Ullrich Läntzsch

müll metamorphosen

11.04.2011 | 17:18

DAS sein vor der atomforschung

Das sein, beschädigt, aber noch zu erkennen, am sonnigen Sonnabend Nachmittag vor dem Hort der Zauberlehrlinge.

O #8 - P1040131

Mein neuer Mitarbeiter, der das sein – warum auch immer – mit roher Kraft aus der Verankerung brach und mit großer Wucht das sein so weit er konnte in die Isar warf, schrieb so nur die Geschichte der Skulptur weiter. Erstaunlich gering der von ihm erzeugte Schaden am Objekt (#8 der Installation müll metamorphosen . 2 – Vorgeschichte siehe)

Nein, heißt ihn, den Unbekannten, keinen dem Bildungsprekariat entsprungenen Kunstbanausen. Nein, er fügte nur dem sein eine weitere Episode hinzu. Diese wiederrum verschaffte mir das kleine Abenteuer der Bergung. Unerheblich die Frage, was ihn im Detail provoziert haben mochte. Bedeutungslos seine Intention. Ebenso gut konnte man die Isar fragen, warum ihr Wasserdruck nicht reichte, das das sein hinweg zu spülen.

Dis Skulptur mit Algen, so wie ich sie zuvor aus der Isar fischte:

O #8 - P1040115

Was zählt ist das nächste Kapitel.

Dazu war ein wenig Mühe aufzuwenden ...

Das sein war auf dem Rad zu befestigen; dann ein kleiner Umweg, bei dem ich verkrampft in ungewohnter Haltung auf dem Rad sitzen mußte (um noch zwei Tage danach den Muskelkater zu spüren) ...

... doch diesen Preis entrichtete ich gern für dieses Bild:

O #8 - P1040120

 

Es handelt sich übrigens um das Rad, mit dem ich vor 5 Jahren – 20 Jahre nach Tschernobyl – auf der Achse des Bösen von Korsika über Kiew nach Olkiluoto fuhr.

Das wirkliche Ärgernis über die akademischen Schildbürger, die hinter solchen Schildern sitzen, ohne sich über den Sinn derselben Gedanken zu machen ...

ATOMschild - P1040134

...und vor allem: bis heute nicht begriffen haben, was ihre Aufgaben wären.

Die Büchse der Pandora haben sie geöffnet, die jämmerlichen Zauberlehrlinge – nun begreifen sie aber noch nicht einmal, daß sie die Geister, die sie riefen nicht beherrschen.

Ist es nach Hiroshima und Nagasaki, nach Harrisburg und Tschernobyl – und jetzt nach Fukushima ...

Ist es heute wirklich zuviel an menschlicher Vernunft gefordert zu verlangen, die Naturwissenschaft als solche unter die Kontrolle der Vernunft zu stellen?

Wenn nach 300 Jahren moderner Wissenschaft noch immer niemand entdeckt, was die Schwerkraft  verursacht, geschweige denn warum die atomaren Kräfte reagieren, wie sie reagieren; wenn da immer noch die kleinkindliche Freude am Entdecken der Existenz der Schwerkraft, am Staunen über die kolossalen Kräfte der entfesselten Atomkerne jede Vernunft verdrängt; wenn, anders gesagt, nicht die Radioaktivität das Wesen der Atomspaltung bestimmt, sondern noch immer die Illusion von der Nutzbarmachung des Nebeneffekts der dabei auch erzeugten Wärme – ja, dann muß man der Wissenschaft begegnen wie dem Kleinkind. Wenn der Schnuller beim Entdecken der Schwerkraft verschmutzt ist, wird er dem Kinde weggenommen.

 

 
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