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Die Führung der nordrhein-westfälischen Linken hat nun ihren Entwurf zum Landtagswahlprogramm vorgelegt - und dabei zu großen Teilen eine misslungene und altbackene Synthese aus Vorstellungen marxistisch-leninistischer Gruppen, Industriegewerkschaften und SPD produziert.
Von Robert Zion
Sollten die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP im Bund abgeschlossen sein, werden selbstverständlich die Landtagswahlen 2010 in Nordrhein-Westfalen zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Wird die Regierung Merkel/Westerwelle bis dahin überhaupt noch Reformprojekte wagen, die die Wiederwahl von Rüttgers verhindern und die Mehrheit im Bundesrat kippen könnten? Wird es eine Rot-Grün-Rote Landesregierung in Düsseldorf geben, die die Selbstfesselung der SPD auf Bundesebene auflösen wird? Wo stehen bei alledem die Grünen, vor allem nach der Jamaika-Entscheidung im Saarland? Der nun vorgelegte Entwurf des Wahlprogramms der Linken in NRW lässt bereits erahnen, wie die Antworten auf diese Fragen aussehen könnten.
Planspiele aus dem sozialistischen Salon
„Zwei mal drei macht vier, widde widde witt und drei macht neune. Ich mach' mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.“ Der erste Satz könnte dabei für die Finanzierbarkeit dieses Programms stehen, der zweite für die diesem Programm zugrundeliegende Analyse. Dabei geht es noch nicht einmal darum, dass Wahlprogramme immer viel versprechen und nachher bei konkreten Koalitionsverträgen und Regierungsprogrammen dann die allgemeine Ernüchterung eintritt – dies trifft ja auch auf die FDP vor und nach dieser Bundestagswahl zu –, es geht darum, dass hier ein linker Funktionärskader aus dem sozialistischen Salon heraus an der eigenen Wählerschaft vorbeiphantasiert hat. Das geforderte „Recht auf Rausch“ hat sich dieser hier wohl erst mal selber gegönnt.
Dabei haben sie sich sogar den Generalfehler geleistet, ihrer verstaubten Mischung aus Staatsmonopolkapitalismus (Verstaatlichung von RWE, E.ON, der Schlüsselindustrien und Großbetrieben der Grundstoffindustrie), Sozialismus (Überführung weitgehender Gesellschaftsbereiche in die öffentliche Hand) und Keynesianismus (Zukunftsinvestitionsprogramm und öffentliches Beschäftigungsprogramm) überhaupt ein konkretes Menschenbild zugrunde zu legen, das auch mit der Lebenswirklichkeit und dem Selbstverständnis der Menschen im Land zu tun hat. Und so ist für dieses „Kurswechsel“ genannte Programm nichts bezeichnender, als die passagenlangen Abgrenzungen gegenüber dem „Nationalsozialismus“. Als ob dann doch eine Ahnung davon bestünde, dass ihr sozialistischer Nationalismus in seinem dirigistischen Politikverständnis im Grunde das gleiche Feld beackert und die gleichen blinden Flecken aufweist: Es fehlt ein zeitgemäße Vorstellung von Individualität (Ein Begriff, der in dem Programm gar nicht vorkommt) und Freiheit, der aber eben eine gemeinsame solidarische Basis nicht ausklammert.
Unklares Staatsverständnis
Denn diese Gesellschaft, auch die des klassischen Industriestandortes Nordrhein-Westfalen, hat sich in der Arbeitswelt, im Sozialen und im Kulturellen radikal individualisiert. Und es ist das Grundproblem der Wählerschaft der Linken, dass in diesem Umbruch für diese die überkommenen Institutionen der Industriegesellschaft nicht mehr funktionieren: Familie, Schule, Universität, Normarbeit. Gerade dort, wo die Linke besonders gut abschneidet, wie etwa in Duisburg oder Gelsenkirchen, ist ja gerade eine soziale Segmentierung zu beobachten, die eben konkrete und pragmatische Antworten verlangt, um Teilhabe und die Vergesellschaftung des Einzelnen neu zu organisieren, und wo solch ideologische Bekenntnisrhetorik einfach nur an den realen Bedürfnissen der Menschen und den politischen Erfordernissen über kurz oder lang vorbeigehen wird.
