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Heute kam die Meldung, dass alle Parteien im Jahr 2011 starke Mitglieder-Verluste erlitten haben, an erster Stelle die FDP. Nur die Grünen hatten Gewinne.
Das Volk ist nicht so dumm, wie es verkauft wird. Es glaubt den Parteien nicht mehr, was auf ihren Fahnen steht. Es glaubt der CDU nicht mehr, dass sie christlich ist und der SPD nicht mehr, dass sie sozial ist. Und die FDP kriegt zu spüren, dass die Idee des Liberalismus längst ausverkauft wurde.
Der Neo-Liberalismus ist die Ursache für die Umverteilung. Der Politik wird angelastet, dass sie das nicht verhindert hat.
Die Christdemokraten hätten es aus Gründen der christlichen Nächstenliebe und die Sozialdemokraten aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit verhindern müssen. Den Liberalen ist das nicht vorzuwerfen, sie haben gewonnen, aber sie haben durch den Neo-Liberalismus die Basis unter den Wählern verloren, denn die Gewinner sind wesentlich weniger als drei Prozent der Bevölkerung.
F.D.P. = Fast drei Prozent.
Die Liberale Partei ist durch den Neo-Liberalismus überflüssig geworden. Der Entertainer Guido Westerwelle, eine Zeit lang noch unterstützt durch Fallschirmspringer Möllemann, war in der Lage, mehr Stimmen zu ergattern. Diese Witz-Figuren hatten Unterhaltungswert. Man kann dem Guido nicht einmal vorwerfen, dass er Außenminister geworden ist, dafür ist Merkel verantwortlich.
Die schwarz-gelbe Koalition. Ein Anachronismus aus der Zeit vor 50 Jahren. Sie zeigt wieder einmal, wie fragwürdig die Koalitionsbildungen sind und damit die Fraktionsdisziplin und all diese Mechanismen, die nicht in der Verfassung verankert sind. In Ländern wie Italien oder Belgien ist das noch viel schlimmer.
Der Fehler der Verfassung ist, dass sie diese Mechanismen nicht verbietet, dass sie zwar die Demokratie verkündet, aber nicht verlangt, dass die Parteien selbst demokratisch sind. Innerhalb der Parteien herrscht keine Demokratie, sondern Diktatur, bestenfalls Oligarchie. Das gilt ganz besonders für CDU und SPD und in der Grünen Partei hat es sich auch weitgehend durchgesetzt.
Der Fehler liegt also im System, es leigt an der Verfassung, die es duldet, dass Parteien mit demokratischen Programmen auftreten, intern aber Diktaturen gleichen. Das beste Beispiel dazu ist die uneingeschränkte Herrschaft von Helmut Kohl über die CDU. Jahrzehnte lang. Und Merkel ist seine gelehrige Schülerin.
Auch wenn die Chancen, eine neue Verfassung einzuführen, wie es das Grundgesetz für den Fall einer Wiedervereinigung vorgeschrieben hat, sehr gering sind, sollten wir dieVerfassungsfehler schon einmal festhalten, damit, wenn es einmal dazu kommt, dass dann die Fehler behoben werden.
Dass es nicht leicht dazu kommt, das garantieren die etablierten Parteien.
Die Position dieser Parteien und ihrer Führung ist viel zu stark. Unkontrollierte Macht. Sie entscheiden über viel zu viele Karrieren und kleinere Pöstchen. Sie werden mit Steuergeldern alimentiert. Sie garantieren nicht die Demokratie, sondern die Kungelei. Und diese Kungelei gipfelt in den Koalitions-Verhandlugngen hinter verschlossenen Türen, an denen nur wenige Figuren beteiligt sind .
Die nächste neue Partei, die das alles noch nicht mitgemacht hat, die noch keinen Fraktionszwang und keine Koalitions-Disziplin kennt, die sieht dann immer am besten aus. Das waren einmal die Grünen, jetzt sind es die Piraten. Genau das zeigt, dass der Fehler im System liegt und nicht in den Partei-Programmen oder bei den Mitgliedern.
Die Partei-Mitglieder ganz unten sind genau so betrogen wie die Wähler, eigentlich noch mehr, weil sie sich engagieren wollten und dafür Beiträge gezahlt haben. Damit ist jetzt Schluss.
