Ullrich Läntzsch

müll metamorphosen

25.09.2011 | 13:40

Zwei Staaten - wann & wie?

Auch wenn es mir so gut wie nichts bedeutet, ich bin ein Deutscher. Und wenn es um Israel geht, da kann und will ich nicht anders, als zwei Mal nachdenken, bevor ich etwas sage. Geschichte kann man nicht wegradieren. Was das jüdische Volk unter der Hitlerei in diesem meinem Geburtsland zu erleiden hatte ist auch heute mit Worten nicht zu erfassen. Wenn dies kalt läßt ist kein Mensch. So wie mich bereits der Gedanke an die Geschichte schmerzt, schmerzt mich der Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarn.

Aufmerksam höre ich zu, wenn darüber entscheidendes gesprochen wird. So höre ich wenn der palästinensische Präsident Mahmud Abbas vor der UN-Generalversammlung „betonte, dass das palästinensische Volk an einem Gewaltverzicht festhalte und Terrorismus in jeder Form verurteile. Verhandlungen seien das wichtigste Mittel, um den Konflikt beizulegen. "Hier erkläre ich, dass die PLO bereit ist, umgehend an den Verhandlungstisch zurückzukehren, auf der Basis der internationalen Abkommen und beim völligen Stopp der (israelischen) Siedlungen." Abbas fügte hinzu: "Unser Volk wird seinen friedlichen Widerstand gegen die israelische Besatzung und die Siedlungen und die Apartheidpolitik und die rassistische Mauer der Annektierung fortsetzen."“ [zitiert nach www.tagesschau.de/ausland/palaestinenser128.html]

Und da ich die Lage vor Ort sicher nicht so beurteilen kann, wie ein Israeli, lese ich als nächstes das, was der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut der gleichen Quelle an gleicher Stelle erwiderte. „Er forderte die Staaten auf, den palästinensischen Antrag nicht zu unterstützen. "Die Palästinenser wollen einen eigenen Staat ohne Frieden"“

Wer kann mir nun 1. helfen den Israelische Standpunkt zu verstehen?

Denn 2. kann ich nur fragen, was gibt es an den Worten von Abbas auszusetzen, bzw. was fehlt denn noch?

 
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Kommentare
Gustlik schrieb am 25.09.2011 um 17:58
Am Mittwoch gab Michael Lüders bei DRadio einen Einblick in die Materie: "Die palästinensische Realität wird ausgeblendet"
www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1559762/

Ansonsten scheint sich (momentan) nur die 2. Reihe für Palästina zu interessieren. Für die 1. Reihe der Community ist das auch kein Thema...
Rapanui schrieb am 25.09.2011 um 19:30
@ Gustlik

Wer gehört in die 1. Reihe der Community?
Ullrich Läntzsch schrieb am 25.09.2011 um 20:03
Lieber Gustlik, lieber Rapanui,

Ich wäre froh zu wissen in die 3. oder 4. Reihe zu gehören.

Will wir jetzt Tatort glotzen ein wenig Wein trinken und werde mir Ihren Link erst Morgen antun
Rapanui schrieb am 26.09.2011 um 07:13
@ Ullrich Läntzsch schrieb am 25.09.2011 um 20:03

Damit kein Missverständnis aufkommt: In der ersten Reihe sitzen vielleicht die Konsumenten von ARD und ZDF, sonst niemand. Und schon gar nicht hier.
Ullrich Läntzsch schrieb am 26.09.2011 um 13:12
Lieber Gustlik,

@ Michael Lüders

Dessen Argumentation klingt sehr einleuchtend. Ich würde nur gerne wissen, ob es neben ultrarechten Positionen in Israel auch noch andere, ernstzunehmende Kritik/Forderungen an die Palästinenser gibt, die die Staatsgründung zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen?

Allerbeste
Ullrich Läntzsch schrieb am 26.09.2011 um 13:37
Lieber Rapanui,

In der ersten Reihe sitzen vielleicht die Konsumenten von ARD

Sie geben mir die Gelegenheit hier am Rande zu diese schwachsinnigen Slogan Stellung zu nehmen. Wer hat schon im Wohnzimmer mehr als eine Reihe an Sitzplätzen. Auch alle anderen Sender sieht i.a. man vom selben Platz. Übertroffen wird dieser Blödsinn jedoch noch vom halbblinden ZDF dem ziemlich dämlichen Fernsehen. Aber unter den Blinden bleibt der Einäugige König.

