Um nicht zu langweilen - mich selbst und die Leser die es nicht gibt aber vielleicht geben wird - fang ich nicht an den gesamten Kontext herbeizuschreiben. Der Kontext in abstrakter Form wäre zumindest das gesamte Netz von Praktiken, Ideologien und Organisationsformen einer großen deutschen Gemeinschaft im äußertsen Süden des Landes. Vor allem aber bestünde er zu weiten Teilen aus autobiographischen Elementen, aus der Erzählung unerträglicher Leere jugendlichen Lebens in der Provinz Südbrandenburgs und dem Glück die Möglichkeit eines anderen Lebens in der selben Jugend ganz konkret entdeckt zu haben. Er bestünde aus dem Nachvollzug von geistigen und - wichtiger noch - grundstimmungshaften Umbrüchen, ekstatischen Wahrheitsmomenten und dem fast wahnsinnigen Lachen über die Absurdität des alltäglichen Zusammenlebens das sich einstellt in Momenten intensiver Gemeinschaftserfahrung. Vor allem aber handelte es von einer ganzen Reihe von Liebesbeziehungen. Die mir auch heut noch am Herzen liegen.
Auch heute noch...
Aufgrund der Liebesbeziehungen und der Dankbarkeit für die intensiven, schmerzvollen und glücklichen Momente in diesem nach wie vor goßartigen Experiment möchte ich einen Modus der nicht (so ganz) einsamen Verarbeitung meines schleichenden Bruches mit dieser Gemeinschaft finden, der diese Gemeinschaft und die Menschen in dieser Gemeinschaft nicht in ein falsches Licht rückt, sie nicht reduziert auf den einen - aber für mich so wesentlichen - Konflikt um den es mir hier geht. Dieser Bruch vollzieht und vollzog sich auf einer Ebene, die, um Sprache zu werden, immer wieder auf philosophische Reflexionen zum Themenkreis von Subjektivität/Gemeinschaft/Ideologie zurückgreifen musste und muss. Ich will hier aber nicht objektivierend sprechen. Theorie soll an dieser Stelle nur als Brechstange dienen mit der der stumme Schmerz zum Sprechen gebracht wird. Ich werde dabei ausdrücklich nur solche Texte, Sätze, Reflexionen, Theorien aufrufen bei denen ich eine Solidarität mit mir, meinem Unbehagen und meinem Begehren spüre. Ich werde alles schreiben von dem ich denke, dass es dazugehört ohne mir die Mühe zu machen einen einheitlichen Text oder eine einheitlich um ein Thema zentrierte Folge von Texten zu produzieren. Ich will nicht arbeiten, ich will darüber sprechen. Und ich werde es unverständlich tun, werde die Gegenstände meiner Erfahrungsverarbeitung so anonymisiert wie möglich behandeln, dass niemand dabei all zu sehr vergewaltigt wird.
Immer in Solidarität mit der Subjektivität, dem Begehren, das sich nicht einfängen lässt nicht abschließend organisieren lässt, in Solidarität mit der tief erfahrenen Einsicht, dass es die perfekte Gestalt einer Gemeinschaft entweder nicht gibt oder aber diese Gestalt eine gebrochene, offene ist, dennoch nicht beliebig, andererseits in Solidarität mit der Erfahrung, dass der Einzelne ohne Gemeinschaft, der Einsame und sein Begehren aus lauter Resignation nach und nach erlischt.
Wenn es also einen Titel für die Nachforschungen und (Selbst-)Vergewisserungsversuche geben sollte, denen ich das nächste halbe Jahr auch im Rahmen einer Abschlussarbeit widmen werde, so wäre es:
Subjektivität und Gemeinschaft
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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