Ullrich Läntzsch

müll metamorphosen

18.02.2011 | 16:25

Der Fall des Dr. p. (plagiatus) G. als Chance

- oder vom geistigen zum physischen Müll

 

Wer seine Arroganz schon immer unerträglich fand, mag dabei die Ursache übersehen haben, seinen Minderwertigkeitskomplex. Spekulationen, die sich aus dem gegebenen Anfangsverdacht ergeben – wie entscheidend betrieb er schon früher Unterschleif, wie läßt sich der Text durchgängig auf englische Originalzitate prüfen, oder wer prüft eigentlich, ob es wirklich seine Arbeit war – mögen politisch verführerisch sein –, die darin liegende Chance den Kriegsminister loszuwerden ist verlockend, doch verstellt all dies den Blick auf eine gesellschaftlich wesentliche relevantere Chance!

Die Chance nämlich, den Fokus der Öffentlichkeit endlich einmal auf die mittelalterlichen Strukturen im Wissenschaftsbetrieb zu richten und daraus Konsequenzen ziehen – dies wäre in der Tat ein  lohendes Ziel.

Der Blick aufs schamlos praktizierte Ständerecht wird anhand der Überprüfung sichtbar, die die jetzt von der Bayreuther Universität vorgenommen wird. Ausgerechnet jene Institution, von der er einst den Titel erhielt, bleibt es nun vorbehalten, wie sie den Betrug werten will. Obwohl mit einer Aberkennung vor allem die eigene Reputation beschädigt wird. Davon ist vergleichbar viel zu halten, als würde die Lohnbuchhaltung von der Gewerkschaft überprüft. Die Chuzpe mit der im akademischen Betrieb ungebrochener Corpsgeist herrschen darf, ist in einer demokratischen Gesellschaft nicht hinnehmbar. Wer würde denn im Fall einer Aberkennung des erschlichenen Titels den größeren Schaden an wissenschaftlicher Reputation hinzunehmen haben. Der Polit-Popstar oder Universität? Wissenschaftlichen Rang und Namen beansprucht der Herr Noch-Minister meines Wissens nicht. Was hat eine Uni hingegen öffentlich vorzuweisen, als eben ihren Status akademische Anstalt? – richtig NICHTS! Wenngleich die Solidarität seines Doktorvaters menschlich durchaus verständlich ist, vorschnell, aller Vernunft trotzend daher zu plappern, die Vorwürfe gegen den Noch-Dr. seien absurd, beweist Befangenheit. Doch selbst wenn er sich hätte beherrschen können, der Grundsatz der Befangenheit von Betroffenen sollte ihm als Jura-Professor bekannt sein.  Eben dieser Grundbaustein jeder zivilisierten Rechtsordnung widerspricht der Struktur universitärer Selbstkontrolle in Gänze! Noch einmal, die Welt der Wissenschaft krankt an ihrem Festhalten von Grundsätzen der gesellschaftlichen Stufenordnung des Mittelalters – der Herrschaft der Stände, dem Prinzip der Ungleichheit aller Menschen. Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, in der Wissenschaft herrscht weithin ein vordemokratischer Ungeist. Ein Ungeist, für den der Adelige, der Edle, Hochwohlgeborene sich eben nicht vom gemeinen Volk richten lassen muß. Als Wissenschaftler ist man zwar per se noch kein Ade liger, aber etwas Besseres vermeintlich allemal.

Dem Internet sei dank gibt nun eine demokratische Alternative:  - zumindest für die Wahrheitssuche. Leider bleibt es dem Wissenschaftsbetrieb freigestellt, Konsequenzen zu ziehen, oder eben nicht.de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate

Nur sind die Selbstkontrollmöglichkeiten in der Welt der Wissenschaft nicht die einzigen vorvorgestrigen Strukturen. Sie sind nur die Spitze des Eisbergs! Der wesentliche Grund im Erhalt mittelalterlichen Ständedenkens ist schlicht das Geld. Denn – man muß es einfach einmal sagen – die Wissenschaft, natürlich nicht nur sie, ist und war es auch schon immer eine Hure. Nein, nicht  ausschließlich, Einzelbeispiele gibt es zu Hauf. Doch in ihrer gesellschaftlichen Funktion spielt menschlicher Anstand, Charakter, oder wie man es auch immer nenn mag, nicht die geringste Rolle. Denn immer findet sich fürs nötige Honorar versteht sich, ein Professor der im Dienst des Kapitals Unbedenklichkeitsbescheinigen erteilt – egal welches Verbrechen zur Profitmaximierung in kauf zu nehmen ist. Wer hätte denn vor knapp 25 Jahren beispielsweise auch nur einen Cent auf die Fortführung der Atomkraft gesetzt? Wie kann das sein, könnten sich nicht auch noch heute Politiker wie Merkel und Westerwelle auf Wissenschaftler berufend das Unschuldsmäntelchen umhängen, obwohl sie in Wahrheit als Verbrecher gegen die Menschlichkeit nicht vor der Verlängerung des atomaren Wahnsinns zurückschrecken.

 „Von ihren Städten wird bleiben, der durch sie hindurch weht, der Wind"       Bertolt Brecht

… über eine nuklear, biologisch und chemisch verseuchte Welt. Ob sie noch zu retten ist – verdammt, woher soll ich das wissen? Es nicht wenigstens zu versuchen, ist nackter, unmenschlicher Irrsinn. Was alles möglich ist, machen uns arabische Völker doch gerade vor. Warum also sollten wir nichts zu tun? Warum die Produktion von Atommüll weiterhin zulassen? Tonne für Tonne. Ein einziges Molekül Plutonium ist tödlich. Aber wir streiten übers Rauchverbot.

Klar, wer interessiert sich schon fürs Thema Müll? Sei es Atommüll, oder das, von dem wir tagtäglich glauben, es entsorgen zu können. Wir ersticken im Müll, doch wer will schon was dagegen tun … Klar, alles nur in den Wind gesprochen …

 

 
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Kommentare
Gold Star For Robot Boy schrieb am 18.02.2011 um 16:32
Danke, sehr gern gelesen.
Ullrich Läntzsch schrieb am 18.02.2011 um 18:35
Gern geschehen - war mir auch ein echtes Anliegen
Ullrich Läntzsch
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18:55
Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:50
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
18:49
Achtermann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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