Robert Kalimullin

Blog von Robert Kalimullin

25.06.2011 | 19:28

Frauenfußball und Realsozialismus

 

Ich hatte nie das Glück, in einer sozialistischen Gesellschaft zu leben. Daher kann ich mir auch nur vorstellen, wie die fröhlich-optimistische Propaganda langsam zerbröckelnder Regimes auf die Menschen in einer solchen Gesellschaft gewirkt haben mag. Die Vorstellung, die ich mir davon mache, kommt aber dem recht nahe, was in den vergangenen Tagen und Wochen mal mehr, mal weniger subtil zur Propagierung der Frauenfußball-WM auf mich einprasselte.

Ich will an dieser Stelle gar nicht den Frauenfußball schlechtreden. Ich will nicht die Leistungen engagierter Trainer, Funktionäre und Spielerinnen anzweifeln. Und ich kann mir auch vorstellen, dass manch einer sich die WM-Spiele gerne ansieht. Nur: für die allermeisten Menschen in diesem Land ist die Frauenfußball-WM kein Ereignis, das auch nur annähernd an das Pendant bei den männlichen Kollegen heranreicht. Und sie wird auch durch noch so viel Vermarktung nicht zu einem solchen Ereignis werden.

Ich kann auch einen Indikator für die wirkliche Bedeutung der WM benennen: Ich besitze keinen Fernseher. Hätte ich einen, würde ich vielleicht in den kommenden Tagen durch Zufall oder aus Langeweile bei einem Frauenfußballspiel hängenbleiben. So aber sehe ich sehr bewußt Fußball: wenn mich ein Spiel interessiert, schaue ich es mir bei Freunden oder in der Kneipe an. Bislang hat mich aber noch niemand aus meinem Freundeskreis angesprochen, ob ich Lust hätte, gemeinsam ein WM-Spiel zu gucken. Im vergangenen Sommer war das anders: da wurden sonstige Termine um den Fußball herum gelegt.

Sicher, der Werbe-Zirkus rund um die WM bei den Männern hat noch ganz andere Dimensionen als das, was wir derzeit erleben. Doch es ist das Missverhältnis zwischen wirklichem Interesse und PR, das mir wie wohl vielen unangenehm aufstößt. Und so dem Frauenfußball vielleicht am Ende einen Bärendienst erweist.

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Baphomed schrieb am 25.06.2011 um 19:40
Hallo Kalimullin,

nur mal so am Rande bemerkt, Mäner Spielen Leichtathletik Fußball Frauen Technik Fußball nicht umsonst wechseln immer mehr Fans vom Männer zum Frauen Fußball. Das heute soviel PR wie du es nennst zuviel PR nötig ist liegt vorallem daran das der FF über Jahre in den Medien Verdammt wurde. Beschäftige dich mal mit den Siegener Fußballfrauen und Ihrer Geschichte dann siehst du das es sehr wohl eine Bewuste unterdrückung des FF gibt. Gegen selbigen die Fans schon seid Jahren aufbegehren. Davon ab ich habe schon 16 einladungen zum gemeinsamen Fußball schauen bei dieser WM. Vielleicht liegt dein Mangel an einladungen aquch an deiner Negativen einstellung zu dem Thema FF.

LLiebe Grüße
Baphomed
Echte Fußball Fans machen sich keine Sorgen um zuviel PR die wollen Fußball geniessen.
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 19:52
ohoh. baphomed, Du hast "unterdrückung" und "frauenfußball" in einem Satz erwähnt...wenn das jetzt mal keinen Ärger gibt...

nee von mir gibbet den nicht.

Diesmal warst Du übrigens schneller:-)
ebertus schrieb am 25.06.2011 um 20:00
@Baphomed

Vielleicht einfach mal etwas niedriger hängen...
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 19:48
Ich habe woanders schon geschrieben, dass ich glaube, dass es etwas mit dem Verhältnis von Nation und Geschlecht zu tun hat, wenn die Tränen bei der Männer-WM kullern.
Wobei ja auch der Fußball im Allgemeinen bei den Männern in den Massen emotionaler verarbeitet wird, als bei den Frauen.