Allerbeste
Gustlik schrieb am 25.09.2011 um 18:04
Ullrich Läntzsch schrieb am 26.09.2011 um 13:42
Lieber Gustlik,

Danke für den Link, allerdings kann ich mir die Fassung per Kopfhörer - englisch knallt ins linke Ohr und rechts rauscht leise das Arabisch - nicht antun. Ganz abgesehen davon, das es mir zu mühevoll wäre nun auch noch mitzuschreiben.

Allerbeste
Rapanui schrieb am 25.09.2011 um 19:24
Wir diskutieren das Thema doch regelmäßig. Letztens hier:

www.freitag.de/politik/1136-bedauernswertes-israel

Aktuell hier: www.freitag.de/community/blogs/j-ap/was-die-national-zeitung-so-beschaeftigt

Auf Ihre beiden Fragen zu antworten, hieße Sie für einen Standpunkt gewinnen zu wollen. Es bleibt Ihnen wohl nur die Mühsal, sich einzulesen.

Meine Antworten wären übrigens.

1. Niemand
2. Nichts
Ullrich Läntzsch schrieb am 25.09.2011 um 20:08
Lieber Rapanui,

Ihre Antworten entsprechen auch meiner spontanen Reaktion. Meine Fragen sollen nur meine Offenheit auf Antworten ausdrücken, die ich möglicherweise nicht kenne.

Interessant war auch durch simples googeln konnte ich den Original-Text des palästinensischen Antrags nicht finden.

Links hebe ich mir für Morgen auf, siehe oben

Grüße
Ullrich Läntzsch schrieb am 26.09.2011 um 15:33
@ Rapanui 19:24

habe beide Links überflogen, aber nichts Neues gefunden.

Nicht auf der Suche nach Antworten, die die pro-israelische Position authentisch darstellen.

Grüße
eykiway schrieb am 26.09.2011 um 01:31
Wie eine RATTE IN DER ECKE werden sie benutzen unsere Deutschen Wasserstoff Uboote mit den Fransösischen Atomsprengköpfen. werden fahren an jeden Strand um zu zeigen ihren Stand
6 Tausend Jahre währt der KAMPF so sagt die bibel.
lasst mich hoffen der Kampf der KULTUREN begann vor 5 tausend Jahren. aber nein das Ende ist nah 2012 das Jahr der Entscheidungen
Ullrich Läntzsch schrieb am 26.09.2011 um 13:08
Lieber eykiway,

das ist es ja gerade, es endet immer in Katastrophen, wenn Religionen sich aus den ihnen zustehenden Bereichen hinausbewegend, sich auf einander zu bewegen.

Keine Religion dürfte in irgendeinem Konflikt mitmischen dürfen. Vor allem nicht in Nahost. Das von Religionen dort zu verantwortende Grauen ist durch nichts zu übertreffen.

Allerbeste

ps: Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist. Und laßt gefälligst eure Religion, dort wo sie hingehört.
Ullrich Läntzsch schrieb am 26.09.2011 um 17:01
Die Antworten die ich suche, sollten in dem Geist geschrieben sein, wie ich ihn gerade auf Peter Nowaks Blog fand:

www.freitag.de/community/blogs/peter-nowak/in-erinnerung-an-juliano-mer-khamis

bewegend
Rapanui schrieb am 27.09.2011 um 07:27
Und jetzt haben Sie die Position der israelischen Politik verstanden?
Ullrich Läntzsch schrieb am 27.09.2011 um 09:54
Nein, das nicht,aber die gemeinsame Triebfeder, die die beide Seiten vor sich hertreibt, die Angst
Rapanui schrieb am 28.09.2011 um 21:02
@ Ullrich Läntzsch schrieb am 27.09.2011 um 09:54

Eine dürftige Erkenntnis. Außerdem falsch.
Ullrich Läntzsch schrieb am 30.09.2011 um 14:27
@ Rapanui schrieb am 28.09.2011 um 21:02

Dürftig und falsch ist, nach den Gesetzten der Logik ein Paradoxon. Egal.