Darum ist dieses Wahlprogramm auch dort regelmäßig am stärksten, wo es von Selbstorganisation und garantierter Teilhabe und Zugängen redet – zu Bildung, Kultur, Mobilität etc. – und eben nicht den öffentlichen Dienst zum neuen Heilsbringer überhöht und sich dann auch noch in einem unklaren Selbstverständigungsprozess über das eigene Verhältnis zum Staat verliert („In einer sozialen und solidarischen Gesellschaft sollten Gerichte und Staatsanwaltschaften entbehrlich sein“). Denn es ist nicht das Verhältnis zum Staat, zu seinem Mehr oder Weniger, an dem sich eine sozial gerechtere und ökologischere Politik in Zukunft entscheidet wird, sondern es ist ein neues Verhältnis von Individualität und Solidarität, von Geldtransfers und öffentlichen Gütern, von emanzipatorischen bzw. dezentralen und autoritären bzw. zentralistischen Ansätzen, von materiellem und kulturellem Wohlstand, von Erwerbsarbeit und Nicht-Erwerbsarbeit sowie deren gemeinsame Neuorganisation.
Radikale Gesten ohne Basis
Diesbezüglich korrespondiert der Ökonomismus dieses Programms in seinen antiquiertesten Passagen weit mehr mit Ludwig Erhards Normarbeits- und Wachstumsgesellschaft der fünfziger und sechziger Jahre als es sich so mancher der Autoren wohl selber gerne eingestehen würde. Der dann dabei nur noch störende reale Umbruch der Arbeitswelt heute wird so einfach per Dekret abgeschafft: „DIE LINKE. NRW fordert: Die Abschaffung der prekären Beschäftigung in NRW“. Heraus kommt dann eine sozialistische Regelgesellschaft aus normierten, vom Staat rekonstruierten Arbeitsverhältnissen („Wir fordern eine neue Zeitverfügung und –verteilung“), bei der allerdings unterschlagen wird, dass das, was hier in einer enormen Anstrengung an Arbeitszeit und ökonomischen Werten umverteilt und reguliert werden soll, erst in einem Wertschöpfungsprozess entstehen kann, der zunehmend hochindividualisiert abläuft. Dass dann auch in einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen die Wirtschafts-, Sozial-, Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Umweltpolitik von der Regel- auf die Zielsteuerung umgestellt werden muss, will sie sich nicht im funktionalen Chaos eines aufgeblähten, intransparenten und letztlich unfinanzierbaren Staatsapparates verlieren, kommt dann im sozialistischen Universum der Autoren erwartungsgemäß nicht vor.
Bleibt dann noch die allseitige Forderung nach einer Demokratisierung der Verhältnisse im Staat und in der Wirtschaft (Wirtschaftsdemokratie), die allgemein betrachtet zwar vollkommen angebracht ist, die sich aber hier mehr als einmal wie eine nachgeschobene Legimitierung der eigenen sozialistischen Planungen liest. Es war ja schon immer ein Merkmal der extremeren Linken, dass besonders kleine Gruppen glaubten für besonders viele Menschen sprechen zu können. Darum bleibt festzustellen, dass sie momentan noch für sehr wenige in NRW sprechen, da sie sich im kommenden Jahr hier überhaupt zum ersten Mal einer Wahl für den Landtag stellen. Aber auch da hat die Parteispitze in ihrer konzeptionellen Unklarheit vorgesorgt und jeden Forderungskatalog gleich mit dem Satz: „Im Landtag NRW und außerhalb der Parlamente setzen wir uns ein“ eingeleitet. Es ist geradezu grotesk. Weder für eine wirkungsvolle APO, noch für einen derart radikalen Umbau des Landes hin zu sozialistischen Verhältnissen, hat diese Partei eine ausreichende Basis, nicht einmal in den eigenen Kreisverbänden, von denen nicht wenige in NRW politisch gar nicht handlungs- oder sprachfähig sind. Dort ist dann nicht selten das, was sich in der Landesspitze noch als revolutionärer Gestus deuten lässt, einfach nur noch Protest und Angst, das, was Oben das Versprechen der guten alten Arbeitswelt für alle ist, Unten nur noch ein verblasster Hoffnungsschimmer.
