Rogue

Schurke im Recht

15.11.2011 | 21:29

Naziterror: Gepennt wird nicht

Wider den unsinnigen Appell, man möge doch endlich aufwachen angesichts der von Nazis verübten Gewaltakte.

Seitdem bekannt geworden ist, dass eine braune Terrorzelle für zahlreiche Morde in den letzten Jahren verantwortlich ist, hört man allenthalben, die Gesellschaft und/oder die Politik möge doch endlich "aufwachen" und entschlossen gegen den Rechtsextremismus [1] vorgehen. Außerdem ist von einem bösen "Erwachen" der Sicherheitsbehörden zu lesen, die ja scheinbar nicht fähig gewesen seien, dem Phänomen angemessen zu begegnen.

Was ist von einem derartigen Bild zu halten? Ja, schlafen denn alle? Bürger_innen, Politiker_innen, Polizei, Verfassungsschutz? Die müssten doch alle endlich mal aufwachen.

An der Verwendung dieser sprachlichen Bilder lässt sich ablesen, wie kurz das Verständnis von den Verhältnissen ist, und zwar das Verständnis derer, die diese Bilder verwenden. Diese Metapher vom Schlaf, der da alle vermeintlich befallen habe, trifft es nicht. Das sind durchaus lebendige Menschen in dieser Gesellschaft, die tagtäglich handeln. Und sie reproduzieren permanent die Verhältnisse und somit auch den Rassismus, der diesen eingeschrieben ist. Da muss man nur mal Migrant_innen nach ihren täglichen Diskriminierungserfahrungen fragen.

Die Bürger_innen schlafen nicht. Sie machen ausländerfeindliche Sprüche, wenn ihre geliebte deutsche Nationalmannschaft spielt. Sie pflichten einem Sarrazin bei, der ja endlich mal ausspreche, was so viele denken. Sie duzen ungefragt Migrant_innen, wenn sie sie auf der Straße treffen. Sie vermieten ihnen keine Wohnung, stellen sie nicht in ihrer Firma ein. Sie lassen sie nicht in die Diskothek. 

Die Politiker_innen schlafen nicht. Sie führen Gesinnungstests ein für Initiativen gegen Rechts. Sie schwadronieren über ein NPD-Verbot, als sei die NPD die Ursache rechter Gewalt. Sie reden über die ökonomische Nützlichkeit von Zuwanderung, da dem Standort Deutschland sonst wichtige Fachkräfte fehlten. Sie verabschieden Gesetze, auf deren Grundlage Menschen abgeschoben werden in Länder, in denen sie ihres Lebens nicht sicher sind. Sie bauen Europa zur Festung aus, sodass täglich Menschen sterben bei dem verzweifeltem Versuch, die Festungsmauern zu überwinden. Sie verhandeln mit korrupten Regimes außerhalb der EU, auf dass diese die "Flüchtlingsabwehr" übernehmen.

Die Polizei schläft nicht. Sie praktiziert "ethnic profiling" und schikaniert damit täglich Migrant_innen, indem sie vermehrt solche Menschen Kontrollen unterzieht, die in ihr Raster vom Ausländer passen. Sie übernimmt Aufgaben für die EU-Grenzschutzagentur FRONTEX, die Beamt_innen als mobile Einsatztruppe an den EU-Außengrenzen zur "Migrationsbekämpfung" einsetzt. Sie geht repressiv gegen antifaschistisches Engagement vor, indem sie Aktivist_innen schikaniert, kontrolliert, einkesselt, festnimmt, mit Verfahren überzieht.

Der Verfassungsschutz schläft nicht. Er überwacht antifaschistische Initiativen, weist diese regelmäßig in seinen Berichten aus und ermöglicht weitere Repression. Er deckt faschistische Gewalttäter, die als V-Leute für ihn arbeiten.