Was wenn nicht Angst ist die Wurzel von all dem gegenseitigen Haß, der Wut des Zorns, der Unversöhnlichkeit? Denn es braucht schon tiefsitzende Wurzeln, um aus einer Empörung - mag sie noch so verständlich sein - die Energie erwächst um zu Gewalt zu greifen.

Fehlt dann auch noch die Empathie. Und findet man dann auch noch die Solidarität einer Gemeinschaft. Dann braucht man nur noch Waffen.

Wenn zwei sich auf Dauer streiten, dann liegt es nie nur an einer Seite.

Die Wahrheit ist nun einmal häufig dürftig.

Grüße anyway
Rapanui schrieb am 30.09.2011 um 18:27
Dürftig: Die Angst als Triebkraft der Entwicklung in Nahost zu bezeichnen ist zwar nicht völlig falsch aber nichtssagend.

Falsch: Weil die "Angst" als Hauptsache betrachtend, nicht über Macht, Herrschaft, Interessen, Geld gesprochen wird.
Ullrich Läntzsch schrieb am 01.10.2011 um 09:31
Lieber Rapanui,

nein, wenn ich über Angst als Triebkraft spreche, dann nicht um von Macht, Herrschaft, Interessen, Geld abzulenken.

Aber ohne diese Angst gäbe es nicht auf beiden Seiten die gleiche Situation: Menschen sind bereit Unmenschlichkeiten zu rechtfertigen, und zu begehen.

Die Frage ist doch, wie könnte Frieden geschaffen werden - und ganz klar, gegen die bestehenden Verhältnisse, die selbstverständlich durch Macht, Herrschaft, Interessen, Geld in Gang gehalten werden.

Der aller erste Schritt wäre eben die Einsicht, die Wahrnehmung der eigenen Angst, was allerdings erheblich leichter fällt, sowie man die gleiche Angst beim - eben nur vermeintlichen - Feind entdeckt.
Mit gegenseitiger Hilfe ließe sich die Angst auch überwinden. Zusammen mit dem auf beiden Seiten auch vorhandenem Wunsch nach Frieden würden die Mehrheit dort vor Ort, beiderseits, die Demagogen aller Couleur zum Teufel jagen, die unter der zynischen Ausnutzung der Angst die wahren Verantwortlichen für nahezu alles menschliche Elend nicht nur in dieser Weltgegend sind.

Grüße
Ullrich Läntzsch
Rapanui schrieb am 01.10.2011 um 15:43
>>>die Demagogen aller Couleur zum Teufel jagen, die unter der zynischen Ausnutzung der Angst die wahren Verantwortlichen für nahezu alles menschliche Elend nicht nur in dieser Weltgegend sind.<<<

Die Demagogen nutzen die Angst ja nicht nur aus, sie erzeugen diese. Die Angst ist Grundlage der Herrschaft. Die Bekämpfung der Angst ist ein MIttel, um die Herrschenden zum Teufel zu jagen. Die große Neuerung würde darin bestehen, nicht neuen Herrschenden erneut zu erlauben Angst zu produzieren.

Angst ist Mittel, keine Ursache.
Ullrich Läntzsch schrieb am 02.10.2011 um 12:13
Lieber Rapanui,

@15:43

Die Angst ist Grundlage der Herrschaft. Die Bekämpfung der Angst ist ein MIttel, um die Herrschenden zum Teufel zu jagen. Die große Neuerung würde darin bestehen, nicht neuen Herrschenden erneut zu erlauben Angst zu produzieren.

JA, darauf können wir uns einigen können.

Angst ist Mittel, keine Ursache.

Angst ist ein Herrschaftsinstrument, das aber eben nur deshalb funktioniert, weil es im Beherrschten die ursächliche Triebfeder bildet, die Herrschaft ermöglicht.

Grüße
Rapanui schrieb am 02.10.2011 um 21:26
@ Ullrich Läntzsch schrieb am 02.10.2011 um 12:13

Ich bin es immer noch nicht zufrieden.

Die Angst, von der Sie sprechen ist selbst schon ein gesellschaftliches Produkt. Dass diese so tief verinnerlicht ist, ist schon ein Ergebnis von Herrschaft.