Rückzug aus ideologischen Motiven
Die Frage, ob es dann im Jahr 2010 tatsachlich zu eine Rot-Grün-Roten Regierung in NRW kommen könnte, hängt dann wohl auch wesentlich davon ab, ob die Parteiführung der Linken in NRW oder aber die Parteibasis bis dahin noch ein Verständnis dafür entwickeln werden, in welchen Punkten sie tatsächlich stark sein und ihre Wählerschaft vertreten könnten, oder ob sie sich lediglich weiter in einem für sich selbst gar nicht geklärten Konflikt zwischen klassenkämpferischer Kraftmeierei und einem trotzigen Zurückholen der alten Arbeitsgesellschaft üben wollen. Entweder Die Linke in Nordhrein-Westfalen entscheidet sich bald dafür, die Transformation dieser Gesellschaft im Ökologischen, in der Arbeitswelt, in der Bildungslandschaft und im Sozialen im Sinne ihrer Wähler politisch mitzugestalten, oder eben dafür, ihren fruchtlosen, weil nur noch theoretischen Konflikt zwischen Reform und Revolution weiter untereinander in ihrem Salon auszutragen.
Für eine ernsthafte soziale, emanzipatorische und ökologische Politik jedenfalls, hat dieser Landesverband der Linken nun aus offensichtlich ideologischen Motiven heraus eine Menge an Platz geräumt – selbst gegenüber der CDU, denn nicht einmal ein adäquates und realistisches Gegenkonzept zu deren Mindesteinkommen hat dieser hier entwickelt. Er verspricht einfach die gute Arbeit für alle in seiner Volksrepublik Nordrhein-Westfalen.
Dennoch ein Angebot unterbreiten
Was folgt nun daraus für SPD und Grüne für die kommenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen? Denn objektiv ist die Bilanz der CDU/FDP-Regierung insbesondere in der Bildungspolitik, in der Arbeitsmarktpolitik, bei der Armutsbekämpfung (Kinderarmut) und beim ökologischen Umbau mehr als dürftig, die Haushalte im Land und vielen Kommunen zudem aus den Fugen geraten. Es kann nur bedeuten, dass SPD und Grüne nun bis zur Landtagswahl der Landesführung der Linken dennoch ein politisches Angebot unterbreiten sollten, „eine gesellschaftliche Position gegen das Schwarz-Gelb-Modell aufzubauen“ (Dany Cohn-Bendit), das sich am Notwendigen und Durchführbaren und dabei aber auch an den Lebenslagen und berechtigten Interessen der Wählerschaft der Linken orientiert. Ökologische Gemeinsamkeiten mit Grünen und SPD gibt es glücklicherweise auch in diesem Programm der Linken.
Sollten diese sich aber nicht darauf einlassen und weiter in Fundamentalverweigerung gegenüber den „neoliberalen Parteien“ verharren wollen, dann sollte dieses Angebot eben deren Wählerschaft unterbreitet werden. Dazu muss dann aber bei dieser wie auch bei der der Grünen vollkommen klar sein: Nach dieser Wahl wird es in Nordrhein-Westfalen kein Schwarz-Gelb mehr geben, auch nicht mit den Grünen. Dabei geht es noch nicht einmal um Lager. Es geht um eine klar definierte Alternative zur Regierung Rüttgers/Wolf. Im Frühjahr 2010 werden sich die NRW-Grünen daher auf ihrem Parteitag entscheiden müssen, ob sie den Wählerinnen und Wählern in diesem Land überhaupt eine wirkliche Wahl lassen wollen.
Robert Zion ist Grünen-Politiker aus NRW.
Siehe auch in der taz: Jenseits des Saarlandes
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"Nach dieser Wahl wird es in Nordrhein-Westfalen kein Schwarz-Gelb mehr geben, auch nicht mit den Grünen."
Natürlich nicht, iss klar. |
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Darum schreibe ich ja: "Im Frühjahr 2010 werden sich die NRW-Grünen daher auf ihrem Parteitag entscheiden müssen, ob sie den Wählerinnen und Wählern in diesem Land überhaupt eine wirkliche Wahl lassen wollen."
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schrieb am
15.10.2009 um 16:56
"in diesem Land überhaupt eine wirkliche Wahl lassen wollen"
taktisch sicher, aber hinter sucht man sich strategisch den "besseren" Partner für DEN "Politikwechsel", statt vielleicht mal (Selbst-)Bewußt in die Opposition zu gehen. |
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Ist der gesamte Text schon mal als Hinweis zu verstehen, dass man vor der Wahl ausdrückt, man suche nach der optimalen Partner für die Durchsetzung eigener Interessen. Das kann danach "Die Linke" nicht sein, die ?PD wird zu schwach bleiben und hoffentlich die FDP nicht zu stark?
Quo vadis GRÜNE ist nach dem Saarland an sich keine Frage mehr - sie ist klar beantwortet. Die Richtung ist Bürgerliche Öko-Liberale - das geht mit Links (also sozial fair) generell nicht zusammen. Offen ist lediglich das Innere GRÜNE Spaltungspotential. |
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Kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Dann warten wir mal ab, wie's sich entwickeln wird, das Spaltungspotential. Momentan machen sich die Grünen ja selbst überflüssig, denn Grün ohne grüne Inhalte, da bleibt dann am Ende die FDP übrig.
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Lieber misterL
Was ist daran verwerflich, vor der Wahl auszurücken, dass man einen "optimalen Partner für die Durchsetzung eigener Interessen" sucht? Zumal ich ja auch beschrieben habe, was diese sind, eben "eine ernsthafte soziale, emanzipatorische und ökologische Politik" und "eine klar definierte Alternative zur Regierung Rüttgers/Wolf"? Das Saarland hat garnichts entschieden, außer dass sich ein winziger grüner Landesverband dafür entschieden hat, seine Politik nach der nächsten Wahl in der APO fortzusetzen. Wetten? |
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schrieb am
14.10.2009 um 22:32
Lieber Robert
Ich wette dagegen und gehe davon aus der selbsternannte Arbeiterführer an Rhein und Ruhr wird zusammen mit der FDP und wenn sie zur Mehrheit notwendig werden NRW Grünen gemeinsam in Jamaika vor Anker gehen wollen und werden. Hat zwar jetzt konkret nix damit zu tun. Dennoch als Hintergrundverständnis. Ich kann mich noch an persönlich aktive Grüne Zeiten erinnern wo man selbst (trotzdem wiederaufgestellten) Stadratsleute der Grünen schon damals bekundeten, dass sie lieber mit Honorationen Tennis spielen würden, um Ziele zu erreichen als sich mit der damaligen noch existeten SSW (ableger der SSK) auch nur zu unterhalten. Diesen Geist hat es in den späten 80er gegeben und seit dem ist man bei Grüne nicht nach links gerückt. Wann immer ein neues bürgerliches Türchen aufgemacht wurde bei Grünen wurde es in der Folge konsequent genutzt, wenn möglich. Nein, ich glaube den Grünen nix mehr, wenn es um taktisches Handeln geht. Du/Ihr habt mich in den auslaufenden 80ern schlicht verloren. Nimms gelassen misterL |
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... Dennoch ein Angebot unterbreiten! Was heißt hier dennoch ... haben wir LINKE bei den Grünen nun eine gemeinsame Vision oder nicht? Finden wir nicht auch gemeinsam, dass dieses turbokapitalistische, marktliberale Handeln unter dem Feigenblatt der sozialen Marktwirtschaft überwunden werden muss? Also weshalb der lange Artikel, bis Du zum eigentlich Wesentlichen kommst? Du zitierst Dany (Dany Cohn-Bendit) das mache auch sehr gerne: "Stattdessen müssen gerade Grüne und Linke ab sofort einen alternativen Entwurf aufbauen" und "Jede der drei Parteien (Grüne/LINKE/SPD) bringt bestimmte Inhalte ein, und über diese sollte es im Vorfeld der Wahl eine breite gesellschaftliche Debatte geben, an der Gewerkschaften, Umweltverbände, Bürgerinitiativen und Migrantenorganisationen beteiligt sind. Dann wird die alternative Mehrheit zwar nicht selbstverständlich, aber eine reale Option." Das ist auch meine Meinung. Wir brauchen eine wirkliche Alternative! Wir sollten auch nicht dem "bürgerlichen" Gefasele auf den Leim gehen, wonach die Zeit der Lagerwahlkämpfe vorbei sei, dies ist ein Wunschgedanke der Bourgeoisie! Wir brauchen auch keine grün/liberale "Wirtschaftskompetenz" die ergibt sich aus sozial/ökologischen Ideen, die wir ja im NewGreenDeal beschrieben haben! So und nun die Arschbacken zusammen kneifen und Schwarz/Gelb in NRW das fürchten lernen! Mit grün/sozialistischen Grüßen!