Aber nun gut.

die Sache mit dem "keinen fernseher" kann ich ganz gut nachvollziehen. Ich besitze soetwas auch nicht. Aber dafür arbeite ich in einer Kneipe und wir zeigen die WM:-).
Magda schrieb am 25.06.2011 um 22:24
Bei mir kullern keine Tränen. Ich finde die meisten Fußballer hochkomisch. Wir gucken Fußball - ob Mann oder Frau - überhaupt nur noch, wenn Hoffnung besteht, dass die großklappige deutsche Mannschaft einen reinkriegt. Mir sind die alle unerträglich, die Spieler, die Trainer, die schrecklichen Kommentatoren und - absolut unerträglich - die Fußballfans. Es gibt eine ganz herrliche Performance, wo der Olli Dietrich den Beckenbauer gibt.



Diese Hybris - es jammert einen. Oder dieser FIFA-Chef, dieser Blatter. Das ist doch absolut unglaubwürdig. Wenn mich überhaupt was fasziniert, dann ist es das hier. Dieser Zidane - so ein herrlicher Kopfballspieler. :-))


Bei den Frauen bin ich nicht ganz so rabiat, aber nicht wegen der Geschlechterdebatte, sondern weil die nicht so aufdrehen, sondern eher Getriebene des Medienzirkus sind.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 22:40
Es ist eine sehr unschöne Taktik mancher Spieler, meist der Verteidiger, ihre Gegner mit abfälligen Bemerkungen zu provozieren, um deren Spiel zu beeinträchtigen.
So ein Spiel ist eine athletische Höchstleistung, die Spieler sind hochgradig erregt, das ist kein Spaziergang und keine gemütliche Bloggerei.

Materazzi hat Zidane, der algerischer Abstammung ist, gezielt beleidigt: Materazzi hielt ihn oft unfair am Trikot fest, Zidane, ein echt netter Mensch, ich habe ihn mal erlebt, fragte ihn scherzhaft, ob er ihm sein Trikot nachher schenken soll, weil er gar so dran zieht, dann hat Materazzi seine Mutter als Hure beschimpft, dann ist Zidane ausgerastet.

Also ehrlich, Magda, so wie Sie hier rumkritisieren, können Sie dem Zidane keinen Vorwurf machen: der hat im normalen Alltag weit mehr Humor als Sie.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 22:47
Materazzi war allgemein als Arschloch auf dem Platz bekannt. Zum Glück ist er jetzt in (Fußball)Rente, aber es gibt Nachahmer.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 22:51
Und wie sie auf die deutsche Nationalmannschaft losgehen, das ist ja wirklich übertrieben.
Hat Sie im Kasperltheater das böse Krokodil schon so geärgert ?
Magda schrieb am 25.06.2011 um 23:18
@ Hayek - Ich bin ein Fan von Zidane, Sie haben das völlig missverstanden. Schade, schade. Aber ich mag das Teutsche Nationalmannschaftswesen nicht. Vielleicht war ich missverständlich.
Magda schrieb am 25.06.2011 um 23:19
Und noch was. Ich verstehe ein bisschen was vom Fussball. Kann sogar die Abseitsregel. Also bitte.
Magda schrieb am 25.06.2011 um 23:21
Sie sollten nicht alles glauben, was Sie von mir zu wissen glauben. :-)) Feindbilder sind immer Scheiße.
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 23:35
Kasper vergoss in seinem Theater doch meist nur Krokodilstränen.

Materazzi soll übrigens etwas über Zidanes Schwester gesagt haben.

Ich glaube auch nicht, dass Magda "auf die deutsche Nationalmannschaft losgeh"t, wenn sie sich freut, dass die "einen reinkriegt" (wobei ich schon davon ausgehe, dass Du auf den Deckel kriegen und nicht ein Tor meinst, Magda?)...aber mir bereitet es auch alle zwei Jahre Wohlbehagen, durch eine ruhige Stadt nach Hause zu gehen und keine fahnenschwingenden "Deutschland Sieg" Chöre über mich ergehen lassen zu müssen...

das passiert bei diesen Events allerdings ja immer recht spät, weil die guten ja auch nihct so schlecht sind, ne:-)
Richard der Hayek schrieb am 26.06.2011 um 07:41
Ich hatte den Eindruck, Fußball und Nationalmannschaft und diverse Entitäten wären IHR Feindbild.
Wenn das ein Mißverständnis war, dann war es aber ziemlich schwer, das richtig zu verstehen.

