ecer ihr Manuskript immer wieder um. Auf der nachfolgenden Probe müssen dann die Texte in den verschiedenen Sprachen vorliegen.
Das Interesse der armenischen Öffentlichkeit an der Inszenierung dieses brisanten und komplizierten Themas ist verständlicherweise groß. Neben seiner Präsenz als zuvorkommender Gastgeber, als Darsteller auf der Bühne und als Intendant des Theaters, hat Vardan Mkrtchyan in diesen Tagen alle Hände voll damit zu tun, Interviews und Pressetermine zu koordinieren. Er tut es mit umwerfender Entspanntheit und Charme. 
Zwei Tage vor der Premiere ist die Anspannung im Team um den französischen Regisseur Bruno Freyssinet immens. Es wird fieberhaft gearbeitet. Immer noch gibt es viele ungeklärte Ablauffragen. Gegenwärtig ist das Schlussbild eines der entscheidenden der gemeinsamen Anstrengungen. Probleme mit der Elektrik im Theater machen dem Ausstattungsteam zu schaffen, das ein kompliziertes Geflecht von elektronischen Bildebenen mit einer eingeschränkten Beleuchtungsausstattung im Theater zu koordinieren hat.
Doch bei aller Nervosität merkt man den Beteiligten vor allem an, dass diese außergewöhnlich komplizierte Arbeit sie auch außergewöhnlich bereichert. Als das rund fünfzehnköpfige Team nach dem ersten Technikdurchlauf gegen halb zwei Uhr nachts nachhause kommt, hört man aus dem inzwischen völlig selbstverständlich sechssprachigen Dialog vor allem die Spannung und die Freude auf den nächsten Arbeitstag heraus.
Im kommenden Jahr wird die Inszenierung in Frankreich, Deutschland und der Türkei gezeigt werden.
|
|
Lieber recon Blogger,
Danke, und ich gehe davon aus, hier auch zu erfahren wann die Truppe durch Deutschland tourt. Ein fettes toi, toi, toi! Allerbeste |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen