Ullrich Läntzsch

müll metamorphosen

10.11.2011 | 13:09

Wollt Ihr die totale Freiheit?

Anläßlich einer speginnstischen – aber ja, speginnstisch, kommt von gespenstisch, doch es gibt ja keine Gespenster, wohl aber das Gespinnst, also – angesichts einer speginnstischen Debatte, bei der es erst um die GEZ geht, geht es schnell mit Hilfe eines Zuckerleins, dem allseitiger Gebührenbefreiung, im nächsten Schritt darum das öffentlichrechtliche Fernsehen insgesamt auszuhebeln.

Dies kommt just zu der Zeit, da eine andere Diskussion im Gange ist. Eine Diskussion, bei der es um wesentlich mehr geht, weil das Gesamtsystem durch ein Privatsystem gefährdet ist! – weil die gesamte Gesellschaft nämlich durch private Zockerbanden, in Gefahr geraten ist. In dieser Situation dient der legalisierten Kriminalität, vulgo globale Finanzdienstleister, alles, was den Gedanken diskreditieren könnte, Dinge von allgenmeinen Belang,  öffentlichrechtlich zu organisieren.

Zugegeben, nicht alle, die nun fleißig gegen das Zwangsystem der Öffentlichrechtlichen ins Feld ziehen, haben die Übersicht zu erkennen, wessen Geschäft sie da betreiben. Deshalb schreib ich diesen Blog.

Wäre es auch richtig, von mir, weil ich Frau Dr. Merkel als Kanzlerin für ungeeignet halte, weil ich so viele Punkte aufzählen kann, die hierzulande falsch laufen – vom fehlenden Mindestlohn, über die Freiheit für Bangster und die Abschaffung der Würde für so viele Menschen –, fordere ich nun die Abschaffung der Demokratie? – Nein, natürlich nicht.

Und wenn öffentlichrechtliches  Radio und Fernsehen mir auch immer wieder Anlaß geben, mich zu ärgern, ja, mich zu empören, so kann die Forderung doch niemals lauten, Freiheit für den totalen Kommerz!

Statt einem öffentlichrechtlichen System, die Freiheit der Konzerne zu fordern, heißt unmittelbar und direkt per Reklame, sowie durch PR wie Mauschelei, und obendrein durch legale Korruption, von nun an restlos ungestört und darüber hinaus sehr gezielt, die allgemeine Verblödung  zu betreiben – so etwas nennt man, das Kind mit dem Bad ausschütten.

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 10.11.2011 um 14:02
Ich will die tolle Freiheit...
Ullrich Läntzsch schrieb am 10.11.2011 um 14:08
Klaro, Freiheit ist toll.
KalleWirsch schrieb am 10.11.2011 um 14:16
Man könnte diese gespinnstige Debatte auch im Geiste der hochverehrten Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf "spunkig" nennen. Alle reden über dasselbe und keiner weiß worüber.

Das interessante an der Diskussion über das Öffentlich Rechtliche Fernsehen ist, dass niemand die Frage stellt, was Öffentlich Rechtliches Fernsehen per definitionem heute ist. Oder wie eine neue Definition gefunden werden könnte. Vielleicht sollte erst einmal geklärt werden, was der "Spunk" Öffentlich Rechtlich bedeutet, bevor man seine Existenz per Zwangssystem oder wie auch immer rettet.
Ullrich Läntzsch schrieb am 10.11.2011 um 14:28
Lieber Kalle,

Zwangssysteme sind natürlich etwas schrecklich Gruseliges. Und daß die Rundfunkgebühren besser verwaltet, zu besseren Programmen führen könnten, ist ja keine Frage. Ebenso wie die Gebühreneintreibung der GEZ zu wünschen übrig läßt, das alles ist doch nicht die Frage. Verbesserungsbedürftig ist da vieles.

ABER Du trittst doch nicht etwa im Ernst für die totale Kommerzialisierung des Fernsehens ein - oder doch?