Ich schlage ein Unentschieden vor.
Richard der Hayek schrieb am 26.06.2011 um 07:53
Eines der vielen Unentschieden auf dieser Welt.

www.youtube.com/watch?v=Tca-AkF2_6w
Magda schrieb am 26.06.2011 um 11:25
Jaja, is scho recht. Fußball ist ein schöner Sport.
ebertus schrieb am 25.06.2011 um 19:51
Gute Fragen, wichtige Reflektionen!

Das "Missverhältnis" wäre zu thematisieren, oder anders ausgedrückt: Ich interessiere mich nicht für Männer-Fußball und nun ebenfalls nicht für Frauen-Fußball; ist das schlimm?

Und eher grundsätzlich: Wenn über den Sport primär eine Eventkultur, PR und implizite Konsumanimation transportiert wird, dann läuft etwas schief. Falls sich politisch-nationale Überhöhung dazu gesellt, dann kann es gar gefährlich werden.

Besitze ebenfalls keinen Fernseher und mag Sport darüber hinaus als individuelle, bestenfalls kleingruppenbezogene Form der Gesundheitsvorsorge, des körperlichen sowie mentalen Wohlfühlens und/oder der Geselligkeit; mehr nicht...!

Btw. Der Bezug auf den "Realsozialismus" im Blog ist mir nicht vollkommen klar, aber möglicherweise habe ich hier selbst bereits einen Teil der Antwort beigesteuert.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 20:25
Ich habe 10 Jahre unterklassig im Verein selber Fußball gespielt.
Frauenfüßball langweilt mich. Intuitiv merkt man die ganze Zeit, daß sie viel langsamer sind, die Bewegungen wirken manchmal ungelenk, auch wenn sie von mir aus mehr technisch als leichtathletisch spielen. Auch wenn diese Frauen heute viel besser spielen als ich damals.
Wenn es ihnen gefällt sollen sie es natürlich tun, wem es gefällt soll es sich anschauen.
Diese Interpretationen, gesellschaftlichen und sonstigen Bezüge langweilen mich eigentlich auch. Was soll man rumkritisieren, weil sich weniger für Frauenfußball als für Männerfußball interessiern.
Das ist so wichtig wie der letzte Quantensprung.
Viel Spaß mit der Diskussion.
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 21:25
?
wie jetzt
?
mich interessiert das nicht. Trotzdem: in die Tasten hauen muss ich aber, um mitzuteilen, dass es mich nicht interessiert...
aha.

Da war wohl etwas zu viel Senf auf der letzten Bockwurst, oder wo kommt der her?
ebertus schrieb am 25.06.2011 um 21:35
@Richard der Hayek

"Diese Interpretationen, gesellschaftlichen und sonstigen Bezüge langweilen mich eigentlich auch."

Mich weniger, weil als plakatives, beinahe extrovertiertes Biotop für größere Zusammenhänge, gar gern Verschwörungstheorien immer gut, oder?
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 21:36
Ich habe kurz überflogen, mich aber nicht richtig reingelesen.
Aber meinen Senf wollte ich schon dazugeben, das ist richtig.
Also im wesentlichen, daß ich Frauenfußball wie auch Boxen uninteressant finde, aber ohne gesellschaftliche oder sonstige kulturelle Gründe, sondern aus direktem Empfinden: im Vergleich zu dem Hochgeschwindigkeits-Athletik-Fußball der Männer ist das unbeholfene Zeitlupe.
Da kann man mich bewerben und animieren wie Medium will.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 21:38
@ebertus
Das ist ein Aspekt.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 21:43
@luziefer
Das hat nichts mit Senf zu tun, ich bin halt eine vielschichtige Persönlichkeit.
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 21:56
Senf gibt es in verschiedenden ausführungen und kann durchaus auch geschichtet werden.

Durch Einrühren in eine Mehlschwitze und Verfeinerung mit ein bis drei Zutaten, kommt mitunter eine sehr leckere Senfsauce heraus.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 21:57
Das hat mir jetzt richtig gut getan. Danke !
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 21:58
"Das hat nichts mit Senf zu tun"

ich will ja keine Erbsen zählen, aber:

"Aber meinen Senf wollte ich schon dazugeben, das ist richtig."
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 22:00
Spaßiges tut öfter gut:-)
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 22:06
Das ist richtig -)
Magda schrieb am 25.06.2011 um 22:26
"Durch Einrühren in eine Mehlschwitze und Verfeinerung mit ein bis drei Zutaten, kommt mitunter eine sehr leckere Senfsauce heraus."

