Der Abbau, die Bergung einer Skulptur ist immer höchst erfreulich. Zwar gehören Verlust oder Beschädigung mit zum Konzept, doch schreibt sich mit jedem überlebenden Teil, dessen Geschichte unmittelbar fort. Dies freut mich. Daß mir so auch viel Arbeit erspart bleibt ist ein angenehmer Side-Effekt, vor allem wenn einem Knochen und Gelenke so ihre Probleme machen.
Ein kräftiges Hochwasser, dessen Schwemmgut sich noch an den obersten Stacheldrähten verhing, war mit all seinem Wasserdruck nur in der Lage, den Buchstaben b leicht zu verdrehen:
Das Objekt war also völlig überspült und für einige Zeit wohl nicht mehr zu sehen.
Wie ich schon im Blog über das Aufstellen von Objekt #16 nicht umhinkam, über das Auto als solches zu reflektieren, so auch beim Abbau. Dabei ist klar, es nützt nur schrecklich wenig, wenn man privat – so wie ich – kein Auto mehr besitzt. In jeder Ware, die man erwirbt, stecken in unserer Gesellschaft nun einmal auch mit Autos gefahrene Kilometer!
Der einzige Weg aus dem Dilemma liegt in einer Anwendung eines alten bürgerlichen Grundsatzes, dem Schadenersatzrecht. Es müßten für jeden Liter Benzin Abgaben fällig werden, um alle Schäden zu begleichen, die durchs Benzin verursacht werden. Angefangen von der Förderung des Rohöls, über die Klimafolgen, bis hin zu den vielfältigen gesundheitlichen Folgen, die all die Stoffe bewirken, die aus dem Auspuff in die Umwelt gelangen.
Dies müßte selbstverständlich global geschehen – dann würde sich der Autoverkehr wie von allein gewaltiglich verringern.
Allein, oh ja ich weiß, dies ist hier mal wieder nur in den Wind gesprochen. So wie meine Kunst, als hiddenART – dem Anschein nach – die Welt niemals verändern kann. Ja-ja, ich weiß ich bin nichts als ein Sandkorn. Nur ist es auch egal, welches Sandkorn es mal sein wird, das – weil es einmal genug davon geben wird – die Lawine auslöst, die all den alten geistigen Müll beseitigt, auf dem unsere Gesellschaft fußt.
So durchtrennte ich am Mittwochnachmittag durchaus zufrieden die acht Stahlseillitzen, mit denen ich meine Skulptur befestigt hatte und hinterließ den Ort dann, so wie ich ihn vorgefunden hatte.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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