An Schlaf ist nicht zu denken, gepennt wird nicht. Es wird gehandelt, täglich, von jeder/m. Wer meint, irgendjemand müsse jetzt endlich aufwachen, sollte sich selbst über die eigenen Verstrickungen klar werden. Reflexion wäre ein Anfang, z.B. über derartige sprachliche Bilder. [2] Lektüre kann auch nicht schaden. Allen, die gerade so empört und schockiert sind, sei u.a. empfohlen, regelmäßig einen Blick in die wöchentliche Rubrik "Deutsches Haus" in der Jungle World und die monatliche Chronik "No-go-area Deutschland" der Konkret zu werfen. Wer dagegen einlullende Gute-Nacht-Lektüre braucht, sollte sich eine bürgerliche Zeitung mit ins Bett nehmen, am besten mit Zitaten von Politiker_innen, die wieder einmal rechte Gewalt verharmlosen, oder Günther Jauch gucken. Gute Nacht!

 

[1] Zunächst sollte man sich über häufig unreflektiert verwendete Begriffe wie "Rechtsextremismus" klar werden, um nicht wieder und wieder in die Extremismusfalle zu tappen.

[2] Vor allem wäre es nötig, das ständige Gerede von "Döner-Morden" zu unterlassen. Die Opfer werden hier in ekelhafter Weise herabgesetzt, dass es schon an Menschenverachtung grenzt.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2011 um 08:09
>>Naziterror: Gepennt wird nicht<<

Wie es aussieht wurde ganz klar bei der Bekämpung Rechtsradikaler nicht nur gepennt, sondern diese seitens des Verfassungsschutzes sogar gefördert!

>>Da muss man nur mal Migrant_innen nach ihren täglichen Diskriminierungserfahrungen fragen.<<

Bei Migranten, vor allem türkische in Berliner Schulen, darf auch nicht gepennt werden.
Diese äußern sich mittlerweile häufiger rassistisch gegen deutsche Mitschüler, als umgekehrt!
Außerdem sind Migranten überproportional kriminell in Deutschland.
Ich erinnere dazu an den Miri-Clan in Bremen und an weitere kriminelle kurdische Clans in Berelin und Essen sowie an sogenannte Intensivtäter, die fast ausnahmslos Migranten sind bzw. einen Migrationshintergrund haben.

>>Sie (Politiker) reden über die ökonomische Nützlichkeit von Zuwanderung, da dem Standort Deutschland sonst wichtige Fachkräfte fehlten.<<

Mit Verlaub, das ist völliger Schwachsinn.
Vor allem islamische Zuwanderer sind keine Fachkräfte, sondern meistens schlechtr ausgebildet und beziehen überproportional Hartz-4 bei uns.

Herr @Rogue, in Ihrem Blogbeitrag fehlen Hinweise, dass es auch notwendig ist, Linksradikalismus zu bekämpfen.
Ansonsten machen Sie einen Diskurs über Faschismus, Migration und schlafende Politiker etc..
Deshalb ist an Ihrer Objektivität zu zweifeln!

Die Politik hat nämlich die Aufgabe (auch gemäß Amtseid) sich zum Wohle des Deutschen Volkes einzuzsetzen.
Das heißt natürlich gegen Radikalismus, sei er links oder rechts ausgerichtet und natürlich auch gegen Rassismus, besonders wenn er von Hartz-4 beziehenden Migranten gegen Deutsche geäußert wird!
Rogue schrieb am 16.11.2011 um 14:19
Als ob es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte ... Allerdings sollten Sie sich nicht "Kritiker01" nennen, Kritik ist Ihr Geschreibsel mitnichten. Eher passt die Chiffre Q.E.D.

Mit Verlaub, das ist völliger Schwachsinn.

Sie lassen es an Präzision fehlen. Um eine Aussage als schwachsinnig zu bezeichnen, müsste sie dem Autor zugerechnet werden können. Dass Zuwanderung ökonomischen Zwecken dienen soll, wird von der Politik ständig betont. Schauen Sie mal in Ihre bürgerliche Zeitung.

... in Ihrem Blogbeitrag fehlen Hinweise, dass es auch notwendig ist, Linksradikalismus zu bekämpfen.

Tatsächlich?