Genau und die gibts dann auf die Eier, stimmts? :-))
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 22:33
Sie sind ja richtig in Geberlaune: jeder kriegt jetzt sein Fett weg.
Magda schrieb am 25.06.2011 um 23:09
Eher in Bierlaune. Kommt nicht so schnell mehr vor in diesen ernsten Zusammenhängen. :-)
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 23:40
Magda...der Kommentar ging ursprünglich weiter mit: schade, dass ich seit Jahren keine Eier mehr esse, denn sonst gäbe es die statt Kartoffeln dazu...
und dann wurd ich nostalgisch, weil ich an Eier in Senfsauce von Mama denken musste..

und dann dachte ich: nee, das könnte missverstanden werden, wegen Eier in Sauce und so...
wwalkie schrieb am 25.06.2011 um 20:27
Natürlich haben Sie recht, Robert Kalimullin. Auch und gerade eine Frauen-WM ist ein Event, das im Kapitalismus Kapital hecken soll.Was sonst? Das geht nur, wenn die in Puma laufenden und schießenden Fussballerinnen Erfolg haben, was bedeutet, dass -oh Wunder - die deutschen Kickballerinnen ihre Matches gewinnen, was - oh Wunder - passieren wird. Und die Mädchen - pardon "Mädels" (BDFM, Bund deutscher Fußballmädels) - werden - oh Wunder - Fussballschuhe, Fussballtrikots, Fussbälle, Fussballtrainerinnen nachfragen, und die Medien - oh Wunder - werden den Wirtschaftsstandort Deutschland, der in China produzieren lässt, bejubeln. BILD wird jubeln ("So stark sind unsere Frauen!"), der Freitag wird problematisieren ("Dürfen wir unsere Mädels bejubeln?") - und Blatter wird seinen Kumpanen und den Medien mitteilen: "Hat sich doch bezahlt gemacht!", worauf die Medien titeln: "Frauen-WM - ein Sommermärchen in jeder Beziehung".

Bald werde ich es wieder erleben müssen, dass "die Fahne uns voran flattert" - Gott sei dank, in SchwarzRotGelb ... obwohl...
Magda schrieb am 25.06.2011 um 22:09
@ wwalkie - Das Ding mit den "Mädels" finde ich ehrlich unredlich.
Wenn Sie die gleichen Fragen, so zugespitzt auch auf eine Männer-Fussball- WM anwenden, dann wäre es o.k. Aber, nicht zum ersten Mal fällt mir auf, dass solche durchaus berechtigten Kritiken auf einmal losgehen, wenn Frauen im Spiel sind. Auf Frauen wird das transportiert, was allgemein-gesellschaftlich zu kritisieren wäre.

Anderes Beispiel: Seit es Debatten um eine Quotenregelung in Chefetagen gibt, finden sich Männer, die das Karrieresystem in dieser Gesellschaft problematisieren und, dass Frauen da mitmachen wollen für unbegreiflich. Das kann man durchexerzieren auch auf andere Bereiche und ist berechenbar, immer.
j-ap schrieb am 25.06.2011 um 22:46
»Wenn Sie die gleichen Fragen, so zugespitzt auch auf eine Männer-Fussball- WM anwenden, dann wäre es o.k.«

Dann bekommen wir Mitleser, die sich gelegentlich auch an schon längst Geschriebenes erinnern, wohl bald Ihr hochoffizielles Okay zu lesen, Magda.

Weil?

Weil: Fahnenleid - eine historische Elegie. Ein Beitrag von wwalkie, erschienen am 06.06.2010 um 8 Uhr 59.

