Rene Lindner

judgementcall

16.01.2012 | 09:44

Die Dialektik der Entzivilisierung

"Von den Funktionsprinzipien des ›flexiblen Kapitalismus‹ dazu aufgefordert, sich an nichts zu binden und auf sich drehende Marktwinde wendig und prompt zu reagieren, sind immer mehr Menschen genötigt, eine fragmentarische Identität auszubilden, die borderlineartige Züge trägt." // G. Eisenberg nach W. Seppmann "Die Dialektik der Entzivilisierung"

 www.ag-friedensforschung.de/themen/Gewalt/seppmann.html


Und für all diejenigen, denen so viele Fremdworte auf einem Haufen wie in dem Text von Seppmann Angst machen - einfach mal Dchungelcamp gucken und auf dieses behagliche Gefühl achten, das sich ausbreitet, wenn ihr dabei zuseht, wie C-Prominente sich für kleines Geld quälen lassen. Besonders schön zu sehen bei der waterboardingähnlichen Traktierung einer 19jährigen am Samstag. Die alte Logik von Brot und Spielen, die erkennen sogar Geistegrößen wie Dorothee Krings von der Rheinischen Post:"Und weil heute jedem der Abstieg droht, ist es wohl auch befreiend, über die armen Würmer zu lachen die nun Würmer verspeisen müssen."

Mit dem kleinen Unterschied, dass so eine weltweise Konservative natürlich über den Tellerrand schaut und hinzufügt:"Es wird im Dschungelcamp eine Lust an der Degradation befriedigt, die in unserer Gesellschaft schlummert in allen Schichten. Vielleicht ist es gut, dass sie sich im Fernsehen so harmlos entladen kann." Die Frau hat ja recht. Ist doch besser, wenn das Mehrwerterwirtschaftungsvieh sich das Dschungelcamp reinzieht, anstatt wie der lustige Anders aus Oslo auf Massenmordpicknick zu gehen.

Viel wichtiger als dieses ganze soziologische Fremdwortgequatsche ist doch: Da wird auf jeden Fall was gehen mit der Micaela und Ailton dem Kugelblitz. Die hat aber auch  nen geilen Arsch, mein lieber Mann. Hoffenlich gibts ne Prüfung, wo sie sich nackig machen muss und ihr Vogelspinnen über den Körper laufen.


 
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Kommentare
Lukasz Szopa schrieb am 16.01.2012 um 10:15
Wer Dschungelcamp guckt - aus welchen Gründen auch immer - ist ein lebender Beweis für die o.g. These. Wer es hingegen nicht guckt - ein Gegenbeweis.
Und warum soll es "ENTzivilisierung" sein? Glauben Sie tatsächlich, dass sich die Menschen in den 70ern oder 20er Jahren "kultivierter" oder "zivilisierter" ihre Freizeit vertrieben? Der Mensch braucht manchmal wohl solche "Ableiter", denken Sie an Freakshows, öffentliche Hinrichtungen oder einfach auch nur die meisten Slamstick-Komödien seit es Filme gibt.
Rene Lindner schrieb am 16.01.2012 um 11:09
Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Menschen in den 70er oder den 20er Jahren ihre Freizeit kultivierter vertrieben haben. Die Fernsehunterhaltung war sicher wesentlich weniger entgrenzt in ihrer Niveaulosigkeit. Es scheint mir zu einfach, dieses Bedürfniss nach "Ableitern" ähnlich wie Frau Krings als anthropologische Konstante zu sehen. Es gibt eine Bewegung hin zur Zivilisierung, das ist ja auch genau der Grund, warum das Zuschauen bei einer öffentlichen Hinrichtung inzwischen tabuisiert ist und warum feiernde, besoffene Amerikaner nach der bin Laden Exekution auf viele befremdlich wirken. Ich habe den Eindruck, dass die soziale und wirtschaftlich Entwicklung mit ihrem immer erbarmungslosen Druck auf den Einzelnen entzivilisierenden Tendenzen Vorschub leistet.
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