Allerbeste
Ullrich Läntzsch schrieb am 10.11.2011 um 14:36
ps: Für ein von jeglicher Werbung befreites öffentlichrechtliches Radio und Fernsehen würde ich arme Künstler-Kirchenmaus sogar jederzeit mehr bezahlen!
KalleWirsch schrieb am 10.11.2011 um 14:59
"ABER Du trittst doch nicht etwa im Ernst für die totale Kommerzialisierung des Fernsehens ein - oder doch?"

Ganz im Gegenteil. Ich will nur wissen, was ÖR Fernsehen heute leisten soll und könnte. Und darüber redet niemand. Der Status Quo ist eine seltsame Mischung aus Kommerz und Staatsfernsehen mit Relikten früherer Tugenden des Bildungsauftrages (wie z.B. Deutschlandfunk)

Wenn es aber um Gebühren geht, die jede bezahlen soll, sozusagen als Gemeinschaft, dann muss doch definiert werden, was Öffentlich Rechtlich heißt. Diese Diskussion muss geführt werden. Die ARD ist der größte Auftraggeber für Daily Soaps in der deutschen Fernsehlandschaft. Was ist daran Öffentlich Rechtlich? Wozu die ganze Werbung, wenn dann doch derart quotenorientiert produziert wird? Was ist aus der kritischen Distanz zur Politik geworden, die mal Ideal politischer Sendungen sein sollte? Wieso soll ich zahlen für Staatsfernsehen? Das können dann auch gleich die dementsprechenden Lobbyverbände tun.
Aber meine Schlussfolgerung ist nicht die hin zum Kommerzfernsehen. Das ist eine Entwicklung die bereits lange weiterentwickelt wird. Ich wünsche mir ein Bildungsfernsehen, das den Namen verdient. Das heißt eben nicht nur noch Telekolleg Mathematik , sondern auch neue filmische Wege zu gehen, interessante Projekte zu fördern. KDD ist ein gutes Beispiel für gutes ÖR Fernsehen.

Das ÖR sollte einmal alle Bedürfnisse der Bevölkerung abdecken. Es gab auch schon immer seichte Unterhaltung im ÖR. Ich habe auch mit seichter Unterhaltung oder Trash TV an sich kein Problem, ich finde nur, dass diese Formate seit der Geburt des Privatwirtschaftlichen Fernsehens im ÖR fehl am Platze sind, da sie durch ihre hohen Profitraten im Privatfernsehen zuhauf schon vertreten sind. Das ÖR braucht einen neuen klaren Auftrag, eine gesetzlich verankerte Distanz zur Politik (als demokratisches Selbstregulativ). Diese Diskussion darum wünsche ich mir, auch wenn sie mindestens zwanzig Jahre zu spät kommt.
Ullrich Läntzsch schrieb am 10.11.2011 um 15:51
Lieber Kalle,

ABER ja, natürlich sollte eine Diskussion her über die Inhalte des ÖR. Mein radikaler Vorschlag, der völligen Freiheit von Werbung würde quasi automatisch zum Ende eines großteils der Sendungen führen, die nichts sind, als die Garnierung der Werbung, wobei die Werbewirtschaft z.B. über die ARD-Werbung Sales & Services GmbH unmittelbar Einfluß auch auf die Inhalte nimmt.

Auch die Frage, ob im ÖR den Quotenstars für ihre Eigenpromotion z.B. bei Wetten dass? dafür auchnoch Gagen gezahlt werden müssen, ist ebenso diskussionsbedürftig wie tausend andere Dinge.

Aber die heeren Ziele des Rundfunkstaatsvertrags:

ammm.eu/gesetze/rstv.html#para2a

...in ihren Sendungen die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Sie sollen dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer zu stärken. Die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten.

Richtig, da müßten sie eigentlich vieles ändern, und oder gleich absetzen.

Klar, und auch da stimme ich Dir voll zu:

Diese Diskussion darum wünsche ich mir, auch wenn sie mindestens zwanzig Jahre zu spät kommt.


Du hast noch mehr Punkte angesproch, auf die ich gerne eingehen möchte, doch muß ich jetzt offline gehen ...