»Aber, nicht zum ersten Mal fällt mir auf, dass solche durchaus berechtigten Kritiken auf einmal losgehen, wenn Frauen im Spiel sind.«

Und nicht zum ersten Mal fällt mir auf, daß das Gerücht, derlei gehe immer erst dann los, sobald Frauen im Spiele seien, in der Regel von denen zuerst in die Welt gesetzt wird, die es ansonsten immer mit der Gleichstellung gehalten haben wollen. ;-)
wwalkie schrieb am 26.06.2011 um 08:12
"Fahnenleid - eine historische Elegie". Kein schlechter Text. Und immer wieder aktuell.
Magda schrieb am 25.06.2011 um 22:13
Ja, na und? Warum Sie es für so wichtig halten, der Welt mitzuteilen, dass Sie sich für Frauenfußball nicht interessieren und auch noch von sich denken, Sie hätten das nun auch mal ordentlich beweisführt, das hat eine ziemliche Komik. Ehrlich.
Richard der Hayek schrieb am 25.06.2011 um 22:22
Sie haben eines sehr ernsten Blick.
Magda schrieb am 25.06.2011 um 22:28
Nee einen Silberblick, Sie sollten mich mal sehen.
Davon abgesehen - das ging gar nicht an Sie, sondern an den Blogautor. Macht aber nischt.
poor on ruhr schrieb am 25.06.2011 um 22:21
@Robert Kalimullin
Kein Fernseher?
Herzlichen Glückwunsch!

Herzliche Grüße

por
Nietzsche 2011 schrieb am 25.06.2011 um 22:47
Der Bezug zum Realsozialismus ist fehl am Platz - aber das haben ja schon Vorredner betont.
Ich denke, man sollte unterscheiden zwischen Frauenfußball als neuer (!) Sportart und der deutschen Vermarktung.
Frauen haben sich ja erst in den letzten Jahrzehnten viele "Männerdomänen" erobert bzw. sind dabei (Beispiel: Boxen). Und wenn sie es gut können, werden sie auch Zuschauer haben bzw. kriegen. Was mir nicht gefällt, ist mal wieder die deutsche Vermarktung - in den Medien sind wir ja praktisch schon Weltmeister. Und der "Playboy" sorgt dafür, dass Männer auch aus anderen - nicht sportlichen - Gründen die deutschen Frauen als die Besten einstufen.
Rahab schrieb am 25.06.2011 um 23:26
mann sollte wirklich unterscheiden:
zwischen frauen und fußball.
und zirkus.
und noch mal zirkus.
luzieh.fair schrieb am 25.06.2011 um 23:46
Übrigens: ich habe beim ersten Lesen der Überschrift gelesen: Frauenfußball und Resozialisierung...keine Ahnung warum...

Und ich dachte, dass der Blogautor Ärger für den ersten Satz bekommt;-)
ebertus schrieb am 26.06.2011 um 09:59
@luzieh.fair

Diese Lesart wäre möglich, gar plausibel gewesen; denn schließlich ist Sport grundsätzlich (auch) zur Resozialisierung geeignet. Mehr noch, gerade das Boxen brachte/bringt (drüben) den Underdogs noch eine gewisse Perspektive. Dass sich mittlerweile auch Frauen auf die Birne und in die Weichteile kloppen lassen, ist eher nicht so mein Verständnis von richtiger, notwendiger Gleichberechtigung.

Dann also doch lieber Fußball...
luzieh.fair schrieb am 26.06.2011 um 10:58
"Dass sich mittlerweile auch Frauen auf die Birne und in die Weichteile kloppen lassen, ist eher nicht so mein Verständnis von richtiger, notwendiger Gleichberechtigung."

Wieso?
Also anders: Was ist denn, oder bis wohin geht denn richtige und notwendige Gleichberechtigung? Und: sollte das Boxen nur für Frauen, oder generell verboten werden:-)?
ebertus schrieb am 26.06.2011 um 11:32
Nun halte ich @luzieh.fair, boxen bzw. "sich auf die Birne und in die Weichteile kloppen" nicht unbedingt für Sport. Das hat eher etwas von frühzeitlichen Gladiatorenkämpfen, primär adressiert an die niederen Instinkte der Zuschauer, oft der besseren Gesellschaft, einer unseligen Verbindung von Mob und Oberschicht.

Ob "das" generell verboten werden sollte, wollte ich spontan nicht gleich entscheiden, weil weder der arme Gladiator (auch weiblicher Natur) noch der verrohende Mittel- und Oberschichtler damit verschwindet, die Causa dann eher in den Dunstkreis der Hinterzimmer verlegt wird.