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FDP: bei den nächsten Bundestagswahlen: fast drei Promille.
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Wenn ich es richtig sehe, verlieren Parteien Mitglieder durch Demographie, nicht durch Austritte. (Dies im Gegensatz zu den Kirchen die Mitglieder durch Austritte verlieren). Nun finden Sie das nicht weiter schlimm, sondern ganz richtig, denn über eines sind Sie sich ja sicher, Parteimitglieder sind Schufte, und ihre Vormänner und -frauen sowieso. Das steht für Sie fest.
Insofern dürfte ja der Rückgang auf Ihr Wohlgefallen stoßen. Ich sehe das so: Der Rückgang der Mitglieder beruht darauf, dass nach Jahrzehnten der Verächtlichmachung des Politischen und der Politiker - ein Tradition in Deutschland, die sehr weit zurück reicht - die Saat nun aufgeht, die nachwachsende Generation geht jetzt mit einer festgefassten Meinung an die Sache: Engagement in der Politik - niemals, Meckern über Politik - immer. Diese Einstellung wird das Politische, das es nun mal in irgendeiner Form geben muss, sehr schwierig machen, ich will nicht unken, aber wohl ist mir nicht dabei, wenn Sie die Piraten als die Rettung darstellen. |
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Was die nachwachsende Generation angeht teile ich Ihre Meinung nicht. Da gibt es schon ein hohes Potential für Engagement, aber eben nicht mehr in den traditionellen Organisationsformen. Es sind ja durchaus alternative Aktionsformen zu den etablierten Parteien denkbar und sie werden auch ausprobiert. Man muss allerdings eines den Parteien zugestehen: wer in einer Partei politisch sozialisiert wurde, verfügt über ein nicht geringes Maß an organisatorischem Wissen und das sollten wir nicht unterschätzen.
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„Der Fehler liegt also im System, es liegt an der Verfassung, die es duldet, dass Parteien mit demokratischen Programmen auftreten, intern aber Diktaturen gleichen.“
Im Kampf um die Macht wird es wohl niemals ein System geben, welches keinerlei Mängel ausweißt. Fraktionszwang oder Disziplin, eben all die internen unvermeidlichen Abhängigkeiten, wie will man diese nur allzu menschlichen Verhaltensweisen für immer eliminieren. Wollen sie in die Verfassung schreiben, dass es unter Parlamentariern - etwa noch bei Strafe verboten ist - zukünftig Grüppchen/Interessensgemeinschaften zu bilden, sich also zusammenzutun, aus was für Gründen auch immer. Das kriegen sie in der Realität nie gebacken, das ist einfach utopisch. Und die Tatsache, dass sich bei fraktionsinternen Abstimmungen im Parlament unterlegene Minderheiten fraktionsinternen Mehrheiten beugen müssen, das wird man wohl nicht als diktatorisch bezeichnen können. Im Übrigen: Ein Abgeordneter hat ja immer noch die Möglichkeit sein freies Mandat jederzeit niederzulegen. |
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Vermutlich hat das alles ganz viele Gründe. All die, die oben schon bezeichnet sind, gewiss auch. AUch dass von jungen Menschen nach neuen Formen gesucht werden muss, weil die Veränderung im Wesen der Dinge liegt.