Deshalb ist an Ihrer Objektivität zu zweifeln!

Echt? Na sowas. Denken Sie drüber nach. Und lesen Sie den Text noch einmal. Oder auch 15mal. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob dieser Rat nicht eigentlich sinnlos ist.

Die Politik hat nämlich die Aufgabe (auch gemäß Amtseid) sich zum Wohle des Deutschen Volkes einzuzsetzen.

Naja, wenn Sie das sagen, dann soll die Politik das auch mal ganz schnell machen. Nazis sind ja auch irgendwie schlecht für Deutschland.

m(
pedrei56 schrieb am 16.11.2011 um 14:31
Sehr geehrter Kritiker 01,
Ihr letzter Satz spricht Bände. Jetzt weiß ich, was Sie unter Rassismus verstehen... Aus solchen Medien wie dem "Freitag" entspringt Ihre "Objektivität" offensichtlich nicht. Also wenden Sie sich bitte wieder der Vierbuchstabenzeitung zu und kommentieren Sie dort. Deren Leser werden Ihnen nicht widersprechen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2011 um 15:07
@Rogue schrieb am 16.11.2011 um 14:19
>>Allerdings sollten Sie sich nicht "Kritiker01" nennen, Kritik ist Ihr Geschreibsel mitnichten. Eher passt die Chiffre Q.E.D.<<

Wen der Beweis gelingt, bin ich schon zufrieden.

>>Dass Zuwanderung ökonomischen Zwecken dienen soll, wird von der Politik ständig betont. Schauen Sie mal in Ihre bürgerliche Zeitung.<<

Genau deshalb liegt hier Schwachsinn vor.
Nämlich weil es einfach nicht stimmt, dass bei uns die Zuwanderung zu ökonomischen Vorteilen führt.
Im Gegenteil, bei uns führt die Zuwanderung zu ökonomischen Nachteilen.
Siehe auch die Studie hier von Prof. Birg, Bevölkerungswissenschaftler der Uni Bielefeld:

www.herwig-birg.de/downloads/dokumente/Gutachten-Muenchen.pdf

Die Ökonomischen Vorteile und die notwendige Verjüngung unserer Bevölkerung könnten bei uns gelingen, wenn wir ein vernünftiges Zuwanderungsgesetzt hätten, ähnlich wie in Kanada, Neuseeland oder wie es die USA haben.

Rot/Grün vor allem hat das aber verhindert, mit dem Ergebnis, dass überwiegend schlecht ausgebildete Armutsflüchtlinge nach Deutschland zuwandern!

>>... in Ihrem Blogbeitrag fehlen Hinweise, dass es auch notwendig ist, Linksradikalismus zu bekämpfen.
Tatsächlich?<<

Naja, eigentlich haben Sie meine Erwartungen damit voll erfüllt!

>>Naja, wenn Sie das sagen, dann soll die Politik das auch mal ganz schnell machen. Nazis sind ja auch irgendwie schlecht für Deutschland.<<

Typischer "Nazikeulen-Reflex".

@pedrei56 schrieb am 16.11.2011 um 14:31
>>Sehr geehrter Kritiker 01,
Ihr letzter Satz spricht Bände. Jetzt weiß ich, was Sie unter Rassismus verstehen... Aus solchen Medien wie dem "Freitag" entspringt Ihre "Objektivität" offensichtlich nicht. Also wenden Sie sich bitte wieder der Vierbuchstabenzeitung zu und kommentieren Sie dort. Deren Leser werden Ihnen nicht widersprechen.<<

Sehr geehrter Herr @pedrei56,
glauben Sie denn allen Ernstes, dass einseitiges informieren, zum Beispiel nur aus "derFreitag", zu höherer Objektivität beiträgt?
Ich informiere mich möglichst überall, aus der BLÖD, schon deshalb, damit ich auch den Mob verstehe.