Die leichtfertige und wohlfeile Behauptung, dass der Widerstand der Palästinenser "fanatisch und fundamentalistisch" sei, wäre daraufhin zu untersuchen, ob er eben nicht eine Überwindung der Herrschaft der durch das israelische Militär produzierten Angst ist.
Ullrich Läntzsch schrieb am 04.10.2011 um 13:14
Lieber Rapanui,

Ich bin es immer noch nicht zufrieden.

Detailierte Diskussionen sind für mich immer schwer in Ordnung.

Die Angst, von der Sie sprechen ist selbst schon ein gesellschaftliches Produkt. Dass diese so tief verinnerlicht ist, ist schon ein Ergebnis von Herrschaft.

Obwohl jeder Mensch sich sofort angesprochen fühlt und sich sicher glaubt zu wissen worum es geht, wenn das Thema Angst angesprochen wird, unterscheiden die Wenigsten zwischen den beiden Polen: so gibt es nicht nur die Angst, die uns als hervorragendes emotionales Instrumentarium vor realer Gefahr warnt, als auch das krankhafte, irrationales Phänomen Angst. Kompliziert wird es zum einen, weil, wenn wir von Angst sprechen, es selten mit der reinen Form von einer der beiden Arten zu tun haben und, weil darüber hinaus, auch kaum Wissen über die Entstehung von irrationalen Ängsten vorhanden ist.

Tief verwurzelte irrationale Angst ist ein Ergebnis von Traumatisierung. Wobei die originäre Angst auslösende Ursache, eben weil sie als zu dramatisch empfunden wird, sich dem Bewußtsein entzieht. Was dann anstelle einer – beispielweise – kleinkindlichen Angst vor dem Verlassenwerden ist nicht vorhersagbar. Da sich im Prinzip jede Bedrohung dafür eignet, kochen alle Interessenten an einer allgemeine Stimmung der Angst, mit drohenden Gefahren. Die reale Bedrohungslage spielt dabei keinerlei Rolle. So hat zwar seit 10 Jahren kein Terrorist irgendein Fluggerät zum Kamikaze-Flugzeug umfunktioniert, und so weiter und so fort, trotzdem gelingt es, die Angst vor einem Terroranschlag am köcheln zu halten.

Die leichtfertige und wohlfeile Behauptung, dass der Widerstand der Palästinenser "fanatisch und fundamentalistisch" sei, wäre daraufhin zu untersuchen, ob er eben nicht eine Überwindung der Herrschaft der durch das israelische Militär produzierten Angst ist.

Die Mehrheit auf beiden Seiten, das ist jetzt vielleicht spekulativ, aber davon bin ich überzeugt, will primär in Frieden leben.
Minderheiten auf beiden Seiten, und dies sind nicht diejenigen, die am stärksten objektiven Gefahren ausgesetzt sind, also die Zivilbevölkerung, auf beiden Seiten, sonder die, die Minderheit, die einen bewaffneten Kampf führen, wieder auf beiden Seiten werden Frieden schaffen. Sie sähen Gewalt und ernten nur Haß, wieder auf beiden Seiten.

Mir ist es egal ob ein Israeli im Hubschrauber sitzend auf den Hi-Tech-Knopf drückt, um eine Rakete abzuschießen, oder ob ein Palästinenser die seine, in einem Hinterhof zusammen gebastelte Rakete wie technisch unelegant auch immer abfeuert. Beide erreichen immer nur das Gleiche: Sie erzeugen, Angst, Haß und Gewalt.
Die Verkäufer des Kriegsgeräts sind die einzig wahren Profiteure.

Je länger ich darüber nachdenke, um so klarer sehe ich nur ein Lösung, eine utopische zwar, aber was sonst. Unter dem Schutz von UN-Truppen müßten, beide Seiten gezwungen werden, einen einzigen gemeinsamen Staat aufzubauen, mit den gleichen Rechten für alle die dort leben wollen, außer dem einen, vermeintlichen Recht, nämlich dem sich gegenseitig umzubringen.

Grüße
Ullrich Läntzsch schrieb am 27.09.2011 um 17:48
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