Aber vielleicht kommt noch etwas ganz anderes hinzu, dass so überhaupt nicht politisch ist, sondern mehr psychologisch bedingt - aber politisch stark auswirkt: Das veränderte und sich immer weiter verändernde Individuum. Der Mensch von heute (trotzdem erin so manchen Bereichen gleichen Unsinn noch verzapfen mag) ist nicht mehr mit dem Menschen vor 50 oder 100 Jahren vergleichbar. Da sind so enorme andere Bedürfnisse gewachsen, die eben auch in solche Bereiche mit hineinspielen. Das alles nur unter Egoismus abzuhaken, würde dieser Entwicklung nicht gerecht - wiewohl auch der Egoismus natürlich eine große Rolle spielt und er als Übergangsform zu einer Entwicklung zur Weisheit gewiss unverzichtbar ist. Gibt es keine Untersuchungen, die über die Veränderung des Menschen in psychologischer Hinsicht Handfestes aussagen, dass in diesem Zusammenhang durchaus von Relevanz ist? Und wenn ja, wissen das die Parteien und Organisationen? Und wenn ja, arbeiten sie denn auch damit so, dass dieses Engagement eben kein interner Ellbogenverein um Pöstchen und Karriere ist oder wird, sondern etwas, wo Arbeit auch Sinn vermittelt und Freude macht - wo sich das Individuum, das langsam (sehr langsam) aus seinen egoistischen Verstrickungen heraus wächst, angenommen, in seinen indiv. Talenten gefördert und verstanden fühlt? Wenn die Entwicklung des rudimentären, sich selbst zunächst existentiell sichernden Menschen über den Egoisten, das Individuum hin zur Individuation geht, dann stecken wir derzeit noch ziemlich tief unten im Graben (die individ. Unterschiede dabei beachtend, die sich dennoch zeigen!). Und die Bereitschaft zum freudigen WIR-Erleben, zur Gruppen- oder Kollektivkompetenz ist ja erst das Meisterstück, das für die Masse noch in weiter Ferne liegt. Bis dahin hat man zu kämpfen. Damit ein solcher Kampf aber nicht nur ein Wild-Umsich-Schlagen wird, sondern in eine gesunde und kluge Entwicklung führt, wäre es notwendig, über das innere Wachsen des Menschen an sich viel mehr zu wissen als bisher und dieses Wissen auch anzuwenden. Einzelne Menschen sind da immer schon weiter als die Masse und zeigen uns durch ihr gutes Beispiel, dass es geht - und dass die natürlichen niederen Neigungen des Egoismus auch nach und nach überwindbar sind - zum Nutzen aller, der wieder zum Nutzen des Einzelnen wird. |
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Wie unschwer aus meinem Spruch
"Jetzt oder nie, Direkte Demokratie" zu erkennen ist, bin ich für mehr Demokratie. Dem stehen die real existierenden Parteien mehr im Wege als das Parlament. (Dass ich für die Piraten Reklame machen würde, ist ein Lesefehler.) Ideale Zustände kann man&frau nur erträumen, nicht konstruieren. Mehr Demokratie kann man&frau da erreichen, wo es hapert und eins der großen Defizite ist die innerparteiliche Demokratie. Es hat sich ein Neo-Feudalismus breit gemacht, der vielen gefällt, der aber nicht zu einer beweglichen und einsichtigen Politik führt, sonst hätten wir die ja. Die Verfassung sollte vorschreiben, wie transparent und demokratisch Partei organisiert sein müssen. Genau wie das für die Parlamente vorgeschrieben ist. Es wird immer Kungeleien geben, aber durch das Gebot von Transparenz und von demokratischen Abstimmungen kann sie stark eingeschränkt werden. Z.B. bei der Vergabe von Listenplätzen und bei Vorstandswahlen, insbesondere dem Vorschlagsrecht. Es gibt noch einen Punkt, der sehr gegen das Parteiensystem spricht. Sagen wir, ein junger Mensch will sich politisch betätigen. Er will sich aber nicht gleich auf die Linie einer Partei festlegen, weil keine ihm genau zusagt. Was kann er tun? Nichts. Die Parteien haben das Monopol für die Eintrittskarten ins politische Leben. Das ist auf lange Sicht der größte Fehler und er wird um so größer, je älter und unbeweglicher die Parteien sind. Das zeigt sich besonders an der SPD. Sie zieht Nachwuchs an, deren Eltern und Großeltern schon in der SPD waren. So sammeln die Parteien Mitläufer, Opportunisten und Staatsdiener, die nebenbei politisieren wollen. Engagierte Demokraten stoßen sie ab. Die Parteien zu schwächen gegenüber den Bürgern, ihren Mitgliedern und den Abgeordneten, sie zurückzudrängen, das wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Das Volk will das bewusst oder unbewusst. Strenge Transparenz und demokratische Statuten zu verlangen, wäre der nächste Schritt. Es kommt weniger auf die Programme an (Papier ist geduldig) und mehr auf die internen Spielregeln. Partei-Diktatoren wie F.J. Strauß und Helmut Kohl sollte es nie mehr geben. Auch das Ein-Parteien-System in Bayern gehört abgeschafft. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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