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Dabei haben sie sich sogar den Generalfehler geleistet, ihrer verstaubten Mischung aus Staatsmonopolkapitalismus (Verstaatlichung von RWE, E.ON, der Schlüsselindustrien und Großbetrieben der Grundstoffindustrie), Sozialismus (Überführung weitgehender Gesellschaftsbereiche in die öffentliche Hand) und Keynesianismus (Zukunftsinvestitionsprogramm und öffentliches Beschäftigungsprogramm) überhaupt ein konkretes Menschenbild zugrunde zu legen, das auch mit der Lebenswirklichkeit und dem Selbstverständnis der Menschen im Land zu tun hat.
Könntest du diese Passage genauer ausführen. Was verstehst du genau unter einem konkreten Menschenbild, dass mit der Lebenswirklichkeit der Menschen zu tun hat? Willst du Abwehrkämpfe gegen die soziale Lage in den Mittelpunkt stellen, weil du weitergehende Ziele für nicht vermittelbar hältst oder oder oder? |
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Lieber Robert,
In der Tat kann man über Details des Programmentwurf diskutieren. Aber gerade die von Dir angesprochenen Passagen sind es nicht. Seit Jahren nun wiederholen sich die Rituale - es wird immer gesagt wer alles tot ist. Keynes, der Staat, das Wachstum. Ein paar Fremdwörter wie Postfordismus und das war es dannn. Das ist denkfaul und Wirtschaftsesoterik für Anfänger . Wo sind die Antworten? Ist der Green New Deal nicht etwa ein Bekenntnis das Keynes doch nicht so tot ist wie DIE GRÜNEN lange behaupteten ? Und ist Dir bekannt das Keynes sogar Ideen für die lange Frist entwickelt hat - wenn die Wachstumsdynamik nachlässt - nämlich Investitionslenkung (bzw. demokratische Kontrolle von RWE) ? Lässt sich Wachstumsverzicht politisch verordnen, löst er überhaupt ökologische Probleme (wir lassen in China alles wie es ist...) oder bedarf eine ökologische Wirtschaft nicht der Steuerung (wie im Berliner Programm der SPD ?) Du rufst das Ende der Arbeit aus und schimpftst auf die Liebe zum Staat. Ein Grundeinkommen o.ä. würde zumindest eine sehr hohe Staatsquote erfordern. Und hat das nicht mehr mit der "Lebenswirklichkeit" von Akademikern als mit der von entlassenen Opel-Arbeitern zu tun, für die Arbeit auch immer Teilhabe am sozialen Leben bedeutet. Lässt sich die Energiewende und die Rekommunalisierung der Energieversorgung gegen den Willen von RWE vollziehen. Gibt es im Bereich natürlicher Monopole wie der Energieversorgung überhaupt wettbewerbliche Lösungen? Und wofür stehen nach Saarland eigentlich DIE GRÜNEN? Beste Grüße, Fabio |
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Die Grünen sind mittlerweile die bessere FDP!
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schrieb am
13.10.2009 um 21:12
Verzeihe ein paar Präzisierungen...:
"entlassenen ...Arbeitern zu tun, für die Arbeit auch immer Teilhabe am sozialen Leben bedeutet" ist es leider nicht. Arbeit ist die verinnerlichte Grundvoraussetzung für soziales Leben. Es wäre die Aufgabe von "Der Linken", der "SPD" und den GRÜNEN eine Vision einer sozialen Gemeinschaft zu entwickeln, die sich nicht über den Besitz eines bezahlten Arbeitsplätzes in Fremdbestimmung definiert. Jene ist ein Auslaufmodell. Die Annahme, Bildung für alle wird das Problem lösen ist ein Trugbild. Natürlich ist Bildung wichtig - für alle. Aber dennoch werden nicht alle Akademiker höchster Qualität. Sollten sie es werden, fehlt es an Jobs für so viele und keiner fährt mehr Taxi. OK, das war etwas Sarkasmus. Allerdings geht mir die Bildungsdebatte als Voraussetzung für Arbeit für alle - Vollbeschäftigung auf die nerven. Mit jedem neuen Technologieschritt, wird produktive wie verwaltungsarbeit automatisiert, überflüssig oder an die Kunden gegen Gebühren ausgelagert (Internet-Banking als ein Beispiel). In Japan wird an Pflegerobotoren gearbeitet für in der Sache leichte Aufgaben in Krankenhäuser und Pflegestellen. In der VR China selbst (lt. Rifkin - Zukunft der Arbeit) wird selbst bei den miesen Arbeitsbediengungen dort rationalisiert, um Produktionskosten zu sparen. Je technisch Fortschrittlicher unser Wirtschaftssystem funktinoiert, um so drängender wird die Umsetzung in reale Gesellschaft eines solchen Modells. Dass es nicht morgen in NRW Tagespolitik wird, ist ebenso selbstverständlich wie die Notwendigkeit, diese Visionen nicht aus den Augen zu verlieren im Machtkampf um Scheinverantwortung. Wer hier Ausgrenzung betreibt verhindert jede Entwicklung jener Visionen. Wer es mit dem Querverweis auf missliebige Personen auf der anderen Seite betreibt, bewegt sich ausserhalb jeder politischen Verantwortung bzw. sollte keine bekommen. |
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schrieb am
13.10.2009 um 21:15
Man fasse oiges als Wutrede auf mit dem Hintergrundbegriff: "Politikwechsel".