In der gesellschaftspolitisch kritischen Community hier, wimmelt es offensichtlich von Kommentatoren, die sich offensichtlich sehr einseitig informieren.
Vielleicht sind meine Kommentare deshalb hier gar nicht so schlecht plaziert.
Wem nützt es denn etwas, wenn man nur alles nur einseitig linksliberal sieht, ohne andere Überlegungen anzustellen.
Lösungen sind gefragt!
Nicht nur Reflexe und das Schwingen von Nazi- und Rassismuskeulen!

Mit aufgeregten Diffamierungen und Durchbeleidigungen können Sie keinen Blumentopf zur Problembewältigung gewinnen!
Das gilt auch für @Rogue und diverse andere Kommentatoren hier! :-(
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2011 um 15:07
Wenn der Beweis gelingt ...
Rogue schrieb am 16.11.2011 um 15:58
Wen der Beweis gelingt, bin ich schon zufrieden.

Der Beweis gelingt, keine Sorge. Bereits bei ihrem ersten Kommentar. Und hier erneut. Dabei ist es eher erschreckend, dass Sie sich in der Rolle scheinbar wohlfühlen.

Typischer "Nazikeulen-Reflex".

Erneut mangelt es Ihnen an Präzision. Die typische "Nazikeule" ist was anderes.

... notwendige Verjüngung unserer Bevölkerung ...

... damit ich auch den Mob verstehe.

Lösungen sind gefragt!

... Problembewältigung ...

Ihre "Lösungen" und Arten der "Problembewältigung" möchte ich gar nicht kennen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.11.2011 um 16:13
@Rogue schrieb am 16.11.2011 um 15:58

Ist Ihnen vielleicht schon einmal aufgefallen,
dass jene Politiker/Parteien, die Ihre Ansichten vertreten, bei Wahlen bundesweit so um die 7 % , +/- 2 % herumdümpeln?!

Das liegt m. E. einerseits an den vorhandenen Scheuklappen und andererseits daran, dass man Denen/Ihnen nicht glaubt, demokratisch sein zu können.
Vorurteile und Diffamierungen ohne Ende.
Keine Lösungsfindungen in Sicht.
So wird das nichts!
Rogue schrieb am 16.11.2011 um 19:16
Huch, "Kritiker01" ist jetzt ein "Ehemaliger Nutzer"? Aus der Community geflogen wegen eindeutiger Kommentare?

... dass jene Politiker/Parteien, die Ihre Ansichten vertreten, bei Wahlen bundesweit so um die 7 % , +/- 2 % herumdümpeln?!

Als wäre etwas über den Inhalt einer Ansicht ausgesagt, wenn eine Partei sich diese zu eigen macht und damit haushoch Wahlen gewinnt. Wenn eine Partei fremdenfeindliche Aussagen (z.B. CDU: "Kinder statt Inder") im Wahlkampf macht und damit einer Mehrheit der Bevölkerung aus dem Herzen spricht, bleibt es fremdenfeindlich. Weitere Beispiele, gerne auch aus der Historie, mögen Sie sich selbst überlegen.
Hans Ambs 2.0 schrieb am 16.11.2011 um 17:22
Gut beschrieben, danke :-)

Mir kommt nur etwas zu Oft das "Die_xxx" vor.
Es ist meiner Ansicht nach wichtig auch bei Polizei, VS, Bürgerinnen, Bürgern und Politikerinnen und Politkern zu differenzieren. "Viele" wäre meiner Ansicht nach richtiger als "Die".

Das aber Rassismus seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik von großen Teilen der Politik, der Medien und der Bevölkerung gefördert, propagiert und ausgeübt wird, ist eine Tatsache, die nicht oft genug wiederholt werden kann.

Im Konkreten Fall der NSU muß m. E. der "neutrale Beobachter" nach derzeitiger Kenntnislage (und die ist dünn) mindestens von Unterstützung durch Staatsschutzleute (ach ne, sorry: Verfassungsschutz) und/oder Polizisten ausgehen.
Rogue schrieb am 16.11.2011 um 19:34
Ja, ich stimme zu, es gibt schon auch noch ein paar Antirassist_innen ... ;)
Rogue
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