Allerbeste - es lebe die Kunst & die Kultur
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 06:57
@Ullrich Läntzsch
Zwangssysteme sind natürlich etwas schrecklich Gruseliges.

Leute, wir sind umgeben von Zwangssystemen. Du sollst deine Karre alle zwei Jahre zum TÜV bringen und dann muß sie gewissen Mindeststandards entsprechen. Tust du das nicht, gibt es was auf die Finger. Scheißt dein Hund in den Park und du räumst das Zeug nicht weg, gibt es ebenfalls etwas auf die Finger, wenn man dich erwischt.
Normalerweise fällt der Zwang gar nicht weiter als Zwang, gar als Brachialzwang auf, weil wir uns meistens doch an die Regeln halten und, wenn wir sie verletzen, brav die Geldbuße zahlen. Täten wir das nicht, so bekämen wir eine Pfändung oder im Falle eines Bußgeldes sogar eine Gefängnisstrafe.

Ciao
Wolfram
Ullrich Läntzsch schrieb am 12.11.2011 um 11:31
Lieber Wolfram,

@Zwangssysteme

dabei geht das ja schon viel früher los mit dem verdammten Zwang! Man nehme nur den Zwang zum Atmen, der vom Körper mit brutalstmöglicher Härte eingetrieben wird.

Allerbeste, aus dem von der Sonne zwangsweise beschienen München, von einem zwangsweise Geborenen ... ich zwinge mich aufzuhören ...
Ullrich Läntzsch schrieb am 12.11.2011 um 11:33
ps: Danke
Joachim Petrick schrieb am 10.11.2011 um 16:46
Lieber Ullrich,

"....– so etwas nennt man, das Kind mit dem Bad ausschütten."

Die Gefahrenlage sehe ich ebenso heraufbeschworen, wie Du, weil jene Gesellschaftsgruppen, die gegenwärtig
"ausgewogen, austariert"
Intendanten, Beiräte der Öffentlich Rechtlichen Anstalten mit ihren Vertretern/innen besetzen, die da sind,
Parteien,
Kirchen,
Gewerkschaften,
Verbände,
Stiftungen,
angesichts der heraufdämmernden Zivilgesellschaft in der Fläche , in den Ballungsgebieten durch
"Occupy Bewegungen",
anstehenden Reformen dieser Öffentlich Rechtlichen Anstalten nichts mehr abgewinnen wollen, nun das Weite im Commerz mit und ohne RTL Herz
"Wer wird Millionär, wenn ja, wann ist der Nächste dran?"
suchen, indem sie das Kind "Öffentlich rechtlicher Rundfunk" fern voon zivilgesellschaftlichen Stunk, mi dem Bade ausshütten.

tshiao
Jochen
Ullrich Läntzsch schrieb am 12.11.2011 um 12:01
Lieber Jochen,

ja, so ist es die Welt ist widersprüchlich, und das ist natürlich unerträglich und dann kommen sie, die Heilsbringer, von wo auch immer, soweit so wenig verwunderlich. Merkwürdig fand ich nur, wie unterhier in der FC dem Deckmäntlelchen eines Freiheitskampfes gegen Zwangssysteme das Heil im gerade leckgeschlagenen Kapitalismus in Reinkultur sich FDioten tummeln

tschüü
Ullrich
Ullrich Läntzsch schrieb am 12.11.2011 um 14:29
ps: das hatte ich zum Thema schon anderswo gesagt:

Oh ja,
weg mit öffentlichen Wahn,
nur freies Fernsehn will ich ham,
weg dem Gebühren-Kack
ich will den bunten Werbelack
will endlich Marktwirtschaft wie fein,
knallt noch mehr Werbung rein,
mehr Krawall am Nachmittag,
mehr Idiotie weil ich es mag,
will mich nur an Unfug laben,
will nur noch Gejohle haben
weg mit ARTE-nix versteh,
weg mit der ganzen ARD,
weg mit sat3 und Kultur,
ich brauch meine Dröhnung nur,
her mit Reklame ohne End,
weil am End doch jeder pennt.
Ullrich Läntzsch
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