Die GRÜNEN haben jedwede Grundlage diesen Begriff zu verwenden mit der Saarlandentscheidung verloren. |
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Deine Kritikpunkte sind eher mehr-als wenig-zutreffend.
Geht es nicht aber darum den Gestaltungscharakter,den das Grundgesetz zuläßt,einer politischen Neuausrichtung bewußt zu machen? Vom Kapitalismus als unveränderbarem Dogma steht darin nämlich nichts! Regt das Programm nicht vielmehr dazu an,sich über andere -bspw. sozialistische- Alternativen zu informieren,zur Bewußtseinsbildung der Bürger diesen Landes beizutragen? |
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Zur Bewußtseinsbildung-auch deiner-wäre es nicht schlecht,wenn du dir mal die bisher herausgebrachten Marxistischen Blätter 2009 einverleiben würdest.
Abgesehen vom vielleicht "abschreckenden Titel" wirst du positiv überrascht werden,was da alles an Möglichkeiten erkannt und "wissentschaftlich"(in Anführungszeichen deshalb,weil es im klassischen Sinne keine Wissentschaft ist,da sich Theorie und Praxis-um es mal einfach auszudrücken-überschneiden. Viel Spaß beim lesen (zu beziehen über Neue Impulse Verlag Essen) |
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Herr Zion,
lesen Sie doch spaßeshalber mal hier nach: www.freitag.de/community/blogs/streifzug/lafontaine-trifft . Und bitte hören Sie auf, uns hier mit Ihren Tiraden gegen die "Linke" aus grüner Perspektive zu langweilen. Man kann daran nämlich fühlen, was Sie zu diesen treibt, nämlich die berechtite Angst, daß die Grünen von der "Linken" in die verdiente politische Bedeutungslosigkeit gedrängt werden. Grün soll zwar die Hoffnung symbolisieren, für Grüne aber, die bei Anblick von Erfolgen der Roten gelb vor Neid werden, kann man ja nur noch schwarz sehen. |
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Werter Robert Zion,
solch ein Programm der Linken kann man als grüner NRW-Politiker einfach nicht hinnehmen. Enthält es doch nicht nur eine "misslungene und altbackene Synthese aus Vorstellungen marxistisch-leninistischer Gruppen, Industriegewerkschaften und SPD". Ja ja, sie geißeln diese "Planspiele aus dem sozialistischen Salon", erkennen scharf "radikale Gesten ohne Basis" zumal letztere ohnehin oft "politisch gar nicht handlungs- oder sprachfähig" sei. Am härtesten aber dürfte die linken Programmautoren getroffen haben, als Sie ihnen mutig entgegen schleuderten: „Zwei mal drei macht vier, widde widde witt und drei macht neune. Ich mach' mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.“ Weiter so, Robert Zion. Endlich mal ein Grünen-Politiker, der sagt, wie's ist. In den 90-er Jahren war ich auch mal kurz bei den Grünen. Ich entfloh der Partei dann mit Brechreiz (Kriegseinsätze, Fischer usw...). Aber damals fehlte den Grünen in NRW noch eine Koryphäe wie Sie. Grüße aus Jamaika |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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