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Ein Gedicht geht um auf Ägyptens Straßen und Plätzen. Das Gedicht „An die Tyrannen der Welt“ des tunesischen Dichters Abu al-Quasim al Shabi, eine bittere Klage der Unterdrückten und Geknechteten:
Ihr ungerechten Tyrannen
Ihr Liebhaber der Dunkelheit
Ihr Feinde des Lebens
Ihr habt die Wunden Unschuldiger
Verspottet, eure Hände
Sind bedeckt mit ihrem Blut
Ihr gingt weiter, während ihr den Zauber
Des Lebens entstelltet
Und die Saat der Traurigkeit auf
ihrem Land sätet
Aber wartet! Lasst euch nicht vom Frühling,
des Himmels Klarheit oder dem
Glanz des Morgenlichts täuschen
Denn die Dunkelheit, das Donnergrollen
und der Wind kommen vom Horizont
direkt auf euch zu
Hütet euch! Unter der Asche brennt
ein Feuer
Wer Dornen züchtet, wird Wunden ernten
Ihr habt die Menschen enthauptet, und die Blumen der Hoffnung
Ihr habt den nährenden Sand mit Blut und
Tränen getränkt
bis er davon vollgesogen war
Der Strom des Blutes wird euch
Fortschwemmen und ein feuriger Sturm
wird euch verbrennen
Euch mutigen Ägyptern gehört die Sympathie der Welt, denn die tiefe Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit ist allen Menschen gemein, ob sie jemals dafür kämpfen mussten oder nicht. So hört denn auch diese Worte:
Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht:
Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
Wenn unerträglich wird die Last – greift er
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel
Und holt herunter seine ew’gen Rechte,
Die droben hangen unveräußerlich
Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst –
Der alte Urstand der Natur kehrt wieder,
Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht.
Schöner und treffender als Friedrich Schiller in seinem „Wilhelm Tell“ hat wohl noch niemand die westliche Naturrechtstradition in Worte zu fassen vermocht. Abu al-Qasims Gedicht endet mit der gegen die Tyrannen gerichteten Drohung: „Der Strom des Blutes wird euch fortschwemmen und ein feuriger Sturm wird euch verbrennen.“ Tapfere Ägypter, watet nicht im Strom des Blutes, sondern greift hinauf getrosten Mutes in den Himmel und holt herunter Eure ew’gen Rechte, die zugleich die Rechte jener sind, die Ihr bekämpft! Und lasst Euch nicht verführen von jenen, die da behaupten, nur im Osten gebe es Licht!
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Wunderschöne Gedichte. Zeitlos wahr .
Die Herrschenden aller Länder fürchten sich vor diesen ew`gen Rechten. |
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Das Gedicht von Abu...al Shabi hat viel Wärme und Weisheit, das mag ich sehr. Besonders die Sätze "wer Dornen sät, wird Wunden ernten!" und "unter der Asche brennt ein Feuer" klingen für meine Ohren wunderbar orientalisch.
Schillers Thyrannenschelte ist auch nicht schlecht und hats in sich, wenn auch etwas distanzierter und vernunftbetonter. Der Appell an die Ägypter macht durchaus Sinn! |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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