Zur (ggf. provozierenden) Frage nach der "richtigen und notwendigen Gleichberechtigung" und soweit nicht als reiner Fetisch transportiert halte ich es eher mit einem "opt-out" und die sog. christlich-abendländische Leitkultur muss dabei keinesfalls als Maßstab dienen.
luzieh.fair schrieb am 26.06.2011 um 11:48
Ja, das ist das Problem mit diesen Verboten. Sie "helfen" nicht, sie verschieben nur.
Naja, und Verrohung...ich ahne, was gemeint ist, aber so schlimm ist es wohl nicht.
"Roh" war die Menschheit schon immer und auch ohne Werbung und Massenmedien gab es sie. Die Mobbygruppen aus der Ober/Mittelschicht, die ihr Geld gerne dafür hergaben, dass sich das Proletariat polierte (als die Fresse).
Es gibt da ein paar Abhandlungen zur Freizeit- und Konsumgeschichte in der viktorianischen Gesellschaft, die das ganz gut darstellen.

"opt-out"...hm, wie ist das zu verstehen? Aussteigen, nicht mitmachen..bei was? Grundsätzlich würde ich sagen: gut (allerdings schlecht fürs "System") wäre, wenn keiner den Zirkus mitmachen würde, was als Forderung an die Gesellschaft aber etwas unrealitisch wäre.

und ja: etwas provokativ war die Frage schon gemeint, weil ich hinter der Idee von "guter" oder "richtiger" Gleichberechtigung immer interessante Positionen vermute, die dann (nach herauskitzeln) diskutiert werden können.

Schönen Tag erstmal, ich fahr jetzt ans Meer Luzieh
Robert Kalimullin schrieb am 26.06.2011 um 09:34
@ Magda: Die Tatsache, dass mich Frauenfußball nicht besonders interessiert, ist wahrscheinlich wirklich nicht von größerem Interesse. Das war aber auch nicht der Punkt. Mir ging es darum zu zeigen, wie übertriebene PR Widerwillen hervorrufen kann - auch und gerade bei jemandem, der dem Thema gegenüber nicht grundsätzlich negativ eingestellt ist, aber eben auch nicht besonders interessiert.

@ Nietzsche u.a.: Der Sozialismus ist eben für mich als westsozialisierten Bürger das erste Beispiel, was mir einfällt, wenn es darum geht, wie Propaganda offensichtlich in keinem gesunden Verhältnis zur Realität steht. Damit will ich nicht behaupten, dass die Werbung in unserer heutigen Gesellschaft besser wäre - man hat sich eben nur an sie gewöhnt und nimmt sie im Regelfall kaum noch war. Der Vergleich dient daher auch nicht dazu, irgendwelche Wertungen vorzunehmen, sondern will nur versuchen, ein Phänomen unserer heutigen Mediengesellschaft aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Robert Kalimullin schrieb am 26.06.2011 um 09:36
Dass hier noch mehr Menschen ohne Fernseher auskommen, freut mich übrigens ;-)
Magda schrieb am 26.06.2011 um 11:27
"Mir ging es darum zu zeigen, wie übertriebene PR Widerwillen hervorrufen kann - auch und gerade bei jemandem, der dem Thema gegenüber nicht grundsätzlich negativ eingestellt ist, aber eben auch nicht besonders interessiert. "

Tja, das hätten Sie freilich auch an der Werbung für Magnesiumtabletten nachweisen können. :-)) Kleiner Scherz.
BanaBab schrieb am 26.06.2011 um 10:38
@
ich bin so froh wen die Mädels (für Magda "die Frauen") von der Strasse kommen, wenn´s auch Fussball sein muss....besser wie jene die gestern Abend nebenan auf dem Lidlgelände Wodkaflaschen gelehrt haben. So hat Fussball auch was gutes wenngleich mir der unschuldig getretenen Ball immer leid tut:-(
Robert Kalimullin
Robert Kalimullin ist Autor des Reiseführers „CityTrip Krakau“. Zurzeit arbeitet er gefördert von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit an einer Publikation über die polnisch-ukrainische Fußballgeschichte.
Mitglied seit:
25.06.2011
Zuletzt aktiv:
26.06.2011
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 1
Kommentare: 2
Mein Web:
Logbuch
19:16
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:15
Nil hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:14
Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:10
Myriam Schäfer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:03
Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG